Schiule Archive - Peter Gress

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Friseurin tätowiert beim arbeiten

Schule und Ausbildung

Wir diskutieren im Zuge der Ausbildungsplanung mal wieder über die Schule und ihre Aufgabe zur Vorbereitung der Jugendlichen auf das Leben, den Beruf, die Zukunft. Die Frage steht im Raum: Verlangen wir zu viel?

Arbeit soll Spaß machen und jeder braucht sie, um sich auszudrücken und im Idealfall daran zu wachsen. Nur leider bereitet die Schule die jungen Menschen nicht oder nur notdürftig auf die Arbeitswelt vor. Die Schule ist ausgerichtet auf maschinengleich zählbare Ergebnisse, das ist ein Ansatz aus der Industrialisierung, in der Gleichförmigkeit gefragt war.

Wenn die Kids in die Schule kommen sind sie noch unbefangen, kreativ und mutig. Das wird Ihnen durch die Konzentration auf messbare Ergebnisse und die ständige Konzentration auf ihre Schwächen ausgetrieben. Kreative Intelligenz, emotionale Intelligenz, musische Intelligenz, gestalterische Intelligenz, verbale Intelligenz – all das spielt in der Schulbildung eine untergeordnete Rolle, bzw. werden musische Fächer in vielen Schulen überhaupt nicht mehr auf den Stundenplan gesetzt. Zusätzlich presst das System die Kinder noch durch G8 und rupft auch die letzte Möglichkeit der Eigenerkenntnis wegen Zeitmangels aus. Was haben Kindern den Erwachsenen angetan, dass man sie so behandelt? Ich verstehe, dass die Jungen nach der Schule erst mal ein Jahr auf Reisen gehen müssen, um den ganzen Müll wegzuräumen, den man während der Schulzeit auf sie geworfen hat.

Das G8 wurde aus rein ökonomischen Gesichtspunkten eingeführt. Ich habe nicht das Gefühl, dass sich die Politik darüber Gedanken gemacht hat, ob die Verkürzung um ein Jahr auch pädagogisch und lernbiologisch sinnvoll ist. G8 ist nicht gut durchdacht. Der Stoff wird verdichtet, die Zeit zum verstehen fehlt, die Unzufriedenheit bei Schülern, Lehrern, Eltern und Ausbildern ist hoch. Der Einstieg ins Studium und den Beruf ist problematisch, weil die Reife der Schulabgänger zu wünschen übrig lässt. Und der Einstieg in den Beruf wird nahezu unmöglich, weil die Jugendlichen zu wenig Zeit hatten, um sich mit ihren natürlichen Anlagen auseinanderzusetzen und einen Berufswunsch zu definieren. Mittlerweile hat sogar die Wirtschaft, die ursprünglich auf die Einführung drängte, eingesehen, dass G8 der falsche Weg ist. Und erschwerend kommt hinzu, dass die Kinder einfach keine Zeit mehr für sich haben und dauerhaft einem immensen Druck ausgesetzt sind. Es fehlt die Zeit, um individuelle Begabungen zu finden, zu entwickeln, auszuleben und zu perfektionieren.

Die Schule sollte den Druck von den Kindern nehmen, ihnen Entwicklungschancen geben und nicht einem extremem Zeitdruck aussetzen. Lernen ist nicht nur eine oberflächliche Erfahrung, der ganze Körper ist eingebunden. Lernen muss erfahren werden können, Gedanken zum Lernstoff müssen sich entwickeln dürfen und es muss Reifezeit geben, damit sich die Lernerfahrungen dauerhaft festsetzen. Deswegen bin ich auch dafür, dass die Ausbildungszeit im Handwerk nicht verkürzt wird. Geistiges Wissen zu erwerben ist eine Sache, es in Können zu verwandeln, eine zweite. Dazu baucht es Zeit.

Als Ausbilder müssen wir uns Wege überlegen, wie wir dieser Situation entgegenwirken. Handlungen dazu werden darüber entscheiden, welche Betriebe zukünftig noch Auszubildende bekommen und welche nicht.

Ich freue mich über Kommentare zu diesem Thema.