Soziale Verantwortung Archive - Peter Gress

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Peter Gres Podcast Quickies

010 – Podcast – Politisches Geblubber

Heute geht es um politisches schwurbeln, blenden, blubbern und den alltäglichen Lockdown-Wahnsinn.

„Ich habe schon immer gesagt…“

Der schlimmste Satz in Politikerinterviews ist: „Ich habe schon immer gesagt…“ Unerträglich, da hilft nur  ausschalten. Hinterher ist ja auch irgendwie sicherer, nicht wahr!?

Alternativlos oder planlos

Der Lockdown ist ja scheinbar alternativlos, das hören wir 24 Stunden am Tag. Er ist nur deshalb alternativlos, weil es keine alternativen Szenarien gibt. Jedenfalls habe ich noch von keiner Alternative gehört.

Fakten schaffen

Die Friseurunternehmerin Kirstin Ellen Vietze aus Berlin war am 24.1.2021 bei Frank Plasberg und hat sehr treffend geschildert, wie es Friseuren geht. Sie hat das gut gemacht, ist bei den Fakten geblieben, war dabei doch emotional und und als Mutter von drei Kindern auch absolut glaubwürdig, was der Lockdown Familien und Unternehmern aufzwingt.

Sie spricht über existentielle wirtschaftliche Not, weil sie inzwischen den zweiten Kredit aufgenommen hat, um den mehr als hundert Jahre alten Familienbetrieb zu retten. Sie durchlebe ein Wechselbad der Gefühle, höre sechzig Mal am Tag das Wort Mama, schlafe zunehmend schlechter und sehe am Ende des Tunnels kein Licht mehr.

Damit kann ich mich, können sich alle Kleinunternehmer, die momentan in der Luft hängen, voll identifizieren. Selbstverständlich kämpfen wir weiter, es bleibt uns ja gar nicht anderes übrig. Woher soll das Geld kommen, aufzuhören?

Hubertus Heil hat wieder mal Empathie gezeigt, er hat verständnisvoll und sorgenumflort nach Frau Vietze geschaut als sie ihre Situation geschildert hat und verfiel dann wieder in das alt bekannte Geblubber, das wir uns jetzt seit vielen Wochen anhören müssen.

Im Grunde genommen ist die Situation ganz einfach: Die Bundesregierung nimmt den Mund voll, verspricht Hilfen, die nicht kommen und bringt damit Menschen an den Rand der Insolvenz. Ich habe abgeschaltet, aber ganz bestimmt nicht wegen Frau Vietze. Von ihr hätte ich gerne mehr gehört

Unpassender Zeitpunkt

Ich kann hier selbstverständlich nicht mit 100-prozentiger Sicherheit behauten, dass sich die Politik keine Alternativen überlegt, denn ich gehöre ja nicht zum inneren Entscheidungszirkel. Wenn sie es aber tut, dann bekomme ich nichts davon mit.

Gezielte Fragen zu Exit-Strategien werden mit dem ‚unpassenden Zeitpunkt‚ pariert. Sogar Laschet, bisher bekannt als Lockdown-Öffner sagt : „Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Öffnungsdiskussion falsch. Die Bedrohungslage ist noch zu groß. “

Ja, wann darf man denn eine Alternative diskutieren, wenn nicht jetzt, wo vielen Unternehmern das Wasser bis zum Hals steht? Am besten gar nicht!? Lassen wir es einfach sein, dann macht sich auch niemand falsche Hoffnungen, dass der Spuk bald vorbei ist? Nur: Wir leben von der Hoffnung. Sie bringt uns die Energie, sie ist der Motor für unseren Glauben an die Zukunft.

Das Märchen von der Bazooka

Alternativ zum falschen Zeitpunkt wird darauf hingewiesen, dass Deutschland reich und die Bazooka geladen ist und man sich einen längeren Lockdown leisten kann.

Die finanzpolitischen Turbulenzen der Zukunft sind momentan noch gar nicht absehbar, aber auch davon redet niemand, außer dem Bund der Steuerzahler. Der sagt aus Erfahrung, dass die Schulden von heute die Steuern von morgen sind. Ach was?

Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes, hat am Montag, 25.1.2021 in einem Interview mit Gabor Steingart gesagt: „In der Politik wird eine Diskussion geführt, wie wir den Sozialstaat weiter ausbauen und an vielen Ecken und Enden weiter draufsatteln können. Niemand legt wahrhaftig die Zahlen auf den Tisch und sagt: Das kann so nicht mehr weitergehen.“

Ich hoffe, dass der Druck auf die Bundesregierung jetzt wächst, doch bitte mit einer Alternative zum Lockdown an die Öffentlichkeit zu gehen. Das wäre auf jeden Fall gut für die Unternehmer, die sich diesen Lockdown auf keinen Fall leisten können.

Wenn wir Kapital brauchen legen wir unseren eigenen Kopf unter das Beil, denn wir müssen die Rückzahlung für das zusätzlich benötigte Kapital selber verantworten. Politikern ist es ganz egal, wo das Geld herkommt. Sie  werden dafür nicht zur Verantwortung gezogen, stehen nicht in der Verpflichtung und haben ihre sichere Rente. Deren persönliche Exit-Strategie ist nicht an den wirtschaftlichen Erfolg gebunden.

Change and rerarrange

Das kann so nicht weitergehen? Ja, das ist  richtig! Niemand aus der großen Politik spricht von hunderttausenden Kleinunternehmern und Arbeitnehmern, die diesen Lockdown ausbaden müssen. Die Herren Lauterbach und Drosten würden uns ja am liebsten ganz weg sperren.

Dann sind wir alle körperlich gesund, wirtschaftlich tot, psychisch auf dem Zahnfleisch und Rente kriegen dann nur noch die, die zum durchhalten anhalten. Dieser Umstand wird nicht diskutiert, wenn er thematisiert wird, ist es lediglich der zarte Anklang einer möglichen Problematik, die niemand vertiefen will. Ihr wisst schon: Falscher Zeitpunkt.

Schutz der Alten geht vor

Selbstverständlich müssen die vulnerablen Gruppen geschützt werden, aber die Kommandobrücke kriegt das ja auch nicht wirklich hin. Täten würde man schon gern wollen, aber mir kommt der Zustand vor wie das Verhalten des Hundes, der sich fünfmal im Kreis dreht, bis er sich endlich hinlegt.

Die Damen und Herren verweisen auf weitere Gespräche. Konzertierte Taten wären besser. Fehlende Tatkraft und Planung (Beispiel Impfstrategie) drückt sich nicht nur in fehlender Aktion, sondern auch in fehlenden klaren Worten aus. Es wird definitiv zu viel geredet und zu wenig angepackt.

Das alles fühlt sich für mich so an, als rase Corona mit Blaulicht und Martinshorn auf der Busspur über alle roten Ampeln am zäh fließenden Verkehr der Politik vorbei. Na Prost, sage ich.

Nachkriegsgeneration

Ich bin 1956 geboren und habe so etwas wie den Lockdown noch nie erlebt, wie alle anderen eben auch, die nach dem Krieg geboren sind. Zu meinen frühen politischen Erinnerungen zählen Debatten im Parlament, bei denen sich die Kontrahenten nichts geschenkt haben.

Mit fallen Strauß, Wehner, Schmidt ein, die haben aufeinander eingedroschen, als gäbe es kein Morgen. Wahrscheinlich habe ich glorifizierte Erinnerungen an diese Zeit, aber es gab viel mehr kantige Typen im politischen Bonn als heute in Berlin.

Die haben sich in Debatten im Parlament mit Messer zwischen den Zähnen beharkt, und ganz sicher waren auch nicht alle koscher. Heute aber sind wir in einem politischen System zuhause, das vom Konsens bestimmt wird, von der Sattheit und vom Bewahren. Es muss ja nicht gleich alles zusammengefaltet werden, aber ein gewisses Maß an Aufbruchstimmung sollte man schon merken.

Schwachstellen im System

Die Pandemie bringt die Schwachstellen des politischen Betriebs gnadenlos ans Tageslicht. Ich befürchte nur, dass sich nach der Beruhigung der Pandemie nichts ändern wird. Es gibt ja keine anderen Politiker als die, die wir grade haben. Adenauer hat schon gesagt: „Nehmen Sie die Leute, die Sie haben, andere gibt es nicht.“

Das Problem ist, dass man versucht, Systeme so lange wie möglich zu erhalten, wie sie sind. Das ist nicht nur einpolitischer Zustand, sondern auch einer von Parteien, Unternehmen, Netzwerken und nicht zuletzt dem Individuum.

Man hat sich eingerichtet, die Zahnräder sind geschmiert und damit einher kommt das Gefühl, man hätte alles im Griff, alles liefe gut – Störungen sind höchst unerwünscht. Netzwerke sind dazu da, sich die Hände zu reichen, Positionen zu beziehen und zu sichern, und das gefällt uns doch allen, nicht wahr?

Wir fühlen uns gut, wenn wir etwas bewegen können. Wenn wir Kontakte haben, um Projekte anzuschieben und deren Entwicklung zu beeinflussen. Die graue Eminenz im Hintergrund oder der Wadenbeisser an der Front – es ist das Gefühl von Macht, Bedeutung und Anerkennung.

In der Politik sind Netzwerke die Killerapplikation, weil zu viele gesichtslose und teils untalentierte Mitschwimmer nach oben gezogen werden. Mit diesen Nachteilen müssen wir Bürger in einer freiheitlichen Demokratie leben.

Menschen sind immer auch das Produkt der Gesellschaft, in der sie sozialisiert und ausgebildet werden. Es ist erstaunlich, wie tiefgreifend sich ein politisches System an außergewöhnlichen Situationen wie de Corona-Pandemie aufreibt.

Wahlkampf 2021

2021 kommt noch erschwerend der Wahlkampf dazu. Da bleibt nicht viel Zeit für einen Strategieplan für den Lockdown-Exit. Der Wahlkampf tobt im Hintergrund schon mit aller Macht.  Und weiter erschwerend ist, dass die Sprache unserer Politiker und Führungspersonen so blubberig wachsweich geworden ist, dass man sich an ihnen gar nicht mehr festbeissen oder reiben kann.

Klare Kante

Man regt sich  über die da oben auf, aber das tun wir ja schon immer. Bei uns in Deutschland sind nur wenige aus Politik und Wirtschaft für einen starken Charakter, einen kerzengeraden Rücken und für eine klare Sprache bekannt.

Als Negativbeispiel nehme ich mal die vermeintliche Creme de la Creme aus Wirtschaft und Politik, namentlich Joe Kaeser, Vorstand von Siemens. Der ist Trump letztes Jahr in Davos fast in den Hintern gekrochen, das war peinlich und rückgratlos. Und Klaus Schwab, Organisator des Weltwirtschafsforums in Davos, hat Trump explizit dafür gedankt, dass er – ich kann es immer noch nicht glauben –  „unsere Diskussionen mit seinem Optimismus bereichert hat.“

Nun, was soll man von solchen Vorbildern halten? Der eine, Kaeser, schleimt Trump Honig ums Maul, weil er seine Geschäfte in USA sichern will, und der andere, Schwab, war sich nicht zu schade dafür, dem kleingeistigen Großmaul nach dem Mund zu reden, weil er Angst vor einer Konfrontation oder einem Eklat hat.

Diese Menschen haben in ihrem Leben schon so viel auf die Beine gestellt und erreicht, da sollte mehr Rückgrat vorhanden sein. Wir werden alle daran gemessen, für was wir stehen, und wogegen wir stehen. In der Zeit des Lockdowns ist das noch wichtiger als zuvor.

Kritische Nach- und Vorausdenker

Die Linie zwischen Querdenker und kritiklosem Abnicker ist schmal. Es sollte aber möglich sein, dass wir zwischen den Schreihälsen und den Duldern den kritischen Nach- und Vorausdenker etablieren.

Ich komme dabei persönlich aufs Glatteis: Wie weit traue ich mich aus meiner Deckung mit dem  was ich kann? Ich würde ein Problem oder einen Zustand gerne geschliffen-pointiert und emotional zwingend auf den Punkt bringen, doch dazu fehlt mir leider die rhetorische Fähigkeit. Erstaunlich, auf welche Gedanken und Einsichten man so kommt, wenn man auf sich selbst zurück geworfen wird.

Einfach mal so ist keine Option

Eines habe ich im Laufe der letzten Jahrzehnte gelernt: Einfach mal so machen geht nie. Harry Belafonte hat gesagt: „Ich habe 30 Jahre gebraucht, um über Nacht berühmt zu werden.“ Sich zu verändern ist ein dauernder Prozess, der ein Verlassen der Komfortzone und ein Ausbrechen aus der Gewohnheit voraussetzt. Weil Corona sowieso grade alles aus den Angeln hebt, ist jetzt die beste Zeit für den Beginn einer persönlichen Veränderung.

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008 – Podcast Starke Marke Weniger ist mehr

In dieser Folge geht es um das Zuviel an Auswahl, um den Stress mit den damit zusammenhängenden Kauf-Entscheidungen und um das andauernde Gefühl, niemals zufrieden zu sein, egal wieviel wir konsumieren. Das bringt uns zwingend logisch zu der Frage: Sollten wir generell weniger Dinge besitzen?


Wie viele Klamotten hängen in unseren Schränken, die wir vielleicht noch nicht einmal getragen waren? An denen noch das Preisschild hängt? Wie viele Kleidungsstücke vergessen  wir, weil sie in der unübersichtlichen Stoffmassen im Schrank untergehen?

Wie viel Stress haben wir jeden Morgen bis wir entschieden haben was wir anziehen und wer wir heute sein wollen? Ella Schön, die Asperger-Authistin, gespielt von Ellen Frier, probiert ein Outfit in der Boutique an und sagt zur Verkäuferin:“Bitte siebenmal.“ Das hört sich übersichtlich an.

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004 – Podcast Starke Marke – Führung

Nicht immer sind die besten Fachleute die besten Führungskräfte. Und nicht immer sind die besten Führungskräfte die besten Fachleute. Führung findet auf der emotionalen Basis statt, sie ist Interesse an anderen Menschen. Gute Führung ist ganzheitlich emotional, situativ, koooperativ und partizipativ.

Wenn ich andere Menschen so behandle, wie ich selber behandelt werden möchte ist führen einfach. Manchen Menschen ist zwar mehr Charisma in die Wiege gelegt worden als anderen. Aber auch wenn andere vielleicht spröder, zurückhaltender und vorsichtiger sind, können sie fähige Führungspersonen sein. Was zählt ist die emotionale Intelligenz.

https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Goleman

Umfrage: Arbeitgebern ist emotionale Intelligenz wichtiger als ein hoher IQ

In der Paralyse ist emotionale Führung unverzichtbar

Corona lähmt Deutschland

Führung ist Haltung, Klarheit, Motivation und Wille. Wenn eine Entscheidung getroffen werden muss, wird entschieden und nicht gehadert. Wenn ich eine Entscheidung durchdenken muss, sage ich verbindlich an, wann ich entscheiden werde. Daran halte ich mich unbedingt. Ausnahme: Die Corona-Pandemie.

Auch Schwäche eingestehen

Es gab beim ersten Lockdown kaum belastbare Entscheidungsgrundlagen. Es ist deshalb keine Schwäche, den Mitarbeitern zu erläutern, dass die Situation so außergewöhnlich ist, dass eine reale Einschätzung der Lage unmöglich ist. Solche Ausnahmesituationen fordern Führungskräften alles ab. Als Navigation im Schaum bezeichnet der Philosoph Peter Sloterdijk die verschlungene Reise zu einem Ziel.

Entscheidungsänderungen

Ich habe meine Mitarbeiter während des Pandemieverlaufs oft um Nachsicht gebeten, weil meine heutige Entscheidung morgen schon wieder anders lauten kann. Unsicherheit entbindet mich aber nicht von der Entscheidung. Wenn eine Entscheidung gefällt werden muss, muss sie eben auf der Basis dessen entschieden werden, was ich momentan weiß. Ich muss mir aber selber erlauben, jede Entscheidung wieder revidieren zu dürfen. Dazu ist konstante Kommunikation nötig, sonst verlieren Mitarbeiter den Anschluss.

Corona Dauer-Welle

Nicht, dass wir uns falsch verstehen, bei der Corona Dauer-Welle geht nicht um die Friseur-Dienstleistung. Es geht vielmehr um die permanente Anwesenheit des Corona-Virus. Das geht nicht weg, nur weil viele von uns sich so verhalten, als wäre es gar nicht mehr da.

Der Lockdown und die Kosten

Friseure haben nun drei Monate wieder geöffnet. Im Mai war der Umsatz bei uns super, im Juni wie im Vorjahr und im Juli zehn Prozent schlechter als 2019. Der während des Lockdowns entstandene Schaden bei Gress Friseure beträgt summa summarum rund 100.000 Euro. Das Geld fehlt entweder bei der Rücklage oder es muss finanziert werden. Diese Entscheidung ist abhängig vom weiteren Verlauf der Pandemie. Und, das brauche ich keinem Unternehmer erzählen, das ist ein Eiertanz par excellence. Vorrangig bleibt das wichtigste Ziel derzeit die Sicherung der Liquidität.

Ich glaube zwar nicht an einen bundesweiten Lockdown, im lokalen oder regionalen Bereich kann es aber durchaus dazu kommen. Ein uns bekannter Gastronom hatte erst Ende Juli einen Coronafall in seiner Belegschaft. Er musste zumachen bis klar war, ob andere Mitarbeiter infiziert waren. Das war zwar nur eine knappe Woche, aber auch eine knappe Woche kostet Geld und Vertrauen.

Mitarbeiter nach Urlaub freiwillig zum Test

Deshalb haben wir uns entschieden, dass wir allen Mitarbeitern die aus dem Urlaub zurück kommen, einen Test bezahlen. Den kann man in Stuttgart im Medical Center auf dem Flughafen machen lassen und bekommt innerhalb 1-3 Stunden das Ergebnis. Diese 170 Euro pro Test sind eine gute Investition, wenn sie dabei helfen, dass der Betrieb offen bleibt.

Wir bezahlen den Test für jeden Mitarbeiter, egal, ob sie im In-oder Ausland waren. Wer in Länder mit Reisewarnung (bitte täglich auf Vollständigkeit prüfen) fährt muss bei der Rückkehr eh in Quarantäne. Gemessen an dem Schaden der entstehen würde, wenn wir unser Geschäft schließen müssten, fallen die Beträge für die Tests kaum ins Gewicht. Das ist der wirtschaftliche Aspekt. Über den Imageschaden eines Lockdowns, sei er auch nur zeitlich kurz bemessen, möchte ich gar nicht nachdenken.

COVID-19 bleibt

Eine Zeit nach Corona wird es nicht geben. Es wird eine Zeit mit Corona sein. Wie die aussieht und was das für uns bedeutet, ist davon abhängig, ob und wann es entweder einen Impfstoff zur Prävention oder ein Medikament zur Heilung gibt. Eine Testreihe mit 30.000 Probanden ist angelaufen, wir dürfen alle gespannt sein, wie sie verläuft.

Corona-Überblick

In den letzten 20 Jahren hatten wir weltweite Pandemien mit SARS, Vogelgrippe, Schweinegrippe, diversen Grippewellen und nun eben mit COVID-19. Zicka, Dengue, Cholera, Pest waren lokal ausgebrochen, aber weit genug von uns entfernt, um uns keine Angst zu machen. Jetzt haben wir COVID-19 am Hals und damit gleich eine richtige Packung Probleme abbekommen.

Realität akzeptieren

In Depression und Angst zu versinken ist genausowenig eine Option wie das Leugnen des Virus. Die Menschen haben schon immer mit Krankheiten gelebt. Die haben sie nicht abgehalten, auch Spaß zu haben. Ich finde es extrem befremdlich, dass viele Menschen jemanden brauchen, den sie für ihre persönliche Einschränkung verantwortlich machen können. Corona ist nicht schön, aber wir könnten es viel schlechter haben.

Friseure stellen sich ein

Das Schönheitsgeschäft wird sich verändern. Schönheit brauchen die Menschen zwar immer, aber so uneingeschränkt individuell und hedonistsich wie vor Corona wird die persönliche Präsentation auf absehbare Zeit unmöglich sein. Ich kann das auch von mir selber sagen: Warum soll ich mir neue Klamotten kaufen wenn ich sie nirgends präsentieren kann? Dadurch wird auch die Lust auf neue Haare geschmälert. Der finanzielle Faktor spielt dabei natürlich auch noch hinein. Fast 7 Millionen Kurzarbeiter und eine steigende Anzahl von Arbeitslosen sprechen eine deutliche Sprache.

In den kommenden Monaten wird es darum gehen, den Kunden verstärkt ein noch besseres Willkommensgefühl in unseren Geschäften zu verschaffen. Wir sehen gegenseitig unsere Gesichter nicht, wir können Kunden nicht mit Handschlag begrüßen, wir dürfen ihnen den Mantel oder die Jacke nicht abnehmen. All die eingeübten Rituale bei der Begrüßung und der Verabschiedung werden durch neue Rituale ersetzt. Es sind nicht die, die wir gelernt haben. Was soll’s!? Dann wird es eben andere geben, das sehe ich nicht als großes Problem an. Aber wir müssen diese Rituale gezielt entwickeln.

Nicht-Performer werden entlarvt

Durch das tragen der Masken werden die Nicht-Performer entlarvt. Falsches Lachen lenkt nicht von den Augen ab. Die Ausstrahlung des Dienstleisters wird gefühlt, und aufgesetztes Gehabe wird entlarvt. Wahre Menschlichkeit wird auch mit der Maske transportiert. Ich bin durch die Maske auf Menschen aufmerksam im meinem Umfeld geworden, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte. Mit den Masken menschelt es, die Körpersprache wird plötzlich zum ausschlaggebenden Impuls. Das ist eine der positiven Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen in COVID-19 Zeiten.

Ausbildung trotz Corona

Wir haben trotz Unsicherheit zwei neue Auszubildende eingestellt. Eine Unterbrechung der Ausbildungsaktivität kommt auf keinen Fall infrage. Und wenn, dann nur, wenn gar kein Geld mehr da ist. Und danach sieht es derzeit Gottseidank nicht aus. Nachwuchs auszubilden ist grade in der Pandemie das Gebot der Stunde. Wo sonst sollen gute Fachkräfte herkommen? Die Vorsorge ist wichtig, denn neue Mitarbeiter sind nie da wenn man sie dringend braucht. Außer, man zieht sie selber durch Ausbildung.

Steigende Fallzahlen – wen wundert’s?

Je mehr wir das Virus als reale Gefahr akzeptieren, desto selbstverständlicher fügen wir die Masken in unsere täglichen Rituale ein. Steigende Fallzahlen erschrecken uns, keine Frage. Aber wen wundert’s? Es ist ja klar, dass die Zahlen dort steigen, wo Menschen geballt zusammenkommen. Ob Schwarzwald, Allgäu, Barcelona oder Gardasee – von überall her werden Menschen dasVirus mitbringen. Sollen wir deshalb nicht in Urlaub fahren, wird mir des öfteren entgegengehalten? Doch, schon, das können wir machen, aber dann dürfen wir uns halt nicht wundern, wenn die Infektionen steigen. Freizügigkeit wird vom Virus sofort bestraft.

Friseure und die Zukunft

Friseure und die Zukunft

Die Coronakrise hat uns überrollt und sie hat Spuren hinterlassen. Wir Friseure können die Zukunft nach dem heutigen Stand noch nicht überschauen. trotzdem müssen wir uns überlegen, wie wir uns weiter entwickeln wollen.

Die ersten Insolvenzen

Die ersten Insolvenzen sehe ich in Esslingen im Handel und in der Gastronomie. Zwei Gastrobetriebe haben gar nicht mehr aufgemacht, und eine Traditions-Parfümerie macht zum Monatsende zu. Alle Unternehmer rufen grade nach Finanzhilfe und der Staat verteilt diese mit vollen Händen. Nicht alle profitieren davon.

Kassensturz

Aber auch hier gilt: abgerechnet wird zum Schluss. Was uns heute hilft, muss nicht unbedingt gut sein für die Entwicklung ins Morgen. Das werden viele merken, die Kosten wie Sozialversicherungebeiträge, Einkommensteuervorauszahlungen, Lieferantenrechungen und Mieten, oder ausgesetzte Tilgungsraten für Kredite und weitere Kosten gestundet haben.

Laufende Kosten

Das Problem dabei: Wenn das Geld jetzt nicht da ist, wird es auch später im Jahr nicht da sein. Wer kann, zahlt jetzt. Wir haben ja nicht nur die Folgen der Stundungen zu tragen, sondern müssen auch den Umsatzausfall verkraften. Ich gehe vorsichtshalber nicht davon aus, dass wir diesen Ausfall übers Jahr aufholen. Deshalb ist es umso wichtiger, die laufenden Kosten bedienen zu können. Wo aber liegen die Probleme der kommenden Monate?

Kunden

Zehn Millionen Menschen sind in Kurzarbeit, die Anstieg der Arbeitslosigkeit ist sicher, nur noch nicht, wie viele Menschen es treffen wird. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland ist im ersten Quartal um 2,2 Prozent eingebrochen.

Die Ökonomen rechnen, je nach Ausrichtung der Prognosen, mit bis zu acht Prozent Rückgang bis zum 31.12.2020. Ich nehme an dieser Stelle das ifo Institut als Referenz mit 6,3 Prozent Rückgang.

Aussicht 2021

In 2021 soll sich die Situation wieder erholen, das scheint auch logisch, denn wenn es so weit runter geht, muss es auch wieder nach oben. Erwartet werden 8,5 Prozent Wachstum, was bereinigt um 1,5 Prozent insgesamt Wachstum für 2021 heißen würde.

In Industrieregionen wie Stuttgarts Großraum wird für alle Handwerker, Händler und Dienstleister viel davon abhängen, wie hoch die Arbeitslosigkeit ausfallen wird. Die FAZ meldet, im Mai liegt die Zahl der Arbeitslosen bei 2,65 Millionen, das sind 308.000 mehr als im April 2020.

Analyse

Rund ein Drittel ist direkt durch Corona ausgelöste Arbeitslosigkeit, 21 Prozent durch Nichteinstellung neuer Mitarbeiter und rund 40 Prozent sind Selbstständige. Die Bundesagentur für Arbeit erwartet rund 3 Millionen Arbeitslose, das ist eine zusätzliche Belastung für die Staatskasse und ein riesiger psychologischer und finanzielle Druck für die betroffenen Menschen, den auch wir Friseure spüren werden.

Unternehmen

Friseure haben ihren Lockdown seit dem 4.5.2020 hinter sich. Mein Eindruck ist, dass mehr Kunden nach dem ersten Besuch insgesamt spontaner entscheiden wollen, wann sie wieder zum nächsten Service kommen. Das ist aber mehr ein Gefühl als beweisbare Tatsache.

Viele Kunden sind in Kurzarbeit oder direkt von Arbeitslosigkeit bedroht. Sie fragen sich, ob sie sich den Friseur leisten sollen, wenn sie selber in Kurzarbeit sind oder vielleicht sogar arbeitslos werden (könnten) und mit vermindertem Familieneinkommen zurecht kommen müssen.

Dagegen steht unsere Kalkulation, die wenigstens die anfallenden Mehrkosten für die Hygienemaßnahmen und die verminderte Anzahl von Kunden beinhaltet. Von einem Ausgleich des während des Lockdowns entfallenen Umsatzes rede ich gar nicht, der ist weg und lässt sich auch nicht wieder vollständig ausgleichen.

Unser Unternehmen

Das erste Quartal konnten wir bei Gress Friseure trotz der fehlenden Arbeitstage fast auf Vorjahresniveau abschließen. Im Mai sind wir randvoll, ich nenne es mal einen Weihnachtsmonat. Ich gehe davon aus, dass Juni und Juli rund 80 Prozent Belegung bringen werden. Das wären fünf Prozent weniger als meine Kennzahl dafür vorsieht. Sollte das so bleiben bin ich zufrieden, dann haben wir die erste wichtige Hürde genommen.

Google My Business

Ich bin hier sehr zuversichtlich, weil die Statistik von Google My Business einen klaren Aufwärtstrend beweist. Die Webseitenzugriffe sind um 157 Prozent gestiegen, die Aufrufe (Maps und klassische Suche) um 700 Prozent, die Fotoaufrufe um 237 Prozent und die Aufrufe der Wegbeschreibungen um 329 Prozent und unsere Webseite ist wieder dauerhaft unter den ersten drei Plätzen.

Das bedeutet zwar nicht automatisch, dass die Kassen voll sind, es heißt aber, dass das Interesse an unserem Unternehmen wieder zulegt. Jetzt liegt es an uns, das Interesse durch Marketingaktionen in Termine zu verwandeln.

Neukunden akquirieren

Das ist die Königsaufgabe, denn die Statistik sagt leider nichts darüber aus, wie viele der 176 Telefonate, die über GMB zustande gekommen sind, von Neukunden stammen. Immerhin sind das 46 Prozent mehr generierte Telefonat mehr als im Jahresdurchschnitt 2019 pro Monat angefallen sind.

Nackte Zahlen

Das sind die nackten Zahlen, und sie zeigen wenigstens eine Tendenz.
Zurzeit haben wir 74 Stunden in der Woche geöffnet. So können wir das gesamte Team durchgehend beschäftigen und mussten keine Entlassung vornehmen.

Corona-Konzept

Eine Auszubildende ist wieder in ihre Heimatstadt zurück gegangen, eine weitere schließt im Juli ihre Ausbildung ab und beginnt im Herbst mit ihrem Studium. Beide Abgänge haben wir mit neuen Azubis ersetzt. Nun steht noch der Test einer neuen Fachkraft an, die ich gerne in ein, ich nenne es mal Corona-Konzept, einbinden möchte.

Mitarbeiterplanung

Bei der Mitarbeiterplanung sind wir damit unseren Plänen zu 100 Prozent gefolgt, auch auf die Gefahr hin, dass wir eventuell länger zwischenfinanzieren müssen als in Normalzeiten. Aber die Chance, das Unternehmen jetzt neu aufzustellen und an den richtigen Stellen zu verstärken, kann ich nicht ohne Versuch verstreichen lassen.

Urlaub

Während des Lockdowns hatten unsere Mitarbeiter zwei Wochen Betriebsferien. Trotz des größeren Umsatzdrucks in diesem Jahr muss der gesamten Urlaub wieder im laufenden Jahr genommen werden. Ein Übertrag ins neue Arbeitsjahr ist bei uns nicht möglich.

Das hat für mich denselben Stellenwert wie die Vermeidung von Verbindlichkeitsstundungen. Wenn alles gut läuft und wenn mit der zweiten Welle kein weiterer Lockdown kommt, können wir das laufende Jahr noch einigermaßen gut abschließen.

Zukunft

Dazu wage ich derzeit keine Prognose, außer der, dass sich der Markt bereinigen wird. Das Zukunftsinstitut und der Thinktank 2beahead haben zwar schon Prognosen veröffentlicht. Es stecken sehr viele gute Ansätze und Gedanken drin, für mich ist das aber derzeit für unser lokales Business noch nicht greifbar.

Tendenzen erkennbar

Gesellschaftlich, politisch und gesamwirtschaftlich mag es erkennbare Tendenzen geben, aber die kann ich derzeit in unser Konzept nicht einweben. Ich brauche definitiv mehr belastbare Daten, und das bedeutet zurzeit (leider) Geduld beweisen zu müssen.

Kassensturz

Am 31.7.2020 kann ich erstmalig einen einigermaßen belastbaren Kassensturz vornehmen. Dann habe ich fünfeinhalb Umsatzmonate vorliegen, daraus läßt sich ein vorläufiges Jahresszenario berechnen. Trotz Corona, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und drohenden Insolvenzen muss ich entscheiden, wohin unsere Reise im Jahr 2021 gehen soll.

Roter Faden

Ich bin mir natürlich vollständig bewusst, dass meine Pläne beim ersten Kontakt mit der Realität wahrscheinlich Makulatur sind. Aber was hilft’s? Noch schlechter ist es, einfach ins Moor zu laufen, ohne eine Sicherheitsleine anzubringen. Mein Roter Faden 2020 hängt nach wie vor im Salon, und den greife ich jetzt wieder auf. Ich hoffe jetzt auf die Vernunft und die Einigkeit der Politik bei der weiteren Vorgehensweise in der Corona-Pandemie.

Fazit

Für mich persönlich kann ich sagen, dass mein Glaube an die Zukunft unseres Unternehmens unerschütterlich ist. Auf gar keinen Fall verschließe ich die Augen vor möglichen Schwierigkeiten, und ich laufe mit offenen Augen und dem Mut, schmerzhafte Entscheidungen zu fällen wenn es notwendig wird, meiner Zukunft entgegen. Veränderung wird die neue Regelmäßigkeit sein.

Welle bricht

COVID-19 und die 2. Welle

Es wird noch einige Monate so bleiben. Das ist eine gesicherte Erkenntnis aller Wissenschaftler. Wenigstens bis es ein Medikament für die Erkrankten oder einen Impfstoff für die Gesunden gibt. Am Dienstagmorgen habe ich in Gabor Steingarts Morning Briefing Podcast ein Interview mit dem RKI-Präsident Lothar Wieler gehört. Steingarts Podcast könnt ihr hier abonnieren.

Wichtige Kennzahlen

Der Umgang mit Corona ist von täglichen Learnings begleitet. Jede Erkenntnis muss erst gewonnen werden, bevor sie von der Politik in eine Handlungsanleitung umgesetzt werden kann. Mein Eindruck von Lothar Wieler ist positiv, er ist ein faktengetriebener Wissenschaftler, der Informationen abwägt und auf die gesellschaftlichen Folgen prüft. Nichtsdestotrotz handelt er als Berater der Politik und hält sich mit eigenen Umsetzungsmaßnahmen zurück. Das empfinde ich als sehr wohltuend.

Reproduktionsrate (1)

Für Wieler spielt die Reproduktionsrate (1) eine große Rolle. Sie ist der Indikator dafür, ob die Intensivbetten in Deutschland ausreichen, um Schwerbetroffene zu behandeln. Beträgt der R-Faktor 1, steckt ein Mensch maximal einen anderen an. Liegt der Faktor kleiner als 1 verlängert sich die so genannte Verdopplungszeit, was die Neuinfektionen verringert (s. Statistik)

Je kürzer die Verdopplungszeit ist, desto mehr Infektionen gibt es. Russland, USA und Großbritannien sind die derzeitigen Hotspots. Spanien erholt sich zusehends und auch in Frankreich und Italien geht es stetig bergauf. Deutschland ist auf einem guten Weg und diese Entwicklung sollten wir auf keinen Fall durch Unvorsichtigkeit gefährden.

Dem Virus ist es völlig egal, ob wir es ernst nehmen oder nicht. Mit dem Virus können wir nicht verhandeln, das reagiert radikal auf jede Unvorsichtigkeit. Corona ist binär, es gibt nur Null oder Eins. Verhindern können wir die Ansteckungen nicht, wohl aber kontrollieren.

Die Chance , die uns die Politik durch umsichtiges Handeln gegeben hat, sollten wir nicht mit Kniebrecher-Aktionen aufs Spiel setzen. Wenn wir schlau sind nutzen wir die Chance und kommen besser aus der Situation heraus als anfänglich befürchtet.

Die größten Sorgen der Menschen

Die Gesundheit der Familien und die wirtschaftlichen Aspekte sind den Menschen in allen Ländern nahezu gleich wichtig. Lediglich Deutschland knickt hier etwas ein, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass sich die Menschen durch die sozialen Sicherungssysteme als sehr stark abgesichert empfinden. Die Arbeitsplatzsicherheit spielt dagegen erstaunlicherweise eine recht geringe Rolle. Erfrischend ist, dass die Weltuntergangsapostel recht weit unten rangieren.

Dynamik der Inzidenz (2)

Mit der Inzidenz wird die Anzahl der Neuinfektionen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes beziffert. Je schneller die Infektionsrate steigt, desto schneller sind unsere Krankenhauskapazitäten am Limit. Dafür hat die Politik das Zentralregister geschaffen, in dem alle Intensivbetten und Beatmungsgeräte erfasst sind. Im Falle der erwarteten zweiten Welle ist das von unschätzbar hohem Wert, weil die Krankenhäuser in einem solchen Fall schnell reagieren und die Intensivbetten bereitstellen können.

Die Entwicklung der Neuinfektionen ist durch den geringen R-Faktor von derzeit 0,71 stetig rückläufig. Das zeigt deutlich, dass wir die Reproduktion durch die Mund-Nasen-Bedeckungen und die Abstandswahrung dauerhaft verringern können. Ich bin gespannt, wie die teilweise Öffnung der Gastronomie und Ladengeschäfte die Reproduktion beeinflusst.

Kanzlerin Merkel war bei der Pressekonferenz am Mittwoch, 6.5.2020, sichtlich genervt davon, dass die Länder ihre eigenen Maßnahmen schon vor der Konferenz beschlossen hatten. Wir haben mit Winfried Kretschmann einen besonnenen Politiker an der Spitze, dem ich die richtigen Schritte für Baden-Württemberg zutraue. (s. Notfallmechanismus)

Egal wie jeder von uns zum Lockdown oder der Handlungsweise der Politik steht; jede Entscheidung die heute getroffen wird, kann sich morgen als falsch herausstellen. Deshalb sollten wir uns alle besser an die Fakten halten und Corona-Leugner wie den grenzdebilen rechtslastigen AfD-Mann Hansjörg Müller geflissentlich ignorieren. Das Problem dabei: Die Verschwörungstheoretiker haben eine große Lobby.

Schwere der Krankheit (3)

Laut Wieler müssen 18 Prozent der Corona-Infizierten ins Krankenhaus und 4,7 Prozent sterben. Im nachfolgenden Chart sieht man die Konzentration der Todesfälle auf die Altersklassen ab 57 Jahre. Auch wenn der Krankheitsverlauf bei vielen Jungen heftig verläuft, liegt der Schwerpunkt der Mortalität ganz klar auf älteren Menschen.

Die Berechnungen der Wissenschaftler zielen einzig darauf ab, dass im Falle einer zweiten Welle genügend Intensivbetten und Beatmungsgeräte vorhanden sind. Wenn 18 Prozent der Infizierten ins Krankenhaus müssen und 40.000 Intensivbetten vorhanden sind, dürfen nicht mehr als 222.400 Menschen gleichzeitig innerhalb von zwei Wochen infiziert sein. Das ist die maximale Anzahl an Neuerkrankungen, ab der die Ärzte mit der Triage beginnen müssten.

Derzeit gibt es rund 28.000 Infektionen in Deutschland (Gesamtzahl minus Gesundete minus Gestorbene). Es könnten theoretisch rund 200.000 Neuansteckungen innerhalb zwei Wochen hinzu kommen, bevor die Kapazität der Intensivbetten erschöpft ist. Das wären pro Tag 14.285 Neuinfektionen.

Zum Vergleich: Die höchste Zahl der Neuinfektionen lag am 28. März 2020 bei rund 6.800 pro Tag. Es würde also 30 Tage dauern, bis die Grenze von 200.000 Neuinfektionen erreicht ist. Für die genaue Berechnung müsste ich noch die Gesundungs- und Mortalitätsrate einrechnen. Das spare ich mir an dieser Stelle.

Fazit

Wir sitzen alle im gleichen Boot. Deshalb stünde es uns gut an, wenn wir auch so handeln und aufpassen. Ein gewisses Maß an Selbstreflexion ist jetzt wichtig, denn wir wollen auch alle gemeinsam aus diesem Boot heraus.

Corona Welt

Was macht Corona aus uns?

Wenn ich meine/unsere wirtschaftliche Existenz vom Corona-Konto abziehe und die derzeitige Situation, soweit es mir möglich ist, neutral betrachte, muss sich klar sagen, dass sich die politische Führung sehr überzeugend präsentiert. Es schält sich langsam eine Kontur heraus. Ich sage das natürlich auch vor dem Hintergrund, dass wir Friseure ab dem 4.5.2020 die Chance haben, unsere Betriebe zu retten. Anderen Wirtschaftsbereichen geht es schlechter, die müssen noch durchhalten und es ist nicht garantiert, dass alle Betriebe am Leben bleiben.

Die Furcht vor der ersten Welle

Ich habe immer die Situation im Kopf, die meine Frau zu Beginn des Lockdowns tagtäglich aus der Klinik berichtet hat. Die erste Corona-Welle war derart massiv, darauf konnte unser Gesundheitssystem nicht vorbereitet sein.

Es ist durchaus verständlich, dass die Angst der Politik groß ist, dass eine zweite Welle die Kliniken einfach überrollt und alles wieder zurück auf Anfang gesetzt wird. Das kann niemand von uns wirklich wollen. Wir sehen ja überdeutlich, wie miserabel beispielsweise die Briten oder die Amerikaner auf das Virus vorbereitet waren.

Ich sehe viele Fehler bei uns, aber ich bin selbstkritisch genug zu erkennen, dass ich in meiner Laufbahn auch nicht immer alles zu jeder Zeit richtig gemacht habe. Da können sich wohl alle Unternehmer an die eigene Nase fassen, sofern sie zu selbstkritischer Reflexion in der Lage sind.

Ignoranz rächt sich

„Make America great again“ hat sich bei den Fallzahlen schon mal bewahrheitet. Die Ignoranz des Manns mit der seltsamen Frisur und dem übergroßen Ego rächt sich extrem. Über eine Million Infizierte sind bisher gemeldet.

Der Struwwelpeter von der Insel hat Corona ebenfalls nicht ernst genommen, er konnte letztlich froh sein, dass er die Klinik gesundet verlassen konnte. Auch diese Ignoranz rächt sich, die Briten sind auf dem Weg zur traurigen Spitze. Dabei ist nicht die Zahl der Infizierten das große Problem, sondern die der Sterbefälle, die rasant zunimmt.

In diesem Vergleich ist Deutschland noch gut aufgestellt. Jeder Tote reißt ein Loch in die Herzen der Angehörigen, und es ist schlimm darüber nachzudenken was wäre, wenn es unsere Lieben treffen würde. Jeder von uns könnte der nächste Patient am Beatmungsgerät sein, das wurde mir heute wieder sehr bewusst. Das macht doch wieder etwas demütiger.

Es gibt kein Richtig

Und trotzdem bohrt die Existenzangst immer im Hintergrund. Was ist, was kommt? Das wissen wir nicht. Ich habe aber heute bei der Pressekonferenz eine aufgeräumte Führungsriege gesehen, die zwar auch nicht weiß, wohin die Reise geht.

Aber mal ganz ehrlich: Wolle wir lieber an deren Stelle sitzen? Würden wir es besser machen? Wir können uns natürlich in die Tasche lügen und das behaupten. Aber auch wir unterlägen Zwängen, Spekulationen, schwierigen Berechnungen und Entscheidungsfindungen, unglaublichem Zeitdruck und der Angst, die falschen Entscheidungen zu treffen zwischen Menschenleben schützen und/oder die Republik an die Wand zu fahren. Viele schauen nach Schweden und finden es toll, wie das Land mit der Situation umgeht.

Traurige Hitliste

Das kann man auch anders sehen. Prozentuell gesehen liegen die Schweden weltweit an vierter Stelle der Todesfälle bezogen auf die Zahl der Infizierten. Hier ein (nicht vollständiger) Überblick: Großbritannien (15,7%), Frankreich (14,5%), Italien (13,6%), Schweden (12,3%), Spanien (10,2%), USA (5,9%), Schweiz (5,9%) und Deutschland (4%).

Die Prozentzahlen sagen selbstverständlich nichts darüber aus, wie viele Arbeitslose es aufgrund der Pandemie in den einzelnen Ländern gibt, welchen Schaden die Wirtschaft nimmt und wie die Gesellschaft die Situation verarbeitet.

Wie viele Menschen an der Krise verzweifeln, vereinsamen, sich aus dem Leben zurück ziehen, depressiv werden und vielleicht sogar aus Verzweiflung freiwillig aus dem Leben scheiden, wird (noch) nicht thematisiert.

Schon vor der Corona-Pandemie haben sich beispielsweise im Jahr 2017 mehr als 25 Menschen pro Tag das Leben genommen (Qualle: Statistisches Bundesamt). Ob und um wieviel sich diese Zahl durch Corona erhöht wird sich zeigen.

Fallzahlen gehen zurück

Die Statistik zeigt sehr deutlich, dass die Fallzahlen in Deutschland zurück gehen. Für die Einen ist das ein Zeichen, dass das Leben wieder losgehen kann, für die anderen, und dazu gehören unsere Politiker, ist es ein Zeichen, dass zwar die Richtung stimmt, aber ein Wiederanstieg um (fast) jeden Preis verhindert werden muss.

Die wahnsinnige Summe von über einer Billion Euro neuer Staatsschulden macht einen schwindelig. Es liegt auf der Hand, dass nicht nur wir, sondern auch unsere Kinder, Enkel und vielleicht sogar noch unsere Urenkel daran zu knabbern haben. Aber das ist ein anders Thema.

Eine interessante Zahl ist die der Todesfälle je Millionen Einwohner. Hier erkennt man ganz deutlich, wie gut wir in Deutschland dran sind. Ich erinnere mich noch mit Grausen an die Bilder, als nächtens Hunderte Leichen mit Armee-Lkws durch Bergamo zum Massenbegräbnis gefahren wurden.

Wir müssen es wohl anerkennen, dass die Politik in Deutschland laut Statistiken vorausschauend gehandelt hat. Die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und individuellen Begleiterscheinungen lasse ich auch hier bewusst außen vor. Die Tendenz aber ist erkennbar.

Wenn wir vernünftig sind können wir erstarkt aus der Krise heraus kommen. Unser Know-how, unser Ideenreichtum, unsere Anpassungsfähigkeit und unsere Konsequenz in der Umsetzung von Maßnahmen werden wahrscheinlich den Unterschied machen. Wenigsten besteht darin meine Hoffnung bis 2025.

Hygienekonzept zum kostenlosen Download

Herzlich willkommen liebe Kunden, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen! Mein neues Video zum kostenlosen Download unseres Hygienekonzepts seht ihr hier:

Video zum kostenlosen Download des Hygienekonzepts

Kostenloser Download des Hygienekonzepts

Heute geht es um die Vorbereitungen zur Wiedereröffnung unserer Salons. Stand heute Karfreitag gibt es natürlich noch keine hundertprozentige Gewissheit, unter welchen Voraussetzungen das geschehen wird. Aber wir bei Gress Friseure haben uns mit verschiedenen Szenarien darauf vorbereitet. Wie bereits in meinem letzten Video angekündigt, haben wir bei Gress Friseure intensiv an einem Konzept zur Vermeidung von Corona im Salon gearbeitet. Meine Schwester Bettina hat sich voll rein gekniet und für jeden einzelnen Geschäftsbereich Corona-Vermeidungsprozesse definiert und in Tabellen eingepflegt. Das Konzept könnt ihr gerne hier kostenfrei downloaden.

Ohne höhere Hygienestandards im Salon wird es nicht gehen, soviel ist auf jeden Fall schon mal sicher. Diese Standards waren schon vor Corona sehr hoch. Aber jetzt kommen eben die Corona-Maßnahmen noch obendrauf. Deshalb haben wir alle möglichen Corona-Maßnahmen in ein Konzept gepackt, das auf der Basis der Hygiene Vereinbarungen für das Friseurhandwerk aufgesetzt ist. Wir sind somit in der Lage, die geforderten Maßnahmen von Verband und Politik sehr, sehr schnell umzusetzen. Hier könnt ihr die aktuellsten Informationen über die Corona-Situation in BW abrufen.

Corona-Virus Darstellung
Microscopic view of Coronavirus, a pathogen that attacks the respiratory tract. Analysis and test, experimentation. Sars. 3d render

Ich hatte in den vergangenen Wochen sicher viele Informationen in den Medien mitbekommen. Immer aktuelle Informationen zu Corona: Robert-Koch-Institut, Johns Hopkins University, Gesundheitsministerium, Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, Bundesgesundheitsministerium, Sozialministerium Baden-Württemberg.

Für mich persönlich war es sehr zeitraubend und arbeitsintensiv, die wichtigen Informationen herauszufiltern. Meiner Meinung nach macht die Politik in Deutschland einen richtig guten Job. Daran gemessen, was in Italien oder in Spanien oder jetzt auch in den USA abläuft. Damit wir uns ein eigenes Bild machen konnten, haben wir uns bei der Erarbeitung unseres Konzepts von der Hygienebeauftragten einer Klinik im Landkreis Esslingen beraten lassen.

Unser Ansatz war der, dass was in der Klinik funktioniert, auch im Friseurbetrieb taugt. Ich gehe davon aus, dass der Verband in den nächsten Tagen zur Situation Stellung beziehen wird. Bis dahin wird es auch ein Hygienekonzept geben. Ich weiß von vielen geschätzten Kolleginnen und Kollegen, die an eigenen Konzepten arbeiten. Und das ist sehr, sehr gut genutzte Zeit. Auch wenn wir noch nicht wissen, wohin die Reise führt und was wir direkt umzusetzen haben, sind wir doch vorbereitet für die nächsten Schritte.

Ich habe heute am Karfreitag noch einmal das Netz durchforstet, aber noch keine wirklich aussagekräftige und ernst zu nehmende Kommunikation zur Vermeidung von Corona im Friseursalon gefunden. Ihr könnt deshalb gerne unser Konzept unter www.gress.de/hygiene downloaden. Wichtig für alle Friseursalons ist jetzt, dass sich der Verband und die Politik darauf einigen, unter welchen Gesichtspunkten es für uns weitergeht. Ich gehe immer noch vom 20. 2020 aus. Und ich drücke wirklich alle Daumen, dass uns das auch gelingt.

Beachtet bitte, dass unser Konzept selbstverständlich keine Allgemeingültigkeit hat. Die finale Gestaltung der offiziellen Handlungen im Salon obliegt dem Verband und der Politik. Unser Konzept ist als Leitfaden für euer eigenes Konzept gedacht, damit ihr die offiziellen Forderungen schneller umsetzen könnt. Unser Konzept beinhaltet zum Großteil Maßnahmen, die der Leitfaden für die Hygienestandards im Friseursalons schon vorgibt. Diese Anleitung fanden wir eine gute Ausgangslage, um unsere eigenen Corona Vermeidung Maßnahmen einzusetzen.

So haben wir beispielsweise beschlossen, dass wir keine Behandlungen im Gesicht und um die Augen herum durchführen. Unsere Mitarbeiter und auch unsere Kunden werden Atemschutzmasken tragen. Wenn Kunden keine Masken haben, dann stellen wir eine Maske kostenlos zur Verfügung. Hände waschen, desinfizieren, pflegen, die Reinigung der Sitzflächen, der Tische, der Ablagen, der Spiegel, Handspiegel und Waschbecken konsequent nach jeder Benutzung reinigen und desinfizieren. Und noch einiges darüber hinaus gehören zum Konzept.

Wir planen die Erweiterung unserer Öffnungszeiten und werden auf jeden Fall in einer Art zweieinhalbfach Schicht arbeiten, amit nicht zu viele Mitarbeiter und Kunden auf einmal im Salon sein werden. Selbstverständlich werden erkrankte Kunden nicht behandelt, und auch erkrankte Mitarbeiter haben keinen Zutritt zum Salon. An der Rezeption vermeiden wir weitgehend Kontakt mit Bargeld und bitten unsere Kunden mit Karten zu bezahlen. Wir nehmen alle Kreditkarten, Giro Card, Apple Pay. Alles ist möglich. Alle weiteren Details zur Begrüßung, zur Bezahlung und zur Verabschiedung findet ihr in unserem Konzept zum Download.

Da die Reisemöglichkeiten komplett eingeschränkt sind, erwarten wir auch keine Rückkehrer aus Krisengebieten, und Urlauber, die im Zuge von Rückholaktionen nach Deutschland gebracht werden, müssen sowieso zwei Wochen in Quarantäne, bevor sie wieder in die Öffentlichkeit dürfen. Also von dieser Seite her wird keine Gefahr bestehen. Unser erklärtes Ziel war es von Anfang an, die Eröffnung der Friseursalons am 20.4.2020 zu unterstützen und zu forcieren. Und wir hoffen inständig und drücken die Daumen, dass das auch wirklich klappt.

Unsere Mitarbeiter sind auf jeden Fall informiert, und sie werden bis zum Eröffnungstag alle geschult sein, den digitalen Medien wie Facetime, Zoom, Skype oder WhatsApp zum Dank ist das ja heutzutage problemlos möglich. In diesem Sinne erwarten wir hoffentlich unsere Kunden am 20.4.2020.

Wir wünschen euch allen positive Gedanken. Auf jeden Fall, viel, viel Gesundheit. Steckt euch nicht an, bleibt gesund und bleibt vor allen Dingen optimistisch. Euer Peter Gress

Urbanisierung und die Folgen für das Handwerk

Ein wichtiger Megatrend den wir als städtisch angesiedelte handwerkliche Dienstleister im Auge behalten müssen, ist die schnell fortschreitende Urbanisierung. In Deutschland liegt der Urbanisierungsgrad derzeit bei rund 78 Prozent der Gesamtbevölkerung, und man kann davon ausgehen, dass sich diese Zahl im Lauf der nächsten Jahrzehnte noch erhöhen wird. Ja mehr Menschen in die Städte ziehen, desto knapper wird der Wohnraum und desto teurer werden die Mieten und die Lebenshaltungskosten. 

Das wird dann zum Problem, wenn wir Mitarbeiter von außerhalb der Stadt bekommen, die in annehmbarer Entfernung zum Arbeitsort wohnen müssen. Im Großraum Stuttgart sind die Mieten mittlerweile extrem in die Höhe gegangen. Ein trauriger Rekord: Stuttgart hat mittlerweile auch München als teuerstes Wohnpflaster abgelöst und ist damit in Deutschland einsamer Spitzenreiter.

Es könnte also in der Folge dieser Entwicklung durchaus sein, dass Handwerksbetriebe in Städten nicht mehr neu gegründet werden können, weil die Mieten oder Kaufpreise zu teuer werden und sich betriebswirtschaftlich nicht mehr lohnen. Für Friseure beispielsweise könnte das bedeuten, dass die Salons immer mehr in die Randlagen gezwungen werden, und sie vom Kundenstrom in den Städten abgeschnitten werden. 

Allerdings wären dort auch die Mieten geringer und Mitarbeiter könnten sich Wohnraum und Leben eher leisten als in den Stadtzentren. Wenn wirtschaftlich sinnvolles urbanes Leben in den Städten möglich sein soll, braucht es vernünftige Verkehrskonzepte mit perfekt aufeinander abgestimmten öffentlichen Verkehrsmitteln und der weitgehenden Verbannung des Individualverkehrs, damit Menschen ihre Arbeitsplätze in annehmbarem Zeitumfang erreichen können.

Autos verbrauchen zu viel teuren Platz, sie stehen die meiste Zeit des Tages unbenutzt auf Stellplätzen, die man von der Gesamtfläche gesehen, besser für weiteren Wohnraum oder bessere Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs verwenden kann.

Immer dichter bebaute Städte stellen Handwerksunternehmen vor viele Probleme. Parkraummanagement für die Fahrzeuge, Lagerräume, Büros, Erreichbarkeit, Dauer der Fahrzeiten zu und von Kunden oder Baustellen (Stauzeiten), die Mieten oder Finanzierungskosten für Betriebsflächen, bau- und umweltrechtliche Beschränkungen, hohe Parkgebühren für Kunden und Schwierigkeiten mit Anwohnern wegen hoher Lärmpegel veranlassen viele Handwerksbetriebe zu einem Standortwechsel, oder gleich zu einer Ansiedlung in den Randbereichen der Städte.

Unser Elektrotechniker ist in Esslingen ansässig. Wenn er einem Termin in Stuttgart wahrnehmen muss. hat er mittlerweile einen E-Roller im Kofferraum, den er bei Stau einsetzt. Er parkt sein Auto außerhalb der Innenstadt und fährt mit dem Roller zum Termin, denn es ist mittlerweile fast die Regel, dass eine 20-Minuten Fahrt nach Stuttgart länger als 45 Minuten dauert. Dabei geht teure Arbeitszeit drauf, die der Handwerker zum Teil auch selber tragen muss, wenn er seine Kunden die Kosten nicht zumuten will. 

Siehe Download: Handwerk lokal Perspektiven für eine handwerksgerechte Stadtentwicklungs-, Verkehrs- und Wirtschaftspolitik in Städten und Gemeinden.

Digitale Geldwirtschaft – Die Freiheit die wir meinen?

euro cash withdrawal from an ATM of the airport

euro cash withdrawal from an ATM of the airport

Das Ende des traditionellen Bankgewerbes ist angekündigt. Die FinTec Branche attackiert mit disruptiven Innovationen. Tägliche Transaktionen am POS werden immer mehr digital getätigt was mein Leben ungemein erleichtert. Ich bin dafür!

Immer lauter wird in diesem Zuge die Abschaffung des Bargeldes gefordert. Ich bin dagegen! Ich brauche zum Einen eine Wahlmöglichkeit und zum Anderen eine staatlich garantierte Währungssicherheit in Form physisch greifbarer Banknoten und Münzen.

Bargeld ist in den Augen der Finanzer teuer und ineffizient. Mag sein. Aber den Zustand der Alternativlosigkeit lehne ich für mein generell Leben vehement ab. Ich werde heute schon durchleuchtet, überwacht, getrackt. Die Daten stelle ich freiwillig zur Verfügung, weil ich Smartphone, Navi, Kreditkarte verwende und weil mir das einen persönlichen Nutzen bringt.

Aber: eine Wahl zu haben bedeutet Freiheit, und was kann über der Freiheit stehen?

Wo liegt das Problem mit dem digitalen Geld?

Über 80 Prozent der Geldmenge in der Eurozone ist Giral- oder Buchgeld. Dieses Geld existiert nicht wirklich, es ist elektronisch erzeugt, hat aber denselben Wert wie Banknoten. Diese Geld der Notenbanken macht heute nur noch um die 20 Prozent des gesamten Geldes in der EU aus. Wenn die Bank einen Kredit vergibt entsteht Giralgeld das die Bank über eine Rücklage von lediglich 3% des neu geschaffenen Geldes absichern muss (1% Mindestreserve, 1,4% Bargeldreserve, 0,1-0,6% für die Überschussreserve). Die Bank transferiert das Buchgeld auf ein Konto, es beginnt zu zirkulieren, und wenn der Kredit zurückbezahlt ist verschwindet das Geld wieder. Es war nur ein Buchungsvorgang in den Büchern der Bank.

De facto ist es also schon heute so, dass wir so gut wie kein Bargeld mehr haben. Man stelle sich aber weiterhin vor, dass dieser geringe Gegenwert von 20% Bargeld in Form von Noten und Münzen ganz wegfällt. Geld könnte von jeder Bank per Knopfdruck produziert und vernichtet werden. Ein staatlicher Einfluss über den Geldverkehr ist ohne Banknoten und Münzen nicht mehr vorhanden, die Kontrolle über die Bürger durch privatwirtschaftlich agierende Geldproduzenten wäre vollkommen. Wer soll das wollen?

Hatte jemand im ausschließlich von Bargeld bestimmten Wirtschaftsleben einen Kauf getätigt musste er die Rechnung mit real existierendem Geld bezahlen. Wenn sich heute eine Bank eine Immobilie kauft braucht sie nicht einmal mehr selber einen Kredit aufzunehmen. Sie bucht einfach den Betrag elektronisch als Sichteinlage auf das Konto des Verkäufers. Bedingt durch das System kann die Bank relativ sicher sein, dass die Sichteinlage – für die sie haftet und diese auf Wunsch des Kontoinhabers in Bar ausbezahlen muss – nicht abgehoben wird, sondern als Buchgeld auf dem Konto bleibt. Da auch Geldanlagen und Investitionen mit Buchgeld getätigt werden macht eine Barabhebung über den persönlichen Bedarf hinaus überhaupt keinen Sinn mehr.

Ich bin kein übertriebener Skeptiker, aber ich vertraue privatwirtschaftlich agierenden Bankkonzernen nicht, und ich will auch nicht mein persönliche Wohl oder Wehe in den Händen von Banken sehen. In unserem Wirtschaftssystem werden Konzerne immer mit alle Möglichkeiten versuchen, das Machbare bis zur Schmerzgrenze auszureizen, und wenn das nicht mehr genügend Gewinn verspricht darf es gerne auch darüber hinaus gehen. Die ethischen und moaralischen Grennzen dieses wirtschaftichen Tuns in gesellschaftlichen Diskursen auszuloten wird dann obsolet, weil es nichts mehr an der Situation ändert.

Sei es noch so ineffektiv und teuer zu handhaben – ich liebe Bargeld!