Philosophie Archive - Peter Gress

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Was sind Werte wert?

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WERTE SIND DAS, WAS MITARBEITER IM TÄGLICHEN UMGANG MIT FÜHRUNGSKRÄFTEN ERFAHREN.

Wie die Werte in den Unternehmen aussehen entscheidet der Unternehmer, bzw. die Unternehmensleitung. Im besten Fall geht der Chef mit gutem Beispiel voran und lebt seine Werte ganz offensiv, jeden Tag, zu jeder Zeit, mit allen Fehlern. Mitarbeiter erwarten keinen fehlerlosen Chef, aber sie erwarten eine klare Linie. Und sie erwarten Kommunikation, sie wollen Gespräche, sie wollen Austausch. Sie wollen, dass man sich um sie kümmert und sie wertschätzt.

Werte sind die Leitplanken, zwischen deren Umfang sie sich selbstständig bewegen können. Es gibt natürliche Grenzen der Eigeninterpretation von selbstständigem Arbeiten, denn es gibt in Unternehmen Regeln, die nicht diskutierbar sind. Handelt ein Mitarbeiter auf Dauer gegen diese Grundwerte identifiziert er sich nicht mehr mit ihnen und dem Unternehmen. Dann muss man ihn, wenn eine Einigung unmöglich ist, leider dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen.

Werte dienen Unternehmen als Leitlinie. Werte sind etwas, mit dem sich der Mitarbeiter vor seiner Einstellung auseinander setzen muss. Am besten kommt er wegen der gelebten Werte in ein Unternehmen. Mitarbeiter einzustellen die nicht zu den Unternehmenswerten oder zur Unternehmensphilosophie passen werden sich auch nicht anpassen. „Das wird schon werden…“ ist keine Option. Solche Mitarbeiter bringen die Unternehmenswerte zum wanken und sie werden das Unternehmen sowieso wieder verlassen. Noch besser allerdings wäre es gewesen, man hätte diesen Mitarbeiter gar nicht erst eingestellt. Vergessen Sie nie, dass Sie nicht nur zwei Hände bekommen, sondern es hängt auch noch ein Gehirn dran. Wenn der Mitarbeiter nicht auf der richtigen Unternehmensfrequenz funkt haben Sie keine Chance auf ein befriedigendes Arbeitsverhältnis. Wenn Sie Mitarbeiter mit passenden Werten haben wollen, dann müssen Sie diese Werte, diese Philosophie aktiv kommunizieren. Spätestens in einem persönlichen Gespräch müssen Sie die Reissleine ziehen, wenn Sie merken, dass das nicht passt.

Ich nehme Sie jetzt mal 50.000 Jahre zurück in der Zeit. Damals hatten unsere Vorfahren Homo Sapiens noch nicht die technischen Mittel, sich die Natur zurecht zu biegen. Sie waren Umwelteinflüssen, wilden Tieren, verfeindeten Stämmen ausgesetzt. Das Leben war von ständiger Hab Acht Stellung geprägt. Menschen hatten in diesen Ursprungsjahren der Menschheit ein wichtiges Grundbedürfnis: SICHERHEIT. Wenn drumherum alles unsicher ist, dann streben wir nach Sicherheit. Der Stamm mit dem sichersten Ruf entwickelte sich am besten, er war begehrt bei potentiellen Ineressenten. Je sicherer der Stamm, desto mehr individuelle Werte konnten sich entwickeln. Auch heute saugen Sicherheit vermittelnde Unternehmen mehr Mitarbeiter an als andere. Aus diesem Grund lohnt es sich gewaltig, Mitarbeitern Sicherheit zu bieten.

Mein Unternehmen ist nicht Apple, Google, Facebook und es ist auch nicht so cool, bei Gress Friseure zu arbeiten, wie in einem dieser weltverändernden Unternehmen. Und weil ich diese Coolness als Arbeitgeber nicht erreichen kann, muss ich die tägliche Arbeit für meine Mitarbeiter so interessant wie möglich zu machen. Kompetenzen aufbauen, Ziele definieren und fördern, Kompetenzen entwickeln helfen – ihr kennt die Liste die jetzt folgen würde wenn ich sie denn führen wollte…

Heute haben wir die Umwelt unseren Bedürfnissen angepasst und können individuellere Werte leben als das anderen Generation möglich war. Die Selbstverwirklichung steht auf der Wünscheskala vieler Menschen in der industrialisierten Welt weit oben. Stures abarbeiten der Arbeitszeit ist nicht gewünscht. Die Arbeitsinhalte und die Aufgaben müssen interessant sein, bzw. interessant aufgearbeitet werden. Meine Hauptaufgabe in der Mitarbeiterschulung besteht darin, unseren Servicekreis weiter zu entwickeln und zu schulen. Dazu gehört die Freundlichkeit bei der Begrüßung genauso wie das persönliche Beratungsgespräch oder die optimale Verabschiedung. Die Werte schwanken nie, die Einhaltung schon. Mal ist es die fehlende Zeit, mal die eigene Nachlässigkeit, mal Unachtsamkeit.

Keiner ist tagsüber 480 Minuten lang in vollster Konzentration bei der Sache. Auch Sie als Chef nicht. Es macht Chefs menschlich, wenn sie auch mal einen Fehler zugeben. Jeder Mensch hat seine Kompetenzbereiche, in denen er richtig gut ist, aber wenn Sie einen Fisch auf den Baum scheuen, wird er unter seiner Unfähigkeit leiden. Als Chef können Sie nicht alles, und das wird auch gar nicht erwartet. Erkennen Sie die Stärken Ihrer Mitarbeiter und fördern Sie die Menschen die bei Ihnen arbeiten. Dann haben Sie den richtigen Ansatz in Ihrer Führung.

Kommt da noch was?

Wer über 50 Jahre alt ist oder langsam in die Nähe dieser Alterszahl kommt, kennt das Phänomen wahrscheinlich: die Frage nach dem Sinn des Bisherigen und dem Kommenden. Ich wurde mit 50 Großvater was grundsätzlich etwas schönes ist, mir gleichzeitig aber schlagartig klar machte, dass ich im virtuellen Zigarettenautomaten ein Stückchen weiter nach unten gerutscht bin. In nicht allzu langer Zeit – das statistische Durchschnittsalter für Männer in Deutschland zugrunde gelegt in 18,44 Jahren – wird einer meine Schachtel aus dem Schacht ziehen. Diese Zeit bleibt, um etwas sinnvolles mit der Zukunft anzufangen, wobei ich damit nicht sagen möchte, dass ich bisher nichts sinnvolles gemacht habe. Aber Sichtweisen verändern sich und gegen die Frage was denn noch kommt kann ich mich nicht wehren. Damit muss ich mich wie Millionen andere auch auseinandersetzen.

CUT – Chance, Umbruch, Tun
Kommet da noch was? Meine Gedanken zu diesem Thema habe ich sinnigerweise CUT genannt – Chance, Umbruch, Tun. Nicht die Auswahl der Beschäftigung für die Zukunft ist schwierig, sondern die Inhalte. Ich habe eine Idealvorstellung in meinem Kopf, die alle Möglichkeiten durch einen unerbittlichen Filter schickt. Leider beweist die Lebenserfahrung, dass es DIE eine richtige Entscheidung nicht gibt. Wenn wir etwas geändert haben, metamorphieren wir in einem nicht steuerbaren Prozess wieder vor eine Entscheidung. In jungen Jahren lässt man die Dinge einfach mal laufen und hofft auf die entscheidende Eingabe, wie sich das weitere Leben entwickelt. Diese Leichtigkeit geht in späteren Jahren verloren. Das Prinzip bleibt dasselbe, aber die Zeit wird knapper.

Auslaufen lassen
Viele meiner Freunde und Bekannten beschäftigen sich bereits mit ihrem Ruhestand. Prinzip “auslaufen lassen”. Meine Mahnung ist immer gleich: “Pass auf, dass Du selbst nicht ausläufst.” Was willst Du machen? Gärteln? Reisen? Lesen? Handwerken? Schreiben? Enkel beaufsichtigen? Golf spielen? Mal sehen, es wird sich schon was ergeben. Ich habe in den vergangenen Jahren viele erlebt, bei denen sich überhaupt nichts ergeben hat. Zu denen will ich nicht gehören. Klar ist nur, dass das Leben etwas langsamer laufen muss, weil das Alter einen dauerhaft hohe Pace nicht mehr zulässt. Aber die Konzentration auf wesentlicheres schadet ja nicht. Heute mache ich weniger und erreiche mehr, wenn ich mich dem Aktionismus verschliesse.

Rente? Lieber nicht!
Jedes Alter bietet Chancen. In der Impulse o2/2014 wird ein Entrepreneur mit 71 Jahren vorgestellt. Das ist doch äußerst interessant, oder nicht? Menschen sammeln im Laufe der Jahre so viel Expertise, es wäre doch sehr, sehr schade, wenn dieses Wissen nicht dem Wohl der Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden würde. Manche hören mit Mitte 50 auf zu arbeiten und werden Privatier, andere steigen in diesem Alter noch einmal voll aufs Gaspedal. Mein Vater wurde mit Mitte 60 voll aus dem Leben gerissen. Umgefallen, drei Tage Koma, Maschine aus. Für die Hinterbliebenen schlimm, für ihn ein Segen. Ein Freund auf der Höhe seiner Schaffenskraft innerhalb fünfzehn Minuten abgerufen. Ein anderer lebt noch, ist Mitte 70, hat Parkinson im weit fortgeschrittenen Stadium. Er war sein Leben lang aktiver Sportler, nun hilft ihm auch das leider nichts mehr. Ein Dritter hat im stark dementen Zustand seine Frau mit dem Messer angegriffen, und Sekunden später keine Ahnung mehr davon gehabt. Krankheit hat man nicht im Griff, das ist mir klar. Wenn sie kommt, dann kommt sie. Aber ich habe keine Lust, darauf zu warten bis es soweit ist. Bis dahin möchte ich etwas gestalten und Neues schaffen.

Sich selbst aushalten in der Kommunikation

Von Natur aus bin ich ein impulsiver Mensch. Das hat in jungen Jahren mit meiner Umwelt gar nicht gut funktioniert, es hat zu viele Verletzungen bei anderen verursacht und mir mehr geschadet als genutzt. Das Alter hat mittlerweile seine Spuren hinterlassen, ich habe meine Erfahrungen gemacht und gehe wesentlich ruhiger und überlegter vor. Vor allem in der Kommunikation mit meinem Mitarbeitern habe ich gelernt, mich zurück zu nehmen und Situationen einfach mal auszuhalten und nicht gleich die Keule auszupacken. Basis dafür ist eine klare Linie was geht und was nicht.

Gesprächsvorbereitung
Damit der emotionale Faktor so niedrig wie möglich bleibt bereite ich wichtige Gespräch schriftlich vor. Mit dieser Methode filtre ich aus einem wilden emotionalen Kuddelmuddel einen klar erkennbarer Kern der Informationen, die ich loswerden und weitergeben will. Das hilft mir, um auf einer sachlichen Ebene zu bleiben, und es ist auf die Dauer extrem effektiv.

Diese Vorgehensweise ist nicht immer einfach auszuhalten, aber für mich ist es wichtig, in jeder Situation aktionsfähig zu bleiben. Wenn ich mich durch sehr starke Emotionen in eine Sackgasse navigiere, komme ich ohne Kontrollverlust nicht mehr heraus. In einem Mitarbeitergespräch will ich manöverierbar bleiben, ich kann mich nicht meinen momentanen Empfindungen ausliefern, die meist kontraproduktiv zum Gesprächsziel sind und mich innerlich aufwühlen und so klare Gedanken verhindern. Die Befriedigung eines emotionalen Impulses mag zwar kurzfristig befreiend sein, aber konstruktiv und zielführend ist das nicht.

Es gibt Konfliktsituationen, in denen meine Grundwerte infrage gestellt werden und die eine sofortige Reaktion erfordern. In einer solchen Situation mache ich meinen Standpunkt klar, aber eine Klärung des Konflikts werde ich in einer Affektsituation ganz sicher nicht anstreben und auch nicht erreichen. Wenn mir der Kontakt zu meinem Konfliktpartner wichtig ist verschiebe ich das Konfliktgespräch und halte die “Ungerechtigkeit” lieber erst mal aus. Wenn der erste Dampf raus ist sind die Chancen für eine Klärung weitaus größer.

Interessante Literatur dazu: Die Kunst sich selbst auszuhalten von Michael Bordt