Service Archive - Peter Gress

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Mann malt Glühbirne auf gelbem Hintergrund

Ja, aber…

…und was gegen notwendige Veränderungen wie Nachhaltigkeit, den Umweltschutz und gegen die Kreislaufwirtschaft steht.

Gründe, etwas nicht zu tun, gibt es immer

…“das haben wir hier schon immer so gemacht, das geht nicht anders“

…“das haben wir hier noch nie so gemacht, das wollen unsere Mitarbeiter nicht“

…“wir haben dazu gar keine Zeit, wir müssen uns ums Wesentliche kümmern“

…“mit so was wollen unsere Kunden nichts zu tun haben“

…“von unserem Geschäft haben Sie doch gar keine Ahnung“

…“never change a running system heißt, immer schön beim Alten zu bleiben“

…“wir haben nicht die Leute dafür, und wir finden auch niemand passenden“

…“das ist nicht unser Kerngeschäft, Neues bindet zu viele Ressourcen“

Nichts klebt besser als Gewohnheit

Zurzeit merken wir sehr deutlich, was es heißt, von Gewohnheiten abhängig zu sein. Wir waren billiges Gas aus Russland gewohnt. Die Städte waren hell erleuchtet. In Häusern brannte das Licht die ganze Nacht. Wasser wurde überall verschwendet. Der Strompreis spielte nur eine kleine Rolle. Die Liste ist lang, stellt euch selber vor, was da noch drauf kommt.

Nadelöhr Suez-Kanal

Am 23. März 2021 blockierte die Evergiven sechs Tage lang den Suez-Kanal. Sechs Tage, mit denen die weltweiten Lieferprobleme begannen. Sechs Tag, in denen sich die Verwundbarkeit unseres Wirtschaftssystems gnadenlos offenbarte. Sechs Tage, die dafür sorgten, dass sich Schiffe weltweit vor den Häfen stapelten und damit einen Containerengpass auslösten, unter dem wir noch eineinhalb Jahre später leiden.

Als würde das nicht reichen

Ukraine-Krieg, Chinas Lockdown wegen der Null-Covid Strategie, Rekordinflation im Euroraum, extreme Staatsverschuldungen und nicht zuletzt Parteien-Dogmen statt Realismus gegenüber der Lebenssituation von Millionen Bürgern und Selbstständigen. Es entwickelt sich ständig wachsendes Misstrauen in die Demokratie zugunsten rechter Parteien wie der AfD in Deutschland.

Italien und Schweden rücken nach rechts. Polen und Ungarn nehmen es mit der Unabhängigkeit von Justiz und Presse nicht so genau. Und welches Spiel Putin momentan spielt, so der allgemeine Endruck, weiß er wahrschenlich selber nicht genau. Summa summarum keine guten Aussichten für Demokratie, Meinungsfreiheit und Wirtschaftswachstum.

Wirtschaftswachstum ade?

Ein Wirtschaftssystem, das in einem Raum mit begrenzten Ressourcen agiert, kann nicht unbegrenzt und dauerhaft wachsen. Das bedeutet, es wird vielen Menschen zukünftig schlechter gehen. Der Sozialstaat kommt an seine Grenzen, wenn er weiterhin nur Geld verteilt, ohne Gegenleistung seiner Bürger einzufordern.

Viele Bürger verstehen die staatsseitige Versorgung quasi als Geburtsrecht, das zu jeder Zeit eingefordert werden kann. Dass Geld nur von Leistung kommt spielt scheinbar keine Rolle mehr, solange die Politik Zugriff auf die Druckerpresse hat. Aber auch das hat seine Grenzen, wie wir an der extrem hohen Inflation sehen.

Was bedeutet das für die Friseure?

Der Markt wird sich lichten. Es gibt zu viele Betriebsstätten für zu wenig Menschen mit ausreichenden Finanzmitteln. Nur eine kleine Bevölkerungsschicht braucht sich über steigende Preise weniger Sorgen zu machen als die Mittelschicht. Die Anbieter und die Masse der Konsumenten leiden aber stark unter steigenden Kosten und damit verbundenen Ängsten. Wie lange sich diese Spirale in unserer Branche noch weiter in sich selber hinein drehen kann, bevor die Feder reißt, wird sich zeigen.

Im Kampf um Kunden ist es definitiv wichtig, dass wir unsere Beratung und die Kommunikation verbessern. Wir sehen momentan bei unseren Auszubildenden, dass sie in der Schule zwar die Theorie und in geringem Maße auch die Praxis geschult bekommen, aber die Beratung spielt in der Ausbildung nur eine mindere Rolle.

Einige Kolleginnen und Kollegen haben sehr gute Konzepte für die professionellere Beratung beim Friseur. Je knapper die verfügbaren Finanzmittel sind, desto höher ist der Kundenfokus auf hoher Leistung. Beratung läuft bei mir strategisch unter Kundenkommunikation. Oft haben Kunden kaum die Chance sich zu artikulieren, schon geht der kreative Gaul mit uns durch, und wir präsentieren eine Lösung, bevor wir richtig tiefgreifend nachgeforscht haben, welche dauerhaften Probleme die Kunden gelöst haben möchten.

Wir sollten uns die Wissenschaft zum Vorbild nehmen. Wenn ein Problem noch nicht hinlänglich erforscht ist, stellen Wissenschaftler Fragen. Nicht umsonst spricht man davon, dass wer fragt, führt. Vor der Lösung muss das Problem exakt definiert werden. Wir fragen bei unseren Kunden nach bis wir eine erschöpfende Antwort haben. Dabei geht es nicht um die ständige Wiederholung das schon Besprochenen, sondern um neue Antworten durch neue Fragen. Fragen bildet, weil wir nur aus den Fragen heraus verstehen können.

Das gilt für die Wissenschaft genau so, wie für beratende Friseure. Das wird uns im ersten Schritt helfen, unsere Betriebe zu sichern. Die geopolitischen und weltwirtschaftlichen Verwerfungen können wir nicht beeinflussen oder gar kontrollieren. Wir Kleinunternehmer schwimmen zwar nur im großen Strom mit, aber wir sollten uns trotzdem mit aller Kraft dagegen wehren, uns in gefährliche existenzielle Strudel ziehen zu lassen.

Solange wir können, müssen wir uns wehren. Kreativ in Job und Organisation, und mit Verständnis für die allgemeine politische, wirtschaftliche und gesellschaftlichen Entwicklungen.

Ro-Bot

Digitalisierung beim Friseur

An Montag, 9. Mai 2022, hatte ich einen Vortrag bei der Dualen Hochschule BW gehalten. Es ging um die Digitalisierung im Handwerk, in meinem speziellen Fall um die digitale Transformation im Friseurhandwerk.

Interessante Einblicke

In den Gruppenarbeiten kamen einige interessante Ideen auf meine Liste, an die ich so dezidiert noch nicht gedacht habe. Wieder mal wurde damit der Beweis geführt, dass ein unverstellter Blick von außen frische Ideen, oder wenigstens alternative Ansätze hervorbringen kann.

Eines der Themen war der Einsatz eines Bots auf der Webseite. Die Idee dazu habe ich von der Pandemie schon mit Lisandro Adler diskutiert. Die Pandemie hat die Weiterentwicklung bei mir gestoppt. Nach der Kreativsitzung an der DHBW werde ich das Thema aller Voraussicht wieder aufnehmen. Die Studenten haben mir gezeigt, dass die Fragestellung der wichtigste Knackpunkt ist. Welche Fragen stellen die Kunden? Diese lassen sich leider nicht umfänglich definieren.

Bot oder nicht

Ein Bot hilft, wenn er für die Kunden einfach zu bedienen ist. Außerdem ist die Qualität der Antworten (auf nicht 100 Prozent bekannte Fragen) ausschlaggebend. Leider gibt es (noch) keine Erhebungen zu den Fragen, die Friseurkunden stellen, wenn sie sich über Friseure und ihre Angebote informieren. Das wäre natürlich eine große Hilfe, aber ich vermute, dass wir noch länger auf solche Daten warten müssen.
Ich glaube, dass nur ein kleiner Teil der potentiellen Neukunden einen Bot nutzen würden.

Online-Beratung

Friseurdienstleistung ist kein Stangenprodukt, dazu gibt es immer einige Fragen. Diese lassen sich durch persönliche Interaktion am Telefon besser beantworten. Eine gute Alternative zum Bot ist die Online-Beratung über WhatsApp, Zoom oder ähnliche digitale Tools. Das funktioniert sehr gut. Über Video kann ich Kunden einen Vorschlag machen, welcher Haarersatz passen könnte und was es kostet.

Doch lieber telefonieren

Ich selber nutze Bots auf Webseiten eher selten. Der Telekom-Bot bietet einen guten Service, ist aber schnell beim Angebot eines persönliche Gesprächs. Wenn der Bot eine Frage nicht verstanden hat, kommt die Aufforderung: „Können Sie das bitte nochmals mit anderen Worten formulieren?“ Kann ich, aber an diesem Punkt bin ich geneigt, ein Telefonat zu buchen.


Bots haben einen Anklang von Hotline. Sie sind anonym, und sie sind nicht schlau genug, um in einer Unterhaltung die Bälle vernünftig zurück zu spielen.Das nervt irgendwann genauso wie die Wartezeit in der Hotline. Es ist einfach so, dass Probleme schneller gelöst werden, wenn man mit einem Menschen gesprochen, und seine Wünsche formuliert hat. Trotzdem gibt es Kundengruppen, die dieses Angebot gerne nutzen. Wir müssen uns eben in der Planung des Bots die Frage stellen, ob diese Zielgruppen die unseren sind.

Entwicklungskosten

Ein weiterer Punkt sind die Kosten für die Entwicklung eines Bots. Für unserer durch die Pandenie geschwächtes Unternehmen sind die Entwicklungskosten derzeit nicht zu schultern. Vielleicht war es ganz gut, dass ich die Entwicklung vor der Pandemie nicht weiter verfolgt habe. Im Grunde genommen muss bei allem was wir tun der Nutzen für die Kunden prioritär betrachtet werden.


Viele Kunden haben dazuhin eine gewisse Online-Müdigkeit. Monatelanges Home-Office mit täglichen Online-Meetings haben manchen gestresst. Menschen brauchen Menschen in direktem Kontakt! Die Digitalisierung macht nicht frei, sie nervt bei übermäßigem Genuss. Zu Beginn der Pandemie wurde das Arbeitsleben explosionsartig digital. Das war ungewohnt und für manche vielleicht sogar erschreckend.

Zu Beginn des Home-Office haben die Vorteile überwogen, mit der Dauer wurden viele dieser Art der Arbeit überdrüssig. Wahrscheinlich ist es klüger, den Bot doch noch etwas zu schieben, bis die Hybridisierung der Büroarbeit funktioniert und die Berührungsbedenken geringer werden.

De Blick von außen

Dennoch möchte ich klar sagen, dass die Zusammenarbeit mit den dualen Studenten der DHBW erfrischende Einsichten gebracht hat. Ich habe meine Strategie und meine Zahlen auf den Tisch gelegt, und ich habe gute Ideen zurück bekommen. Deshalb glaube ich auch, dass wir für die gesamte Branche externe Hilfe brauchen, um neue Impulse zu erhalten, die uns Friseuren insgesamt einen positiven Push bringen.

Welle bricht

COVID-19 und die 2. Welle

Es wird noch einige Monate so bleiben. Das ist eine gesicherte Erkenntnis aller Wissenschaftler. Wenigstens bis es ein Medikament für die Erkrankten oder einen Impfstoff für die Gesunden gibt. Am Dienstagmorgen habe ich in Gabor Steingarts Morning Briefing Podcast ein Interview mit dem RKI-Präsident Lothar Wieler gehört. Steingarts Podcast könnt ihr hier abonnieren.

Wichtige Kennzahlen

Der Umgang mit Corona ist von täglichen Learnings begleitet. Jede Erkenntnis muss erst gewonnen werden, bevor sie von der Politik in eine Handlungsanleitung umgesetzt werden kann. Mein Eindruck von Lothar Wieler ist positiv, er ist ein faktengetriebener Wissenschaftler, der Informationen abwägt und auf die gesellschaftlichen Folgen prüft. Nichtsdestotrotz handelt er als Berater der Politik und hält sich mit eigenen Umsetzungsmaßnahmen zurück. Das empfinde ich als sehr wohltuend.

Reproduktionsrate (1)

Für Wieler spielt die Reproduktionsrate (1) eine große Rolle. Sie ist der Indikator dafür, ob die Intensivbetten in Deutschland ausreichen, um Schwerbetroffene zu behandeln. Beträgt der R-Faktor 1, steckt ein Mensch maximal einen anderen an. Liegt der Faktor kleiner als 1 verlängert sich die so genannte Verdopplungszeit, was die Neuinfektionen verringert (s. Statistik)

Je kürzer die Verdopplungszeit ist, desto mehr Infektionen gibt es. Russland, USA und Großbritannien sind die derzeitigen Hotspots. Spanien erholt sich zusehends und auch in Frankreich und Italien geht es stetig bergauf. Deutschland ist auf einem guten Weg und diese Entwicklung sollten wir auf keinen Fall durch Unvorsichtigkeit gefährden.

Dem Virus ist es völlig egal, ob wir es ernst nehmen oder nicht. Mit dem Virus können wir nicht verhandeln, das reagiert radikal auf jede Unvorsichtigkeit. Corona ist binär, es gibt nur Null oder Eins. Verhindern können wir die Ansteckungen nicht, wohl aber kontrollieren.

Die Chance , die uns die Politik durch umsichtiges Handeln gegeben hat, sollten wir nicht mit Kniebrecher-Aktionen aufs Spiel setzen. Wenn wir schlau sind nutzen wir die Chance und kommen besser aus der Situation heraus als anfänglich befürchtet.

Die größten Sorgen der Menschen

Die Gesundheit der Familien und die wirtschaftlichen Aspekte sind den Menschen in allen Ländern nahezu gleich wichtig. Lediglich Deutschland knickt hier etwas ein, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass sich die Menschen durch die sozialen Sicherungssysteme als sehr stark abgesichert empfinden. Die Arbeitsplatzsicherheit spielt dagegen erstaunlicherweise eine recht geringe Rolle. Erfrischend ist, dass die Weltuntergangsapostel recht weit unten rangieren.

Dynamik der Inzidenz (2)

Mit der Inzidenz wird die Anzahl der Neuinfektionen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes beziffert. Je schneller die Infektionsrate steigt, desto schneller sind unsere Krankenhauskapazitäten am Limit. Dafür hat die Politik das Zentralregister geschaffen, in dem alle Intensivbetten und Beatmungsgeräte erfasst sind. Im Falle der erwarteten zweiten Welle ist das von unschätzbar hohem Wert, weil die Krankenhäuser in einem solchen Fall schnell reagieren und die Intensivbetten bereitstellen können.

Die Entwicklung der Neuinfektionen ist durch den geringen R-Faktor von derzeit 0,71 stetig rückläufig. Das zeigt deutlich, dass wir die Reproduktion durch die Mund-Nasen-Bedeckungen und die Abstandswahrung dauerhaft verringern können. Ich bin gespannt, wie die teilweise Öffnung der Gastronomie und Ladengeschäfte die Reproduktion beeinflusst.

Kanzlerin Merkel war bei der Pressekonferenz am Mittwoch, 6.5.2020, sichtlich genervt davon, dass die Länder ihre eigenen Maßnahmen schon vor der Konferenz beschlossen hatten. Wir haben mit Winfried Kretschmann einen besonnenen Politiker an der Spitze, dem ich die richtigen Schritte für Baden-Württemberg zutraue. (s. Notfallmechanismus)

Egal wie jeder von uns zum Lockdown oder der Handlungsweise der Politik steht; jede Entscheidung die heute getroffen wird, kann sich morgen als falsch herausstellen. Deshalb sollten wir uns alle besser an die Fakten halten und Corona-Leugner wie den grenzdebilen rechtslastigen AfD-Mann Hansjörg Müller geflissentlich ignorieren. Das Problem dabei: Die Verschwörungstheoretiker haben eine große Lobby.

Schwere der Krankheit (3)

Laut Wieler müssen 18 Prozent der Corona-Infizierten ins Krankenhaus und 4,7 Prozent sterben. Im nachfolgenden Chart sieht man die Konzentration der Todesfälle auf die Altersklassen ab 57 Jahre. Auch wenn der Krankheitsverlauf bei vielen Jungen heftig verläuft, liegt der Schwerpunkt der Mortalität ganz klar auf älteren Menschen.

Die Berechnungen der Wissenschaftler zielen einzig darauf ab, dass im Falle einer zweiten Welle genügend Intensivbetten und Beatmungsgeräte vorhanden sind. Wenn 18 Prozent der Infizierten ins Krankenhaus müssen und 40.000 Intensivbetten vorhanden sind, dürfen nicht mehr als 222.400 Menschen gleichzeitig innerhalb von zwei Wochen infiziert sein. Das ist die maximale Anzahl an Neuerkrankungen, ab der die Ärzte mit der Triage beginnen müssten.

Derzeit gibt es rund 28.000 Infektionen in Deutschland (Gesamtzahl minus Gesundete minus Gestorbene). Es könnten theoretisch rund 200.000 Neuansteckungen innerhalb zwei Wochen hinzu kommen, bevor die Kapazität der Intensivbetten erschöpft ist. Das wären pro Tag 14.285 Neuinfektionen.

Zum Vergleich: Die höchste Zahl der Neuinfektionen lag am 28. März 2020 bei rund 6.800 pro Tag. Es würde also 30 Tage dauern, bis die Grenze von 200.000 Neuinfektionen erreicht ist. Für die genaue Berechnung müsste ich noch die Gesundungs- und Mortalitätsrate einrechnen. Das spare ich mir an dieser Stelle.

Fazit

Wir sitzen alle im gleichen Boot. Deshalb stünde es uns gut an, wenn wir auch so handeln und aufpassen. Ein gewisses Maß an Selbstreflexion ist jetzt wichtig, denn wir wollen auch alle gemeinsam aus diesem Boot heraus.