Kultur & Leben Archive - Peter Gress

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Peter Gres Podcast Quickies

008 – Podcast Starke Marke Weniger ist mehr

In dieser Folge geht es um das Zuviel an Auswahl, um den Stress mit den damit zusammenhängenden Kauf-Entscheidungen und um das andauernde Gefühl, niemals zufrieden zu sein, egal wieviel wir konsumieren. Das bringt uns zwingend logisch zu der Frage: Sollten wir generell weniger Dinge besitzen?


Wie viele Klamotten hängen in unseren Schränken, die wir vielleicht noch nicht einmal getragen waren? An denen noch das Preisschild hängt? Wie viele Kleidungsstücke vergessen  wir, weil sie in der unübersichtlichen Stoffmassen im Schrank untergehen?

Wie viel Stress haben wir jeden Morgen bis wir entschieden haben was wir anziehen und wer wir heute sein wollen? Ella Schön, die Asperger-Authistin, gespielt von Ellen Frier, probiert ein Outfit in der Boutique an und sagt zur Verkäuferin:”Bitte siebenmal.” Das hört sich übersichtlich an.

Leben wo bist Du?

Ich erlebe nichts. Das macht mich nachdenklich. Leben, wo bist Du? Leben, ich will kommen! Aber wohin, das ist derzeit die Gretchenfrage. Vor Corona gab es genug Futtertröge für’s Gehirn. Jetzt sind sie weg!

Peter Gress auf der Suche nach dem Input

Input zu verschenken

Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen, allen Trainern, Motivatoren und Seminatoren für ihre unermüdliche Mühe um den Input an Motivation und Inspiration während des Lockdowns, und auch jetzt noch.

Allein, es läuft sich tot. Mein Kopf ist leer, meine Gedanken wollen sich nicht fügen. Kreativität, wo bist Du? Wo bekomme ich dich her? Die letzten Wochen haben mich leer gesaugt und ich hab’s gar nicht richtig bemerkt. Es gab Dringendes zu tun. Nun aber wird es Zeit für das Wichtige.

Neustart

Die Zeit ist reif für einen Neustart. Durch die allgemeine Unsicherheit ist es aber noch schwierig, einen solchen planvoll zu beginnen. Ideen dafür hätte ich schon, aber mir fehlt die solide Basis für die Bewertung. Das nervt am meisten.

Kennt ihr den Wackelwald am Federsee? Man merkt beim laufen, unten drunter ist es nicht fest. Der Wald schwimmt auf dem Moor. Durchbrechen kann man nicht, aber man weiß es eben nicht sicher.

Leben, wo bist Du? ist nicht einfach nur eine Floskel. Der gesellschaftliche und soziale Betrieb fehlt mir wirklich sehr. Es kostet mich viel Mühe, mich zu fokussieren. Möglichkeiten lugen von allen Seiten aus den Ritzen, aber sie wollen sich noch nicht richtig zeigen.

Mir fehlen Konzerte, Theater, Oper, Ausstellungen, Museen. Klar, es gibt Spotify zum Musik stöbern, das Vinyl harrt auf den Plattenspieler, auf YouTube habe ich Konzerte ohne Ende, TikTok bringt mich ab und zu zum lachen, mit Netflix-Serien schlage ich die Zeit tot, meine Buchliste ist etwas kürzer geworden. Dafür stapeln sich die eBooks auf dem Kindle Reader.

Zuckerwatte führt zu Junkie-Mentalität

Zuckerwatte

Mit all den digitalen Ablenkungen ist es wie mit Zuckerwatte. Sie schmeckt lecker, macht aber nicht satt. Sie hinterlässt eine kurzzeitige Befriedigung, aber danach herrscht schnell wieder Leere. Das ist Junkie-Mentalität, sie führt zu Frustration. Ab und zu muss es Live & Echt sein, es muss etwas Habhaftes her. Etwas, das nachhallt und den Speicher füllt.

Das Abgeschnitten sein ist zurzeit mein größtes Problem. Ich stelle mir ab und zu die Frage: “Komme ich jetzt nicht mehr mit mir selber klar?” Doch, das geht noch, sehr gut sogar. Aber wenn so wenig von außen und fast alles aus mir selber kommen muss, wird es schwer, das dauerhaft auf hohem Niveau durchzuhalten.

Nur echt ist gut

Es wird ja langsam wieder besser. An allen Ecken kommen Lockerungen, und der Puls des Lebens steigt wieder an. Ich komme mir aber ausgetrocknet vor, es geht mir zu langsam. Bei allem Verständnis für Vorsicht, die wir tagtäglich im Betrieb, beim einkaufen und sozialen Kontakten einhalten, gefühlt muss jetzt das pralle Leben wieder her.

Corona-App hilft bei der Eindämmung

Aktiv helfen

Deshalb unterstütze ich alles, was uns, der Gesellschaft, hilft, Corona einzudämmen. Wir bewerben die App, nutzen sie selber, empfehlen sie allen die es hören wollen oder auch nicht. Wir desinfizieren und tragen Maske, wir halten Abstand und wundern uns wie alle verantwortungsvollen Bürger, was um uns herum so abgeht.

Ob Feste zum Fastenbrechen, die hygienischen Zustände in der Fleischverarbeitung oder Gesänge in der Kirche – ich sehe, dass wegen wenigen die Gefahr eines lokalen Lockdowns steigt und kleine Geschäfte eventuell in die Insolvenz gehen. Von Eltern, die ihre Kindern wieder aus Schulen und Kitas zuhause behalten müssen ganz zu schweigen. Das ist schwer zu akzeptieren. Vor solchen Hintergründen dauerhaft motiviert in die Zukunft zu schauen fällt mir, ehrlich gesagt, schwer.

Positiv bleiben

So, jetzt habe ich mich ausgejammert. Das muss auch mal sein. Positiv bleiben ist immer noch die wichtigste Aufgabe. Und nicht überdrehen vor lauter Aktionismus. Auf dem Boden bleiben und sich immer wieder zur Geduld ermahnen. Es ist erst rund drei Monate her, seit wir dicht machen mussten.

Wir befinden uns in der Senke der U-Phase. Vielleicht wird es auf die Dauer gesehen eine W-Phase, wer weiß? Im Rückblick hatten wir es über die Jahrzehnte mit den Kondratjew-Zyklen zu tun. Ein Zyklus dauert durchschnittlich 52 Jahre. Hoffen wir, dass wir durch das derzeitige hohe Innovationstempo schneller aus dem Tal kommen.

Corona Welt

Was macht Corona aus uns?

Wenn ich meine/unsere wirtschaftliche Existenz vom Corona-Konto abziehe und die derzeitige Situation, soweit es mir möglich ist, neutral betrachte, muss sich klar sagen, dass sich die politische Führung sehr überzeugend präsentiert. Es schält sich langsam eine Kontur heraus. Ich sage das natürlich auch vor dem Hintergrund, dass wir Friseure ab dem 4.5.2020 die Chance haben, unsere Betriebe zu retten. Anderen Wirtschaftsbereichen geht es schlechter, die müssen noch durchhalten und es ist nicht garantiert, dass alle Betriebe am Leben bleiben.

Die Furcht vor der ersten Welle

Ich habe immer die Situation im Kopf, die meine Frau zu Beginn des Lockdowns tagtäglich aus der Klinik berichtet hat. Die erste Corona-Welle war derart massiv, darauf konnte unser Gesundheitssystem nicht vorbereitet sein.

Es ist durchaus verständlich, dass die Angst der Politik groß ist, dass eine zweite Welle die Kliniken einfach überrollt und alles wieder zurück auf Anfang gesetzt wird. Das kann niemand von uns wirklich wollen. Wir sehen ja überdeutlich, wie miserabel beispielsweise die Briten oder die Amerikaner auf das Virus vorbereitet waren.

Ich sehe viele Fehler bei uns, aber ich bin selbstkritisch genug zu erkennen, dass ich in meiner Laufbahn auch nicht immer alles zu jeder Zeit richtig gemacht habe. Da können sich wohl alle Unternehmer an die eigene Nase fassen, sofern sie zu selbstkritischer Reflexion in der Lage sind.

Ignoranz rächt sich

“Make America great again” hat sich bei den Fallzahlen schon mal bewahrheitet. Die Ignoranz des Manns mit der seltsamen Frisur und dem übergroßen Ego rächt sich extrem. Über eine Million Infizierte sind bisher gemeldet.

Der Struwwelpeter von der Insel hat Corona ebenfalls nicht ernst genommen, er konnte letztlich froh sein, dass er die Klinik gesundet verlassen konnte. Auch diese Ignoranz rächt sich, die Briten sind auf dem Weg zur traurigen Spitze. Dabei ist nicht die Zahl der Infizierten das große Problem, sondern die der Sterbefälle, die rasant zunimmt.

In diesem Vergleich ist Deutschland noch gut aufgestellt. Jeder Tote reißt ein Loch in die Herzen der Angehörigen, und es ist schlimm darüber nachzudenken was wäre, wenn es unsere Lieben treffen würde. Jeder von uns könnte der nächste Patient am Beatmungsgerät sein, das wurde mir heute wieder sehr bewusst. Das macht doch wieder etwas demütiger.

Es gibt kein Richtig

Und trotzdem bohrt die Existenzangst immer im Hintergrund. Was ist, was kommt? Das wissen wir nicht. Ich habe aber heute bei der Pressekonferenz eine aufgeräumte Führungsriege gesehen, die zwar auch nicht weiß, wohin die Reise geht.

Aber mal ganz ehrlich: Wolle wir lieber an deren Stelle sitzen? Würden wir es besser machen? Wir können uns natürlich in die Tasche lügen und das behaupten. Aber auch wir unterlägen Zwängen, Spekulationen, schwierigen Berechnungen und Entscheidungsfindungen, unglaublichem Zeitdruck und der Angst, die falschen Entscheidungen zu treffen zwischen Menschenleben schützen und/oder die Republik an die Wand zu fahren. Viele schauen nach Schweden und finden es toll, wie das Land mit der Situation umgeht.

Traurige Hitliste

Das kann man auch anders sehen. Prozentuell gesehen liegen die Schweden weltweit an vierter Stelle der Todesfälle bezogen auf die Zahl der Infizierten. Hier ein (nicht vollständiger) Überblick: Großbritannien (15,7%), Frankreich (14,5%), Italien (13,6%), Schweden (12,3%), Spanien (10,2%), USA (5,9%), Schweiz (5,9%) und Deutschland (4%).

Die Prozentzahlen sagen selbstverständlich nichts darüber aus, wie viele Arbeitslose es aufgrund der Pandemie in den einzelnen Ländern gibt, welchen Schaden die Wirtschaft nimmt und wie die Gesellschaft die Situation verarbeitet.

Wie viele Menschen an der Krise verzweifeln, vereinsamen, sich aus dem Leben zurück ziehen, depressiv werden und vielleicht sogar aus Verzweiflung freiwillig aus dem Leben scheiden, wird (noch) nicht thematisiert.

Schon vor der Corona-Pandemie haben sich beispielsweise im Jahr 2017 mehr als 25 Menschen pro Tag das Leben genommen (Qualle: Statistisches Bundesamt). Ob und um wieviel sich diese Zahl durch Corona erhöht wird sich zeigen.

Fallzahlen gehen zurück

Die Statistik zeigt sehr deutlich, dass die Fallzahlen in Deutschland zurück gehen. Für die Einen ist das ein Zeichen, dass das Leben wieder losgehen kann, für die anderen, und dazu gehören unsere Politiker, ist es ein Zeichen, dass zwar die Richtung stimmt, aber ein Wiederanstieg um (fast) jeden Preis verhindert werden muss.

Die wahnsinnige Summe von über einer Billion Euro neuer Staatsschulden macht einen schwindelig. Es liegt auf der Hand, dass nicht nur wir, sondern auch unsere Kinder, Enkel und vielleicht sogar noch unsere Urenkel daran zu knabbern haben. Aber das ist ein anders Thema.

Eine interessante Zahl ist die der Todesfälle je Millionen Einwohner. Hier erkennt man ganz deutlich, wie gut wir in Deutschland dran sind. Ich erinnere mich noch mit Grausen an die Bilder, als nächtens Hunderte Leichen mit Armee-Lkws durch Bergamo zum Massenbegräbnis gefahren wurden.

Wir müssen es wohl anerkennen, dass die Politik in Deutschland laut Statistiken vorausschauend gehandelt hat. Die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und individuellen Begleiterscheinungen lasse ich auch hier bewusst außen vor. Die Tendenz aber ist erkennbar.

Wenn wir vernünftig sind können wir erstarkt aus der Krise heraus kommen. Unser Know-how, unser Ideenreichtum, unsere Anpassungsfähigkeit und unsere Konsequenz in der Umsetzung von Maßnahmen werden wahrscheinlich den Unterschied machen. Wenigsten besteht darin meine Hoffnung bis 2025.