Strategie für Anfänger - Peter Gress

Strategie für Anfänger

Hallo Strategen! Strategie ist zwar militärisch belegt, aber trotzdem auch für unsere Geschäfte unverzichtbar. Viele Selbstständig sind es nicht gewohnt, strategisch zu denken, sie machen ihren Job, und solange es gut läuft ist alles in Ordnung. Aber sobald sich die Wirtschaft eintrübt scheidet sich die Streu vom Weizen. Es fehlt an Mitarbeitern, an Zielen, an Ideen, an Spezialisierungen und leider oft auch an der Einsicht, dass man selber etwas tun muss und nicht darauf warten darf, dass jemand anders für einen die Probleme löst.

“Wenn Du selber den Arsch nicht hochbringst, bleibt Erfolg aus.”

In jedem Gespräch mit Handwerkern, Dienstleistern, Händlern kommt das Thema ziemlich schnell auf den Mitarbeitermangel. Genau hier tun die meisten Unternehmer viel zu wenig. Früher hat man eingestellt wenn man jemanden gebraucht hat. Das hat funktioniert, weil immer Fachkräfte da waren. Heute gibt es keine Fachkräfte mehr, die guten haben ihre sicheren Jobs und verdienen gutes Geld, und mit den unmotivierten kannst du nichts anfangen. Heute musst du dich bei den Mitarbeitern bewerben. Hat einer gesagt, dass Mitarbeitermanagement einfach sei? Speziell im Handwerk nehmen viele Chefs automatisch an, dass man ein Anrecht auf Lösungen habe. Schließlich bezahlt man die Beiträge für die Handwerkskammer und seinen Obolus an die Innung. Dabei übersehen diese Selbstständigen, dass die Zeiten der Zünfte und der damit verbundenen Generalregelung eines Gewerks schon ein paar Jahre zu Ende sind.

“Du hast kein verbrieftes Recht auf irgendetwas. Wenn Du etwas haben willst, musst Du es Dir holen.”

Wir bei Gress Friseure Die Haarexperten haben einen 50 Jahre Ausbildungsplan. 1995 habe ich begonnen, meine Auszubildenden extern qualifizieren zu lassen. Das hat mich zusätzliches Geld gekostet, aber der Vorteil war, dass meine Azubis qualitativ von Beginn an jede Leistung am Kunden ausführen konnten. Natürlich habe ich meine Fehler gemacht, war mal zu schnell, mal zu langsam, aber nie planlos. Das Ziel war immer klar: Jedes Jahr junge Menschen ausbilden. Mittlerweile sind 25 Jahre vergangen, wir haben niemals mit der Ausbildung ausgesetzt und wir haben dadurch immer Nachschub an Fachkräften gehabt. Das Team ist mit den Jahren auf 18 Mitarbeiter angewachsen, wir machen hohe Umsätze und verdienen guten Gewinn. Vor 25 Jahren haben mich meine Kollegen ausgelacht, heute lache ich. Während andere händeringend nach Leuten suchen, haben wir einen kontinuierlichen Nachfluss und so soll das auch bleiben. Und: Mit einem 50-Jahre-Plan kann man schon von strategischer Zielsetzung sprechen.

“Wer nicht ausbildet, stirbt!”

Und wisst ihr was? Nachdem nur noch 25 Jahre übrig sind lege ich noch einmal 25 Jahre drauf und plane bis 2070. Auch hier wird es wieder Lacher geben, aber das ist mir egal, weil ich weiß, dass wir mit der nachwachsenden Generation vor noch viel, viel größere Herausforderungen gestellt werden als das in der Vergangenheit der Fall war. Es gibt viele Selbstständige, die sagen, dass die jetzigen Zustände für sie ja noch rausreichen werden. Sie sind ja bald in Rente. Wer seinen Laden dicht macht mag damit ja durchkommen, aber wer seinen Betrieb verkaufen und ihn an einen Nachfolger/in übergeben will sollte sich über die Zukunft schon noch Gedanken machen.

“Rente ist keine Lösung.”

Viele Steine liegen im Weg, bis ein Betrieb übergeben werden kann. Aber die Chancen sind wesentlich höher, wenn ich mir rechtzeitig Gedanken dazu mache und ein Geschäftskonzept lebe, das auf Zukunft ausgerichtet ist und nicht auf Rückzug. Einen solchen Betrieb will keiner kaufen, das versteht sich ja von selbst. Ein potentieller Käufer hat nicht die Vergangenheit im Blick, sondern eine prosperierende Zukunft. Was steht eigentlich genau dagegen, dass Handwerker nicht strategischer denken? Es ist wohl das unbekannte Terrain und die Auseinandersetzung mit neuen Abläufen und den daraus resultierenden Herausforderungen.

“Lieber habe ich mein Elend im Griff, als mich in unbekannte Gefilde aufzumachen.”

Strategie ist wichtig, und die Grundlage jeder strategischen Entscheidung sind statistische Daten. Die gibt es bei der Stadt, bei Statista, Destatis oder anderen Statistikanbietern. Ich selber habe einen Premiumaccount bei Statista für bundesweite Wirtschafts- und Demografiedaten. Dazu nutze ich auch Daten des Statistischen Bundesamts Destatis. Ich möchte wissen, was mein Wettbewerb macht, welche Preise die haben, was die anbieten. Dazu muss ich lediglich mein Smartphone zücken und die Preislisten der Salons fotografieren, damit ich die zuhause in Ruhe miteinander vergleichen kann. Bei dieser Gelegenheit kann ich Betriebsstätten auch gleich zählen und habe somit in meinem engsten Umfeld die wichtigsten Daten erhoben. Als Maler, Installateur, Zimmerer und Dachdecker ist das nicht ganz so einfach, dazu braucht her auf jeden Fall die Daten von Destatis aus dem Handwerk und die Daten der Zentralverbände der einzelnen Handwerke. Das ist zu Beginn zwar aufwändig, aber wenn ihr die Links sauber speichert könnt ihr immer wieder darauf zugreifen. Dann ist der Zeitaufwand überschaubar.

“Zu wissen, was der Wettbewerb macht, macht die Hälfte des Erfolgs aus.”

Bleibt gesund und bleibt erfolgreich!

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