Digitalisierung bei Friseur - Peter Gress
Ro-Bot

Digitalisierung bei Friseur

An Montag, 9. Mai 2022, hatte ich einen Vortrag bei der Dualen Hochschule BW gehalten. Es ging um die Digitalisierung im Handwerk, in meinem speziellen Fall um die digitale Transformation im Friseurhandwerk.

Interessante Einblicke

In den Gruppenarbeiten kamen einige interessante Ideen auf meine Liste, an die ich so dezidiert noch nicht gedacht habe. Wieder mal wurde damit der Beweis geführt, dass ein unverstellter Blick von außen frische Ideen, oder wenigstens alternative Ansätze hervorbringen kann.

Eines der Themen war der Einsatz eines Bots auf der Webseite. Die Idee dazu habe ich von der Pandemie schon mit Lisandro Adler diskutiert. Die Pandemie hat die Weiterentwicklung bei mir gestoppt. Nach der Kreativsitzung an der DHBW werde ich das Thema aller Voraussicht wieder aufnehmen. Die Studenten haben mir gezeigt, dass die Fragestellung der wichtigste Knackpunkt ist. Welche Fragen stellen die Kunden? Diese lassen sich leider nicht umfänglich definieren.

Bot oder nicht

Ein Bot hilft, wenn er für die Kunden einfach zu bedienen ist. Außerdem ist die Qualität der Antworten (auf nicht 100 Prozent bekannte Fragen) ausschlaggebend. Leider gibt es (noch) keine Erhebungen zu den Fragen, die Friseurkunden stellen, wenn sie sich über Friseure und ihre Angebote informieren. Das wäre natürlich eine große Hilfe, aber ich vermute, dass wir noch länger auf solche Daten warten müssen.
Ich glaube, dass nur ein kleiner Teil der potentiellen Neukunden einen Bot nutzen würden.

Online-Beratung

Friseurdienstleistung ist kein Stangenprodukt, dazu gibt es immer einige Fragen. Diese lassen sich durch persönliche Interaktion am Telefon besser beantworten. Eine gute Alternative zum Bot ist die Online-Beratung über WhatsApp, Zoom oder ähnliche digitale Tools. Das funktioniert sehr gut. Über Video kann ich Kunden einen Vorschlag machen, welcher Haarersatz passen könnte und was es kostet.

Doch lieber telefonieren

Ich selber nutze Bots auf Webseiten eher selten. Der Telekom-Bot bietet einen guten Service, ist aber schnell beim Angebot eines persönliche Gesprächs. Wenn der Bot eine Frage nicht verstanden hat, kommt die Aufforderung: „Können Sie das bitte nochmals mit anderen Worten formulieren?“ Kann ich, aber an diesem Punkt bin ich geneigt, ein Telefonat zu buchen.


Bots haben einen Anklang von Hotline. Sie sind anonym, und sie sind nicht schlau genug, um in einer Unterhaltung die Bälle vernünftig zurück zu spielen.Das nervt irgendwann genauso wie die Wartezeit in der Hotline. Es ist einfach so, dass Probleme schneller gelöst werden, wenn man mit einem Menschen gesprochen, und seine Wünsche formuliert hat. Trotzdem gibt es Kundengruppen, die dieses Angebot gerne nutzen. Wir müssen uns eben in der Planung des Bots die Frage stellen, ob diese Zielgruppen die unseren sind.

Entwicklungskosten

Ein weiterer Punkt sind die Kosten für die Entwicklung eines Bots. Für unserer durch die Pandenie geschwächtes Unternehmen sind die Entwicklungskosten derzeit nicht zu schultern. Vielleicht war es ganz gut, dass ich die Entwicklung vor der Pandemie nicht weiter verfolgt habe. Im Grunde genommen muss bei allem was wir tun der Nutzen für die Kunden prioritär betrachtet werden.


Viele Kunden haben dazuhin eine gewisse Online-Müdigkeit. Monatelanges Home-Office mit täglichen Online-Meetings haben manchen gestresst. Menschen brauchen Menschen in direktem Kontakt! Die Digitalisierung macht nicht frei, sie nervt bei übermäßigem Genuss. Zu Beginn der Pandemie wurde das Arbeitsleben explosionsartig digital. Das war ungewohnt und für manche vielleicht sogar erschreckend.

Zu Beginn des Home-Office haben die Vorteile überwogen, mit der Dauer wurden viele dieser Art der Arbeit überdrüssig. Wahrscheinlich ist es klüger, den Bot doch noch etwas zu schieben, bis die Hybridisierung der Büroarbeit funktioniert und die Berührungsbedenken geringer werden.

De Blick von außen

Dennoch möchte ich klar sagen, dass die Zusammenarbeit mit den dualen Studenten der DHBW erfrischende Einsichten gebracht hat. Ich habe meine Strategie und meine Zahlen auf den Tisch gelegt, und ich habe gute Ideen zurück bekommen. Deshalb glaube ich auch, dass wir für die gesamte Branche externe Hilfe brauchen, um neue Impulse zu erhalten, die uns Friseuren insgesamt einen positiven Push bringen.

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