Strategie Archive - Peter Gress

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Erleuchtete Glühbirne

Voranirren in Coronazeiten

„Hast du einen Plan?“ Diese Frage stelle ich während vielen Gesprächen anderen Unternehmern. Die Händler und Dienstleister in den Innenstädten haben keinen. Wie auch? Mir geht es ja genauso, es gibt keine Sicherheit für eine gelingende Transformation eines Geschäftsmodells. Deshalb gilt: Voranirren in Coronazeiten.

Abhängig von der Politik

Wie soll das auch gehen, wenn wir von politischen Entscheidungen abhängen? Wir können weder etwas dagegen noch etwas dafür tun. Aber wir können unser Mindset verändern und uns darauf trainieren, dass sich unsere Gedanken nicht in der Corona-Dauerschleife verlieren. Wir sind frei, über die vorhandenen Probleme durch Corona hinaus zu denken. Wir dürfen an den ganz großen nächsten Wurf glauben, den wir mit unseren Unternehmen landen und in Zukunft erfolgreich sein werden. Voranirren in Coronazeiten ist derzeit das neue Normal.

Die Mitarbeiter im Fokus

Mein Konzept steht unter Beschuss, nicht nur, weil Umsatz fehlt. Auch und vor allem, weil ich vor Corona gar keine Notwendigkeit dafür gesehen habe, etwas zu ändern, weil es ja gut lief. Jetzt steht dafür alles auf dem Prüfstand, und ich habe festgestellt, dass es gar nicht so gut lief, wie ich dachte.

Die Einrichtung, das Angebot, die Ausbildung, die Weiterbildung, die Spezialisierung, der Kundennutzen, Ökologie und Nachhaltigkeit – die Liste ist lang und natürlich werde ich Lösungen finden. Das wirtschaftliche Umfeld ist sehr sprunghaft und unsicher. Die Situation dabei komplex und und es gibt keine Werkzeuge, sie zu vereinfachen. Wo also soll ich ansetzen? Beim wichtigsten Thema, meinen Mitarbeitern!

Transformation braucht Kapital

Deutschland irrt nicht einmal mehr voraus, Deutschland ist einfach stehen geblieben und teilweise sogar zurück geschritten. Ich möchte aber sehr gerne dazu beitragen, das zu ändern. Deshalb gestalte ich die Zukunft in meinem Einflussbereich. Digitalisierung, Ökologie und Nachhaltigkeit, sowie die Erhöhung des Kundennutzens und des Erlebniswertes sind dabei die wichtigen Themen.

Das Wie und das Wie lange dauert das ist davon abhängig, wie ich mit meinem Geschäft durch die Pandemie und aus der Pandemie hervorkomme. Eine Transformation braucht Kapital, das ich derzeit nicht in ausreichendem Maße habe, das muss erst wieder verdient werden. Und es kommt darauf an, wie stark die Vision ist, hinter der sich die Mitarbeiter aufstellen können.

Unterwegs im Schaum

Mit gefällt das Wort voranirren. Es passt gut in die pandemische Zeit, und es ist das Gegenteil von Planungssicherheit. Wir sind im Nebel unterwegs, oder im Schaum, wie es der Philosoph Peter Sloterdijk bezeichnet. Es gibt nicht mehr den geraden Weg zum Ziel, wenn es den je gab.

Wir machen Umwege, gehen um Ecken, sehen mal den Horizont, mal nicht und orientieren uns nach Gefühl, weil die Zahlen nur noch bedingt für eine Transformation taugen. Oliver Leisse, Inhaber der Agentur SEE MORE Future Research & Development hat es auf den Punkt gebracht: „Aus: Die Großen fressen die Kleinen wurde: Die Schnellen fressen die Langsamen ist heute: Die Versteher fressen die Nichtversteher geworden!“

Wer anpassungsfähig und mutig ist, und wer gerne Dompteur in unsicheren Zeiten ist, kann die erfolgreiche Transformation schaffen. Ich bin überzeugt, mein Team und ich gehören dazu.Ich freue mich wie immer auf eure Kommentare und Reaktionen.


Übrigens: Ich lade euch am Mittwoch, 1.12.2021, um 19:30 Uhr, ganz herzlich ein zum Facebook-Live Talk mit Hannes Kielmeyer und seinem Team bei Kielmeyers 1582 in Esslingen. Schaut ab 2.11.2021 auf die Ankündigung hier im Blog und gerne auch auf meiner Facebookseite.

Tragt euch gerne in meinen Newsletter ein, dann verpasst ihr keine Termine.

Peter Gres Podcast Quickies

017 – Podcast – Local Marketing mit Google My Business

Podcast 017 – Local Marketing mit Google My Business

Heute geht es um lokales Marketing mit Google My Business

Im lokalen Marekting gibt es kein besseres Tool als Google My Business. Google spielt bei der Internetsuche weltweit eine Hauptrolle. In USA beläuft sich der Marktanteil von Google auf 81 Prozent. In Deutschland waren es im Januar 2021  84 Prozent. Selbst in Russland hat Google die Suchmaschine Yandex überholt und ist seit 2019 dort die Nummer 1. In China beißt sich Google allerdings momentan noch die Zähe aus. Dort dominiert die Suchmaschine Sogou den Markt. Den mobilen Markt deckt Google in Deutschland  im Januar 2021 zu 98 Prozent ab.

Zugriffe über Google My Business

Interessanterweise waren die mobilen Zugriffe auf unsere Friseurdienstleistungen vor dem verstärkten Home-Office durchschnittlich um das vierfache höher als die Zugriffe über den Desktop. Jetzt sind es lediglich noch doppelt so viele. Im Perückenbereich verhält es sich fast spiegelbildlich anders herum, hier dominieren die Zugriffe über den Desktop. Während des Lockdowns waren die Zugriffe auf die Webseite um das sechsfache höher als die Telefonate.

Unsere Google Ads hatten während des Lockdowns Pause. Den Zugriffen auf die Webseite hat das nicht geschadet. Wir haben die Webseite während des Lockdowns in eine  Info-Seite zur Coronasituation umfunktioniert, die viele Kunden gerne genutzt haben. Alle Beiträge in Google My Business haben zusätzlich auf die Webseite verwiesen, was wiederum zu höheren Kontaktzahlen geführt hatte.

Wirkungsvolles Tool

Google hat mit My Business ein Tool geschaffen, dass die Kunden im Einzugsgebiet unseres Geschäfts mit Informationen und Neuigkeiten versorgt. Vor allem Bilder sind ein Frequenzbringer. Wir bekommen im Vergleich mit Wettbewerbern durchschnittlich mehr als  1000 Prozent mehr Views auf unsere Bilder.

Warum ein Produkt 3500 mal betrachtet wird und ein anders aus derselben Produktreihe nur 210 mal? Das wird für alle Zeiten das Geheimnis entweder des Algorithmus oder der Kunden bleiben. Unser Titelbild wurde 431.000 mal angeschaut, das nächstbeste Bild eines blonden Bobs immerhin noch knapp 55.000 mal. Das beste Produktbild erreichte über 24.000 Kunden,  ein Weihnachtsbaum knapp 6000. Ein Smiley-Luftballon mit schwarzer Ray-Ban Brille immerhin auch noch 3.500 Kunden innerhalb von 16 Wochen

Da niemand sagen kann welche Bilder bei den Kunden gut ankommen, legen wir mehrere Angeln aus. Momentan sticht mir die Idee ins Hirn, dass ich ab sofort alle Bilder mit unserem Logo branden werde. Gut, dass ich drauf gekommen bin. Es hilft doch, wenn man über Dinge spricht. In der Statistik weisen ähnliche Unternehmen wie unseres lediglich 9 Fotos aus, im Gegensatz zu unseren knapp 700 Stück.

Fotos produzieren

Im Navigationspunkt Fotos kann ich die Bilder nach Beliebtheit sortieren. Für das fotografieren von Produkten und Kleinteilen hat mein Schreiner eine Fotobox gebaut. Die ist 50 x 50 cm und 70 cm tief und hinten mit einer Holhkehle versehen. Das Deckenlicht ist ein LED-Rundstrahler und vom Eingang her sorgt ein Ringlight für Helligkeit. So kann ich auch mit lichtschwacheren Linsen eines Smartphones gut ausgeleuchtete Fotos schießen. Die Produktfotos stelle ich unter Produkte in die jeweilige Kategorie ein, beschreibe und bepreise sie.

Rezensionen

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Rezensionen oder Bewertungen. My Business bietet einen Link an, den ich in den sozialen Medien und in meinem Newsletter verbreiten kann. Der Link lässt sich auch sehr gut an Mails anhängen und per QR-Code in den geschäftlichen Schriftverkehr einbauen. Wir haben uns zusätzlich Postkarten mit QR-Codes drucken lassen, die wir im Salon auslegen und die Kunden damit bitten, ihre positive Bewertung zu veröffentlichen.

Proven Expert

Weil nicht jeder Internetnutzer ein Google-Konto hat, bieten wir über Proven Expert eine alternative Bewertungsplattform an. Bewertungen sind wichtig. Es muss klar erkenntlich sein, dass es sich nicht um Fakes handelt. Wir bitten Kunden darum, den Namen der Mitarbeiter zu nennen, was leider nicht immer funktioniert. Manche Kunden schreiben nicht gerne, sie drücken auf die 5 Sterne und schicken die Bewertung ab. Das ist zwar auch schön und eine Anerkennung, sie ist aber leider nicht so viel wert wie eine Bewertung mit Namensnennung.

Kauft keine Bewertungen!

Deshalb auch abschließend zu diesem Thema meine Warnung an alle, die Bewertungen kaufen wollen. Macht das nicht, denn wenn Google euch dabei erwischt wird euer Account gesperrt und womöglich nicht mehr aufgemacht. Google mag echte Bewertungen, auf Fakes reagiert das Unternehmen ziemlich radikal. Das mag nicht jedem schmecken, aber es sorgt dafür, dass man den Bewertungen trauen kann. Es macht ja keinen Sinn, wenn jeder Bewertungen kauft, denen er nicht entsprechen kann. Dann könnte man sich den Aufwand sparen.

Also, bleibt bei den Bewertungen auf jeden Fall zum Wohle aller ehrlich. Schau danach, dass du viele Bewertungen erhältst, weil Google Unternehmen mit vielen Bewertungen mehr Sichtbarkeit garantiert. Habe immer im Kopf, dass Google den Nutzern immer aktuelle und ehrliche Leistung bieten will. Je besser Google das macht, desto sicherer kann das Unternehmen sein, dass User nicht zu einer anderen Suchmaschine wechseln. Google und du haben also dasselbe Ziel.

GMB App

Über die My Business App kannst du von Kunden Nachrichten empfangen und chatten. Wenn du die Nachrichtenfunktion nutzt schau danach, dass deine Antwortzeit 24 Stunden nicht übersteigt. Google liebt zeitnahe Kommunikation, was ja bei einem digitalen Tool Sinn macht.

Spontane Informationen an die Kunden

Die App ermöglicht es Dir auch, Bilder aufzunehmen und unkompliziert hochzuladen. Nachdem ich alle meine Bilder mit unserem Logo branden will, erstelle ich eine Vorlage in Canva, in die ich meine Bilder einfüge. Wenn ihr Canva noch nicht nutzt informiert euch über die vielfältigen Möglichkeiten. Den Link stelle ich euch in die Shownotes.

Mit der App bin ich sehr spontan. Mein letzter Kunden hat abgesagt und ich habe noch etwas zu erledigen und schließe den Laden? Kein Problem, ich stelle die Information in die Beiträge und jeder kann es lesen. Du hast einen Sonderpsten bekommen de du schnell abverkaufen willst? Füge ein Angebot hinzu, und stelle es online. Das geht in wenigen Minuten.

Schnelle und unkompliziert

My Business steht für unkomplizierte Handhabung und die Schnelligkeit, mit der ich Neuigkeiten verbreiten kann. Das Tool ist kostenlos und wir bei Gress Friseure können im lokalen Marketing nicht mehr darauf verzichten. Den neuesten Zahlen zufolge nutzen nur 20 Prozent der Geschäfte in Deutschlnad den Dienst regelmäßig. Das ist schade, denn erstens ist My Business kostenlos und zweitens ist es lokal, das heißt, es gibt so gut wie keinen Streuverlust.

Statistik

Das führt mich zur Statistik. Ihr bekommt bei My Business eine Fülle von statistischen Daten. Alle sind in Schautafeln aufbereitet und sehr übersichtlich angeordnet. Das Google Dashboard zeigt euch eine übersichtliche Zusammenfassung eurer statistischen Daten. Wie viele Telefonate wurden über Maps geführt? Wie viele Kunden haben eure Webseite besucht? Wie viele SMS haben Kunden geschickt? Aus welchen Postleitzahlenbereichen kommen eure Kunden? Ihr erfahrt alles sehr genau.

SEO, Ads und Algorithmus

Nutzt Google My Business intensiv, ihr findet keine bessere lokale Werbeplattform. My Business ersetzt die ehemaligen Gelben Seiten. Gepaart mit dem Suchalgorithmus, Google Ads und SEO habt ihr ein schlagkräftiges Trio an der Hand.

10 Minuten täglich reichen aus, um das Profil zu pflegen. Sehr effektiv, sehr einfach und sehr wirkungsvoll

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015 – Grenzen ziehen und Nein sagen

Mit einem Gastbeitrag von Jana Ritzen, Conscious Ballet, Braunschweig

Heute geht es um Grenzen ziehen und konsequenteres Nein sagen.
Wer immer ja sagt, hat irgendwann kein eigenes Leben mehr. Er wird von anderen vereinnahmt und dadurch in der Entwicklung gehemmt, die beste Version seiner selbst zu sein.

Wer zu oft ja sagt, schadet dauerhaft seiner Karriere und seinem Leben. Strahlst du dagegen eine gewisse Sperrigkeit aus, wirst du weniger oft als Objekt für die Ziele anderer missbraucht. Der Biologe und Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther fordert, dass sich Menschen vor allem im Beruf auf Augenhöhe begegnen und sich gegenseitig als gleichberechtigte Subjekte anerkennen.

Das bedeutet, dass die Führungskräfte des Unternehmens begreifen müssen, dass Menschen gut behandelt werden müssen  und nicht überfordert werden, damit sie dauerhaft gute Leistung bringen können.


Jeder Mensch hat eine psychische und physische Belastungsgrenze. Wenn die regelmäßig überschritten wird, tut das weder der Seele noch dem Organismus gut. Nein zu sagen markiert eine Grenze, die für unsere Gesundheit wichtig ist.

Wenn du dich ständig anderen unterwirfst, erleidest du jedes Mal einen Angriff auf dein Selbstbewusstsein. Das geht nicht lange gut, weil es Menschen aushöhlt und zu Burnout-Kandidaten macht. Wenn du immer verfügbar ist, muss du dich irgendwann mal fragen lassen, ob du deine Prioritäten kennst? Das ist keine gute Basis für eine erfolgreiche Karriere.


Die eigenen Bedürfnisse zu artikulieren ist keine Kunst. Ein freundliches Nein bringt mehr Anerkennung und Respekt als dauernde, fast grenzenlose Hilfsbereitschaft. Die wird zudem gerne ausgenutzt. Wenn ich dauernd nachgebe ist meine Leistung irgendwann mal nichts mehr wert. Leider erkennen das viele Menschen nicht früh genug.

Sie haben diffuse Ängste vor Disharmonie. Sie stellen sich vor was passieren könnte, wenn sie Nein sagen. Sie laden die Folgen eines Neins emotional so stark negativ auf, dass sie im Moment der Entscheidung keine Kraft zum Nein sagen haben und nachgeben.


Im Job ist die persönliche Abgrenzung meist eine Gratwanderung. Wie gehe ich als Mitarbeiter damit um, wenn mich der Chef wieder und wieder um Überstunden bittet? Oder die Kollegin Arbeit abwälzen will, die sie nicht gern macht. Wenn ich hier keine klare Grenze ziehe wird es den anderen zur Gewohnheit, zusätzliche Aufgaben auf mich abzuwälzen.

Wie kannst Du dich abgrenzen?  Höre dir an, was dein Gegenüber von dir will. Dann bitte dir Bedenkzeit aus, die du zeitlich klar kommunizierst. Wenn sich bis zum Termin zeitliche Reserven ergeben, kannst du zusagen. Erkennst du aber, dass du mit meinen eigenen Aufgaben nicht rechtzeitig fertig werden kannst, sagst du ab.

Wenn dein Chef drängelt und sofort eine Entscheidung will, musst du selbst entscheiden, ob du deine eigene Aufgaben entweder an Kollegen abgeben kannst, oder ob eine Verschiebung möglich ist. Kannst du die zusätzliche Aufgabe mit anderen zusammen stemmen?Dann mach ihm das Angebot, dass du die Aufgabe in Kooperation mit anderen erledigen kannst.


Wenn Mitarbeiter Überstunden machen sollen, steht wertschätzende Kommunikation Pate. Wie lange sollen die Überstunden dauern, und vor allem, wann wird die Zeit wieder ausgeglichen. Überstunden kommen oft unvorhergesehen, und manchmal dulden die Dinge  keinen Aufschub. Für die Folgen braucht das Unternehmen einen Prozess, innerhalb welchen Zeitraums bspw. Überstunden ausgeglichen werden müssen.

Angefallene Überstunden werden bei uns im Unternehmen in einer Liste erfasst. Innerhalb von vier Wochen müssen die Stunden ausgeglichen sein. Es macht keinen Sinn, Überstunden ohne Ausgleichsprozess vor sich herzuschieben, sonst kommen sie nie weg. Diese Sicherheit brauchen Mitarbeiter, um Vertrauen in die Verlässlichkeit der Führung aufzubauen.


Nein sagen findet auch in der Freizeit statt. Freundinnen und Freunde verlangen nach einem, um zu helfen, um zu reden und um Gesellschaft zu haben. Ich persönlich kann das eher nicht gebrauchen. Ich gehe nirgendwo hin, nur um jemandem einen Gefallen zu tun.

Meine Frau sagt mir oft, ich solle doch nicht so eklig sein und andere nicht so düpieren. Ich bin nicht eklig und düpier auch niemanden, ich sage nur, dass ich keine Lust habe irgendwo hin zu gehen, das mich nicht interessiert. Das Leben ist kurz und arbeitsam genug, da muss ich aufpassen, dass genügend Zeit für mich übrig bleibt.


Ich gehe samstags nicht ins Theater, in die Oper oder ins Kino, weil ich am Ende der Woche in dunklen Räumen einschlafe. Sonntagsmorgens ist es eine absolute Erholung für mich, im Bett zu lesen und mich dann in meine Kreativecke zurück zu ziehen, um meine Gedanken in Evernote zu notieren, vielleicht einen Text auszuarbeiten oder mir Gedanken zu einer Marketingaktion oder zum Leben als solches zu machen.

Dazu brauche ich Zeit und Entspannung. Ich bin kein Mensch, der dauernd irgendwo mit irgendjemandem abhängen muss. Ich liebe es, alleine zu sein und mir ungestört meine Gedanken machen zu können. Also nein, mir fällt es nicht schwer, Nein zu sagen. Das bedeutet für mich mehr Freizeit, weniger Druck und ein Höchstmaß an Entspannung.

Socialising findet natürlich statt, aber eben in dem Maß, in dem ich das zulasse. Ich entscheide, niemand sonst. Es ist ein schönes Gefühl mit Menschen zusammen zu sein, die mir nicht die Zeit stehlen, sondern mit denen ich mich zu beiderseitigem Nutzen austauschen kann.

Es gibt zu viele Menschen, die anderen ihre Energie rauben. Jeder Mensch sollte sich deshalb die Frage stellen, wer in seinem Umfeld ein Energiegeber ist.


Alexandra Reinwarth hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg – Wie sich dein Leben verbessert, wenn du dich locker machst“. Sie beschreibt, wie ihre fordernde Freundin Kathrin ihr zum Nachteil die gemeinsame Freundschaft lebt. Irgendwann hat sie sich ein Herz gefasst und ihr ein deftiges „Fick Dich!“ hingeschmettert. Seitdem lebt sie leichter. Dass ihr das nicht leicht gefallen ist und sie vor der Konfrontation Bedenken gehabt hat, ist verständlich.

Jemanden aus seinem Leben zu entfernen ist, wie mit einem Partner Schluss zu machen. Auf der einen Seite steht ab dem kritischen Punkt Zwang und Frustration, auf der anderen Seite steht die große Freiheit, die ein Mensch durch einen solchen Schritt erreicht. Für jeden Lebensabschnitt gibt es die passenden Menschen. Man kommt zusammen, und man driftet wieder auseinander.

Aber es gibt eben auch Menschen, die das nicht zulassen wollen, die klammern, und dir den Spaß am Leben rauben. Ich sehe das so: Wenn mir etwas weh tut, gehe ich zum Arzt und lass es behandeln. Dann tue ich was getan werden muss, um wieder schmerzfrei leben zu können. So einfach die Analyse, so schwierig die Umsetzung.

Auch in der Beratung müssen oft Grenzen gezogen werden. Manche Menschen tendieren dazu, Argumentationen x-mal zu wiederholen und wieder und wieder durchzukauen. Sie wollen alles erschöpfend diskutieren, und sie strapazieren damit die Nerven ihrer Mitmenschen. Solche Leute brauchen diese klare Grenze, sonst saugen sie dich ein und vernichten deine Zeit und deine gute Laune.


Richtig nein zu sagen ist eine Kunst. Zu brutal solltest du die Grenze nicht ziehen, weil das auch verletzen kann. Hör Dir an was der andere will, auch wenn du schon vorher weißt, dass du ablehnen wirst. Das gebietet die Höflichkeit. Erkläre in kurzen Worten, warum du nicht helfen kannst.

In den meisten Fällen reicht das aus, um dem anderen zu signalisieren, dass du dich auf deine eigenen Projekte kümmern willst. Wenn dein erklärtes Nein nicht angenommen wird, kannst du selbstverständlich schärfer formulieren. Nein muss  definitiv nein bleiben!


Jeder von uns hat andere Grenzen. Während die eine spontane Besuche gerne mag, stört es den anderen. Auch in der Lebensgemeinschaft  ist es wichtig, sich Freiräume zu schaffen und Grenzen zu ziehen. Das ist in einem großen Haus sicher einfacher umzusetzen als in einer kleinen Wohnung.

Wer an einer entspannten häuslichen Gemeinschaft interessiert ist muss dann Lösungen finden. Wir leben in einer ehemaligen Tanzschule. Dort gibt es weder Balkon noch Garten, dafür viel Wohnraum. Kinderzimmer und Bad sind separat, der Rest der Wohnung hat Loftcharakter. Wir können uns nicht aus dem Weg gehen. Deshalb haben wir Rückzugsräume eingerichtet.

Ich ziehe mich in meine Kreativecke zu meinen Büchern zurück, höre Musik oder schreibe Texte am Notebook. Meine Frau hat ihren Lieblingsplatz an unserem vier Meter langen Holztisch, an dem sie sich ausbreiten kann. Das Zentrum und Kommunikationszentrum des  Raums ist die offene Küche. Im Grunde genommen sind wir ein Start-up mit zwei Geschäftsführern, die sich immer wieder mal zum Austausch in der Küche treffen.

Wir haben unsere Bedürfnisse abgegrenzt und Lösungen geschaffen. Lösungen zu schaffen ist ein aktiver Prozess, bei dem sich beide Parteien bewegen müssen. Das gilt für alle Lebensbereiche.


Wir überschreiten ständig Grenzen. Das ist normal, weil niemand von uns wissen kann, wo die Grenzen des anderen liegen, unsere Lebenspartner vielleicht mal ausgenommen. Das tolerieren wir einfach, weil wir wissen, dass wir der Situation eicht wieder entkommen können.

Schwierig wird es erst, wenn wir uns aktiv gegen Grenzüberschreitungen wehren müssen. Wer einen definierten Standpunkt hat ist hierbei im Vorteil. Sie oder er können klar benennen, was sie warum nicht akzeptieren können. Menschen mit weniger ausgeprägtem Selbstbewusstsein haben hier Schwierigkeiten.

Die gute Nachricht ist: Nein sagen und  Grenze ziehen kann jeder Mensch lernen. Wer diese Stabilität nicht von sich selbst aus mitbringt, sollte sich helfen lassen. Das ist besser, als sich den Forderungen anderer schutzlos auszusetzen.

Meine persönliche Strategie ist es, gar nicht erst in solche Situationen zu kommen. Je besser ich mich selber kenne, desto besser kenne ich meine Schwachpunkte, desto besser kann ich mich schützen.

Wir kommen alle von Zeit zu Zeit in Grenzsituationen, in denen wir entscheiden müssen, wie wir auf einen Reiz reagieren. Meine persönliche Strategie ist zuhören, wie vorher schon beschrieben. Es ist mir aber schon etliche Male passiert, dass ich die neue Anfrage wesentlich interessanter fand als das, was ich grade gemacht habe. Das kann ich aber nur dann machen, wenn ich keinen Abgabetermin habe. Dann hat mein Projekt selbstverständlich absolute Priorität.


Im Unternehmen haben wir die Kommunikationnsregeln in der Betriebsverordnung festgelegt. Die haben wir mit den Mitarbeitern gemeinsam dfiniert, sie sind von allen unterschrieben worden und damit gültig. Das hat geholfen, dass sich alle gegenseitig unterstützen, weil die Rahmenbedingungen von Geben und Nehmen klar geregelt sind.

Wir, die Geschäftsführung haben einen verbindlichen Prozess festgelegt, wie und in welchem Zeitraum Überstunden ausgeglichen werden. Sie dürfen nicht über das Quartalsende mitgenommen werden. Überstunden können auch nur in absoluten Ausnahmefällen angesammelt und als Urlaubstag, bzw. Urlaubstage ausgeglichen werden. Mit diesen Regeln sind wir in den letzten 17 Jahren sehr gut gefahren.

Wenn ich andere Menschen wichtiger nehme als mich selbst, stelle ich deren Freiheit höher als meine eigene.

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