Unternehmenskultur Archive - Peter Gress

Category Archives for Unternehmenskultur

Goolge My Business als Vertriebskanal nutzen

Kennt ihr Google My Business? Ja? Sehr gut. Wenn nicht wird es Zeit , GMB kennenzulernen. Warum? Weil GMB ein kostenloses, aber höchst effizientes Tool, ist, um euer Unternehmen potentiellen Zielgruppen vorzustellen. Was mal als Google Places bekannt war ist heute Google My Business. Seit Google im April 2019 Google+ eingestellt hat, wurde mit Google My Business ein Tool geschaffen, das viele Vorzüge eines sozialen Netzwerks mit denen einer Vertriebsplattform vereint. 

Ich kann euch jetzt viel über die Vorzüge von GMB erzählen, möchte euch aber ein paar Zahlen nennen, die für sich selber sprechen. Wir hatten im Februar 2019 35.793 Nachfragen von Nutzern nach unseren Leistungen. Im Oktober 2019 waren es 12.817 mehr, also insgesamt 48.610 Nutzer. Im November 2019 zählten wir schon 65.219 Nutzer, insgesamt also fast 20.000 mehr als im Februar 2019. Ich habe festgestellt, dass vieles von dem, was ich bei GMB anwende, auch für Instagram nützlich ist. Also habe  ich begonnen, meinen Instagram Account umzubauen und aus GMB und Instagram eine gedanklich Einheit zu formen. Zu Beginn purzelten meine Instagram Follower dramatisch nach unten, weil sie mit meiner neuen Ausrichtung nichts anfangen konnten. Nach dem Stillstand der Abwanderungen baue ich den Account nun neu auf und experimentiere mit unterschiedlichen Gestaltungen und Content. Google My Business bleibt jedoch der Motor, der mein Business treibt.

In GMB kann ich Beiträge veröffentlichen, Bilder posten, Angebote, Neuigkeiten und Events einstellen und direkt aus dem Tool heraus Ads dazu schalten. Das ist sehr cool, weil es Zeit spart und sehr effizient ist. Mit der interaktiven 360 Grad Begehung können Kunden durch das Geschäft wandern und bekommen einen sehr lebendigen Eindruck davon, wie es bei uns aussieht. Dazu posten wir Bilder ohne Ende, denn Bilder sind GMB Frequenztreiber par excellence. Zwischen Februar 2019 und November 2019 hatten wir eine Steigerung von rund 71.000 Fotoaufrufen und verbuchten damit über 1.000 Prozent mehr Fotoaufrufe als vergleichbare Unternehmen. Mit der Smartphone-App ist das sehr einfach zu leisten. Einfach täglich durch den Salon gehen und Details fotografieren, beschriften und hochladen. Einfacher geht es nicht, deshalb ist es umso unverständlicher, dass bisher nur rund 30 Prozent der Geschäfte in Deutschland Google My Business als Vertriebsweg nutzen.

Ich schätze mal, dass die Einrichtung des Accounts zwei  Stunden dauert. Der wöchentliche Zeitaufwand für die Pflege nimmt nicht mehr als 20 Minuten in Anspruch. Zusätzlich schätze ich eine weiter Stunde, um die Organisation im Hintergrund aufzubauen. Dabei handelt es sich um Ordner für Bilder und Textentwürfe, die ihr für die Veröffentlichungen in Google My Business verwenden könnt. Diese Ordner sind einfach einzurichten und wenn ihr wisst, wo genau ihr diese Ordner findet, habt ihr die meiste Arbeit hinter euch. Dann kann der Spaß beginnen, Ihr werdet innerhalb kurzer Zeit mit euren wöchentlichen Beiträgen Erfolge einfahren. Wenn ihr euch dazu hin noch entscheidet, Google Ads zu schalten, dann habt ihr ein wirklich schlagkräftiges Gespann für euren Betrieb am Start.

Wenn ihr keine Lust darauf habt, euch alles selber anzueignen, dann dürft ihr euch gerne zu meinem, Seminar am 16.-17. Februar 2020 in Esslingen anmelden. Ihr braucht nichts weiter als euer Notebook und euer Smartphone, um GMB und Instagram Basic zu kombinieren. Ich freue mich auf euch, wir werden viel Spaß im Workshop haben.

Urbanisierung und die Folgen für das Handwerk

Ein wichtiger Megatrend den wir als städtisch angesiedelte handwerkliche Dienstleister im Auge behalten müssen, ist die schnell fortschreitende Urbanisierung. In Deutschland liegt der Urbanisierungsgrad derzeit bei rund 78 Prozent der Gesamtbevölkerung, und man kann davon ausgehen, dass sich diese Zahl im Lauf der nächsten Jahrzehnte noch erhöhen wird. Ja mehr Menschen in die Städte ziehen, desto knapper wird der Wohnraum und desto teurer werden die Mieten und die Lebenshaltungskosten. 

Das wird dann zum Problem, wenn wir Mitarbeiter von außerhalb der Stadt bekommen, die in annehmbarer Entfernung zum Arbeitsort wohnen müssen. Im Großraum Stuttgart sind die Mieten mittlerweile extrem in die Höhe gegangen. Ein trauriger Rekord: Stuttgart hat mittlerweile auch München als teuerstes Wohnpflaster abgelöst und ist damit in Deutschland einsamer Spitzenreiter.

Es könnte also in der Folge dieser Entwicklung durchaus sein, dass Handwerksbetriebe in Städten nicht mehr neu gegründet werden können, weil die Mieten oder Kaufpreise zu teuer werden und sich betriebswirtschaftlich nicht mehr lohnen. Für Friseure beispielsweise könnte das bedeuten, dass die Salons immer mehr in die Randlagen gezwungen werden, und sie vom Kundenstrom in den Städten abgeschnitten werden. 

Allerdings wären dort auch die Mieten geringer und Mitarbeiter könnten sich Wohnraum und Leben eher leisten als in den Stadtzentren. Wenn wirtschaftlich sinnvolles urbanes Leben in den Städten möglich sein soll, braucht es vernünftige Verkehrskonzepte mit perfekt aufeinander abgestimmten öffentlichen Verkehrsmitteln und der weitgehenden Verbannung des Individualverkehrs, damit Menschen ihre Arbeitsplätze in annehmbarem Zeitumfang erreichen können.

Autos verbrauchen zu viel teuren Platz, sie stehen die meiste Zeit des Tages unbenutzt auf Stellplätzen, die man von der Gesamtfläche gesehen, besser für weiteren Wohnraum oder bessere Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs verwenden kann.

Immer dichter bebaute Städte stellen Handwerksunternehmen vor viele Probleme. Parkraummanagement für die Fahrzeuge, Lagerräume, Büros, Erreichbarkeit, Dauer der Fahrzeiten zu und von Kunden oder Baustellen (Stauzeiten), die Mieten oder Finanzierungskosten für Betriebsflächen, bau- und umweltrechtliche Beschränkungen, hohe Parkgebühren für Kunden und Schwierigkeiten mit Anwohnern wegen hoher Lärmpegel veranlassen viele Handwerksbetriebe zu einem Standortwechsel, oder gleich zu einer Ansiedlung in den Randbereichen der Städte.

Unser Elektrotechniker ist in Esslingen ansässig. Wenn er einem Termin in Stuttgart wahrnehmen muss. hat er mittlerweile einen E-Roller im Kofferraum, den er bei Stau einsetzt. Er parkt sein Auto außerhalb der Innenstadt und fährt mit dem Roller zum Termin, denn es ist mittlerweile fast die Regel, dass eine 20-Minuten Fahrt nach Stuttgart länger als 45 Minuten dauert. Dabei geht teure Arbeitszeit drauf, die der Handwerker zum Teil auch selber tragen muss, wenn er seine Kunden die Kosten nicht zumuten will. 

Siehe Download: Handwerk lokal Perspektiven für eine handwerksgerechte Stadtentwicklungs-, Verkehrs- und Wirtschaftspolitik in Städten und Gemeinden.

Warum wir für Beratung Geld verlangen

Heute geht es um die Frage, warum Handwerker ihre Beratung bezahlt bekommen müssen. Wir leben nicht vom reden, sondern von der handwerklichen Dienstleistung, die wir verkaufen. Beratung gehört selbstverständlich zu jeder Dienstleistung. Nicht selbstverständlich ist allerdings, dass wir unsere Zeit verschenken. Leider haben Kunden – und Kunden sind wir ja selbst auch – dafür nicht viel Verständnis, denn die allgemeine Erwartungshaltung ist es, umfassende Information zum Nulltarif zu erhalten. Was früher beim Autokauf die kostenlose Fußmatte war, ist heute der selbstverständliche Verbrauch von Handwerker- und Dienstleisterzeit.

Zeit ist unser wertvollster Rohstoff. Ich überziehe meine Aussage dahingehend, dass es im Grunde genommen egal ist, was wir in der uns zur Verfügung stehenden Zeit verkaufen. Hauptsache ist es, dass wir die investierte Zeit an der Kasse oder auf dem Konto realisiert bekommen. Wie das Wort schon sagt: wir investieren Zeit und bekommen einen Gegenwert dafür.

Ein interessantes wissenschaftlicher Buch über die Betrachtung der Zeit.

Das telefonische Termingespräch

Ich beschreibe mal ein ganz normales Terminbuchungsgespräch im Friseursalon am Telefon. Eine Kundin ruft an und bittet um einen Termin für eine Haarfarbe. Der Begriff “Haarfarbe” beinhaltet einen hohen Unsicherheitsfaktor. Wir fragen also nach, ob es sich um ein Glossing, eine Haarfarbe oder eine Tönung, um Strähnen oder eine Aufhellung, bzw. Blondierung handelt. Für ein Glossing buchen wir 30 Minuten, für eine Haarfarbe oder Tönung 60 Minuten, für Strähnen 120 Minuten und für eine Aufhellung und Blondieren sind locker mal drei bis vier Stunden drin, oft sogar noch mehr, je nach Ausgangslage und Zustand der Haare. Diese Unterschiede müssen wir klären, weil wir sonst weder die richtige Zeit hinterlegen, noch das entsprechende Entgelt erhalten.

Haarfarbe ist Sammelbegriff

Für unsere Kunden ist Haarfarbe ein Sammelbegriff. Sie verstehen darunter alle möglichen Farbdienstleistungen. Es ist verständlich, dass sie nicht wissen, dass jeder Farbdienstleistung ein Zeitraster hinterlegt ist. Deshalb müssen wir mit ihr schon am Telefon ein klärendes Gespräch darüber führen. Der Zeitbedarf von Glossings, Haarfarben, Tönungen und Strähnen lässt sich zeitlich recht gut kalkulieren. Wir kennen die Dauer des chemischen Prozesses und die Schnelligkeit unserer Mitarbeiter, dementsprechend kalkulieren wir den Termin zeitlich. Wenn wir für einen Kundin einen Strähnentermin buchen und die Kundin bekommt anstatt dessen eine Tönung, hat die Friseurin einen Terminausfall von 60 Minuten. Da lohnt sich die exakte Nachfrage.

Meist lässt sich so ein ausgefallener Termin dann auf die Schnelle nicht mehr verkaufen. Anders herum sieht das Problem so aus, dass vielleicht eine Tönung mit einer Stunde gebucht wurde, aber die Kundin gerne Strähnen hätte. Für eine qualitativ hochwertige Dienstleistung reicht dann die Zeit nicht. Entweder werden die Strähnen in qualitativ minderer Qualität durchgeführt oder es bleiben zwei Termine frei, nämlich die 120 Minuten für Strähnen, weil die Kunden keine Tönung will und die Friseurin keine Zeit für Strähnen hat. Ein neuer Termin wird vereinbart und 120 Minuten Arbeitszeit sind damit perdü.

Blondierung

Bei einer Aufhellung oder Blondierung wird es noch schwieriger. Hier hängt die Zeitdauer von mehreren schwer kalkulierbaren Fakten ab. Wie dunkel sind die Haare gefärbt? Wie lang sind die Haare? In welchen Gesundheitszustand sind die Haare? Waren sie schon einmal aufgehellt und wurde dunkle Farbe drüber gefärbt? Welche Art Haarfarbe war drauf? Reagiert die Haut auf das Farbprodukt? Alles das wissen wir nicht wenn wir den Termin am Telefon buchen.

Verantwortung

Es gibt Haarfarben, die lassen sich nur schwer bis gar nicht heller färben. Das liegt nicht am Können der Haarfärber, sondern an den Bestandteilen der Haarfarbe. Und es gibt Häute, die auf bestimmte Stoffe allergisch reagieren. Stellen Sie sich einmal vor, Sie beginnen eine Blondierung ohne einen Hauttest. Nach einer Stunde Einwirkest stellen Sie fest, dass die Haut juckt und sich rötet. Was passiert dann? Das Farbprodukt muss natürlich abgewaschen werden. Derweil sind die Haare noch lange nicht auf dem Helligkeitslevel, das die Kundin gerne haben möchte. Reklamation! Im schlimmsten Fall Anwalt und Entschädigung. Der Friseur hat seine Zeit investiert, die Kundin ist extrem unzufrieden und der Salon wird sie definitiv als Kundin verlieren. Und warum? Weil wir uns nicht getraut oder es einfach nicht für notwendig erachtet haben, einen bezahlten Beratungstermin zu vereinbaren, an dem wir eine Teststrähne, einen Hauttest und ein umfassendes Beratungsgespräch durchführen.

Beratungstermin

Ein Beratungstermin dauert 30 Minuten und kostet 30 Euro. Wir sichern uns damit ja nicht nur selber ab, sondern haben den optimalen Nutzen für die Kundin im Fokus. Wir müssen uns doch sicher sein, dass wir das besprochene Ergebnis auch erreichen können. Wenn ihr Architekt sagt, dass eine bestimmte Bauweise aus statischen Gründen nicht möglich ist, wird er das Haus als verantwortliche Fachkraft so nicht bauen. Wenn wir die Aufgabe nicht kennen, können wir sie nicht kalkulieren. Es ist auch für die Kundin besser, 30 Euro zu investieren und zu erfahren, dass die Haare den Färbeprozess eventuell nicht gesund überstehen, als das erst während der Arbeit festzustellen. Das bringt beiden Seiten nichts außer Ärger und Frustration.

Bei uns im Betrieb ist das klar geregelt. Wenn die Kundin diese Beratung nicht buchen will, können wir die Dienstleistung nicht durchführen, ihr also keinen Termin geben. Wir lassen sie ziehen. Besser sie kommt nicht, als dass wir eine unbefriedigendes Ergebnis abliefern. Eine Fachkraft investiert ihr wertvolles Wissen und ihre wertvolle Zeit, die sie als Selbstständige selber oder ich als Unternehmer bezahlen muss. Wenn die Kosten der geleisteten Zeit nicht verrechnet werden, stimmt meine Kalkulation nicht mehr. Ich verbrauche mehr Zeit, als ich durch den Verkauf der Dienstleistung einnehmen kann.

Win-Win Situation

Wie gesagt, als Handwerker haben wir nur die Zeit, die wir verkaufen können. Am Ende steht im besten Fall ein qualitativ hervorragendes Ergebnis, das der Kundin gefallen und uns einen Gewinn einbringen muss. Dann haben wir eine Win-Win Situation, mit der beide Seiten zufrieden sind. Diesem Ziel musss ich alles andere unterordnen.

In vielen Fällen sagen mir Kolleginnen und Kollegen, die Beratungszeit sei in die Dienstleistungspreise einkalkuliert. Sehe ich mir aber die durchschnittlichen Haarfärbepreise in Deutschland an, ist da gar nichts einkalkuliert. Die durchschnittlichen Farbpreise selbst werfen so gut wie keinen Gewinn ab, wie also soll sich die Beratungszeit finanzieren?

Zeit ist ein wertvolles Gut, denn sie ist endlich. Ich muss mir also sehr genau überlegen, wie ich mit diesem wertvollen Rohstoff umgehe. Es gibt Menschen, die den Wert von Zeit nicht schätzen und nichts dafür bezahlen wollen. Das ist das Problem der Kundin, nicht meines! Als kreativer Handwerker habe ich zwei klare Ziele:

  • 1. Kunden einen hohen Nutzen zu bieten durch eine qualitativ exzellente Dienstleistung
  • 2. anständige Löhne für meine Mitarbeiter und für mich als Unternehmer zu erwirtschaften

Aus einer anständigen Entlohnung resultiert auch die Motivation, einen super Job zu machen.

Wert der Beratung

Beratung hat in den Köpfen der Verbraucher keinen großen Wert. Kostenlose Beratung wird voraus gesetzt, egal wie lange das Gespräch dauert. Wenn ein Haarschnitt 180 Euro kostet und die Strähnen 350 Euro, dann brauche ich mir keine großen Gedanken um die Kosten der Beratung machen. Diese Preise können wir aber nicht verlangen, deshalb müssen wir mit unserer Zeit haushalten. Wie gesagt, sie ist das wertvollste, was wir zu verkaufen haben, also kann ich sie nicht verschenken.

Beratungsdiebstahl

Vor kurzem sagte mir ein Geschäftspartner aus einem anderen Wirtschaftsbereich, dass viele Kunden in den Läden Beratungsdiebstahl begehen. Sie stehlen dem Händler die Zeit und kaufen mit seinen Profi-Information im Internet. Darauf sind Kunden zu Recht stolz, weil sie mit der Angst der Geschäftsleute spielen, sie könnten einen Kunden verlieren, den sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal als Kunden hatten. Alleine aus dieser Angst verlangen sie für Beratungsleistung kein Gel

1 2 3 22