Unternehmenskultur Archive - Seite 2 von 25 - Peter Gress

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Peter Gres Podcast Quickies

012 – Podcast -Was wir aus dem Lockdown mitnehmen

Seit Februar 2020 sind unsere Freiheitsrechte eingeschränkt. Wir waren von einem Tag auf den anderen ausgebremst, und wir mussten uns mit einem veränderten Tagesablauf abfinden.

Corona ist hartnäckig

Im Frühjahr hatten wir noch Hoffnung, Corona würde nicht lange dauern. In den Wochen nach dem Reise-Sommer haben wir aber erkannt, dass Corona noch einmal richtig Gas gegeben hat. Weihnachten fiel aus, Parties zum Jahreswechsel ebenfalls.

Seit achteinhalb Wochen sitzen wir im 2. Lockdown fest. Und es besteht immer noch die Gefahr, dass uns die Mutante in einen 3. Lockdown schickt. Den würden dann viele Geschäfte definitiv nicht mehr überleben.

Frust statt Euphorie

Die Euphorie des Sommers 2020 hat sich nicht fortgesetzt. Ich stelle fest, dass wir mit der Ernüchterung nur schwer zurecht kommen. Einerseits geht es bei uns Selbstständigen um die Existenz, andererseits bei vielen Menschen um den Frust und die Depression, die sich aus einer nicht vorhandenen Hoffnung auf ein Ende speist. Wir sehen kein Ende.

Die Impfung hat uns lange Wochen gepusht, wir mussten aber feststellen, dass die Hoffnungen durch die eingeschränkte Verfügbarkeit des Vakzins wieder einmal getrogen hat. Ich persönlich lasse mich auch durch die Impfung nicht mehr dazu hinreißen, zu viel Hoffnung in ein schnelles Ende der Einschränkungen zu setzen.

Strategie und Planung

In den vergangenen Jahren war es mir immer wichtig, die Geschicke des Unternehmens vorauszuplanen, soweit das eben möglich war. Jahresziele waren wichtig, Umsatz und Gewinn spielten Hauptrollen, die strategische Planung wurde durch Investitionen in Aus- und Weiterbildung, sowie in Spezialisierung unterstützt.

All das ist jetzt nicht mehr in gleichen Umfang möglich. Wir haben einfach zu viel Geld verloren, dabei zu wenig Unterstützung vom Staat bekommen und dazu hin herrscht immer noch zu dichter Nebel um die Zukunft.

Selbstverständlich tun wir etwas. Wir renovieren, schreiben neue Konzepte, optimieren unsere Prozesse und machen alles mögliche, von dem wir uns wieder trennen müssen, wenn wir wieder öffnen dürfen. Wir werden gar nicht mehr die Zeit haben, alles zu verfolgen, was wir im Lockdown angefangen haben.

Neues versuchen

Es ist definitiv eine gute Zeit, um Neues zu versuchen. Social Media wird neu konzipiert, die Webseite erneuert, Onlineshops eingerichtet, Videos werden gedreht, Podcasts gestartet. Niemals zuvor in 47 Jahren hatte ich so viel Zeit am Stück und konnte mein Arbeitspensum so frei gestalten.

Der wirtschaftliche Schaden rückt in manchen Stunden der Tage in den Hintergrund, das ist auch ein Erfolg. Die Neuroplastizität des Gehirns sorgt dafür, dass wir alle trotz fortgeschrittenen Alters Neues lernen kann.

Es ist ungeheuer befreiend bedürfnisorientiert lernen zu können. Nur, es fehlt der Abschluss, der Beweis, die Aktion, die Tat, das Tun. Alles zielt in eine ungewisse Zukunft, der Erfolg des Tages fehlt am Abend.

Frustration über die Politik

Ich bin völlig genervt von der schleppenden Zuweisung der Überbrückungshilfe und des Arbeitslosengeldes. Die Politik frustriert mich. Aus die Frustration heraus ich neige immer häufiger dazu, meine objektive Sicht auf die Dinge zu verlieren.

Wenn der Frust überwiegt muss irgendjemand dafür verantwortlich sein. Dass das Virus aber uns alle in allen Positionen und Verantwortungsbereichen gnadenlos vor sich hertreibt, dafür kann niemand etwas. Auch die Politik nicht.

Was mich frustriert snd die Regeln der Verwaltung. Hat man uns im 1. Lockdown noch Geld mit der Gießkanne spendiert, regiert jetzt wieder der Amtsschimmel. Dass von der schönen Soforthilfe nur 25 Prozent bei mir bleiben durften war nachträglich ein Tritt vors Schienbein.

Den Umsatzverlust der Soforthilfe gegengerechnet haben wir 5,84 Prozent Ausgleichszahlung bekommen. Ehrlich gesagt, das hätten sich das Land Baden-Württemberg sparen können.

Was wir mitnehmen sollten

Was nehmen wir also mit? Erstens: Die Hoffnungslosigkeit ist keine Option. Sie kommt zustande, wenn wir uns zu stark auf das konzentrieren was kommen könnte und was nicht. Wir wissen es nicht. Es ist wichtig, Schritt um Schritt zu tun und konzentrierter im Jetzt zu leben.

Ja, aber wir müssen doch…?! Ja, was? Keiner weiß etwas genaues. Niemand kann sagen, ob wir einen 3. oder gar einen 4. Lockdown bekommen. Niemand weiß, was der Mutant noch anstellt und ob der Impfstoff dauerhaft gegen ihn wirkt.

Ein Virus ist qua seiner Natur dazu bestimmt, ständig zu mutieren, um sein Überleben zu sichern. Wenn schon die ganze Welt vor der ersten Mutation zittert, was passiert, wenn es eine noch aggressivere Mutation geben sollte?

Schon jetzt gibt die Virologin Melanie Brinkmann den Kampf um die Mutante B 1.1.7. verloren. Virologen rechnen mit neuen Mutationen und mit Lockdown bis ins Jahr 2022 hinein. Eventuelle sogar mit einem Dauer-Lockdown mit zwischenzeitlichem Luft holen, wie Brinkmann sich ausdrückt.

Sich selber Hoffnung schaffen

Wie schaffen wir in einer solchen Lage Hoffnung? Für mich persönlich heißt das Struktur und äußere Ordnung gestalten, und das Denken auf das Jetzt konzentrieren. Gedanke zieht  Aktion.

Die Jagd nach den neuesten Gadgets, coolen Klamotten, Schuhen und Accessoires ist erst mal vorbei. Der Besuch im angesagten Restaurant, in der Szene-Bar und bei diversen Must-Events, Messen, Seminaren und Workshops ebenso.

Auch die all-Inkl. Reise ans Steißbein der Welt oder wenigstens in ein angesagtes Luxus-Ressort in Deutschland, Österreich oder der Schweiz  –  alles nicht mehr möglich. Hoffnung kommt nur aus uns selber, dabei wir sind von ihr abhängig. Nur mit ihr überleben wir in unsicheren Zeiten mit wirtschaftlicher und persönlicher Not und finden in eine inspirierende Zukunft.

Vorteile des Lockdowns

Im zweiten Lockdown habe ich bestehende Freundschaften wieder aufgenommen und vertieft und neue geschaffen. Von einigen Menschen musste ich mich trennen, oder wenigstens mein Vertrauen in sie neu bewerten.

Ich habe eine große Welle der mentalen Unterstützung durch unsere Kunden erhalten. Viele Gespräche haben mir Hoffnung gemacht, dass wir auch nach dem 2. Lockdown weiterhin eine treue Gefolgschaft haben werden.

Wie viele Kunde durch Schwarzarbeit, Kurzarbeit, Jobverlust und weitere Gründe verloren gegangen sind, wird sich zeigen. Es ist ja nicht so, dass nur ich mein Leben und meine Aktionen neu bewerte, sondern auch unsere Kunden werden das tun.

Es git keine Garantie dafür, dass sie es weiterhin für wichtig empfinden, zu uns zu kommen. Vielleicht reduzieren auch sie ihre Ansprüche? Unwägbarkeiten, die wir heute nicht bewerten können. Aber wir können darauf hoffen.

Hoffnung und Glauben

Neben der Hoffnung nehme ich auch den Glauben an das Gute in meinen Mitmenschen mit in die Zukunft. Allerdings werde ich noch intensiver bewerten, mit wem ich meine Zeit verbringen will. Nicht jeder passt zu jedem.

Und, mal Hand aufs Herz: Wer mag schon alle Menschen die er trifft? Das lässt sich nicht vermeiden, aber ich nehme mir ganz einfach das Recht heraus zu bestimmen, wer mir nahe kommt. So wie wir Lieblingskunden haben, kümmern wir uns um die anderen mit professioneller Freundlichkeit.


Die Lockdowns haben gezeigt, wem aus meinem Umfeld ich trauen kann. Vertrauen ist deshalb der dritte Wert, den ich aus dem Lockdown mitnehme. Menschen sind grundsätzlich daran interessiert, anderen zu helfen.

Ob das finanziell, mental oder aktiv durch Gespräche passiert  ist minder wichtig. Dass sie grundsätzlich vertrauenswürdig sind ist die Hauptsache. Vertrauen bedingt nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben.

Geben und nehmen in der Waage

Ein Beispiel: Mein Sohn wollte als Teen auf ein Reggae-Festival im Esslinger Stadtpark. Es war aber ausverkauft. Einer meiner Freunde war zu dieser Zeit Chef des Stadtmarketings. Ich habe meinen Sohn zu ihm geschickt, er solle fragen, ob er noch Karten habe. Er hatte.

Als mein Sohn zurück kam und ich ihn fragte, was er meinem Freund für die Tickets zum Ausgleich angeboten habe, stutzte er. Nichts, kam zur Antwort. Ich hab ihn daraufhin nochmals geschickt, er solle meinen Freund fragen, was er ihm zum Dank Gutes tun könne.

Zu dieser Zeit war mp3 der letzte Schrei und ein USB-Stick mit 100 Songs war ein adäquater Ausgleich für die Tickets. Geben und nehmen muss sich die Waage halten.

Positive Vibes einsammeln

Grundpositive Menschen haben in den letzten Monaten immer wieder dafür gesorgt, dass ich mich nicht in verengten Weltsichten verliere. Ich habe natürlich nicht alle persönlich getroffen, auf viele bin ich in den sozialen Medien aufmerksam geworden.

Ihre Gedankenansätze habe ich aufgenommen und mit meinen eigenen Überlegungen verwoben. Positivität schafft Hoffnung, Negativität dagegen Depression, Frustration und Angst.

Angst aber lähmt uns und wer zu der Angst zu viel Raum gibt zulässt macht seinen persönlichen Raum immer kleiner. Damit ich gar nicht erst in diese Gefahr komm, habe Ich  mir vorgenommen, wieder mehr zu meditieren und mich mit mir selber zu beschäftigen.

Wenn ich schlechte Gedanken bekomme lerne ich ein neues Gedicht auswendig, mache einen Spaziergang, höre Musik, lese aktiv, schreibe meine Gedanken auf oder führe mein Tagebuch. Hauptsache raus dem Gedankenkarussell.

Fazit

Aus dem Lockdown, Stand heute, 13. Februar 2021, nehme ich den Glauben an das Gute im Menschen, die Hoffnung, das Vertrauen und die Notwendigkeit zu positivem Denken mit in die Zukunft. 

Peter Gres Podcast Quickies

010 – Podcast – Politisches Geblubber

Heute geht es um politisches schwurbeln, blenden, blubbern und den alltäglichen Lockdown-Wahnsinn.

„Ich habe schon immer gesagt…“

Der schlimmste Satz in Politikerinterviews ist: „Ich habe schon immer gesagt…“ Unerträglich, da hilft nur  ausschalten. Hinterher ist ja auch irgendwie sicherer, nicht wahr!?

Alternativlos oder planlos

Der Lockdown ist ja scheinbar alternativlos, das hören wir 24 Stunden am Tag. Er ist nur deshalb alternativlos, weil es keine alternativen Szenarien gibt. Jedenfalls habe ich noch von keiner Alternative gehört.

Fakten schaffen

Die Friseurunternehmerin Kirstin Ellen Vietze aus Berlin war am 24.1.2021 bei Frank Plasberg und hat sehr treffend geschildert, wie es Friseuren geht. Sie hat das gut gemacht, ist bei den Fakten geblieben, war dabei doch emotional und und als Mutter von drei Kindern auch absolut glaubwürdig, was der Lockdown Familien und Unternehmern aufzwingt.

Sie spricht über existentielle wirtschaftliche Not, weil sie inzwischen den zweiten Kredit aufgenommen hat, um den mehr als hundert Jahre alten Familienbetrieb zu retten. Sie durchlebe ein Wechselbad der Gefühle, höre sechzig Mal am Tag das Wort Mama, schlafe zunehmend schlechter und sehe am Ende des Tunnels kein Licht mehr.

Damit kann ich mich, können sich alle Kleinunternehmer, die momentan in der Luft hängen, voll identifizieren. Selbstverständlich kämpfen wir weiter, es bleibt uns ja gar nicht anderes übrig. Woher soll das Geld kommen, aufzuhören?

Hubertus Heil hat wieder mal Empathie gezeigt, er hat verständnisvoll und sorgenumflort nach Frau Vietze geschaut als sie ihre Situation geschildert hat und verfiel dann wieder in das alt bekannte Geblubber, das wir uns jetzt seit vielen Wochen anhören müssen.

Im Grunde genommen ist die Situation ganz einfach: Die Bundesregierung nimmt den Mund voll, verspricht Hilfen, die nicht kommen und bringt damit Menschen an den Rand der Insolvenz. Ich habe abgeschaltet, aber ganz bestimmt nicht wegen Frau Vietze. Von ihr hätte ich gerne mehr gehört

Unpassender Zeitpunkt

Ich kann hier selbstverständlich nicht mit 100-prozentiger Sicherheit behauten, dass sich die Politik keine Alternativen überlegt, denn ich gehöre ja nicht zum inneren Entscheidungszirkel. Wenn sie es aber tut, dann bekomme ich nichts davon mit.

Gezielte Fragen zu Exit-Strategien werden mit dem ‚unpassenden Zeitpunkt‚ pariert. Sogar Laschet, bisher bekannt als Lockdown-Öffner sagt : „Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Öffnungsdiskussion falsch. Die Bedrohungslage ist noch zu groß. “

Ja, wann darf man denn eine Alternative diskutieren, wenn nicht jetzt, wo vielen Unternehmern das Wasser bis zum Hals steht? Am besten gar nicht!? Lassen wir es einfach sein, dann macht sich auch niemand falsche Hoffnungen, dass der Spuk bald vorbei ist? Nur: Wir leben von der Hoffnung. Sie bringt uns die Energie, sie ist der Motor für unseren Glauben an die Zukunft.

Das Märchen von der Bazooka

Alternativ zum falschen Zeitpunkt wird darauf hingewiesen, dass Deutschland reich und die Bazooka geladen ist und man sich einen längeren Lockdown leisten kann.

Die finanzpolitischen Turbulenzen der Zukunft sind momentan noch gar nicht absehbar, aber auch davon redet niemand, außer dem Bund der Steuerzahler. Der sagt aus Erfahrung, dass die Schulden von heute die Steuern von morgen sind. Ach was?

Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes, hat am Montag, 25.1.2021 in einem Interview mit Gabor Steingart gesagt: „In der Politik wird eine Diskussion geführt, wie wir den Sozialstaat weiter ausbauen und an vielen Ecken und Enden weiter draufsatteln können. Niemand legt wahrhaftig die Zahlen auf den Tisch und sagt: Das kann so nicht mehr weitergehen.“

Ich hoffe, dass der Druck auf die Bundesregierung jetzt wächst, doch bitte mit einer Alternative zum Lockdown an die Öffentlichkeit zu gehen. Das wäre auf jeden Fall gut für die Unternehmer, die sich diesen Lockdown auf keinen Fall leisten können.

Wenn wir Kapital brauchen legen wir unseren eigenen Kopf unter das Beil, denn wir müssen die Rückzahlung für das zusätzlich benötigte Kapital selber verantworten. Politikern ist es ganz egal, wo das Geld herkommt. Sie  werden dafür nicht zur Verantwortung gezogen, stehen nicht in der Verpflichtung und haben ihre sichere Rente. Deren persönliche Exit-Strategie ist nicht an den wirtschaftlichen Erfolg gebunden.

Change and rerarrange

Das kann so nicht weitergehen? Ja, das ist  richtig! Niemand aus der großen Politik spricht von hunderttausenden Kleinunternehmern und Arbeitnehmern, die diesen Lockdown ausbaden müssen. Die Herren Lauterbach und Drosten würden uns ja am liebsten ganz weg sperren.

Dann sind wir alle körperlich gesund, wirtschaftlich tot, psychisch auf dem Zahnfleisch und Rente kriegen dann nur noch die, die zum durchhalten anhalten. Dieser Umstand wird nicht diskutiert, wenn er thematisiert wird, ist es lediglich der zarte Anklang einer möglichen Problematik, die niemand vertiefen will. Ihr wisst schon: Falscher Zeitpunkt.

Schutz der Alten geht vor

Selbstverständlich müssen die vulnerablen Gruppen geschützt werden, aber die Kommandobrücke kriegt das ja auch nicht wirklich hin. Täten würde man schon gern wollen, aber mir kommt der Zustand vor wie das Verhalten des Hundes, der sich fünfmal im Kreis dreht, bis er sich endlich hinlegt.

Die Damen und Herren verweisen auf weitere Gespräche. Konzertierte Taten wären besser. Fehlende Tatkraft und Planung (Beispiel Impfstrategie) drückt sich nicht nur in fehlender Aktion, sondern auch in fehlenden klaren Worten aus. Es wird definitiv zu viel geredet und zu wenig angepackt.

Das alles fühlt sich für mich so an, als rase Corona mit Blaulicht und Martinshorn auf der Busspur über alle roten Ampeln am zäh fließenden Verkehr der Politik vorbei. Na Prost, sage ich.

Nachkriegsgeneration

Ich bin 1956 geboren und habe so etwas wie den Lockdown noch nie erlebt, wie alle anderen eben auch, die nach dem Krieg geboren sind. Zu meinen frühen politischen Erinnerungen zählen Debatten im Parlament, bei denen sich die Kontrahenten nichts geschenkt haben.

Mit fallen Strauß, Wehner, Schmidt ein, die haben aufeinander eingedroschen, als gäbe es kein Morgen. Wahrscheinlich habe ich glorifizierte Erinnerungen an diese Zeit, aber es gab viel mehr kantige Typen im politischen Bonn als heute in Berlin.

Die haben sich in Debatten im Parlament mit Messer zwischen den Zähnen beharkt, und ganz sicher waren auch nicht alle koscher. Heute aber sind wir in einem politischen System zuhause, das vom Konsens bestimmt wird, von der Sattheit und vom Bewahren. Es muss ja nicht gleich alles zusammengefaltet werden, aber ein gewisses Maß an Aufbruchstimmung sollte man schon merken.

Schwachstellen im System

Die Pandemie bringt die Schwachstellen des politischen Betriebs gnadenlos ans Tageslicht. Ich befürchte nur, dass sich nach der Beruhigung der Pandemie nichts ändern wird. Es gibt ja keine anderen Politiker als die, die wir grade haben. Adenauer hat schon gesagt: „Nehmen Sie die Leute, die Sie haben, andere gibt es nicht.“

Das Problem ist, dass man versucht, Systeme so lange wie möglich zu erhalten, wie sie sind. Das ist nicht nur einpolitischer Zustand, sondern auch einer von Parteien, Unternehmen, Netzwerken und nicht zuletzt dem Individuum.

Man hat sich eingerichtet, die Zahnräder sind geschmiert und damit einher kommt das Gefühl, man hätte alles im Griff, alles liefe gut – Störungen sind höchst unerwünscht. Netzwerke sind dazu da, sich die Hände zu reichen, Positionen zu beziehen und zu sichern, und das gefällt uns doch allen, nicht wahr?

Wir fühlen uns gut, wenn wir etwas bewegen können. Wenn wir Kontakte haben, um Projekte anzuschieben und deren Entwicklung zu beeinflussen. Die graue Eminenz im Hintergrund oder der Wadenbeisser an der Front – es ist das Gefühl von Macht, Bedeutung und Anerkennung.

In der Politik sind Netzwerke die Killerapplikation, weil zu viele gesichtslose und teils untalentierte Mitschwimmer nach oben gezogen werden. Mit diesen Nachteilen müssen wir Bürger in einer freiheitlichen Demokratie leben.

Menschen sind immer auch das Produkt der Gesellschaft, in der sie sozialisiert und ausgebildet werden. Es ist erstaunlich, wie tiefgreifend sich ein politisches System an außergewöhnlichen Situationen wie de Corona-Pandemie aufreibt.

Wahlkampf 2021

2021 kommt noch erschwerend der Wahlkampf dazu. Da bleibt nicht viel Zeit für einen Strategieplan für den Lockdown-Exit. Der Wahlkampf tobt im Hintergrund schon mit aller Macht.  Und weiter erschwerend ist, dass die Sprache unserer Politiker und Führungspersonen so blubberig wachsweich geworden ist, dass man sich an ihnen gar nicht mehr festbeissen oder reiben kann.

Klare Kante

Man regt sich  über die da oben auf, aber das tun wir ja schon immer. Bei uns in Deutschland sind nur wenige aus Politik und Wirtschaft für einen starken Charakter, einen kerzengeraden Rücken und für eine klare Sprache bekannt.

Als Negativbeispiel nehme ich mal die vermeintliche Creme de la Creme aus Wirtschaft und Politik, namentlich Joe Kaeser, Vorstand von Siemens. Der ist Trump letztes Jahr in Davos fast in den Hintern gekrochen, das war peinlich und rückgratlos. Und Klaus Schwab, Organisator des Weltwirtschafsforums in Davos, hat Trump explizit dafür gedankt, dass er – ich kann es immer noch nicht glauben –  „unsere Diskussionen mit seinem Optimismus bereichert hat.“

Nun, was soll man von solchen Vorbildern halten? Der eine, Kaeser, schleimt Trump Honig ums Maul, weil er seine Geschäfte in USA sichern will, und der andere, Schwab, war sich nicht zu schade dafür, dem kleingeistigen Großmaul nach dem Mund zu reden, weil er Angst vor einer Konfrontation oder einem Eklat hat.

Diese Menschen haben in ihrem Leben schon so viel auf die Beine gestellt und erreicht, da sollte mehr Rückgrat vorhanden sein. Wir werden alle daran gemessen, für was wir stehen, und wogegen wir stehen. In der Zeit des Lockdowns ist das noch wichtiger als zuvor.

Kritische Nach- und Vorausdenker

Die Linie zwischen Querdenker und kritiklosem Abnicker ist schmal. Es sollte aber möglich sein, dass wir zwischen den Schreihälsen und den Duldern den kritischen Nach- und Vorausdenker etablieren.

Ich komme dabei persönlich aufs Glatteis: Wie weit traue ich mich aus meiner Deckung mit dem  was ich kann? Ich würde ein Problem oder einen Zustand gerne geschliffen-pointiert und emotional zwingend auf den Punkt bringen, doch dazu fehlt mir leider die rhetorische Fähigkeit. Erstaunlich, auf welche Gedanken und Einsichten man so kommt, wenn man auf sich selbst zurück geworfen wird.

Einfach mal so ist keine Option

Eines habe ich im Laufe der letzten Jahrzehnte gelernt: Einfach mal so machen geht nie. Harry Belafonte hat gesagt: „Ich habe 30 Jahre gebraucht, um über Nacht berühmt zu werden.“ Sich zu verändern ist ein dauernder Prozess, der ein Verlassen der Komfortzone und ein Ausbrechen aus der Gewohnheit voraussetzt. Weil Corona sowieso grade alles aus den Angeln hebt, ist jetzt die beste Zeit für den Beginn einer persönlichen Veränderung.

Peter Gres Podcast Quickies

008 – Podcast Starke Marke Weniger ist mehr

In dieser Folge geht es um das Zuviel an Auswahl, um den Stress mit den damit zusammenhängenden Kauf-Entscheidungen und um das andauernde Gefühl, niemals zufrieden zu sein, egal wieviel wir konsumieren. Das bringt uns zwingend logisch zu der Frage: Sollten wir generell weniger Dinge besitzen?


Wie viele Klamotten hängen in unseren Schränken, die wir vielleicht noch nicht einmal getragen waren? An denen noch das Preisschild hängt? Wie viele Kleidungsstücke vergessen  wir, weil sie in der unübersichtlichen Stoffmassen im Schrank untergehen?

Wie viel Stress haben wir jeden Morgen bis wir entschieden haben was wir anziehen und wer wir heute sein wollen? Ella Schön, die Asperger-Authistin, gespielt von Ellen Frier, probiert ein Outfit in der Boutique an und sagt zur Verkäuferin:“Bitte siebenmal.“ Das hört sich übersichtlich an.