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Peter Gres Podcast Quickies

006 – Podcast Starke Marke – FORDEC-Liste

In dieser Folge geht es um die FORDEC Liste für schnelle Problemlösungen. Sie wird in der Luftfahrt eingesetzt, wenn ein auftretendes Problem in kurzer Zeit nachvollziehbar gelöst werden muss.

Die FORDEC-Liste ist eine Kurzform des Strategie-Tableaus. Sie ist ausgelegt auf schnelle Problemlösungen, denn Probleme in der Luft lassen keine langen Strategiesitzungen zu. Schneller Konsens ist das Ziel. Flugzeuge sind komplexe, vielschichtige Organismen und brauchen deshalb definierte und kooperative Entscheidungsprozesse. 

FORDEC-Liste Vorlage

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Peter Gres Podcast Quickies

001 – Podcast Starke Marke – Mitarbeiterspezialisierung

Liebe Strategen, ich heiße euch herzlich willkommen bei meinem Podcast Starke Marke – Mitarbeiterspezialisierung für eine bessere Motivation. Mein Name ist Peter Gress und ich möchte mit und für euch in Zukunft Strategien beleuchten, die unseren Unternehmen mehr Erfolg im Markt verschaffen.

In dieser Folge beleuchte ich den Weg zur Spezialisierung einzelner Mitarbeiter. Meine Feststellung: Nicht jeder muss alles können. Mitarbeiterspezialisierung schafft intrinsische Motivation.

Natürliches Lernen

Wer ein Kind hat kennt folgende Situation: Das Scheisserle dreht sind erstmals auf den Bauch. Die Freude ist groß, denn das Kleine hat einen ersten bahnbrechenden Schritt gemacht. Irgendwann krabbelt das Kind und dann versucht es aufzustehen. Ahs und Ohs und Applaus begleiten es bei jedem kleinen Fortschritt. Die Begeisterung der Großen ist grenzenlos, wenn das Kleine losläuft. Aber ab dann ist es aus mit der Ermutigung, Neues zu entdecken und dem Forscherdrang zu folgen.

Ab jetzt heißt es: Fass da nicht hin, das kannst Du nicht, das darfst Du nicht, lass das, ich mach das, du tust dir weh – das Totschlagargument schlechthin. Im Kindergarten darf es wenigstens noch nach Herzenslust spielen. Dort macht es Spaß zu entdecken, zu experimentieren und Dinge auszuprobieren. Gelernt wird dabei in atemberaubender Geschwindigkeit. 

Die Crux mit der Schule

In der ersten, vielleicht auch noch in der zweiten Klasse macht Schule noch Spaß, aber dann kippt es. Das Spiel ist zu Ende, der Ernst bestimmt ab jetzt das Lernen. Die Lerngeschwindigkeit nimmt ab. Den Kindern wird via G8 Wissen in den Kopf gepresst, damit sie früher fertig sind. Das ist durchaus doppeldeutig gemeint.

Bis zum Ende ihrer Schulzeit sind die Kinder und Jugendlichen ständig unter Druck. Sie merken schnell, dass es nicht um die Stärkung ihrer Stärken geht, sondern um das Lernen dessen, was sie nicht so gut können. Kinder bügeln ständig Lücken aus und lernen sozusagen hinterher. Vieles interessiert sie gar nicht, weil sie den Stoff nicht mit dem realen Leben verknüpfen können. Aber die Regeln sind gnadenlos. Sie müssen eben, weil es geprüft wird.

Schülern wird nicht beigebracht, wie sie lernen sollen. Dabei wäre das der allerwichtigste Schritt für erfolgreiches lebenslanges Lernen. Das ist doch mal eine herausfordernde Aufgabe für einen Ausbildungsbetrieb! Das Gehirn erledigt das Lernen eh von alleine. Es nimmt ständig Neues auf, prüft die Fakten, gleicht sie ab, und dockt sie dort an, wo schon ein Pfad angelegt ist. Stünde der biochemische Ablauf des Lernprozesses auf dem Lehrplan, könnten die Kids viel besser einschätzen, wie sie mit Schwierigkeiten oder Rückschlägen beim lernen umgehen sollen. 

Spezielle Begabung entdecken

In der Ausbildung geht es meist so weiter. Die vorrangige Aufgabe des Ausbilders muss es sein, die Stärken der jungen Menschen zu erkennen und sie zu fördern. Der Ausbildungsrahmenplan zwingt die jungen Erwachsenen zum Generalistendasein. Ein Generalist kann jedoch niemals in allen Bereichen so gut sein wie ein Spezialist. Ausbildung soll dabei nicht mikroskopiert werden, aber sie muss die Stärken in den Mittelpunkt stellen, und nicht die Erfüllung der Plananforderungen. Wir brauchen keine gleichgeschalteten Fachkräfte, wir brauchen denkoffene kreative jungen Experten mit einer ganzheitlichen Sicht auf die Wirtschaftswelt.

Verantwortung auf Mitarbeiter verlagern

Von Unternehmern erwartet man ja auch nicht, dass sie nicht alles wissen und können müssen. Ihr Job ist es zu wissen, woher sie die Informationen und Leistungen bekommen, die sie brauchen, um ihren Job richtig gut zu machen. Leider kranken viele Führungskräfte daran, dass sie glauben, ohne sie gehe es nicht, sie seien unersetzbar, sie müssten deshalb alles alleine entscheiden. Je mehr Mitarbeiter Sie mit wichtigen Aufgaben betreuen, und je weniger Sie sich in deren Tagesgeschäft einmischen, desto effektiver werden Sie führen, und desto schneller erreichen Sie Ihre Ziele. Sie müssen Ihre Mitarbeiter selbstverständlich mit klar umrissenen Aufgabenbereichen betreuen und Sie brauchen eine Gesprächsstruktur. Wer sich für diesen Weg entscheidet muss beachten, dass niemals über den Kopf des Mitarbeiter hinweg entschieden wird, sonst haben Sie das Vertrauen und die Motivation des Mitarbeiters verloren. 

Spezialisierung

Was ist überhaupt ein Spezialist? Spezialisten machen überwiegend das, was ihnen Spaß macht, denn das können sie ja besonders gut. Das wäre doch die perfekte Arbeitssituation, oder nicht? Durch ihre hohe Expertise bekommen sie ständig positives Feedback. Anerkennung ihrer Leistung motiviert sie intrinisch, also aus sich selber heraus. All das stimmt, kommt aber so in Reinform nirgendwo vor. Aber gut, jeder von uns muss mit Einschränkungen zurechtkommen und lernen, sie zu akzeptieren. Zu manchen Zeiten kommen die jungen Leute damit gut klar, und zu anderen Zeiten eben nicht. Sie sind ja keine Maschinen, sondern jungen Menschen im heftigsten Lernprozess ihres Lebens. Sie können jedes Quentchen an Motivation gebrauchen, um zu kompetenten Fachkräften heran zu wachsen.

Intrinsische Motivation erzeugen

Wer als Führungskraft und Ausbilder heute noch glaubt, man könne andere Menschen motivieren, hat etwas Maßgebliches nicht verstanden. Menschen sind immer motiviert, es kommt eben darauf an, ob Führungskräfte sie verstehen und dort einsetzen, wo sie den maximalen Erfolg haben. Wenn Mitarbeiter bockig sind, haben sie durchaus auch eine Motivation. Sie wollen halt nicht, was der andere will. Also muss der andere für Erfolgserlebnisse und Wertschätzung sorgen, das motiviert Menschen dauerhaft. Sie arbeiten dann mit voller Konzentration an ihrem Erfolg, und damit auch am Erfolg des Unternehmens. Wer seine Mitarbeiter nicht wertschätzt, darf sich auch nicht wundern, wenn sie keine Leistung bringen. Flapsig gesagt: Jeder hat die Mitarbeiter, die er verdient. Und noch einen obendrauf: Wenn Führungskraft und Mitarbeiter partout nicht zusammenkommen und dadurch die Leistung leidet, muss man sich trennen.

Hochleistungswille unterstützen

Ich bleibe noch bei der Ausbildung. Wenn junge Menschen in das Arbeitsleben eintreten, haben sie noch keine Vorstellung von dem, was sie erwartet. Ich habe manchen Ausbilder reden gehört, dass es jetzt an der Zeit sei, den Jungen die Flausen auszutreiben. Solche Ausbilder müssen sich nicht wundern, dass ihre Mitarbeiter tatsächlich aus-Bindestrich-lernen. Sie haben einfach keinen Bock auf solche Zustände. Wenn Hochleistungswille auf Methoden von gestern in Arbeits- und Lernumgebungen von vorgestern trifft, entsteht keine Motivation auf Höchstleistung.

Berufsanfänger können meist auch nicht einschätzen, was sie selber zu leisten imstande sind. Sie müssen ja erst noch ihre Rolle finden. Dazu brauchen sie Unterstützung. Führungskräfte, in dem Fall die Ausbilder und Ausbilderinnen, brauchen Fingerspitzengefühl, scharfe Beobachtungsgabe und ehrliches Interesse am Fortkommen der jungen Menschen. Stärken zu erkennen und früh zu nutzen schafft Motivation, Vertrauen und Bindung ans Unternehmen.

Stärkentableau

Auszubildende sollten spätestens am Ende des ersten Ausbildungsjahres ihr erstes Stärkentableau ausfüllen. In das Tableau tragen sie ein, wo sie ihrer Meinung nach Unterstützung benötigen, wie sie ihre persönlichen Stärken entwickeln wollen und welche Spezialisierung sie anstreben. Die Möglichkeiten der Spezialisierung hängen vom Beruf und vom Unternehmen ab. Es ist wichtig, die Spezialisierungsbereiche innerhalb des Unternehmens zu definieren, damit der Azubi eine Auswahl treffen kann. Diese Spezialisierungen werden unterstützt durch interne Prüfungen. Diese sind einerseits notwendig, damit die Ausbilder zu jeder Zeit wissen wo ihre Auszubildenden stehen, und andererseits, damit die Auszubildenden selber einen Maßstab für ihre Leistungen haben. 

Das Stärkentableau ist ein einfaches, aber sehr effektives Mittel dafür, wie sich Azubis und Fachkräfte selber an ihrem derzeitigen Können und ihrem zukünftigen Anspruch ausrichten. Wir haben damit in unserem Unternehmen extrem gute Erfahrungen gemacht, mussten aber unser Verständnis von Ausbildung grundlegend hinterfragen.

Generalist vs. Spezialist

Ich komme zu den Fachkräften und möchte anhand eines Beispiels zeigen, wie sich Spezialisten zu Generalisten verhalten. Zehnkämpfer sind die Könige des Sports. Tatsächlich ist es eine tolle Leistung, in zehn verschiedenen Disziplinen Höchstleistungen zu erbringen. Trotz der Königskrone fürs Generalistentum sind sie den Spezialisten in den einzelnen Disziplinen unterlegen. Spezialisten können sich auf eine Sache konzentrieren und sind so wesentlich effektiver und qualitativ besser in der Ausführung ihrer Aufgabe. In der Übertragung auf ein Unternehmen bedeutet das, dass ein großes Angebot die Kräfte zersplittert.

Diversifizierung ist kein Heilsversprechen, dafür gibt es eindrucksvolle Beispiele. Für eine Spezialisierung gilt das selbstverständlich auch. Jeder Spezialist muss sich im klaren darüber sein, dass seine Spezialisierung eines Tages nicht mehr gewünscht ist. Jedoch muss sich heute jeder Unternehmer sowieso regelmäßig hinterfragen, ob sein Angebot so noch Zukunft hat, wie es grade angeboten wird.

Zielführende Weiterbildung

Für ein Unternehmen ist die Weiterbildung der Fachkräfte von ausschlaggebender Bedeutung. Je spezialisierter die Mitarbeiter sind, desto schneller ist der Rückfluss des Investments. Spezialisierung bedingt natürlich die Reduzierung des Angebots. Wie viele Dienstleistungen oder Produkte werden beibehalten, obwohl sie keinen oder nur einen sehr geringen Deckungsbeitrag bringen? Von Gewinn ganz zu schweigen? Viele Unternehmer haben Angst vor dieser Reduktion, weil irgendwann einmal ein Geschäftsbereich wegbrechen könnte. Die Frage stellt sich dabei, ob sich ein Unternehmen heute aus Sicherheitsgründen noch Geschäftsbereiche leisten kann, die kein Geld bringen, nur weil man sie irgendwann mal brauchen könnte?

Nutzt die Anlagen eurer Mitarbeiter zum Wohl des Unternehmens. Findet einen Weg, nicht lukrative Leistungen zu entsorgen und das Lager intelligent zu verwalten. Beides kostet viel Geld, das ihr besser auf der Gewinnseite verbucht, um den Cash-Flow zu sichern. Speziell in Corona-Zeiten ist Cash für viele Betriebe überlebensnotwendig. Setzt eure Mitarbeiter intelligent ein, und habt keine Angst vor der Abgabe von Verantwortung. Vielleicht wird manches nicht so erledigt, wie ihr das selber machen würdet, aber es stellt sich halt auch immer die Frage, ob eure Entscheidung tatsächlich besser gewesen wäre.

Danke für eure Aufmerksamkeit.

Ich verabschiede mich für heute, bleibt mir gewogen, und bleibt gesund und optimistisch.

Euer Peter Gress

Strategie-Gruppe

Strategie bestimmt den Erfolg

Läuft das Geschäft nicht, stimmt die Strategie nicht. Strategie bestimmt den Erfolg, das haben viele erfolgreiche Unternehmer erkannt. Wenn ein Unternehmen nicht mehr wächst, kann es auf Dauer nicht überleben. Wolfgang Mewes hat das in seiner EKS genannten Strategielehre thematisiert.

Erfolg kommt nicht zufällig

Als Unternehmer sind wir abhängig von guten Mitarbeitern, einer guten Strategie, von effektiver Datenanalyse und an vorderster Stelle vom Mut und der Energie der UnternehmerIn.

Führungsqualität, Innovationsfähigkeit und Konsequenz sind die Voraussetzung für erfolgreiches Wachstum. Ich bin davon überzeugt, dass Konsequenz Genialität sticht. Wer bald von einem Thema gelangweilt ist und nicht dran bleibt, kommt nicht voran. Wer dagegen bei der Sache bleibt und seinen Weg konsequent und zielstrebig umsetzt, wird erfolgreich sein.

Mitarbeiter müssen passen

In den ersten Lebensmonaten lernen Babies automatisch. Sie hören, beobachten und kopieren. Die Eltern sind die Vorbilder, denen das Kleinkind folgt. Wir freuen uns, wenn das Kind sich zum ersten Mal auf den Bauch dreht und ganz aus dem Häuschen sind wir, wenn es erste Gehversuche macht. Wir unterstützen es, klatschen in die Hände und freuen uns über die Fortschritte.

Kaum kann das Kind laufen fangen die Beschränkungen an. Tu dies nicht, zu das nicht, lass das, ich mach – das sind gut gemeinte Einschränkungen. In der Schule werden die natürlichen Anlagen wenig gefördert. Der Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung schlechter Noten in Fächern, die das Kind nicht mag. In der Ausbildung und im Berufsleben geht das so weiter, dabei ist die Stärkung des Selbstbewusstseins die wichtigste Aufgabe. Die Unternehmensführung muss erkennen, welche Stärken die Mitarbeiter haben. Diese Stärken müssen zum Unternehmensprofil passen.

Wenn Sie die Vorlage downloaden können Sie aus einer Apple oder Microsoft Vorlage wählen. Tragen Sie in die linke Spalte die Namen Ihrer Mitarbeiter ein. In der Headline listen Sie Ihre Dienstleistungen oder Services und bitte Ihre Mitarbeiter, dort ein Kreuz zu machen wo sie sich richtig stark einstufen. Ein weiteres Kreuz sollen sie dorthin machen, wo sie eine stärkere Spezialisierung anstreben. So haben Sie erstmal einen Überblick, wo Ihre Mitarbeiter stehen und wie Sie sie in Ihre Unternehmensstrategie einbinden können.

Wenn ein Mitarbeiter nicht die Stärken hat und Leistung bringt, die er bringen soll, passt er leider nicht zur Strategie des Unternehmens. Die Floskel: „Das wird schon“ setzt auf Hoffnung, ist aber weder für das Unternehmen noch für den Mitarbeiter gesund. Wenn die Mitarbeiter nicht zum Unternehmen passen, muss man sich von ihnen trennen. Ein harter Schnitt ist besser als ein langgezogenes Leiden.

Was folgert daraus für das Unternehmen?

Wir wissen, dass wir Menschen nicht dauerhaft von außen motivieren können. Menschen motivieren sich aus sich selbst heraus, wenn sie einen Sinn in dem sehen was sie tun. Unternehmen sollten deshalb dafür sorgen, den Mitarbeitern ein Umfeld zu bieten, in dem sie wachsen und ihre Vorstellungen von erfüllender Arbeit gestalten können. Das dringendste Ziel von strategischer Führung muss heute sein, die individuellen Stärken der Menschen heraus zu filtern. Erst wenn beide Seiten zueinander passen, beginnt die produktive Reise in die Zukunft.

Fluktuation einplanen

Strategie bestimmt den Erfolg, deshalb gehört zu einem guten Mitarbeitermanagement die Akzeptanz von Fluktuation. Die Ziele des Unternehmens können sich verändern, und Mitarbeiter entwickeln sich im Lauf der Jahre ebenfalls weiter. Es kann durchaus der Zeitpunkt kommen, an dem man auseinander driftet. Das liegt in der Natur der individuellen Entwicklung durch viele Einflüsse von außen. Will das Unternehmen den Mitarbeiter halten muss es deshalb aufmerksam bleiben und sich aktiv um die Mitarbeiter kümmern.

Lebenslanges Lernen

Auch die Denkweise der Mitarbeiter ist der Veränderung unterworfen. Menschen lernen automatisch immer weiter. Sie müssen nur zulassen, dass sie das Gelernte auch für ihre eigene Entwicklung einsetzen. Wäre das nicht so, gäbe es keine Entwicklung und der gefürchtete Satz: „Du hast Dich in all den Jahren gar nicht verändert“ wird ausgesprochen. Das mag gut gemeint sein, aber es ist eine Beleidigung des Intellekts.

Wenn wir unseren Mitarbeitern ein konstruktives Lern- und Arbeitsumfeld bieten, haben wir eine wichtige Voraussetzung geschaffen. Die zweite wichtige Aufgabe besteht darin, eine klare Vorstellung der passenden Mitarbeiter zu entwickeln.

Wenn ich nicht weiß, was ich suchen soll, kann ich auch nichts finden.

Auch hier gilt: Die Strategie bestimmt den Erfolg

Wohin geht die Reise in Deutschland mit Corona?

Corona in Deutschland – Gutes Politik-Management

Die deutsche Politik hat Corona bisher gut in Griff bekommen. Wir leben aus Corona-Sicht betrachtet im Paradies, das haben wir gutem Politik-Management zu verdanken. Schnell handelnde Politiker haben die Pandemie gut gemanagt. Der wirtschaftliche Schaden ist immens, und sicher wird man in der Nachbetrachtung feststellen, dass viele Fehler passiert sind. Hinterher lassen sich Fehler natürlich leichter finden, und die Besserwisser werden die Chancen zur Profilierung nutzen. 

Entscheidung bei unsicherer Faktenlage

Dabei ist die Entscheidung auf Basis weniger belastbarer Informationen eine Königsdisziplin, die viele Führungskräfte scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Die Geschwindigkeit, mit der entschieden werden musste, war und ist immer noch irrwitzig hoch, und das ohne zu wissen, ob man der Republik den Todesstoss versetzt oder sie vor noch Schlimmerem rettet. Hätte man die Zeichen besser lesen können? Ich halte es hier mit Peer Steinbrück: „Hätte, hätte, Fahrradkette!“Es macht keinen Sinn, Energie dafür zu verschwenden, weil es niemandem einen Nutzen bringt, vergangene Entscheidungen zu diskutieren. Ich halte es in solchen Fällen mit meiner Großmutter: „Was geht mich mein Gerede von gestern an?“? 

Aufbruch in eine neue Zukunft

Es geht um das vorwärts denken in eine neue Zukunft. Wer ehrlich reflektiert wird schnell erkennen, dass an ein solches Ausmaß von wirtschaftlicher Zerstörung und gesellschaftlicher Erschütterung nicht zu denken gewesen ist. Niemand, übrigens auch kein Politiker, konnte diesen Verlauf voraus ahnen, auch wenn wir das von den Verantwortlichen erwarten. Ich vertraue allerdings fest auf uns. Menschen sind anpassungsfähig, wir werden auch diese Krise stemmen und die positiven Folgen für uns zu nutzen wissen.

Neue Sicht auf die Wirtschaft

Wir wissen nicht, was noch kommt, und wahrscheinlich sind viele Aussagen von heute schon morgen nichts mehr wert. Das schreckt mich aber nicht, denn Wirtschaft wird in Zukunft mit sehr viel mehr gefühlten Unsicherheiten behaftet sein als Wirtschaft vor Corona. Wir haben uns viele Jahre lang in vermeintlicher Sicherheit gewiegt. Jedes Jahr wird besser als das vorige, das haben wir schon fast als Geburtsrecht gesehen. 

Daraus entstand auch der Glaube, dass die egozentrische Entwicklung des individuellen Ichs weit über dem Wert der individuellen Leistung für die Gesellschaft steht. Corona hat uns gezeigt, dass unsere Erwartungen trügerisch sind. Innerhalb weniger Wochen hat die Pandemie das Wirtschaftssystem weltweit aus den Angeln gehoben und manche Länder an den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Staatsbankrott heran geführt. Innerhalb der Staaten traf, trifft und wird es noch viele Unternehmen treffen, die den wirtschaftlichen Lockdown nicht überstehen werden.

Starke Entscheider

Trotz aller Unsicherheiten müssen immerzu Entscheidungen getroffen werden. Was man nicht berechnen kann, muss man eben entscheiden. Das muss jemand proaktiv tun, in vollem Wissen darum, dass sich diese Entscheidungen als falsch herausstellen können. Genau deshalb braucht es starke Entscheider, die in der Zeit der herrschenden Zustands der Verwirrung und Unsicherheit Leitplanken einziehen. Entscheider, die den Mut haben, auch die Folgen falscher Entscheidungen zu schultern und ihrer Intuition unbeirrt von Selbstzweifeln weiter folgen. Entscheidungen in Coronazeiten sind immer ein ungesicherter Drahtseilakt. Deshalb sollten wir dankbar sein, dass wir vernünftige Politiker haben, die diese Aufgabe mit allen daraus folgenden Konsequenzen übernommen haben. Übrigens sind alle Staaten unter der Führung von Frauen besser durch die Krise gekommen, auch das müssen wir bei der Bewertung der politischen Leistung einmal in Betracht ziehen.

Neue Informationen kommen schnell

Menschen brauchen Sicherheit, sei sie auch noch so trügerisch, sie wollen sich an etwas festhalten. Als politischer Entscheider könnte man Wankelmütigkeit attestiert bekommen, wenn man seine Entscheidungen immer wieder den realen Entwicklungen anpassen muss. Es fällt uns als nicht umfassend Informierte schwer, den vielen Gedankensprüngen zu folgen. Wir haben oft noch nicht einmal die vorige Information verdaut und verortet, schon kommt die nächste, die uns in dem Fall mehr verwirrt als Klarheit schafft. Aber auch unsere Entscheider sind nur Menschen, die Informationen verarbeiten müssen.

Was macht Corona mit uns?

Ich persönlich bin in einem seltsamen Zustand. Körperlich so fit wie seit Jahren nicht, im Kopf aber arg langsam. Erst langsam kommen die Verschaltungen wieder in Gang. Trotzdem: Abseits vom wirtschaftlichen Schaden waren die sechs Wochen Lockdown für mich persönlich äußerst aufschlussreich und produktiv. Sie haben allerdings unheimlich viel Energie verbraucht und die ersten drei 6-Tage Wochen nach der Wiedereröffnung nicht minder. 

Während des Lockdowns habe ich vermehrt mit Menschen aus meinem Umfeld kommuniziert, woraus sich viele neue gegenseitige Einsichten ergeben haben. Kaum zu fassen, was ich von diesen Menschen nicht wusste, und wie ich mit manchen davon gegenseitigen Nutzen schaffen konnte. 

Die Zeit nutzen

Während des Lockdowns habe ich Online-Tutorials bei Udemy und Coursera gekauft, um Wissens- und Fertigkeitslücken zu schließen, woraus wieder neue Projekte erwachsen sind. Beruhigt haben mich auch meine Hochrechnungen, die zwar noch keine wirklich belastbare solide Basis haben, aber immerhin deuten die laufenden Umsätze im Mai und die Vorausbuchungen bis Ende Juli wieder auf Umsätze in vorheriger Höhe hin. 

Fakten statt Verschwörungstheorien

Die Inzidenzen lassen ebenfalls hoffen, auch wenn wir uns jeden Tag im Betrieb ermahnen müssen, die Maßnahmen konsequent einzuhalten und nicht nachlässig zu werden. Heute Morgen habe ich auf ntv gelesen, dass in einem Lokal in Leer 40 COVID-Ausbrüche registriert wurden. Das bedeutet Quarantäne und individuellen Lockdown. Das ist der Alptraum für den Betrieb, deshalb sollten wir konsequent bleiben. 

Egomanen versagen

Und vergesst nicht, die Politik ist erstens nicht an COVID Schuld, und zweitens hat sie geholfen, Deutschland im Vergleich zu Spanien, Italien, Frankreich mit relativ wenigen Einschränkungen durch die Zeit zu bringen. Was passiert, wenn man COVID nicht ernst nimmt sieht man in den Ländern mit Egomanen an der Spitze. Da willst du nicht sein wenn es dir gesundheitlich schlecht geht. 

Mut zur sozialen Beschränkung

Darüber sollten wir öfter nachdenken, anstatt permanent auf die Politik einzuschlagen. Unsere Entscheider leiden am gleichen Problem wie wir, sie fahren auf Sicht, lernen jeden Tag in einer labilen Faktenlage hinzu und setzen Maßnahmen schnell um. Dass diese Maßnahmen eine hohe Fehlerquote beinhalten ist logisch. Den Mut, 82 Millionen Menschen in die notwendige soziale Beschränkung zu schicken, musst Du als Führungskraft erstmal haben. 

Bleibt gesund und optimistisch.

Welle bricht

COVID-19 und die 2. Welle

Es wird noch einige Monate so bleiben. Das ist eine gesicherte Erkenntnis aller Wissenschaftler. Wenigstens bis es ein Medikament für die Erkrankten oder einen Impfstoff für die Gesunden gibt. Am Dienstagmorgen habe ich in Gabor Steingarts Morning Briefing Podcast ein Interview mit dem RKI-Präsident Lothar Wieler gehört. Steingarts Podcast könnt ihr hier abonnieren.

Wichtige Kennzahlen

Der Umgang mit Corona ist von täglichen Learnings begleitet. Jede Erkenntnis muss erst gewonnen werden, bevor sie von der Politik in eine Handlungsanleitung umgesetzt werden kann. Mein Eindruck von Lothar Wieler ist positiv, er ist ein faktengetriebener Wissenschaftler, der Informationen abwägt und auf die gesellschaftlichen Folgen prüft. Nichtsdestotrotz handelt er als Berater der Politik und hält sich mit eigenen Umsetzungsmaßnahmen zurück. Das empfinde ich als sehr wohltuend.

Reproduktionsrate (1)

Für Wieler spielt die Reproduktionsrate (1) eine große Rolle. Sie ist der Indikator dafür, ob die Intensivbetten in Deutschland ausreichen, um Schwerbetroffene zu behandeln. Beträgt der R-Faktor 1, steckt ein Mensch maximal einen anderen an. Liegt der Faktor kleiner als 1 verlängert sich die so genannte Verdopplungszeit, was die Neuinfektionen verringert (s. Statistik)

Je kürzer die Verdopplungszeit ist, desto mehr Infektionen gibt es. Russland, USA und Großbritannien sind die derzeitigen Hotspots. Spanien erholt sich zusehends und auch in Frankreich und Italien geht es stetig bergauf. Deutschland ist auf einem guten Weg und diese Entwicklung sollten wir auf keinen Fall durch Unvorsichtigkeit gefährden.

Dem Virus ist es völlig egal, ob wir es ernst nehmen oder nicht. Mit dem Virus können wir nicht verhandeln, das reagiert radikal auf jede Unvorsichtigkeit. Corona ist binär, es gibt nur Null oder Eins. Verhindern können wir die Ansteckungen nicht, wohl aber kontrollieren.

Die Chance , die uns die Politik durch umsichtiges Handeln gegeben hat, sollten wir nicht mit Kniebrecher-Aktionen aufs Spiel setzen. Wenn wir schlau sind nutzen wir die Chance und kommen besser aus der Situation heraus als anfänglich befürchtet.

Die größten Sorgen der Menschen

Die Gesundheit der Familien und die wirtschaftlichen Aspekte sind den Menschen in allen Ländern nahezu gleich wichtig. Lediglich Deutschland knickt hier etwas ein, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass sich die Menschen durch die sozialen Sicherungssysteme als sehr stark abgesichert empfinden. Die Arbeitsplatzsicherheit spielt dagegen erstaunlicherweise eine recht geringe Rolle. Erfrischend ist, dass die Weltuntergangsapostel recht weit unten rangieren.

Dynamik der Inzidenz (2)

Mit der Inzidenz wird die Anzahl der Neuinfektionen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes beziffert. Je schneller die Infektionsrate steigt, desto schneller sind unsere Krankenhauskapazitäten am Limit. Dafür hat die Politik das Zentralregister geschaffen, in dem alle Intensivbetten und Beatmungsgeräte erfasst sind. Im Falle der erwarteten zweiten Welle ist das von unschätzbar hohem Wert, weil die Krankenhäuser in einem solchen Fall schnell reagieren und die Intensivbetten bereitstellen können.

Die Entwicklung der Neuinfektionen ist durch den geringen R-Faktor von derzeit 0,71 stetig rückläufig. Das zeigt deutlich, dass wir die Reproduktion durch die Mund-Nasen-Bedeckungen und die Abstandswahrung dauerhaft verringern können. Ich bin gespannt, wie die teilweise Öffnung der Gastronomie und Ladengeschäfte die Reproduktion beeinflusst.

Kanzlerin Merkel war bei der Pressekonferenz am Mittwoch, 6.5.2020, sichtlich genervt davon, dass die Länder ihre eigenen Maßnahmen schon vor der Konferenz beschlossen hatten. Wir haben mit Winfried Kretschmann einen besonnenen Politiker an der Spitze, dem ich die richtigen Schritte für Baden-Württemberg zutraue. (s. Notfallmechanismus)

Egal wie jeder von uns zum Lockdown oder der Handlungsweise der Politik steht; jede Entscheidung die heute getroffen wird, kann sich morgen als falsch herausstellen. Deshalb sollten wir uns alle besser an die Fakten halten und Corona-Leugner wie den grenzdebilen rechtslastigen AfD-Mann Hansjörg Müller geflissentlich ignorieren. Das Problem dabei: Die Verschwörungstheoretiker haben eine große Lobby.

Schwere der Krankheit (3)

Laut Wieler müssen 18 Prozent der Corona-Infizierten ins Krankenhaus und 4,7 Prozent sterben. Im nachfolgenden Chart sieht man die Konzentration der Todesfälle auf die Altersklassen ab 57 Jahre. Auch wenn der Krankheitsverlauf bei vielen Jungen heftig verläuft, liegt der Schwerpunkt der Mortalität ganz klar auf älteren Menschen.

Die Berechnungen der Wissenschaftler zielen einzig darauf ab, dass im Falle einer zweiten Welle genügend Intensivbetten und Beatmungsgeräte vorhanden sind. Wenn 18 Prozent der Infizierten ins Krankenhaus müssen und 40.000 Intensivbetten vorhanden sind, dürfen nicht mehr als 222.400 Menschen gleichzeitig innerhalb von zwei Wochen infiziert sein. Das ist die maximale Anzahl an Neuerkrankungen, ab der die Ärzte mit der Triage beginnen müssten.

Derzeit gibt es rund 28.000 Infektionen in Deutschland (Gesamtzahl minus Gesundete minus Gestorbene). Es könnten theoretisch rund 200.000 Neuansteckungen innerhalb zwei Wochen hinzu kommen, bevor die Kapazität der Intensivbetten erschöpft ist. Das wären pro Tag 14.285 Neuinfektionen.

Zum Vergleich: Die höchste Zahl der Neuinfektionen lag am 28. März 2020 bei rund 6.800 pro Tag. Es würde also 30 Tage dauern, bis die Grenze von 200.000 Neuinfektionen erreicht ist. Für die genaue Berechnung müsste ich noch die Gesundungs- und Mortalitätsrate einrechnen. Das spare ich mir an dieser Stelle.

Fazit

Wir sitzen alle im gleichen Boot. Deshalb stünde es uns gut an, wenn wir auch so handeln und aufpassen. Ein gewisses Maß an Selbstreflexion ist jetzt wichtig, denn wir wollen auch alle gemeinsam aus diesem Boot heraus.

Wie Glaubenssätze wirken

Glaubenssätze sind Beschleuniger oder Bremser, je nachdem wie wir von ihnen geprägt werden.

Es gibt zeitgenössische Philosophen, die behaupten, dass die Intelligenz des Menschen eine feste Größe sei, die sich nicht beeinflussen lässt. Ich halte diese Einstellung für schlimm, denn sie negiert eine Weiterentwicklung des Menschen schon im Kern. Man muss die Frage stellen, welche Art der Intelligenz denn gemeint ist. Die logische Intelligenz, die emotionale Intelligenz, die sprachliche Intelligenz, musikalische Intelligenz? Intelligenz ist nicht nur eine, sondern viele.

Die logisch-mathematische Intelligenz ist die Grundlage für die Bemessung des IQ. Muss, wer einen hohen IQ hat, zwangsläufig auch eine hohe emotionale Intelligenz haben? Ganz gewiss nicht, das Gegenteil erleben wir tagtäglich um uns herum. Logische Intelligenz ist nicht alles. Menschen sind emotionale Wesen, sie lassen sich nicht auf der Basis simpler Einser- und Nuller-Denke reduzieren. Es braucht unterschiedliche Arten von Intelligenz, um ein vollständiger und wertvoller Mensch zu sein. Erfahrungen die wir machen lassen unsere jeweiligen Intelligenzen wachsen. Wir sind sehr wohl in der Lage, unsere individuellen Intelligenzen weiter zu entwickeln. Es ist lediglich eine Frage des persönlichen Drangs, den wir hinter die Veränderung legen wollen.

Viele Menschen mit einer großen Veranlagung sind überzeugt davon, dass Sie ihre Fähigkeiten in die Wiege gelegt bekommen haben. Sie sehen keine Notwendigkeit darin, sich weiter zu entwickeln, denn sie sind ja schon besser als viele andere. Wie weit aber könnten es hoch talentierte Menschen bringen, wenn sie ihre Fähigkeiten weiter ausbauen würden? Mit einer besonderen Begabung begnadet zu sein ist das Eine, die Begabung zu etwas Besonderem zu machen das Andere. Begabung ist nicht gleich Exzellenz. Exzellenz erreicht man, indem man kontinuierlich an sich arbeite und sich verbessert. Das gilt auch für Hochbegabte. Wäre eine Anne-Sophie Mutter ohne tägliches intensives Training jemals die Jahrhundertgeigerin geworden die sie heute ist? Wie viele andere talentierte junge Geigerinnen gibt es wohl, die mit dem zufrieden sind was sie von Natur aus mitbekommen haben? Wie vielen reicht es aus, in einem begrenzten Umfeld besser zu sein als die anderen, und sich darin zu sonnen, lieber der Star im Dorf zu sein, als sich der Konkurrenz zu stellen?

Wir alle tragen individuelle Glaubenssätze mit uns herum. Mir hat man in der Schule immer gesagt, ich wäre ein Lernversager. Nur: Niemand hat mir je erklärt, wir lernen funktioniert. Lernen habe ich erst nach der Schule gelernt, und plötzlich hat es Spaß gemacht, alles lernen zu können, was ich wollte. In unserem Bildungssystem läuft vieles schief. Der Fokus liegt darauf, ständig für Fächer lernen zu müssen, für die wir nicht brennen. Wenige Kinder wissen wie es ist, wenn sie Wissen auf einem Gebiet bekommen, das sie wirklich interessiert, in dem sie außergewöhnlich stark sind. Darauf wird im normalen Schulbetrieb kein Wert gelegt. Da muss man halt durch, das mussten die Generationen davor schließlich aus, und denen hat es auch nicht geschadet. Wenn die, die das sagen, nur wüßten! Viele derjenigen haben sich entweder arrangiert oder nicht weiter in sich hinein gehört. Stärken auszubauen gehört nicht zu den Zielen der schulischen Ausbildung, aber später ist das essentiell für die persönliche Entwicklung.

Deshalb tun Ausbilder und Arbeitgeber gut daran, das zu ändern. Unsere Mitarbeiter sollten das tun, in dem sie wirklich richtig gut sind und schnell Expertise aufbauen können. Man muss sie dorthin laufen lassen, wo sie den maximalen Nutzen für sich und die Kunden erbringen können. Dann wird der Betrieb erfolgreich bleiben.

Das Lächeln stirbt nie

„Das Lächeln stirbt nie!“

Ein Seminar für neue Mitarbeiter im Salon

Wir haben mit „Das Lächeln stirbt nie!“ ein Neueinsteiger-Seminar entwickelt, in dem wir unsere Vorstellung von Begrüßung und Empfang, Ablauf des Service und Verabschiedung definiert haben. Nach etlichen Jahren als Bewerbungs-Trainer in unserer Bildungspartner-Schule in Esslingen wurde mir bewusst, dass all die für uns wichtigen gesellschaftlich relevanten Verhaltensweisen, die wir von unseren Azubis verlangen, genau das ist, was auf dem Schulhof gar nicht angesagt ist. Höflichkeit, Freundlichkeit, Rücksicht im Umgang miteinander, Hilfsbereitschaft – all das sind Verhaltensweisen, die zwar bekannt, für junge Berufseinsteiger aber ungewohnt in der Anwendung sind.

Empfang
Der Empfang ist der ausschlaggebende Faktor dafür, ob sich eine Kundin im Salon willkommen fühlt. Deshalb muss der Ablauf perfekt sitzen. Dazu muss bspw. ein neuer Azubi gezeigt bekommen, wie wir den Ablauf haben wollen. Vom Handschlag, der Vorstellung mit Vor- und Zuname, dem Garderobenservice, dem Geleit zum Bedienungsplatz, der Abfrage nach Lesematerial und Getränken und der Vorlage eines Kunden-Erfassungsbogens bei Neukunden wird der gesamte Strang definiert und trainiert.

Service
Das einladende Ausdrehen des Stuhl, die freundliche Frage nach Getränken und Lesematerial, bzw. den Hinweis, wo Lesematerial zu finden ist, die Salon-Tour für Neukunden zur Orientierung, der Hinweis auf freie WLAN-Nutzung mit Ansage des Passwortes für den geschützten Bereich oder Freifunk für den offenes Zugang, der Hinweis auf Tageszeitungen, auf unsere Frisuren- und Haarfarben-Boards auf Pinterest und auf unseren Instagram-Account, sowie die Nutzung der hauseigenen iPads – all das muss demonstriert und trainiert werden.

Salon-Tour
Was im privaten Bereich gerne als „Schlossführung“ tituliert wird, ist bei Gress Friseure die Salon-Tour für Neukunden. Wir zeigen wo die WCs sind, wo die Garderobe ist, die Produkte für Haut, Haare und Make-up, wir erklären, warum wir an Färbetischen ohne Spiegel arbeiten, wo die Tageszeitungen und Magazine zu finden sind und welche Services wir bieten.

Verabschiedung
Die Verabschiedung ist der letzte Eindruck, den Kunden von Gress Friseure mit nach Hause nehmen. Wenn wir unsere Kunden herzlich willkommen geheißen haben, unsere Services perfekt abgelaufen sind und die fachliche Arbeit exzellent umgesetzt wurde, dann rundet die Verabschiedung den professionellen Eindruck ab. Wenn der Ablauf im Salon an irgendeiner Stelle aus irgendwelchen Gründen holprig war und nicht unserem normalen Standard entsprochen hat, dann kann eine gute Verabschiedung einiges wieder ausgleichen. Die Verabschiedung beinhaltet die Begleitung zur Rezeption, den Bezahlvorgang, den Garderobenservice, die Begleitung zur Tür, sowie das Aufhalten derselben und ein abschließendes freundliches Wort auf den Weg.

Ich kann mich noch gut an meine ersten Tage in der Ausbildung erinnern. Der Spruch: „Das muss man doch wissen!“ hat mich dauernd begleitet. Dabei hat mir niemand gesagt, was von mir verlangt wird, und niemand hat mich geschult, damit ich die Angst vor Fehlern verliere.

Fazit
Wenn wir wollen, dass die Kids etwas so tun, wie wir uns das vorstellen, dann müssen wir es ihnen sagen und sie trainieren, damit sie es beherrschen.

Birgit Nöckl

Konsequente Ausbildung – Interview mit Birgit Nöckl

Wie befreie ich den Erfolg vom Zufall? Diese Frage stelle ich mir bei Strategie- und Planungsfragen und deshalb auch ganz besonders bei der Ausbildung unseres Gress Friseure Nachwuchses. Wenn Sie schon einige Jahre ausbilden, haben Sie, wie ich selbst, einige Zentner Konzeptpapier im Regal stehen. Woran scheitert die Umsetzung vieler guter Konzepte? Meist an der Unterstützung bei der Implementierung und an der fehlenden Konsequenz bei der Einhaltung. Ein Konzept für sich genommen, bringt nur dann etwas, wenn die Strukturen zur Umsetzung vorbereitet und organisiert sind.

Die österreichische Unternehmerin Birgit Nöckl ist konsequent einen eignen Weg zur Umsetzung tragfähiger Strukturen gegangen. Das nachstehende Interview habe ich im November 2017 mit Birgit Nöckl geführt. Sie können es hier  im Blog in Schriftform lesen oder auch den Podcast bei iTunes oder Podcast.de anhören

Konsequent ausbilden mit maiMentor

In Birgit Nöckls Ausbildungssystem maiMentor bestimmen die Auszubildenden ihre Lerngeschwindigkeit und ihre Lernschwerpunkte weitgehend selber. Das Vorankommen im Salon ist an Aufgaben und Prüfungen geknüpft, die den Azubis die notwendige Sicherheit im Alltagsbetrieb geben. Die Betreuung über eine digitale Konferenzplattform gibt viel Sicherheit bei der individuellen Anpassung und Umsetzung der Lehrpläne und Unterlagen.

Lebenslauf Birgit Nöckl

Birgit Nöckl ist seit 1995 Frisörmeisterin, seit 1999 unterrichtet sie an der Berufsschule für Frisöre in Feldkirch. Ihre pädagogische Ausbildung, mit Abschluss als Diplom-Pädagogin, fand von 1999 bis 2003 an der BPA in Innsbruck statt. Seither hat sie über 14 Jahre Berufserfahrung mit Auszubildenden im Friseurhandwerk. Ihr pädagogisches und methodisches Fachwissen spiegelt sich in ihrem Ausbildungskonzept maiMentor wieder.

Die Unternehmerin Birgit Nöckl

In ihrer unternehmerischen Tätigkeit ist sie Geschäftsführerin der maischön GmbH mit drei Friseursalons in Sulzberg, Egg und Bregenz (Vorarlberg). Derzeit sind 10 Lehrlinge bei Birgit Nöckl in Ausbildung. Nahezu alle der aktuell 40 Mitarbeiterinnen haben auch die Ausbildung bei Birgit Nöckl absolviert. Das kontinuierliche Wachstum ihres Unternehmens maischoen steht durch die konsequente Verfolgung eines hohen Qualitätslevels in der Ausbildung auf einer soliden wirtschaftlichen Basis. Das ist der beste Beweis dafür, dass Ausbildung ein hohes Maß zur Produktivitätssteigerung beitragen kann.

Peter Gress: „Wann hast Du beschlossen, dass Du in Bezug auf ein Ausbildungssystem bei maischön handeln musst?“

Birgit Nöckl: „Seit Anbeginn meiner Selbstständigkeit habe ich immer schon sehr viel Wert auf die Ausbildung unserer Lehrlinge gesetzt. Die letzten 3-4 Jahre hat es aber Entwicklungen gegeben, die mich immer wieder zu dem Entschluss kommen ließ, dass eine qualitativ, hochwertige Ausbildung ein Muss für jedes gute Friseurunternehmen, das sich weiter entwickeln will notwendig ist. Es gab 2 Faktoren die mich dazu drängten zu handeln. Zum einen war das, die immer schwierig werdende Situation der Lehrlinge. Also die etwas rückläufige Zahl an guten Bewerbungen und auch die Unterschiedlichkeit der Bewerber. Wir hatten vermehrt sehr leistungsstarke Bewerber (z.b. Abiturienten) und auch talentierte Bewerber, von denen ich aber wusste, dass sie auf eine andere Weise ausgebildet werden mussten. Zum Beispiel, weil sie nicht eine so lange Konzentrationspanne hatten oder auch einen Jungen der nach Österreich geflüchtet ist und dessen Muttersprache Arabisch ist. Ich konnte nicht alle im Gleichschritt, sprich das machen wir im 1. Lehrjahr, das im 2. Lehrjahr,… machen. Dazu kam noch eine wirtschaftliche Komponente, die da hieß 20% Lohnerhöhung für Lehrlinge (was ich auch absolut befürworte, das war höchste Zeit) und auch Lohnerhöhungen direkt nach der Ausbildung. Da wurde mir klar, dass ich effektiver, besser und vor allem sehr viel individueller meine Nachwuchskräfte ausbilden muss.“

PG: „Wo siehst Du den größten Vorteil Deines internen Ausbildungssystems?“

BN: „Durch die sehr wertschätzende und individuelle Arbeit mit den Lehrlingen, entwickelt sich über die Jahre eine intensive Beziehungen. Neben den weiteren Entwicklungschancen ist das sicher der Grund warum wir ca. 90% unsere Auszubildenden übernehmen und die dann als fantastische Fachkräfte sehr oft viele Jahre arbeiten. Jeder Unternehmer weiß, was es für Kosten verursacht wenn wir Mitarbeiter verlieren und neue aufnehmen müssen. Der ganze Schulungsaufwand ist meist enorm. Das macht das System auch finanziell extrem interessant. Auf diese Art sind wir von 2 Vollzeitkräften über die Jahre auf 40 Mitarbeiter angewachsen und das sehr solide und sicher. Heute beschäftigen wir bei den Stylisten nur noch eine Mitarbeiterin die nicht in unserem Salon die Ausbildung gemacht hat.“

PG: „Wie lange hat es gedauert bis das System „rund“ war?“

BN: „Also ich denke, fertig ist das System nie. Ich mache jeden Tag Erfahrungen mit meinen Lehrlingen und verändere das System marginal ständig. Wir arbeiten in einem schnelllebigen Beruf, in dem man nie stehen bleibt und wir wollen unseren Auszubildenden natürlich die aktuellsten Techniken und Trends zu Verfügungsstellen. Ich bilde seit 2003 selber Lehrlinge aus, habe eine pädagogische Ausbildung und hat die letzten 15 Jahre immer den Focus auf Ausbildung gehabt. Aber ich würde sagen seit 2 Jahren ist das System so, dass ich glaube, dass auch andere Unternehmer enorm davon profitieren können und weil ich immer wieder Anfragen hatte: „Warum klappt das bei dir mit der Ausbildung immer so gut.“ Habe ich mich entschlossen es auch anderen zur Verfügung zu stellen.“

PG: „Wie ist das System aufgebaut?“

BN: „Das System besteht aus 2 Teilen.
Der erste Teil sind die Inhalte die wir als Unternehmer oder Ausbildner an unsere Lehrlinge vermitteln. Das Ziel jeder Ausbildung ist ja, am Ende eine sehr gute Fachkraft ausgebildet zu haben. Daher haben wir alle Inhalte die wichtig sind in Module aufgeteilt. Die Module haben einen Theorieteil den wir im sogenannten Lernbüro erarbeiten, in jedem Modul gibt es dann natürlich auch einen Praxisteil den wir im Lernsalon mit den Lehrlingen erarbeiten. Ganz am Ende soll ein junger Mensch stehen, der im Salon gewinnbringend einen eigenen Kundenstamm betreuen kann.

Der zweite Teil besteht daraus, dass wir die Ausbildner betreuen. Ausbildner oder Ausbildnerin in einem Salon zu werden kann für einen Mitarbeiter eine extreme Bereicherung sein. Aus meiner Erfahrung werden Ausbildnerinnen auch immer die besseren Fachkräfte. Denn wir wollen ja, dass unsere Lehrlinge von den besten lernen. Gleichzeit kann es aber auch eine enorme Herausforderung als Ausbildnerin sein. Natürlich ist man auch mit schwierigen Situationen konfrontiert wie z.B. der Lehrling tut sich sehr schwer die Inhalte zu verstehen, er ist unmotiviert, er hat Probleme im Team oder auch zu Hause. Das kriegen oft die Ausbildnerinnen ab. Darum glaube ich reicht es nicht einfach einer Ausbildnerin Unterlagen zu geben und dann zu glauben, das wird schon funktionieren. Darum möchte ich auch das Ausbildner bei ihrer Aufgabe unterstützt werden und sich auch mit anderen Ausbildner die in der selben Lage sind auszutauschen.“

PG: „Wo liegt sein größter Vorteil?“

BN: „Es gibt eine Menge Vorteile an diesem System, jedoch wenn du mich nach dem größten fragst, ist es aus meiner Sicht ich die Motivation. Da wir durch diese Weise der Ausbildung sehr individuell sind, haben wir hochmotivierte Lehrlinge. Denn wir überfordern sie nicht, wir unterfordern sie aber auch nicht. Beides kann extrem dazu beitragen, dass jemand die Lust an Leistung oder auch dem ganzen Beruf verliert. Das ist bei uns so gut wie ausgeschlossen, denn jeder arbeitet in seinem Tempo. Und das witzige daran ist, dass dadurch die Ausbildung schneller und effektiver wird. Es ist wie bei einem Pferd, wenn man die Zügel lockerer lässt, beginnt das Ganze Fahrt aufzunehmen.“

PG: „Welche pädagogischen Grundlagen kommen zum Einsatz?“

BN: „Unser System ist nach reformpädagogischen Grundlagen aufgebaut, das bedeutet, dass der Lernende im Mittelpunkt steht. Wir wollen nicht nur reine Wissensvermittlung in unserer Ausbildung machen. Was heißt das jetzt konkret für die Praxis. Immer wenn ich mit Kollegen aus der Branche und übrigens auch in vielen anderen Branchen spreche, sagen mir die immer wieder, sie wünschen sich Auszubildende die selbständig arbeiten, die Lösungen suchen können, die Planen können, die einstehen für das Unternehmen, die motiviert und organisiert sind. Mir ist aber immer wieder aufgefallen, das wir genau diese Schlüsselfaktoren, die auch meiner Meinung in unserem Beruf unerlässlich sind, in keinem Lehr – oder Ausbildungsplan vorkommen. Weder in den Unternehmen noch in der Berufsschule. Und da wundern wir uns, dass unsere Mitarbeiter quasi nur Dienst nach Vorschrift machen und nicht engagiert im Salon mitdenken.

In unserem System vermitteln wir diese Schlüsselqualifikationen bei sehr vielen Aufgaben latent. Weil unsere Lehrlinge sehr viel Selbstbestimmung bekommen. Sie dürfen entscheiden, welches Modul sie bearbeiten und sie müssen die Module selbstständig erarbeiten, es wird ihnen nicht vorgekaut. Sie dürfen entscheiden wann sie eine Prüfung machen. Dadurch müssen sie ihre Woche planen um auch alle Wochenaufgaben zu erledigen, sie müssen Lösungen für sich suchen, wenn es mal nicht so gut klappt. Sie müssen selbstständig Modell einteilen, entscheiden, was kann ich schaffen um auch gute Qualität zu erarbeiten. All das sind Faktoren die wir später dann im Salonalltag notwendig brauchen. Und es ist erstaunlich auf was für Idee diese jungen Menschen kommen und sie wären erstaunt, was Jugendliche bereit sind zu leisten, wenn wir sie in ihrem Tempo lernen lassen und ihnen hilfreich zu Seite stehen.“

PG: „Du verfolgst auch einen digitalen Ansatz mit Deinem Konzept. Wie sieht der aus?“

BN: „Ja, das ist echt richtig cool. Ich gehöre ja auch zu der Generation, die nicht mit digitalen Medien aufgewachsen ist und trotzdem bin ich total fasziniert was alles möglich ist. Ich glaube wer sich der Digitalisierung verschließt, verpasst einen wirklich wichtigen Zug. Den es bietet echt tolle Möglichkeiten. In unserem Fall haben wir uns entschlossen, das gesamte System, also die verschiedenen Module, mit allen Anleitungen aus unserem Alltag, mit Checklisten, Videotutotials, usw. auf eine Plattform zu legen, auf die jeder von überall her Zugriff hat. Es bietet natürlich auch den Vorteil, dass jeder sofort alle Update und Änderungen hat. Gleichzeitig machen wir die Betreuung über eine Software die sich Zoom nennt und ganz einfach sich sich dort virtuell zu treffen. Das verwenden wir für die Betreuung der Ausbildner, hier können wir uns regelmäßig treffen und Probleme besprechen, aber auch Erfolge und interessante Vorgehensweisen austauschen. Darüber hinaus, wollen wir auch für unsere Lehrlinge als auch Ausbildner in ihrem Alltag präsent sein und sie unterstützten. Dafür verwenden wir geheime Facebookgruppen. In diesem können Fragen gestellt werden, Aufgaben die erarbeitet wurden und auch ich kann unter der Woche Input weitergeben.“

PG: „Können auch Kollegen von Deinem Ausbildungskonzept profitieren? Und wenn ja, wie?“

BN: „Ja, das ist jetzt das schöne, seit wir das System digitalisiert haben. Denn jeder kann dieses von mir über Jahre bewährte System nutzen. Egal wo er ist, denn Lehrlingsausbildung ist für uns alle ein riesen Thema. Dazu kommt noch, dass wir keine Anreisekosten und Nächtigungskosten haben, wie bei anderen Seminaren. Jeder Salon kann sehr einfach und bequem von sich zu Hause das System nutzen. Und Vernetzung untereinander ist meiner Meinung unbezahlbar und hat man sonst nirgends.“

PG: „Wie sieht Deiner Meinung nach die Zukunft der Ausbildung aus?“ 

BN: „Ich glaube wir müssen uns auf die Generation Y einfach einstellen. Nicht die Jugendlichen können sich an uns anpassen, sondern wir müssen uns überlegen wie können wir Ausbildung spannend mit den Medien mit denen diese Generation aufwächst, bieten. Ich glaube so wie es bei der Kundenbetreuung immer noch individueller wird, so muss auch endlich die Ausbildung erneuert werden. Das Wissen im Gießkannenprinzip über allen genau gleich „auszulehren“ funktioniert mit dieser Generation nicht mehr.
Man könnte es unter zwei Schlagworte zusammenfassen – Digitalisierung und Individualisierung.“

PG: „Was müssen Ausbilder in Zukunft unbedingt berücksichtigen?“

BN: „Ausbildung ist eine sehr heraus fordernde Arbeit und viele scheitern ja auch an dieser Aufgabe. Die Ausbildung für unsere Branche ist allerdings der Schlüssel zu eine besseres Image, zu besseren Fachkräften und darum ist es unerlässlich, dass wir gut ausbilden. Denn nur gut ausgebildete Mitarbeiter werden uns in Zukunft gute Umsätze und eine Menge zufriedene Kunden bescheren.
Was ich Ausbildnern raten würde: Bitte bringt euren Lehrlingen nicht „nur“ gut Haareschneiden oder tolle Färbetechniken bei, denn das ist in Zukunft definitv zu wenig. Wir brauchen Auszubildende die begeistert von diesem Beruf sind und diese Begeisterung auf unsere Kunden übertragen. Das muss man jedoch auch lernen und die Möglichkeit in seiner Ausbildung zu bekommen – genau wie Haareschneiden.“

PG: „Lässt sich Dein Konzept/System individuell an die Bedürfnisse anderer Salons anpassen?“

BN: „Ja, natürlich. Ich verstehe es als ein Buffet, jeder Salon/ Unternehmer/ Ausbildner kann sich von diesem Buffet nehmen was im schmeckt. Es gibt keine Regeln und keinen Zwang. Es ist nur ein Angebot. Denn mir ist klar, dass jeder Salon seine Schwerpunkte hat. Ich glaube MaiMentor ist das Trittbrett, die Grundlage auf der jeder Salon mit der Zeit sein ganz individuelle Konzept entwirft und das dann nur er hat. Ich begleite und berate sehr gerne Unternehmen bei diesem Prozess.“

PG: „Welchen Ratschlag kannst Du Kollegen geben, die das Ausbildungskonzept in ihrem Salon/ihren Salons einsetzen wollen?“

BN: „Also, wenn jetzt jemand sagt: Ich will meine Ausbildung systematisieren und auch nachhaltig erfolgreich machen. Ich will Auszubildende die ca. 1 Jahr früher Umsätze generieren, die motiviert und mit Freude diesen Beruf erlernen. Und ich will bei Bedarf auch die Lehrlinge nach der Ausbildung behalten. Dann ist unser Ausbildungsprogramm maiMentor interessant.“

„Noch mehr Information bekommt man unter www.maischoen.at. Unter dem Reiter maiMentor kommt man zu einer umfangreichen Informationsseite. Dort kann man sich gerne für ein kostenloses und unverbindliches Kennenlerngespräch anmelden, bei dem wir schauen, ob maiMentor für Ihren Salon wirklich geeignet ist und ob es Ihnen weiterhelfen würde. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns kennenlernen.“

Vielen Dank, liebe Birgit Nöckl, für das Interview.

Den dazu gehörigen Podcast erreichen Sie bei iTunes oder Podcast.de.

Wenn Sie sich direkt bei mir informieren wollen, können Sie das gerne tun. Sie erreichen mich per Mail  und mobil unter 0173-7230376.

Bleiben Sie gesund und bleiben Sie erfolgreich.

Ihr Peter Gress

Planung

Abrechenbare Stunden im Friseursalon

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Abrechenbare Stunden sind die kritische Zahl unseres Unternehmens, denn wir leben von der Zeit, die wir an der Kasse abrechnen können. Deshalb stelle ich zur Diskussion, ob wir zukünftig keine Dienstleistungen mehr abrechnen, sondern nur noch Zeiteinheiten.

Die Angebote von Friseuren unterscheiden sich nur geringfügig. Einzig die Preise sind individuell, und die hängen natürlich von den individuellen Kosten ab. Ein vorausschauender und verantwortungsbewusster Unternehmer, der seinen Mitarbeitern den Mindestlohn oder darüber bezahlt kann keine niedrigen Preise haben. Die Öffentlichkeit wird ja immer wieder gerne mal mit einer minimalst verdienenden Vorzeigemitarbeiterin aus dem Friseurhandwerk geschockt, deshalb setze ich nach all der Berichterstattung voraus, dass die daraufhin regelmäßig empört schnappatmende Öffentlichkeit höhere Preise beim Friseur als gesellschaftlich korrekt einordnet. In einer Talkrunde im ZDF wurde auch der Ober-Rote Oskar Lafontaine nach seiner Rechnung beim Friseur befragt. Er gab sechzehn Euro an was mir nicht gerade als tragfähige Basis für einen sozialkassenverträglichen Besserverdienst erschien.

Ein Friseur schneidet Haare, er färbt sie, glättet, lockt und pflegt sie. So heißen auch die Dienstleistungen auf der Preisliste folgerichtig Haarschnitt, Pflege, Ansatzfarbe, Strähnen und so weiter. Was aber, wenn wir gar keine Dienstleistungen mehr angeben, sondern nur noch die Zeit verkaufen? Weil es eigentlich ganz und gar egal ist welche Dienstleistung wir in einer Stunde zelebrieren, weil wir eben den Zeitwert realisiert müssen. Intern müssen die Dienstleistungen in einem Handbuch beschrieben und der Wareneinsatz zugeordnet werden, damit jeder Mitarbeiter genau weiß, welchen Inhalt jede Dienstleistung hat und welchen Nutzen das für den Kunden hat. Aber nach außen muss das nicht notwendigerweise dargestellt werden. Unsere Angebote in Pakete zu binden macht in diesem Zusammenhang sehr viel mehr Sinn.

Beim Friseur sind die Dienstleistungsbezeichnungen ausschlaggebend für die Bewertung und Bezahlung, bei anderen Handwerksberufen wie Maler, Elektriker, Installateur oder Autowerkstatt zählt das Ergebnis: Die Wand leuchtet, das Licht geht an, das Wasser läuft ab und das Auto schnurrt wieder. Der Friseur dagegen macht seine Preisgestaltung für direkt vergleichbare Dienstleistungen die oft noch nicht einmal vernünftig kalkuliert sind. Wir werden nicht dafür bezahlt, dass das Haar glänzt, duftet, schwingt und fließt, bei uns geht es immer um den günstigsten Preis. Auf der Preisliste sollte konsequnterweise nur stehen: „Jede Stunde unserer Leistung kostet 60, 70 oder 80 Euro, die wir mit qualitativ hochwertigen Dienstleistungen füllen“. Oder so ähnlich…

Bei Gress Friseure Die Haarexperten sind wir bereits dazu übergegangen, unsere großen Farbdienstleistungen mit einem Stundensatz von 89 Euro zu bepreisen. Ausschlaggebend ist die ausgebuchte Zeit im Terminkalender und nicht die Dienstleistung, die in dieser Zeit erarbeitet wird. Ich höre immer wieder die Frage: „Was, wenn ich früher fertig bin als kalkuliert? Muss ich dann die gesparte Zeit zuürckzahlen?“ Warum fragt mich niemand: „Was passiert, wenn ich länger brauche? Muss ich das zusätzlich verrechnen?“ Im ersten Fall Nein, im weiten Ja. Fakt ist: Die geplante Zeit muss bezahlt werden, das ist die Zielsetzung. Im Grunde genommen hängt aber alles an der Ausbildung der Mitarbeiter. Sie müssen technisch versiert und schnell sein. Schneckentempo können wir nicht zulassen, weil das die Kunden in diesem Fall nicht akzeptieren. Technisches und zeitorientiertes Training muss die Zeitkalkulation unterstützen. Eine möglichst genaue Trefferquote beim Verkauf unserer Zeit ist das Ziel. Die interne Ausbildung mit ständigem Training mit begleitenden Prüfungen unterstützen das Ziel. Die Entschuldigung: “Sie ist zwar langsam, aber dafür sorgfältig“ kann ich nur so lange gelten lassen, bis das Training abgeschlossen ist und die Arbeit an Kunden beginnt. Ab dann ist die zeitliche Trefferquote Pflicht.

Der Fokus in der Ausbildung muss auf Qualität und Geschwindigkeit liegen, nur dann können wir unsere Zeit effektiv verkaufen. Wenn bei unseren Kunden der Eindruck entsteht, wir verzögen die Zeit, damit wir den Umsatz rechtfertigen ist das kontraproduktiv. Es ist deshalb nicht ratsam, das Zeitsystem einzusetzn, ohne die entsprechende Vorbereitung zu leisten. Bei immer größerem Wettbewerbsdruck werden sich viele Friseure preislich immer und immer weiter unterbieten. Wer da einsteigt ohne die kritische Größe zu haben hat von vorn herein verloren. Wir müssen Geld verdienen und unsere Mitarbeiter Geld verdienen lassen, um für Azubis und Fachkräfte überhaupt interessant zu sein. Die Wettbewerbsfähigkeit entscheidet sich an der Kasse in der Summe der abgerechneten Stunden. Die Qualität der Arbeit, die Kundenbindung und die Wertschätzung der Mitarbeiter durch gute Führung und individuelle Förderung sind die Grundlagen für Wachstum, sie entscheiden über den wirtschaftlichen Erfolg eines Friseurunternehmens.

Das Fazit des heutigen Podcasts: Erstens brauchen wir eine bessere interne Ausbildung, weil wir nicht darauf warte können, dass das jemand für uns übernimmt. Denn das wird nicht geschehen. Zweitens müssen unsere Preise höher werden, kombiniert mit besserer fachlicher Leistung. Drittens müssen unternehmerisches Denken und die Kontrolle der Kennzahlen dafür sorgen, dass immer genügend Geld für Investitionen in Salon und Schulung vorhanden ist. Viertens und zu guter Letzt muss jeder Ausbildungsbetrieb die Zielgruppe seiner Azubis exakt definieren und diese strategisch angehen.

Initiative für Ausbildung im Friseurhandwerk

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Peter Gress Statement zur Mitarbeitersituation im Friseurhandwerk ist ein Aufruf an interessierte junge Menschen die beim Reset des deutschen Friseurhandwerks vorne mit dabei sein wollen. Unterstützt den Wandel, verabschiedet euch vom Neun-bis-Fünf Denken, hängt euch rein und werdet nicht nur gut, sondern exzellent. Sucht euch Ausbilder die Ausbildung ernst nehmen, die eine Vision für den Beruf haben, die euch unterstützen, die euch viel abverlangen und viel geben. Sucht euch Unternehmen denen die Zukunft wichtig ist, die wissen, dass man ohne exzellente Mitarbeiter kennen Blumentopf gewinnen kann.

Aber verabschiedet euch auch vom Anspruchsdenken. Eure Unternehmen sind nicht dazu da, euch alles und jedes anzudienen. Ihr müsst selber in Gang kommen und die Zukunft wollen, denn Exzellenz kommt nur aus einem selber.

Guter Friseur / Schlechter Friseur

Ein guter Friseur liebt seine Kunden und spricht freundschaftlich mit Ihnen. Ein schlechter Friseur interessiert sich nicht für seine Kunden. Während sich ein guter Friseur immer Gedanken um seine Kunden macht, interessiert sich der schlechte Friseur nur für die Erledigung seiner Arbeit ohne größere Störung des Tagesablaufes. Ein guter Friseur ist niemals bequem, er weiß, dass er immer hundertprozentige Leistung bringen muss. Ein schlechter Friseur schaltet auf Halbgas, lässt Kunden warten und fordert damit die Anpassung der Kunden an seinen Takt. Einem guten Friseur wird das niemals passieren, er sucht immer einen Weg, wie er seine Kunden noch besser unterstützen kann.

Ein guter Friseur beißt sich in eine Arbeit hinein, er weiß, dass optimale Leistung nur über konzentriertes Arbeiten kommt. Ein schlechter Friseur macht seine Haarschnitte immer nach demselben Muster ohne sich über die Qualität der Arbeit Gedanken zu machen. Er mogelt sich durch und stellt sich seinen Problemen nicht. Ein guter Friseur weiß was er nicht kann, ein schlechter Friseur verleugnet seine Mankos. Ein guter Friseur ist ein ernsthaft arbeitender Mensch mit einem starken Hang zur Kommunikation. Ein schlechter Friseur interessiert sich weder für seine Mitmenschen noch für seine Teamkollegen. Ein guter Friseur arbeitet immer im Sinn des Unternehmens, weil er weiß, dass nur so alle Arbeitsplätze dauerhaft erhalten bleiben können. Ein schlechter Friseur interessiert sich nicht für das Unternehmen, er verfolgt ausschließlich seine eigenen Ziele.

Ein guter Friseur unterhält seine Kunden, er macht sich spannend. Ein schlechter Friseur eiert interesselos durch sein Arbeitsleben und langweilt seine Kunden. Ein guter Friseur ist niemals langweilig und hat immer eine gute Geschichte parat, während ein schlechter Friseur über nichts etwas zu erzählen weiß. Ein guter Friseur denkt für seine Kunden mit, er fühlt intuitiv was seine Kunden brauchen. Ein schlechter Friseur hat keine Intuition dafür was seine Kunden brauchen, es ist ihm schlichtweg egal. Ein guter Friseur hat keine Angst davor Fehler zu machen, er weiß, dass es ohne Fehler keine Weiterentwicklungen gibt. Ein guter Friseur weiß aber auch, dass man durch die unvermeidlichen Fehler keine Kunden verlieren darf. Deshalb ist ein guter Friseur immer ehrlich und versucht nicht Fehler weg zu reden. Ein schlechter Friseur ist nie an etwas Schuld, er lehnt jede eigene Verantwortung für seine Leistung ab.

Ein guter Friseur spürt wann er seine Kunden in Ruhe lassen muss, ein schlechter Friseur quatscht seine Kunden mit uninteressantem Themen zu Tode. Ein guter Friseur will seinen Kunden helfen gut auszusehen, einem schlechten Friseur ist der Kunde egal. Deshalb ist ein guter Friseur auch ein guter Berater der seine Produkte kennt, während ein schlechter Friseur nicht an einer Unterstützung seiner Kunden interessiert ist. Ein guter Friseur will immer mehr aus seinem Beruf machen, er will sich weiterentwickeln und er weiß, dass er das nicht zum Nulltarif bekommt und dass er auch selber gefordert ist. Ein schlechter Friseur ist an seiner Weiterentwicklung nicht interessiert, weil er sich dann mit sich selbst auseinandersetzen muss. Er will dafür weder die Zeit aufwenden noch eigenes Geld für sein persönliches Fortkommen ausgeben.

Ein guter Friseur schafft sich ein funktionierendes Netzwerk, ein schlechter Friseur genügt sich selber. So hat ein guter Friseur immer eine Vision die ihn nach vorne treibt, während ein schlechter Friseur sein Brett zu nahe am Kopf trägt. Ein guter Friseur hat immer Ziele die er mit aller Energie verfolgt, ein schlechter Friseur sieht nur Hindernisse. Ein guter Friseur sucht die Fehler zuerst bei sich selber, ein schlechter Friseur hat für alles eine Ausrede. Während für einen guten Friseur die Selbstkritik zum guten Ton gehört, ist das Wort für einen schlechten Friseur das Wort unbekannt. Für ihn sind immer die anderen schuld. Gute Friseure sind diszipliniert, schlechte Friseur halten nichts von Disziplin.

Adieu ihr Schnarchzapfen, Langeweiler, Nasenbohrer, Stumpfköpfe, Antriebslose, Überstundensammler und Minutenzähler.

Herzlich willkommen ihr neuen Geister, ihr Aufgeschlossenen, Visionäre, Dampfmaschinen, kreative Treiber, energetische Umsetzer und Trainingsjunkies.

Mit euch verändern wir den Beruf!