Strategie Archive - Peter Gress

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Ro-Bot

Digitalisierung bei Friseur

An Montag, 9. Mai 2022, hatte ich einen Vortrag bei der Dualen Hochschule BW gehalten. Es ging um die Digitalisierung im Handwerk, in meinem speziellen Fall um die digitale Transformation im Friseurhandwerk.

Interessante Einblicke

In den Gruppenarbeiten kamen einige interessante Ideen auf meine Liste, an die ich so dezidiert noch nicht gedacht habe. Wieder mal wurde damit der Beweis geführt, dass ein unverstellter Blick von außen frische Ideen, oder wenigstens alternative Ansätze hervorbringen kann.

Eines der Themen war der Einsatz eines Bots auf der Webseite. Die Idee dazu habe ich von der Pandemie schon mit Lisandro Adler diskutiert. Die Pandemie hat die Weiterentwicklung bei mir gestoppt. Nach der Kreativsitzung an der DHBW werde ich das Thema aller Voraussicht wieder aufnehmen. Die Studenten haben mir gezeigt, dass die Fragestellung der wichtigste Knackpunkt ist. Welche Fragen stellen die Kunden? Diese lassen sich leider nicht umfänglich definieren.

Bot oder nicht

Ein Bot hilft, wenn er für die Kunden einfach zu bedienen ist. Außerdem ist die Qualität der Antworten (auf nicht 100 Prozent bekannte Fragen) ausschlaggebend. Leider gibt es (noch) keine Erhebungen zu den Fragen, die Friseurkunden stellen, wenn sie sich über Friseure und ihre Angebote informieren. Das wäre natürlich eine große Hilfe, aber ich vermute, dass wir noch länger auf solche Daten warten müssen.
Ich glaube, dass nur ein kleiner Teil der potentiellen Neukunden einen Bot nutzen würden.

Online-Beratung

Friseurdienstleistung ist kein Stangenprodukt, dazu gibt es immer einige Fragen. Diese lassen sich durch persönliche Interaktion am Telefon besser beantworten. Eine gute Alternative zum Bot ist die Online-Beratung über WhatsApp, Zoom oder ähnliche digitale Tools. Das funktioniert sehr gut. Über Video kann ich Kunden einen Vorschlag machen, welcher Haarersatz passen könnte und was es kostet.

Doch lieber telefonieren

Ich selber nutze Bots auf Webseiten eher selten. Der Telekom-Bot bietet einen guten Service, ist aber schnell beim Angebot eines persönliche Gesprächs. Wenn der Bot eine Frage nicht verstanden hat, kommt die Aufforderung: „Können Sie das bitte nochmals mit anderen Worten formulieren?“ Kann ich, aber an diesem Punkt bin ich geneigt, ein Telefonat zu buchen.


Bots haben einen Anklang von Hotline. Sie sind anonym, und sie sind nicht schlau genug, um in einer Unterhaltung die Bälle vernünftig zurück zu spielen.Das nervt irgendwann genauso wie die Wartezeit in der Hotline. Es ist einfach so, dass Probleme schneller gelöst werden, wenn man mit einem Menschen gesprochen, und seine Wünsche formuliert hat. Trotzdem gibt es Kundengruppen, die dieses Angebot gerne nutzen. Wir müssen uns eben in der Planung des Bots die Frage stellen, ob diese Zielgruppen die unseren sind.

Entwicklungskosten

Ein weiterer Punkt sind die Kosten für die Entwicklung eines Bots. Für unserer durch die Pandenie geschwächtes Unternehmen sind die Entwicklungskosten derzeit nicht zu schultern. Vielleicht war es ganz gut, dass ich die Entwicklung vor der Pandemie nicht weiter verfolgt habe. Im Grunde genommen muss bei allem was wir tun der Nutzen für die Kunden prioritär betrachtet werden.


Viele Kunden haben dazuhin eine gewisse Online-Müdigkeit. Monatelanges Home-Office mit täglichen Online-Meetings haben manchen gestresst. Menschen brauchen Menschen in direktem Kontakt! Die Digitalisierung macht nicht frei, sie nervt bei übermäßigem Genuss. Zu Beginn der Pandemie wurde das Arbeitsleben explosionsartig digital. Das war ungewohnt und für manche vielleicht sogar erschreckend.

Zu Beginn des Home-Office haben die Vorteile überwogen, mit der Dauer wurden viele dieser Art der Arbeit überdrüssig. Wahrscheinlich ist es klüger, den Bot doch noch etwas zu schieben, bis die Hybridisierung der Büroarbeit funktioniert und die Berührungsbedenken geringer werden.

De Blick von außen

Dennoch möchte ich klar sagen, dass die Zusammenarbeit mit den dualen Studenten der DHBW erfrischende Einsichten gebracht hat. Ich habe meine Strategie und meine Zahlen auf den Tisch gelegt, und ich habe gute Ideen zurück bekommen. Deshalb glaube ich auch, dass wir für die gesamte Branche externe Hilfe brauchen, um neue Impulse zu erhalten, die uns Friseuren insgesamt einen positiven Push bringen.

Erleuchtete Glühbirne

Voranirren in Coronazeiten

„Hast du einen Plan?“ Diese Frage stelle ich während vielen Gesprächen anderen Unternehmern. Die Händler und Dienstleister in den Innenstädten haben keinen. Wie auch? Mir geht es ja genauso, es gibt keine Sicherheit für eine gelingende Transformation eines Geschäftsmodells. Deshalb gilt: Voranirren in Coronazeiten.

Abhängig von der Politik

Wie soll das auch gehen, wenn wir von politischen Entscheidungen abhängen? Wir können weder etwas dagegen noch etwas dafür tun. Aber wir können unser Mindset verändern und uns darauf trainieren, dass sich unsere Gedanken nicht in der Corona-Dauerschleife verlieren. Wir sind frei, über die vorhandenen Probleme durch Corona hinaus zu denken. Wir dürfen an den ganz großen nächsten Wurf glauben, den wir mit unseren Unternehmen landen und in Zukunft erfolgreich sein werden. Voranirren in Coronazeiten ist derzeit das neue Normal.

Die Mitarbeiter im Fokus

Mein Konzept steht unter Beschuss, nicht nur, weil Umsatz fehlt. Auch und vor allem, weil ich vor Corona gar keine Notwendigkeit dafür gesehen habe, etwas zu ändern, weil es ja gut lief. Jetzt steht dafür alles auf dem Prüfstand, und ich habe festgestellt, dass es gar nicht so gut lief, wie ich dachte.

Die Einrichtung, das Angebot, die Ausbildung, die Weiterbildung, die Spezialisierung, der Kundennutzen, Ökologie und Nachhaltigkeit – die Liste ist lang und natürlich werde ich Lösungen finden. Das wirtschaftliche Umfeld ist sehr sprunghaft und unsicher. Die Situation dabei komplex und und es gibt keine Werkzeuge, sie zu vereinfachen. Wo also soll ich ansetzen? Beim wichtigsten Thema, meinen Mitarbeitern!

Transformation braucht Kapital

Deutschland irrt nicht einmal mehr voraus, Deutschland ist einfach stehen geblieben und teilweise sogar zurück geschritten. Ich möchte aber sehr gerne dazu beitragen, das zu ändern. Deshalb gestalte ich die Zukunft in meinem Einflussbereich. Digitalisierung, Ökologie und Nachhaltigkeit, sowie die Erhöhung des Kundennutzens und des Erlebniswertes sind dabei die wichtigen Themen.

Das Wie und das Wie lange dauert das ist davon abhängig, wie ich mit meinem Geschäft durch die Pandemie und aus der Pandemie hervorkomme. Eine Transformation braucht Kapital, das ich derzeit nicht in ausreichendem Maße habe, das muss erst wieder verdient werden. Und es kommt darauf an, wie stark die Vision ist, hinter der sich die Mitarbeiter aufstellen können.

Unterwegs im Schaum

Mit gefällt das Wort voranirren. Es passt gut in die pandemische Zeit, und es ist das Gegenteil von Planungssicherheit. Wir sind im Nebel unterwegs, oder im Schaum, wie es der Philosoph Peter Sloterdijk bezeichnet. Es gibt nicht mehr den geraden Weg zum Ziel, wenn es den je gab.

Wir machen Umwege, gehen um Ecken, sehen mal den Horizont, mal nicht und orientieren uns nach Gefühl, weil die Zahlen nur noch bedingt für eine Transformation taugen. Oliver Leisse, Inhaber der Agentur SEE MORE Future Research & Development hat es auf den Punkt gebracht: „Aus: Die Großen fressen die Kleinen wurde: Die Schnellen fressen die Langsamen ist heute: Die Versteher fressen die Nichtversteher geworden!“

Wer anpassungsfähig und mutig ist, und wer gerne Dompteur in unsicheren Zeiten ist, kann die erfolgreiche Transformation schaffen. Ich bin überzeugt, mein Team und ich gehören dazu.Ich freue mich wie immer auf eure Kommentare und Reaktionen.


Übrigens: Ich lade euch am Mittwoch, 1.12.2021, um 19:30 Uhr, ganz herzlich ein zum Facebook-Live Talk mit Hannes Kielmeyer und seinem Team bei Kielmeyers 1582 in Esslingen. Schaut ab 2.11.2021 auf die Ankündigung hier im Blog und gerne auch auf meiner Facebookseite.

Tragt euch gerne in meinen Newsletter ein, dann verpasst ihr keine Termine.

Peter Gres Podcast Quickies

017 – Podcast – Local Marketing mit Google My Business

Podcast 017 – Local Marketing mit Google My Business

Heute geht es um lokales Marketing mit Google My Business

Im lokalen Marekting gibt es kein besseres Tool als Google My Business. Google spielt bei der Internetsuche weltweit eine Hauptrolle. In USA beläuft sich der Marktanteil von Google auf 81 Prozent. In Deutschland waren es im Januar 2021  84 Prozent. Selbst in Russland hat Google die Suchmaschine Yandex überholt und ist seit 2019 dort die Nummer 1. In China beißt sich Google allerdings momentan noch die Zähe aus. Dort dominiert die Suchmaschine Sogou den Markt. Den mobilen Markt deckt Google in Deutschland  im Januar 2021 zu 98 Prozent ab.

Zugriffe über Google My Business

Interessanterweise waren die mobilen Zugriffe auf unsere Friseurdienstleistungen vor dem verstärkten Home-Office durchschnittlich um das vierfache höher als die Zugriffe über den Desktop. Jetzt sind es lediglich noch doppelt so viele. Im Perückenbereich verhält es sich fast spiegelbildlich anders herum, hier dominieren die Zugriffe über den Desktop. Während des Lockdowns waren die Zugriffe auf die Webseite um das sechsfache höher als die Telefonate.

Unsere Google Ads hatten während des Lockdowns Pause. Den Zugriffen auf die Webseite hat das nicht geschadet. Wir haben die Webseite während des Lockdowns in eine  Info-Seite zur Coronasituation umfunktioniert, die viele Kunden gerne genutzt haben. Alle Beiträge in Google My Business haben zusätzlich auf die Webseite verwiesen, was wiederum zu höheren Kontaktzahlen geführt hatte.

Wirkungsvolles Tool

Google hat mit My Business ein Tool geschaffen, dass die Kunden im Einzugsgebiet unseres Geschäfts mit Informationen und Neuigkeiten versorgt. Vor allem Bilder sind ein Frequenzbringer. Wir bekommen im Vergleich mit Wettbewerbern durchschnittlich mehr als  1000 Prozent mehr Views auf unsere Bilder.

Warum ein Produkt 3500 mal betrachtet wird und ein anders aus derselben Produktreihe nur 210 mal? Das wird für alle Zeiten das Geheimnis entweder des Algorithmus oder der Kunden bleiben. Unser Titelbild wurde 431.000 mal angeschaut, das nächstbeste Bild eines blonden Bobs immerhin noch knapp 55.000 mal. Das beste Produktbild erreichte über 24.000 Kunden,  ein Weihnachtsbaum knapp 6000. Ein Smiley-Luftballon mit schwarzer Ray-Ban Brille immerhin auch noch 3.500 Kunden innerhalb von 16 Wochen

Da niemand sagen kann welche Bilder bei den Kunden gut ankommen, legen wir mehrere Angeln aus. Momentan sticht mir die Idee ins Hirn, dass ich ab sofort alle Bilder mit unserem Logo branden werde. Gut, dass ich drauf gekommen bin. Es hilft doch, wenn man über Dinge spricht. In der Statistik weisen ähnliche Unternehmen wie unseres lediglich 9 Fotos aus, im Gegensatz zu unseren knapp 700 Stück.

Fotos produzieren

Im Navigationspunkt Fotos kann ich die Bilder nach Beliebtheit sortieren. Für das fotografieren von Produkten und Kleinteilen hat mein Schreiner eine Fotobox gebaut. Die ist 50 x 50 cm und 70 cm tief und hinten mit einer Holhkehle versehen. Das Deckenlicht ist ein LED-Rundstrahler und vom Eingang her sorgt ein Ringlight für Helligkeit. So kann ich auch mit lichtschwacheren Linsen eines Smartphones gut ausgeleuchtete Fotos schießen. Die Produktfotos stelle ich unter Produkte in die jeweilige Kategorie ein, beschreibe und bepreise sie.

Rezensionen

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Rezensionen oder Bewertungen. My Business bietet einen Link an, den ich in den sozialen Medien und in meinem Newsletter verbreiten kann. Der Link lässt sich auch sehr gut an Mails anhängen und per QR-Code in den geschäftlichen Schriftverkehr einbauen. Wir haben uns zusätzlich Postkarten mit QR-Codes drucken lassen, die wir im Salon auslegen und die Kunden damit bitten, ihre positive Bewertung zu veröffentlichen.

Proven Expert

Weil nicht jeder Internetnutzer ein Google-Konto hat, bieten wir über Proven Expert eine alternative Bewertungsplattform an. Bewertungen sind wichtig. Es muss klar erkenntlich sein, dass es sich nicht um Fakes handelt. Wir bitten Kunden darum, den Namen der Mitarbeiter zu nennen, was leider nicht immer funktioniert. Manche Kunden schreiben nicht gerne, sie drücken auf die 5 Sterne und schicken die Bewertung ab. Das ist zwar auch schön und eine Anerkennung, sie ist aber leider nicht so viel wert wie eine Bewertung mit Namensnennung.

Kauft keine Bewertungen!

Deshalb auch abschließend zu diesem Thema meine Warnung an alle, die Bewertungen kaufen wollen. Macht das nicht, denn wenn Google euch dabei erwischt wird euer Account gesperrt und womöglich nicht mehr aufgemacht. Google mag echte Bewertungen, auf Fakes reagiert das Unternehmen ziemlich radikal. Das mag nicht jedem schmecken, aber es sorgt dafür, dass man den Bewertungen trauen kann. Es macht ja keinen Sinn, wenn jeder Bewertungen kauft, denen er nicht entsprechen kann. Dann könnte man sich den Aufwand sparen.

Also, bleibt bei den Bewertungen auf jeden Fall zum Wohle aller ehrlich. Schau danach, dass du viele Bewertungen erhältst, weil Google Unternehmen mit vielen Bewertungen mehr Sichtbarkeit garantiert. Habe immer im Kopf, dass Google den Nutzern immer aktuelle und ehrliche Leistung bieten will. Je besser Google das macht, desto sicherer kann das Unternehmen sein, dass User nicht zu einer anderen Suchmaschine wechseln. Google und du haben also dasselbe Ziel.

GMB App

Über die My Business App kannst du von Kunden Nachrichten empfangen und chatten. Wenn du die Nachrichtenfunktion nutzt schau danach, dass deine Antwortzeit 24 Stunden nicht übersteigt. Google liebt zeitnahe Kommunikation, was ja bei einem digitalen Tool Sinn macht.

Spontane Informationen an die Kunden

Die App ermöglicht es Dir auch, Bilder aufzunehmen und unkompliziert hochzuladen. Nachdem ich alle meine Bilder mit unserem Logo branden will, erstelle ich eine Vorlage in Canva, in die ich meine Bilder einfüge. Wenn ihr Canva noch nicht nutzt informiert euch über die vielfältigen Möglichkeiten. Den Link stelle ich euch in die Shownotes.

Mit der App bin ich sehr spontan. Mein letzter Kunden hat abgesagt und ich habe noch etwas zu erledigen und schließe den Laden? Kein Problem, ich stelle die Information in die Beiträge und jeder kann es lesen. Du hast einen Sonderpsten bekommen de du schnell abverkaufen willst? Füge ein Angebot hinzu, und stelle es online. Das geht in wenigen Minuten.

Schnelle und unkompliziert

My Business steht für unkomplizierte Handhabung und die Schnelligkeit, mit der ich Neuigkeiten verbreiten kann. Das Tool ist kostenlos und wir bei Gress Friseure können im lokalen Marketing nicht mehr darauf verzichten. Den neuesten Zahlen zufolge nutzen nur 20 Prozent der Geschäfte in Deutschlnad den Dienst regelmäßig. Das ist schade, denn erstens ist My Business kostenlos und zweitens ist es lokal, das heißt, es gibt so gut wie keinen Streuverlust.

Statistik

Das führt mich zur Statistik. Ihr bekommt bei My Business eine Fülle von statistischen Daten. Alle sind in Schautafeln aufbereitet und sehr übersichtlich angeordnet. Das Google Dashboard zeigt euch eine übersichtliche Zusammenfassung eurer statistischen Daten. Wie viele Telefonate wurden über Maps geführt? Wie viele Kunden haben eure Webseite besucht? Wie viele SMS haben Kunden geschickt? Aus welchen Postleitzahlenbereichen kommen eure Kunden? Ihr erfahrt alles sehr genau.

SEO, Ads und Algorithmus

Nutzt Google My Business intensiv, ihr findet keine bessere lokale Werbeplattform. My Business ersetzt die ehemaligen Gelben Seiten. Gepaart mit dem Suchalgorithmus, Google Ads und SEO habt ihr ein schlagkräftiges Trio an der Hand.

10 Minuten täglich reichen aus, um das Profil zu pflegen. Sehr effektiv, sehr einfach und sehr wirkungsvoll

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015 – Grenzen ziehen und Nein sagen

Mit einem Gastbeitrag von Jana Ritzen, Conscious Ballet, Braunschweig

Heute geht es um Grenzen ziehen und konsequenteres Nein sagen.
Wer immer ja sagt, hat irgendwann kein eigenes Leben mehr. Er wird von anderen vereinnahmt und dadurch in der Entwicklung gehemmt, die beste Version seiner selbst zu sein.

Wer zu oft ja sagt, schadet dauerhaft seiner Karriere und seinem Leben. Strahlst du dagegen eine gewisse Sperrigkeit aus, wirst du weniger oft als Objekt für die Ziele anderer missbraucht. Der Biologe und Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther fordert, dass sich Menschen vor allem im Beruf auf Augenhöhe begegnen und sich gegenseitig als gleichberechtigte Subjekte anerkennen.

Das bedeutet, dass die Führungskräfte des Unternehmens begreifen müssen, dass Menschen gut behandelt werden müssen  und nicht überfordert werden, damit sie dauerhaft gute Leistung bringen können.


Jeder Mensch hat eine psychische und physische Belastungsgrenze. Wenn die regelmäßig überschritten wird, tut das weder der Seele noch dem Organismus gut. Nein zu sagen markiert eine Grenze, die für unsere Gesundheit wichtig ist.

Wenn du dich ständig anderen unterwirfst, erleidest du jedes Mal einen Angriff auf dein Selbstbewusstsein. Das geht nicht lange gut, weil es Menschen aushöhlt und zu Burnout-Kandidaten macht. Wenn du immer verfügbar ist, muss du dich irgendwann mal fragen lassen, ob du deine Prioritäten kennst? Das ist keine gute Basis für eine erfolgreiche Karriere.


Die eigenen Bedürfnisse zu artikulieren ist keine Kunst. Ein freundliches Nein bringt mehr Anerkennung und Respekt als dauernde, fast grenzenlose Hilfsbereitschaft. Die wird zudem gerne ausgenutzt. Wenn ich dauernd nachgebe ist meine Leistung irgendwann mal nichts mehr wert. Leider erkennen das viele Menschen nicht früh genug.

Sie haben diffuse Ängste vor Disharmonie. Sie stellen sich vor was passieren könnte, wenn sie Nein sagen. Sie laden die Folgen eines Neins emotional so stark negativ auf, dass sie im Moment der Entscheidung keine Kraft zum Nein sagen haben und nachgeben.


Im Job ist die persönliche Abgrenzung meist eine Gratwanderung. Wie gehe ich als Mitarbeiter damit um, wenn mich der Chef wieder und wieder um Überstunden bittet? Oder die Kollegin Arbeit abwälzen will, die sie nicht gern macht. Wenn ich hier keine klare Grenze ziehe wird es den anderen zur Gewohnheit, zusätzliche Aufgaben auf mich abzuwälzen.

Wie kannst Du dich abgrenzen?  Höre dir an, was dein Gegenüber von dir will. Dann bitte dir Bedenkzeit aus, die du zeitlich klar kommunizierst. Wenn sich bis zum Termin zeitliche Reserven ergeben, kannst du zusagen. Erkennst du aber, dass du mit meinen eigenen Aufgaben nicht rechtzeitig fertig werden kannst, sagst du ab.

Wenn dein Chef drängelt und sofort eine Entscheidung will, musst du selbst entscheiden, ob du deine eigene Aufgaben entweder an Kollegen abgeben kannst, oder ob eine Verschiebung möglich ist. Kannst du die zusätzliche Aufgabe mit anderen zusammen stemmen?Dann mach ihm das Angebot, dass du die Aufgabe in Kooperation mit anderen erledigen kannst.


Wenn Mitarbeiter Überstunden machen sollen, steht wertschätzende Kommunikation Pate. Wie lange sollen die Überstunden dauern, und vor allem, wann wird die Zeit wieder ausgeglichen. Überstunden kommen oft unvorhergesehen, und manchmal dulden die Dinge  keinen Aufschub. Für die Folgen braucht das Unternehmen einen Prozess, innerhalb welchen Zeitraums bspw. Überstunden ausgeglichen werden müssen.

Angefallene Überstunden werden bei uns im Unternehmen in einer Liste erfasst. Innerhalb von vier Wochen müssen die Stunden ausgeglichen sein. Es macht keinen Sinn, Überstunden ohne Ausgleichsprozess vor sich herzuschieben, sonst kommen sie nie weg. Diese Sicherheit brauchen Mitarbeiter, um Vertrauen in die Verlässlichkeit der Führung aufzubauen.


Nein sagen findet auch in der Freizeit statt. Freundinnen und Freunde verlangen nach einem, um zu helfen, um zu reden und um Gesellschaft zu haben. Ich persönlich kann das eher nicht gebrauchen. Ich gehe nirgendwo hin, nur um jemandem einen Gefallen zu tun.

Meine Frau sagt mir oft, ich solle doch nicht so eklig sein und andere nicht so düpieren. Ich bin nicht eklig und düpier auch niemanden, ich sage nur, dass ich keine Lust habe irgendwo hin zu gehen, das mich nicht interessiert. Das Leben ist kurz und arbeitsam genug, da muss ich aufpassen, dass genügend Zeit für mich übrig bleibt.


Ich gehe samstags nicht ins Theater, in die Oper oder ins Kino, weil ich am Ende der Woche in dunklen Räumen einschlafe. Sonntagsmorgens ist es eine absolute Erholung für mich, im Bett zu lesen und mich dann in meine Kreativecke zurück zu ziehen, um meine Gedanken in Evernote zu notieren, vielleicht einen Text auszuarbeiten oder mir Gedanken zu einer Marketingaktion oder zum Leben als solches zu machen.

Dazu brauche ich Zeit und Entspannung. Ich bin kein Mensch, der dauernd irgendwo mit irgendjemandem abhängen muss. Ich liebe es, alleine zu sein und mir ungestört meine Gedanken machen zu können. Also nein, mir fällt es nicht schwer, Nein zu sagen. Das bedeutet für mich mehr Freizeit, weniger Druck und ein Höchstmaß an Entspannung.

Socialising findet natürlich statt, aber eben in dem Maß, in dem ich das zulasse. Ich entscheide, niemand sonst. Es ist ein schönes Gefühl mit Menschen zusammen zu sein, die mir nicht die Zeit stehlen, sondern mit denen ich mich zu beiderseitigem Nutzen austauschen kann.

Es gibt zu viele Menschen, die anderen ihre Energie rauben. Jeder Mensch sollte sich deshalb die Frage stellen, wer in seinem Umfeld ein Energiegeber ist.


Alexandra Reinwarth hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg – Wie sich dein Leben verbessert, wenn du dich locker machst“. Sie beschreibt, wie ihre fordernde Freundin Kathrin ihr zum Nachteil die gemeinsame Freundschaft lebt. Irgendwann hat sie sich ein Herz gefasst und ihr ein deftiges „Fick Dich!“ hingeschmettert. Seitdem lebt sie leichter. Dass ihr das nicht leicht gefallen ist und sie vor der Konfrontation Bedenken gehabt hat, ist verständlich.

Jemanden aus seinem Leben zu entfernen ist, wie mit einem Partner Schluss zu machen. Auf der einen Seite steht ab dem kritischen Punkt Zwang und Frustration, auf der anderen Seite steht die große Freiheit, die ein Mensch durch einen solchen Schritt erreicht. Für jeden Lebensabschnitt gibt es die passenden Menschen. Man kommt zusammen, und man driftet wieder auseinander.

Aber es gibt eben auch Menschen, die das nicht zulassen wollen, die klammern, und dir den Spaß am Leben rauben. Ich sehe das so: Wenn mir etwas weh tut, gehe ich zum Arzt und lass es behandeln. Dann tue ich was getan werden muss, um wieder schmerzfrei leben zu können. So einfach die Analyse, so schwierig die Umsetzung.

Auch in der Beratung müssen oft Grenzen gezogen werden. Manche Menschen tendieren dazu, Argumentationen x-mal zu wiederholen und wieder und wieder durchzukauen. Sie wollen alles erschöpfend diskutieren, und sie strapazieren damit die Nerven ihrer Mitmenschen. Solche Leute brauchen diese klare Grenze, sonst saugen sie dich ein und vernichten deine Zeit und deine gute Laune.


Richtig nein zu sagen ist eine Kunst. Zu brutal solltest du die Grenze nicht ziehen, weil das auch verletzen kann. Hör Dir an was der andere will, auch wenn du schon vorher weißt, dass du ablehnen wirst. Das gebietet die Höflichkeit. Erkläre in kurzen Worten, warum du nicht helfen kannst.

In den meisten Fällen reicht das aus, um dem anderen zu signalisieren, dass du dich auf deine eigenen Projekte kümmern willst. Wenn dein erklärtes Nein nicht angenommen wird, kannst du selbstverständlich schärfer formulieren. Nein muss  definitiv nein bleiben!


Jeder von uns hat andere Grenzen. Während die eine spontane Besuche gerne mag, stört es den anderen. Auch in der Lebensgemeinschaft  ist es wichtig, sich Freiräume zu schaffen und Grenzen zu ziehen. Das ist in einem großen Haus sicher einfacher umzusetzen als in einer kleinen Wohnung.

Wer an einer entspannten häuslichen Gemeinschaft interessiert ist muss dann Lösungen finden. Wir leben in einer ehemaligen Tanzschule. Dort gibt es weder Balkon noch Garten, dafür viel Wohnraum. Kinderzimmer und Bad sind separat, der Rest der Wohnung hat Loftcharakter. Wir können uns nicht aus dem Weg gehen. Deshalb haben wir Rückzugsräume eingerichtet.

Ich ziehe mich in meine Kreativecke zu meinen Büchern zurück, höre Musik oder schreibe Texte am Notebook. Meine Frau hat ihren Lieblingsplatz an unserem vier Meter langen Holztisch, an dem sie sich ausbreiten kann. Das Zentrum und Kommunikationszentrum des  Raums ist die offene Küche. Im Grunde genommen sind wir ein Start-up mit zwei Geschäftsführern, die sich immer wieder mal zum Austausch in der Küche treffen.

Wir haben unsere Bedürfnisse abgegrenzt und Lösungen geschaffen. Lösungen zu schaffen ist ein aktiver Prozess, bei dem sich beide Parteien bewegen müssen. Das gilt für alle Lebensbereiche.


Wir überschreiten ständig Grenzen. Das ist normal, weil niemand von uns wissen kann, wo die Grenzen des anderen liegen, unsere Lebenspartner vielleicht mal ausgenommen. Das tolerieren wir einfach, weil wir wissen, dass wir der Situation eicht wieder entkommen können.

Schwierig wird es erst, wenn wir uns aktiv gegen Grenzüberschreitungen wehren müssen. Wer einen definierten Standpunkt hat ist hierbei im Vorteil. Sie oder er können klar benennen, was sie warum nicht akzeptieren können. Menschen mit weniger ausgeprägtem Selbstbewusstsein haben hier Schwierigkeiten.

Die gute Nachricht ist: Nein sagen und  Grenze ziehen kann jeder Mensch lernen. Wer diese Stabilität nicht von sich selbst aus mitbringt, sollte sich helfen lassen. Das ist besser, als sich den Forderungen anderer schutzlos auszusetzen.

Meine persönliche Strategie ist es, gar nicht erst in solche Situationen zu kommen. Je besser ich mich selber kenne, desto besser kenne ich meine Schwachpunkte, desto besser kann ich mich schützen.

Wir kommen alle von Zeit zu Zeit in Grenzsituationen, in denen wir entscheiden müssen, wie wir auf einen Reiz reagieren. Meine persönliche Strategie ist zuhören, wie vorher schon beschrieben. Es ist mir aber schon etliche Male passiert, dass ich die neue Anfrage wesentlich interessanter fand als das, was ich grade gemacht habe. Das kann ich aber nur dann machen, wenn ich keinen Abgabetermin habe. Dann hat mein Projekt selbstverständlich absolute Priorität.


Im Unternehmen haben wir die Kommunikationnsregeln in der Betriebsverordnung festgelegt. Die haben wir mit den Mitarbeitern gemeinsam dfiniert, sie sind von allen unterschrieben worden und damit gültig. Das hat geholfen, dass sich alle gegenseitig unterstützen, weil die Rahmenbedingungen von Geben und Nehmen klar geregelt sind.

Wir, die Geschäftsführung haben einen verbindlichen Prozess festgelegt, wie und in welchem Zeitraum Überstunden ausgeglichen werden. Sie dürfen nicht über das Quartalsende mitgenommen werden. Überstunden können auch nur in absoluten Ausnahmefällen angesammelt und als Urlaubstag, bzw. Urlaubstage ausgeglichen werden. Mit diesen Regeln sind wir in den letzten 17 Jahren sehr gut gefahren.

Wenn ich andere Menschen wichtiger nehme als mich selbst, stelle ich deren Freiheit höher als meine eigene.

Peter Gres Podcast Quickies

010 – Podcast – Politisches Geblubber

Heute geht es um politisches schwurbeln, blenden, blubbern und den alltäglichen Lockdown-Wahnsinn.

„Ich habe schon immer gesagt…“

Der schlimmste Satz in Politikerinterviews ist: „Ich habe schon immer gesagt…“ Unerträglich, da hilft nur  ausschalten. Hinterher ist ja auch irgendwie sicherer, nicht wahr!?

Alternativlos oder planlos

Der Lockdown ist ja scheinbar alternativlos, das hören wir 24 Stunden am Tag. Er ist nur deshalb alternativlos, weil es keine alternativen Szenarien gibt. Jedenfalls habe ich noch von keiner Alternative gehört.

Fakten schaffen

Die Friseurunternehmerin Kirstin Ellen Vietze aus Berlin war am 24.1.2021 bei Frank Plasberg und hat sehr treffend geschildert, wie es Friseuren geht. Sie hat das gut gemacht, ist bei den Fakten geblieben, war dabei doch emotional und und als Mutter von drei Kindern auch absolut glaubwürdig, was der Lockdown Familien und Unternehmern aufzwingt.

Sie spricht über existentielle wirtschaftliche Not, weil sie inzwischen den zweiten Kredit aufgenommen hat, um den mehr als hundert Jahre alten Familienbetrieb zu retten. Sie durchlebe ein Wechselbad der Gefühle, höre sechzig Mal am Tag das Wort Mama, schlafe zunehmend schlechter und sehe am Ende des Tunnels kein Licht mehr.

Damit kann ich mich, können sich alle Kleinunternehmer, die momentan in der Luft hängen, voll identifizieren. Selbstverständlich kämpfen wir weiter, es bleibt uns ja gar nicht anderes übrig. Woher soll das Geld kommen, aufzuhören?

Hubertus Heil hat wieder mal Empathie gezeigt, er hat verständnisvoll und sorgenumflort nach Frau Vietze geschaut als sie ihre Situation geschildert hat und verfiel dann wieder in das alt bekannte Geblubber, das wir uns jetzt seit vielen Wochen anhören müssen.

Im Grunde genommen ist die Situation ganz einfach: Die Bundesregierung nimmt den Mund voll, verspricht Hilfen, die nicht kommen und bringt damit Menschen an den Rand der Insolvenz. Ich habe abgeschaltet, aber ganz bestimmt nicht wegen Frau Vietze. Von ihr hätte ich gerne mehr gehört

Unpassender Zeitpunkt

Ich kann hier selbstverständlich nicht mit 100-prozentiger Sicherheit behauten, dass sich die Politik keine Alternativen überlegt, denn ich gehöre ja nicht zum inneren Entscheidungszirkel. Wenn sie es aber tut, dann bekomme ich nichts davon mit.

Gezielte Fragen zu Exit-Strategien werden mit dem ‚unpassenden Zeitpunkt‚ pariert. Sogar Laschet, bisher bekannt als Lockdown-Öffner sagt : „Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Öffnungsdiskussion falsch. Die Bedrohungslage ist noch zu groß. “

Ja, wann darf man denn eine Alternative diskutieren, wenn nicht jetzt, wo vielen Unternehmern das Wasser bis zum Hals steht? Am besten gar nicht!? Lassen wir es einfach sein, dann macht sich auch niemand falsche Hoffnungen, dass der Spuk bald vorbei ist? Nur: Wir leben von der Hoffnung. Sie bringt uns die Energie, sie ist der Motor für unseren Glauben an die Zukunft.

Das Märchen von der Bazooka

Alternativ zum falschen Zeitpunkt wird darauf hingewiesen, dass Deutschland reich und die Bazooka geladen ist und man sich einen längeren Lockdown leisten kann.

Die finanzpolitischen Turbulenzen der Zukunft sind momentan noch gar nicht absehbar, aber auch davon redet niemand, außer dem Bund der Steuerzahler. Der sagt aus Erfahrung, dass die Schulden von heute die Steuern von morgen sind. Ach was?

Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes, hat am Montag, 25.1.2021 in einem Interview mit Gabor Steingart gesagt: „In der Politik wird eine Diskussion geführt, wie wir den Sozialstaat weiter ausbauen und an vielen Ecken und Enden weiter draufsatteln können. Niemand legt wahrhaftig die Zahlen auf den Tisch und sagt: Das kann so nicht mehr weitergehen.“

Ich hoffe, dass der Druck auf die Bundesregierung jetzt wächst, doch bitte mit einer Alternative zum Lockdown an die Öffentlichkeit zu gehen. Das wäre auf jeden Fall gut für die Unternehmer, die sich diesen Lockdown auf keinen Fall leisten können.

Wenn wir Kapital brauchen legen wir unseren eigenen Kopf unter das Beil, denn wir müssen die Rückzahlung für das zusätzlich benötigte Kapital selber verantworten. Politikern ist es ganz egal, wo das Geld herkommt. Sie  werden dafür nicht zur Verantwortung gezogen, stehen nicht in der Verpflichtung und haben ihre sichere Rente. Deren persönliche Exit-Strategie ist nicht an den wirtschaftlichen Erfolg gebunden.

Change and rerarrange

Das kann so nicht weitergehen? Ja, das ist  richtig! Niemand aus der großen Politik spricht von hunderttausenden Kleinunternehmern und Arbeitnehmern, die diesen Lockdown ausbaden müssen. Die Herren Lauterbach und Drosten würden uns ja am liebsten ganz weg sperren.

Dann sind wir alle körperlich gesund, wirtschaftlich tot, psychisch auf dem Zahnfleisch und Rente kriegen dann nur noch die, die zum durchhalten anhalten. Dieser Umstand wird nicht diskutiert, wenn er thematisiert wird, ist es lediglich der zarte Anklang einer möglichen Problematik, die niemand vertiefen will. Ihr wisst schon: Falscher Zeitpunkt.

Schutz der Alten geht vor

Selbstverständlich müssen die vulnerablen Gruppen geschützt werden, aber die Kommandobrücke kriegt das ja auch nicht wirklich hin. Täten würde man schon gern wollen, aber mir kommt der Zustand vor wie das Verhalten des Hundes, der sich fünfmal im Kreis dreht, bis er sich endlich hinlegt.

Die Damen und Herren verweisen auf weitere Gespräche. Konzertierte Taten wären besser. Fehlende Tatkraft und Planung (Beispiel Impfstrategie) drückt sich nicht nur in fehlender Aktion, sondern auch in fehlenden klaren Worten aus. Es wird definitiv zu viel geredet und zu wenig angepackt.

Das alles fühlt sich für mich so an, als rase Corona mit Blaulicht und Martinshorn auf der Busspur über alle roten Ampeln am zäh fließenden Verkehr der Politik vorbei. Na Prost, sage ich.

Nachkriegsgeneration

Ich bin 1956 geboren und habe so etwas wie den Lockdown noch nie erlebt, wie alle anderen eben auch, die nach dem Krieg geboren sind. Zu meinen frühen politischen Erinnerungen zählen Debatten im Parlament, bei denen sich die Kontrahenten nichts geschenkt haben.

Mit fallen Strauß, Wehner, Schmidt ein, die haben aufeinander eingedroschen, als gäbe es kein Morgen. Wahrscheinlich habe ich glorifizierte Erinnerungen an diese Zeit, aber es gab viel mehr kantige Typen im politischen Bonn als heute in Berlin.

Die haben sich in Debatten im Parlament mit Messer zwischen den Zähnen beharkt, und ganz sicher waren auch nicht alle koscher. Heute aber sind wir in einem politischen System zuhause, das vom Konsens bestimmt wird, von der Sattheit und vom Bewahren. Es muss ja nicht gleich alles zusammengefaltet werden, aber ein gewisses Maß an Aufbruchstimmung sollte man schon merken.

Schwachstellen im System

Die Pandemie bringt die Schwachstellen des politischen Betriebs gnadenlos ans Tageslicht. Ich befürchte nur, dass sich nach der Beruhigung der Pandemie nichts ändern wird. Es gibt ja keine anderen Politiker als die, die wir grade haben. Adenauer hat schon gesagt: „Nehmen Sie die Leute, die Sie haben, andere gibt es nicht.“

Das Problem ist, dass man versucht, Systeme so lange wie möglich zu erhalten, wie sie sind. Das ist nicht nur einpolitischer Zustand, sondern auch einer von Parteien, Unternehmen, Netzwerken und nicht zuletzt dem Individuum.

Man hat sich eingerichtet, die Zahnräder sind geschmiert und damit einher kommt das Gefühl, man hätte alles im Griff, alles liefe gut – Störungen sind höchst unerwünscht. Netzwerke sind dazu da, sich die Hände zu reichen, Positionen zu beziehen und zu sichern, und das gefällt uns doch allen, nicht wahr?

Wir fühlen uns gut, wenn wir etwas bewegen können. Wenn wir Kontakte haben, um Projekte anzuschieben und deren Entwicklung zu beeinflussen. Die graue Eminenz im Hintergrund oder der Wadenbeisser an der Front – es ist das Gefühl von Macht, Bedeutung und Anerkennung.

In der Politik sind Netzwerke die Killerapplikation, weil zu viele gesichtslose und teils untalentierte Mitschwimmer nach oben gezogen werden. Mit diesen Nachteilen müssen wir Bürger in einer freiheitlichen Demokratie leben.

Menschen sind immer auch das Produkt der Gesellschaft, in der sie sozialisiert und ausgebildet werden. Es ist erstaunlich, wie tiefgreifend sich ein politisches System an außergewöhnlichen Situationen wie de Corona-Pandemie aufreibt.

Wahlkampf 2021

2021 kommt noch erschwerend der Wahlkampf dazu. Da bleibt nicht viel Zeit für einen Strategieplan für den Lockdown-Exit. Der Wahlkampf tobt im Hintergrund schon mit aller Macht.  Und weiter erschwerend ist, dass die Sprache unserer Politiker und Führungspersonen so blubberig wachsweich geworden ist, dass man sich an ihnen gar nicht mehr festbeissen oder reiben kann.

Klare Kante

Man regt sich  über die da oben auf, aber das tun wir ja schon immer. Bei uns in Deutschland sind nur wenige aus Politik und Wirtschaft für einen starken Charakter, einen kerzengeraden Rücken und für eine klare Sprache bekannt.

Als Negativbeispiel nehme ich mal die vermeintliche Creme de la Creme aus Wirtschaft und Politik, namentlich Joe Kaeser, Vorstand von Siemens. Der ist Trump letztes Jahr in Davos fast in den Hintern gekrochen, das war peinlich und rückgratlos. Und Klaus Schwab, Organisator des Weltwirtschafsforums in Davos, hat Trump explizit dafür gedankt, dass er – ich kann es immer noch nicht glauben –  „unsere Diskussionen mit seinem Optimismus bereichert hat.“

Nun, was soll man von solchen Vorbildern halten? Der eine, Kaeser, schleimt Trump Honig ums Maul, weil er seine Geschäfte in USA sichern will, und der andere, Schwab, war sich nicht zu schade dafür, dem kleingeistigen Großmaul nach dem Mund zu reden, weil er Angst vor einer Konfrontation oder einem Eklat hat.

Diese Menschen haben in ihrem Leben schon so viel auf die Beine gestellt und erreicht, da sollte mehr Rückgrat vorhanden sein. Wir werden alle daran gemessen, für was wir stehen, und wogegen wir stehen. In der Zeit des Lockdowns ist das noch wichtiger als zuvor.

Kritische Nach- und Vorausdenker

Die Linie zwischen Querdenker und kritiklosem Abnicker ist schmal. Es sollte aber möglich sein, dass wir zwischen den Schreihälsen und den Duldern den kritischen Nach- und Vorausdenker etablieren.

Ich komme dabei persönlich aufs Glatteis: Wie weit traue ich mich aus meiner Deckung mit dem  was ich kann? Ich würde ein Problem oder einen Zustand gerne geschliffen-pointiert und emotional zwingend auf den Punkt bringen, doch dazu fehlt mir leider die rhetorische Fähigkeit. Erstaunlich, auf welche Gedanken und Einsichten man so kommt, wenn man auf sich selbst zurück geworfen wird.

Einfach mal so ist keine Option

Eines habe ich im Laufe der letzten Jahrzehnte gelernt: Einfach mal so machen geht nie. Harry Belafonte hat gesagt: „Ich habe 30 Jahre gebraucht, um über Nacht berühmt zu werden.“ Sich zu verändern ist ein dauernder Prozess, der ein Verlassen der Komfortzone und ein Ausbrechen aus der Gewohnheit voraussetzt. Weil Corona sowieso grade alles aus den Angeln hebt, ist jetzt die beste Zeit für den Beginn einer persönlichen Veränderung.

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009 – Podcast Starke Marke – Tägliche Routinen

Heute geht es um das Thema der täglichen Routinen im Lockdown. Wir sind ja von einem Tag auf den anderen aus unserem gewohnten Ablauf gerissen worden und müssen unsere Tage mit einer alternativen Struktur versehen. Warum diese Routinen speziell im Lockdown wichtig sind möchte ich heute anhand meines eigenen Beispiels aufzeigen.

Gezielt Routinen aufbauen

Dazu möchte zuerst eine Volte knappe zehn Jahre zurück drehen. Am 1. August 2011 hatte ich einen schweren Motorradunfall mit Wirbelbrüchen,  kaputter Schulter und einer komplett gestauchten linken Körperhälfte. Bei der Untersuchung im Krankenhaus war nicht klar, ob die Operation zur Stützung der Wirbel erfolgreich würde verlaufen können. Gottseidank hat alles gut geklappt, ich bin dem Rollstuhl entkommen.

Am zweiten Tag nach der OP stand morgens ein Physiotherapeut an meinem Bett, der mich aufforderte, aufzustehen und mit ihm einige Schritte zu gehen. Ich dachte, der scherzt, ich hatte das Gefühl, mein Körper würde sich vor Schmerz nie mehr bewegen lassen. Er blieb unerbittlich, und durch die Androhung eines Rollators hat er meinen Ehrgeiz angefacht.

Damit die Erzählung jetzt nicht ausartet, gehe ich zweieinhalb Jahre weiter ins Frühjahr 2013. Meine Schulter hat wieder gut funktioniert, die Schmerzen im Rücken waren akzeptabel und ich habe mich wieder an den Physiotherapeuten erinnert.

Von alleine wird’s nicht mehr

In diesem Frühjahr war mit klar: Wenn ich jetzt nicht gezielt meinen Körper wieder aufbaue werde ich zum schlurfenden alten Sack. Also habe ich begonnen, jeden Morgen Sport zu machen, außer sonntags. In der ersten Sitzung habe ich eine Liegestütze geschafft, zwei halblebige Rumpfbeugen, und für mein Schultertraining konnte ich lediglich das schwächste grüne Teraband benutzen.

Ich habe natürlich gemerkt, dass sich der Körper selber heilt. Aber eben nur bis zu einem bestimmt Grad. Diesen Heilungsprozess wollte ich unbedingt stärker unterstützen. Dafür habe ich einen Personal Trainer gebucht.  Der hat mir ein Programm mit Übungen geschrieben,  und mit mir jede Übung so lange trainiert, bis ich ein Gefühl für die richtige Haltung bekommen hatte.

Routinen im Lockdown

Im Lockdown ist dieses tägliche Training ein Teil meiner Tagesstruktur. Ich habe mittlerweile drei Trainingseinheiten entwickelt, die ich an sechs Tagen je zweimal pro Woche durchziehe. Montag und Donnerstag gibt es Bizeps- und Trizeps-, Oberschenkel- und Schultermuskulatur-Training am TRX-Band. Dienstag und Freitag Bauchaufzüge, Rumpfbeugen, Dips und Bizeps. Mittwoch und Samstag Liegestützen, Planks, seitliche Beinheber und Rückenstretching.

Unter dem Tag verteilt schnappe ich mir die Langhantel, die mitten im Wohnzimmer liegt. Ich führe dazu eine Strichliste und habe festgestellt, dass ich die Langhantel durchschnittlich viermal pro Tag zusätzlich hernehme. So einfach kann es sein.

Fitness-Pflicht

Zusätzlich lege ich mit meinem Kollegen und Freund Oliver Gerbert einen Pflicht-Wandertag pro Woche ein, egal ob es regnet, schneit oder der Wind uns fast vom Berg bläst. Das Training am Morgen setze ich deshalb aber nicht aus. Das Training ist an allen Tagen Pflicht, ob Urlaub oder Alltag, es ist von allen Tagesunternehmungen völlig unabhängig.

Wenn 6 Uhr aus Zeitgründen zu spät ist, dann stehe ich eben früher auf. Ausnahmen gibt es nicht. In den letzten sieben Jahren hat sich das Trainingsritual bei mir so verfestigt, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke, ob ich morgens eine andere Option habe. Noch niemals zuvor in meinem Leben war ich körperlich und mental so fit.

Meine Trainingsklamotten hängen beim Bett. Ich stehe auf, schlüpfe rein und trainiere. Ohne Umweg in die erste Runde. In der kurzen Pause Wasser  kochen und Tee ziehen lassen. Dann die zweite Runde. Einen Schluck Tee nehmen. Dritte Runde.

Nach dem Training das Morgenmagazin anschalten, dann  bin ich wach genug, um die News ertragen zu können. Was bringt es, wenn ich mir schon vor dem richtig wach sein die Informationen reinknalle? Corona, Mortalität, Lockdown, Impfprobleme und USA gibt es auch noch wenn ich wach bin.

Seltsame Automatismen

Ich frühstücke niemals, außer am Sonntag und im Urlaub. Fragt mich nicht wieso, das hat sich eben so entwickelt.  Viele um  mich herum denken anders darüber, und meist dauert es nicht lange, bis ich die ersten Argument bekomme, warum ich unbedingt frühstücken sollte. Ich lasse sie reden, sollen sie denken, was sie wollen, es ist nicht mein Problem.

Das hat sich einfach so ergeben, und ich komme damit sehr gut klar. Schon interessant, welche Automatismen sich so nebenher entwickeln. Was ich mache  taugt für mich, einem anderen dagegen gar nicht. Aber das interessiert mich ja nicht, ich bin ja nicht der andere. Alleine wichtig ist, meinen eigenen Takt zu finden, um meine persönliche Ausgeglichenheit zu erreichen oder zu erhalten.

Ich höre zu, was andere sagen, gleiche ab, ob ich das brauchen kann, und nehme es auf oder lasse es sein. Es ist eigentlich ganz einfach, sein Ding durchzuziehen. Man darf einfach nicht zu viel auf andere hören, sonst bekommst Du keine Linie in die Tages-Routinen.

Der erste Schritt ist der wichtigste

Das Allerwichtigste ist, dass man überhaupt anfängt. Das beginnt ganz klein und vorsichtig, aber wenn man es konsequent jeden Tag immer zur selben Zeit macht, ist der wichtigste Schritt getan. Eines gar nicht fernen Tages vom ersten Schritt entfernt, nimmst man ein richtig gutes Körpergefühl und das Gefühl von mentaler Kraft wahr.

Die Investitionen einen Personal Trainer  hat sich für mich ausgezahlt, weil ich keine computergesteurten Maschinen, sondern nur mich und mein Eigengewicht brauche.

Was hat das jetzt mit dem Lockdown und den täglichen Routinen zu tun? Das Training mache ich ja auch während meiner Arbeitstage. Um das Training herum habe ich im Lockdown jedoch zusätzliche, verpflichtende Routinen installiert.

Struktur-Routinen

  • Erstens: Niemals ungeduscht arbeiten
  • Zweitens: Niemals in Lümmel- oder Sportklamotten an den Rechner sitzen
  • Drittens: Immer zur selben Zeit aufstehe (außer Sonntag)
  • Viertens: Immer zur selben Zeit mit der Arbeit beginnen
  • Fünftens: Um 13 Uhr Mittagessen
  • Sechstens: Nachmittags frei verfügbar

Was im Gehirn passiert

Routinen einzuführen ist wichtig, aber auch sie zu verändern oder sie anzupassen. Der Körper bleibt ja nicht über Jahre gleich. Ein Beispiel: Ich möchte eine Routine installieren. Was passiert im Gehirn? Zuerst muss ich klar vor Augen habe, was ich verändern möchte.

Habe ich kein Ziel, komme ich nirgends an. Mit der ersten Handlung lege ich einen Pfad in meinem Gehirn an. Synapsen werden getriggert, sie legen die Informationen an. Je öfter ich eine Handlung wiederhole, desto stärker feuern die Synapsen, beziehen andere Synapsen mit ein und legen so einen immer breiteren Pfad im Gehirn an. Ob ich eine Fremdsprache oder ein Gedicht lerne, oder eine andere Routine einstudiere, das Gehirn braucht einen gewisse Zeit,  um sie zu festigen.

Das funktioniert über Konzentration, Konsequenz und natürlich eine gehörige Portion Sturheit und Egoismus. Bevor meine wichtigsten Routinen nicht abgehandelt sind – in meinem Fall ist es das tägliche Fitnesstraining – gibt es keine geschäftliche Aktivität, keine familiären Verpflichtungen und Erledigung, werden keine Anweisungen angenommen, nur die Routine steht im Fokus. Deshalb: Niemals etwas or den wichtigsten Routinen einschieben!

Smartphone-freie Zeit

Das Smartphone, sonst mein sehr intensiv genutzter Begleiter ist von 19 Uhr abends bis um 8 Uhr morgen auf Nachtruhe gestellt. Nach 19 Uhr lese ich, mal kürzer, mal länger, aber wenn, dann fokussiert und konzentriert.

Informationen im Vorbeigehen aufzunehmen bringt nichts, so entwickelt sich kein Gedankenfluss. Es kommt nicht auf die Menge der Informationsaufnahme an, oder auf die Lesegeschwindigkeit, sondern darum, sich in den Text einzudenken und die Synapsen feuern zu lassen.

Passiert das nicht, ist das Thema für mich nutzlos. Was nicht heißt, das ich das Thema später wieder aufnehme. Wrong time, wrong topic!  Ich quäle mich nicht durch Bücher, deren Schreibstil und Inhalt ich nicht mag.  Ich kann mich dann einfach nicht mehr auf den Sinn des Textes konzentrieren.

In meiner Bibliothek stehen viele Bücher, die für mich so schrecklich nutzlos sind, die aber von anderen geliebt werden. So hat halt jeder seinen Ansatz, aber wenn meinem Mitmenschen etwas gefällt muss ich das nicht automatisch auch gut finden. Und selbstverständlich gilt das auch vice versa.

Cooles Sport-Styling

Heute Morgen habe ich TikTok geschaut und viele perfekte Ärsche in hautengen Sportklamotten gesehen. Perfekt in Szene gesetzt und dem gängigen Publikumsgeschmack angepasst. Ich habe eine ausgeleierte Trainingshose an, ein schlabbriges T-Shirt mit dem ich keinen Schönheitspreis gewinne und meine Woll-Hausschuhe, weil die eine rutschfest Sohle haben.

Der ganze Mist mit angesagten Klamotten, coolen Schuhen und elektronischen Devices nervt mich. Den ersten Schritt zu einer sportlichen Routine kannst Du auch im Kartoffelsack machen. Hauptsache ist, Du machst es!

Gedichte-Routine

Ihr könnt natürlich gerne darüber lachen, aber gedanklichen Ausgleich schaffe ich mit dem auswendig lernen von Gedichten. Wer die geschrieben hat ist dabei nicht ganz so wichtig, das Thema muss mich emotional packen.

Wenn ich nachts aufwache und meine Gedanken, speziell im Lockdown, auf Wanderschaft gehen, rezitiere ich im Stillen meine Gedichte. Dazu habe ich mir gedankliche Ordner angelegt. Die heißen: 1. Erich Kästner, 2. Goethe, 3. Morgenstern, 4. Diverse und 5. Songtexte.

Habt ich euch schon einmal mit Memo-Techniken beschäftigt? Dann werdet ihr Gregor Staub vielleicht kennen. Nach dem Studium seiner Technik habe ich mit den Gedichten begonnen und es funktioniert super. Auch zu Gregor Staub findet ihr einen Link in den Shownotes.

Lockdown-Blues

Unsere Gesellschaft steht derzeit unter Strom. Vielen Unternehmern droht das Aus, viele Menschen werden ihre Arbeit verlieren und wahrscheinlich wird es viele Jahre dauern, bis wir wieder eine kulturell potente Szene haben werden.

Ich habe mir mittlerweile die Mutmaßung über die Zukunft versagt. Es kommt wie es kommt, wir werden wenig daran ändern können. Das heißt nicht, dass ich mir keine Gedanken um die Zukunft mache. Aber: Wenn ich mit dem Auto im dichten Nebel unterwegs bin, dann fahre ich halt etwas langsamer. Wenn ich die Strecke nicht kenne macht es keinen Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, wie viele Kurven noch kommen und wieviele Abzweigungen wohl auf mich warten. Ich weiß es einfach nicht, ich kann nur raten und weiter fahren.

Persönlicher Lockdown

Für meine persönliche ist der Lockdown fast ein Segen. Wäre der wirtschaftliche Druck nicht, würde ich jauchzen, denn noch nie in meinem Arbeitsleben hatte ich so viel Zeit, um mich mit anderen interessanten Dingen zu beschäftigen. Das Perückenstudio wächst, der Podcast ist endlich draußen, die Live-Video-Shopping Software ist auf der Webseite integriert.

Ich habe viel über iMovie, Garageband, Aufnahmetechnik von Video und Ton gelernt und ich lerne immer weiter. Das langsame Voranschreiten und das tiefe Lernen unterliegt auch Routinen.

Ich habe verstanden, dass Leben ein immer währender Prozess ist. Ich werde nie fertig, ich bin immer im Entwicklungszustand. Heute noch ich, morgen ein Unbekannter. Ich bewege mich, lerne, wäge ab und handle jede Sekunde auf einer neuen Wissens- und Erfahrungsbasis. Das ist doch super. Ich muss bloss denken und schon verändere ich mich. Einfacher geht Veränderung nicht. Ich kann es gar nicht aufhalten, das passiert automatisch.

Routinen sind das Mittel dazu, sich von blossen Wunschgedanken zu lösen und tatsächlich etwas umzusetzen. Ob das mehr Sport ist, weniger Alkohol trinken oder sich mehr um Frau oder Mann oder Kinder zu kümmern, ist völlig egal. Es geht um das, was ich wir wirklich wollen. Wir kennen ja alle das jährliche Ritual an Silvester, was wir im nächsten Jahr alles tun werden. Am Ende des Jahres nehmen wir uns wieder Neues vor, obwohl wir das Alte noch gar nicht in Angriff genommen haben.

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008 – Podcast Starke Marke Weniger ist mehr

In dieser Folge geht es um das Zuviel an Auswahl, um den Stress mit den damit zusammenhängenden Kauf-Entscheidungen und um das andauernde Gefühl, niemals zufrieden zu sein, egal wieviel wir konsumieren. Das bringt uns zwingend logisch zu der Frage: Sollten wir generell weniger Dinge besitzen?


Wie viele Klamotten hängen in unseren Schränken, die wir vielleicht noch nicht einmal getragen waren? An denen noch das Preisschild hängt? Wie viele Kleidungsstücke vergessen  wir, weil sie in der unübersichtlichen Stoffmassen im Schrank untergehen?

Wie viel Stress haben wir jeden Morgen bis wir entschieden haben was wir anziehen und wer wir heute sein wollen? Ella Schön, die Asperger-Authistin, gespielt von Ellen Frier, probiert ein Outfit in der Boutique an und sagt zur Verkäuferin:“Bitte siebenmal.“ Das hört sich übersichtlich an.

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007 – Podcast Starke Marke – Wie kommen wir durch die Pandemie

Fakt ist, dass vielen kleinen Unternehmen die finanzielle Puste ausgeht. Das liegt meist daran, dass kleine Unternehmen keine hohen Rücklagen bilden konnten und jetzt sehen müssen, wie sie sich neu aufstellen.

Diese Frage stellen wir uns selber auch, denn eines ist klar: Wenn wir den ganzen Januar geschlossen bleiben und keine adäquaten Hilfen von Staat bekommen, dann sieht es für unser bisher gefahrenes Geschäftskonzept ziemlich düster aus.

Verschärfend fällt ins Gewicht, dass die Politik am 5.1.2021 die Verlängerung des Lockdowns beschlossen hat. Am 25.1.2021 wollen sich die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin wieder treffen.

Das bedeutet geschlossene Geschäfte bis mindestens Montag, 1.2.2021. Das wird vielen kleinen Geschäften den Todesstoss versetzen. Daraus resultiert nun eben die Frage: Wie kommen Unternehmer wirtschaftlich und medizinisch einigermaßen gesund mit dieser ständigen Bedrohung zurecht. Und wie können sie ihre Geschäfte retten?

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006 – Podcast Starke Marke – FORDEC-Liste

In dieser Folge geht es um die FORDEC Liste für schnelle Problemlösungen. Sie wird in der Luftfahrt eingesetzt, wenn ein auftretendes Problem in kurzer Zeit nachvollziehbar gelöst werden muss.

Die FORDEC-Liste ist eine Kurzform des Strategie-Tableaus. Sie ist ausgelegt auf schnelle Problemlösungen, denn Probleme in der Luft lassen keine langen Strategiesitzungen zu. Schneller Konsens ist das Ziel. Flugzeuge sind komplexe, vielschichtige Organismen und brauchen deshalb definierte und kooperative Entscheidungsprozesse. 

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005 – Podcast Starke Marke – Corona Lockdown 2

Good bye Wirtschaftswunderland!

Zwischen Corona Lockdwon 1 und Corona Lockdown 2 haben sich die Ministerpräsidenten ausgetobt und sich mit bürgernahen Maßnahmen überboten, in der Hoffnung, ja, genau, auf was?

Unsere liberale Demokratie ist so liberal geworden, dass Politik und Interessenverbände keine anderen Maßnahmen mehr kennen, als ein Thema, kaum veröffentlicht, an allen Ecken und Kanten abzuschleifen.

Viele Mäuse nagen an einem soliden Stück Käse hier und dort immer wieder einen Brocken ab. Vom ursprünglich feinen Käse bleibt nicht mehr als ein Haufen angefressenes, unappetitliches und unförmiges Stück übrig.

Eierlegende Wolmilchsau

In unserem liberalen, föderalistischen System mäandern Politiker wie ein Flusslauf im Tal. Es geht von einer Ecke in die andere. Sie sind so an die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau gewöhnt, dass sie vergessen haben, dass in einer schwierigen Zeit nicht der Individualismus im Vordergrund steht, sondern die Pandemie und damit gemeinsame Handlungen.

Virologen erklären Menschen die Pandemie, sie wurden durch die Medien zu Stars gemacht, weil die Politiker keine Erklärung haben. Anstatt einer starker Gemeinschaft mit einem erklärten Ziel gibt es Scharmützel untereinander.

Konfus und unorganisiert

Das Virus steht derweil wie eine gewaltige Armee geschlossen vor einem wilden, unkoordiniert daher rennenden Haufen Stammesfürsten.Olaf Scholz und Peter Altmaier werden nicht müde, uns zu erklären, dass Deutschland ein reiches Land sei, dass Deutschland wie der Phönix aus der Corona-Asche aufersteht und seine herrschende Stellung wieder einnimmt.

Ich sehe das nicht so. Deutschland hat bisher alle wichtigen technischen Entwicklungen verschlafen. Teilweise selbst verschuldet, teilweise auch verhindert durch kleingeistige Nörgler und Bedenkenträger, die nicht begreifen, dass man nur schützen kann was man hat, indem man aktiv und weitsichtig in die Zukunft geht und nicht im Bestehenden beharrt.

Keine Angst vor Insolvenz

Insolvente Unternehmen müssen mittlerweile keine Angst vor Insolvenz haben, die Kurzarbeit, eher eine kurzfristige Stützung, wird um ein weiteres Jahr verlängert, und Mitarbeiter staatsgestützter Unternehmen werden an der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz gehindert, weil Staatsgeld eine trügerische Sicherheit verbreitet.

Zukunft? Das wird schon werden! Jetzt erstmal mit dem Hammer drauf und mit dem Füllhorn hinterher. Dass der Hammer mehr niederdrücken wird, als das Füllhorn wieder aufrichten kann ist ja kein Thema. Ich habe den Eindruck, hinter uns Bürgern sind Horden von Chef-Anästhesisten mit ihren Beruhigungsspritzen her, die uns zwar nicht helfen, aber immerhin für eine Narkotisierung sorgen.

Unternehmen! Aber was genau?

Natürlich nutzen wir alle die Zeit des Lockdowns. Wir sind Unternehmer und als solche unternehmen wir etwas. Alle wollen wir die Zeit des Lockdowns nutzen, um das Geschäftsmodell zu überprüfen, auf die lange Bank geschobene Projekte weiterdenken und umsetzen. Es ist der Trotz der uns nach vorne treibt, der Trotz dagegen, uns durch die Situation demoralisieren zu lassen. Natürlich nutzen wir alle die Zeit des Lockdowns. Wir sind Unternehmer und als solche unternehmen wir etwas. Alle wollen wir die Zeit des Lockdowns nutzen, um das Geschäftsmodell zu überprüfen, auf die lange Bank geschobene Projekte weiterdenken und umsetzen. Es ist der Trotz der uns nach vorne treibt, der Trotz dagegen, uns durch die Situation demoralisieren zu lassen.

Wir wollen beweisen, dass wir trotz des navigierens im Schaum handlungsfähig sind. Das hält Unternehmer aufrecht. Aber wenn die Politik weder ein Ziel noch einen Plan für das Land hat, ist es als Unternehmen unmöglich zu handeln und in die Zukunft zu investieren.

Ich stelle mir vor wie es wird, wenn die Infektionszahlen trotz des Lockdowns nicht sinken. Das wäre für mich ein Beweis dafür, dass Geschäfte mit Publikumsverkehr nicht zu dem irrsinnigen Anstieg der Fälle geführt haben. Dort wo die Hygienemaßnahmen ernst genommen werden und Vorsorge getroffen wurde, sind Menschen nicht gefährdet.

Schnelltest ja oder nein?

Wir alle kennen die Argumente über Schnelltests, den Einsatz von FFP2 Masken und die Hygienemaßnahmen. Aber Schnelltests sind ja erstens zu ungenau und zweitens flächendeckend zu teuer. Ich will gar nicht erst versuchen, das mit den Kosten des Lockdowns gegenzurechnen.


Die Politik wird keine andere Alternative haben, als die Hilti einzupacken und das Skalpell herauszuholen, wenn Deutschland wirtschaftlich, gesellschaftlich, sozial und vor allem politisch überleben und vital bleiben will.

Agil, vital, das sind große Begriffe, die von Unternehmen verlangt, von der Politik aber negiert werden. Selbst die Zulassung eines Impfstoffes wird hinaus gezögert, weil man niemanden auf die Füße treten will.

Gemeinschaftlich beim Impfstoff, sonst aber – beispielsweise beim Streit um Rechtsstaatlichkeit – jeder mit dem Messer zwischen den Zähnen und dem Säbel in der Hand zum eigenen Vorteil.

Die Konsequenz

Was heißt das alles jetzt für mich und unser Unternehmen? Ehrlich gesagt habe ich dazu nur neblige Vorstellungen. Aber ich will die Zeit des Lockdowns nutzen, um das Geschäftsmodell zu überprüfen, und auf die lange Bank geschobene Projekte weiterdenken und umsetzen.

So wie jeder von euch halt. Was soll ich auch sonst tun? Klar: Wie die letzten Jahre üblich jeden Tag am Morgen Sport machen, dazu tagsüber ein paar Kilometer laufen oder wandern. Musik hören. Bücher lesen. Kochen. Und, um es mit den Worten meines Sohnes zu sagen: chillen und auch mal dröge Langeweile aufkommen lassen.

Langeweile ist für mich das beste Mittel, um die Gedanken zu sortieren. Einfach mal aus dem Fenster schauen und das Leben vorbei ziehen zu lassen hat auch was. Mit neu gewonnenen Freunden chatten, ruhende Freundschaften wieder mit Leben füllen und, ganz wichtig, eigentümlicher werden und weniger unwichtiges Zeugs machen. Und die einlaufenden Ideen konsequent abwägen und umsetzen.


Jedenfalls wünsche ich euch allen eine besinnliche Weihnachtszeit. Und: Nutzt die Zeit des Lockdowns, um euer Geschäftsmodell zu überprüfen, und auf die lange Bank geschobene Projekte weiterdenken und umsetzen😅. Bleibt gesund und kritisch, und biegt nicht falsch ab