Geschäftsentwicklung Archive - Seite 5 von 38 - Peter Gress

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Peter Gres Podcast Quickies

010 – Podcast – Politisches Geblubber

Heute geht es um politisches schwurbeln, blenden, blubbern und den alltäglichen Lockdown-Wahnsinn.

„Ich habe schon immer gesagt…“

Der schlimmste Satz in Politikerinterviews ist: „Ich habe schon immer gesagt…“ Unerträglich, da hilft nur  ausschalten. Hinterher ist ja auch irgendwie sicherer, nicht wahr!?

Alternativlos oder planlos

Der Lockdown ist ja scheinbar alternativlos, das hören wir 24 Stunden am Tag. Er ist nur deshalb alternativlos, weil es keine alternativen Szenarien gibt. Jedenfalls habe ich noch von keiner Alternative gehört.

Fakten schaffen

Die Friseurunternehmerin Kirstin Ellen Vietze aus Berlin war am 24.1.2021 bei Frank Plasberg und hat sehr treffend geschildert, wie es Friseuren geht. Sie hat das gut gemacht, ist bei den Fakten geblieben, war dabei doch emotional und und als Mutter von drei Kindern auch absolut glaubwürdig, was der Lockdown Familien und Unternehmern aufzwingt.

Sie spricht über existentielle wirtschaftliche Not, weil sie inzwischen den zweiten Kredit aufgenommen hat, um den mehr als hundert Jahre alten Familienbetrieb zu retten. Sie durchlebe ein Wechselbad der Gefühle, höre sechzig Mal am Tag das Wort Mama, schlafe zunehmend schlechter und sehe am Ende des Tunnels kein Licht mehr.

Damit kann ich mich, können sich alle Kleinunternehmer, die momentan in der Luft hängen, voll identifizieren. Selbstverständlich kämpfen wir weiter, es bleibt uns ja gar nicht anderes übrig. Woher soll das Geld kommen, aufzuhören?

Hubertus Heil hat wieder mal Empathie gezeigt, er hat verständnisvoll und sorgenumflort nach Frau Vietze geschaut als sie ihre Situation geschildert hat und verfiel dann wieder in das alt bekannte Geblubber, das wir uns jetzt seit vielen Wochen anhören müssen.

Im Grunde genommen ist die Situation ganz einfach: Die Bundesregierung nimmt den Mund voll, verspricht Hilfen, die nicht kommen und bringt damit Menschen an den Rand der Insolvenz. Ich habe abgeschaltet, aber ganz bestimmt nicht wegen Frau Vietze. Von ihr hätte ich gerne mehr gehört

Unpassender Zeitpunkt

Ich kann hier selbstverständlich nicht mit 100-prozentiger Sicherheit behauten, dass sich die Politik keine Alternativen überlegt, denn ich gehöre ja nicht zum inneren Entscheidungszirkel. Wenn sie es aber tut, dann bekomme ich nichts davon mit.

Gezielte Fragen zu Exit-Strategien werden mit dem ‚unpassenden Zeitpunkt‚ pariert. Sogar Laschet, bisher bekannt als Lockdown-Öffner sagt : „Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Öffnungsdiskussion falsch. Die Bedrohungslage ist noch zu groß. “

Ja, wann darf man denn eine Alternative diskutieren, wenn nicht jetzt, wo vielen Unternehmern das Wasser bis zum Hals steht? Am besten gar nicht!? Lassen wir es einfach sein, dann macht sich auch niemand falsche Hoffnungen, dass der Spuk bald vorbei ist? Nur: Wir leben von der Hoffnung. Sie bringt uns die Energie, sie ist der Motor für unseren Glauben an die Zukunft.

Das Märchen von der Bazooka

Alternativ zum falschen Zeitpunkt wird darauf hingewiesen, dass Deutschland reich und die Bazooka geladen ist und man sich einen längeren Lockdown leisten kann.

Die finanzpolitischen Turbulenzen der Zukunft sind momentan noch gar nicht absehbar, aber auch davon redet niemand, außer dem Bund der Steuerzahler. Der sagt aus Erfahrung, dass die Schulden von heute die Steuern von morgen sind. Ach was?

Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes, hat am Montag, 25.1.2021 in einem Interview mit Gabor Steingart gesagt: „In der Politik wird eine Diskussion geführt, wie wir den Sozialstaat weiter ausbauen und an vielen Ecken und Enden weiter draufsatteln können. Niemand legt wahrhaftig die Zahlen auf den Tisch und sagt: Das kann so nicht mehr weitergehen.“

Ich hoffe, dass der Druck auf die Bundesregierung jetzt wächst, doch bitte mit einer Alternative zum Lockdown an die Öffentlichkeit zu gehen. Das wäre auf jeden Fall gut für die Unternehmer, die sich diesen Lockdown auf keinen Fall leisten können.

Wenn wir Kapital brauchen legen wir unseren eigenen Kopf unter das Beil, denn wir müssen die Rückzahlung für das zusätzlich benötigte Kapital selber verantworten. Politikern ist es ganz egal, wo das Geld herkommt. Sie  werden dafür nicht zur Verantwortung gezogen, stehen nicht in der Verpflichtung und haben ihre sichere Rente. Deren persönliche Exit-Strategie ist nicht an den wirtschaftlichen Erfolg gebunden.

Change and rerarrange

Das kann so nicht weitergehen? Ja, das ist  richtig! Niemand aus der großen Politik spricht von hunderttausenden Kleinunternehmern und Arbeitnehmern, die diesen Lockdown ausbaden müssen. Die Herren Lauterbach und Drosten würden uns ja am liebsten ganz weg sperren.

Dann sind wir alle körperlich gesund, wirtschaftlich tot, psychisch auf dem Zahnfleisch und Rente kriegen dann nur noch die, die zum durchhalten anhalten. Dieser Umstand wird nicht diskutiert, wenn er thematisiert wird, ist es lediglich der zarte Anklang einer möglichen Problematik, die niemand vertiefen will. Ihr wisst schon: Falscher Zeitpunkt.

Schutz der Alten geht vor

Selbstverständlich müssen die vulnerablen Gruppen geschützt werden, aber die Kommandobrücke kriegt das ja auch nicht wirklich hin. Täten würde man schon gern wollen, aber mir kommt der Zustand vor wie das Verhalten des Hundes, der sich fünfmal im Kreis dreht, bis er sich endlich hinlegt.

Die Damen und Herren verweisen auf weitere Gespräche. Konzertierte Taten wären besser. Fehlende Tatkraft und Planung (Beispiel Impfstrategie) drückt sich nicht nur in fehlender Aktion, sondern auch in fehlenden klaren Worten aus. Es wird definitiv zu viel geredet und zu wenig angepackt.

Das alles fühlt sich für mich so an, als rase Corona mit Blaulicht und Martinshorn auf der Busspur über alle roten Ampeln am zäh fließenden Verkehr der Politik vorbei. Na Prost, sage ich.

Nachkriegsgeneration

Ich bin 1956 geboren und habe so etwas wie den Lockdown noch nie erlebt, wie alle anderen eben auch, die nach dem Krieg geboren sind. Zu meinen frühen politischen Erinnerungen zählen Debatten im Parlament, bei denen sich die Kontrahenten nichts geschenkt haben.

Mit fallen Strauß, Wehner, Schmidt ein, die haben aufeinander eingedroschen, als gäbe es kein Morgen. Wahrscheinlich habe ich glorifizierte Erinnerungen an diese Zeit, aber es gab viel mehr kantige Typen im politischen Bonn als heute in Berlin.

Die haben sich in Debatten im Parlament mit Messer zwischen den Zähnen beharkt, und ganz sicher waren auch nicht alle koscher. Heute aber sind wir in einem politischen System zuhause, das vom Konsens bestimmt wird, von der Sattheit und vom Bewahren. Es muss ja nicht gleich alles zusammengefaltet werden, aber ein gewisses Maß an Aufbruchstimmung sollte man schon merken.

Schwachstellen im System

Die Pandemie bringt die Schwachstellen des politischen Betriebs gnadenlos ans Tageslicht. Ich befürchte nur, dass sich nach der Beruhigung der Pandemie nichts ändern wird. Es gibt ja keine anderen Politiker als die, die wir grade haben. Adenauer hat schon gesagt: „Nehmen Sie die Leute, die Sie haben, andere gibt es nicht.“

Das Problem ist, dass man versucht, Systeme so lange wie möglich zu erhalten, wie sie sind. Das ist nicht nur einpolitischer Zustand, sondern auch einer von Parteien, Unternehmen, Netzwerken und nicht zuletzt dem Individuum.

Man hat sich eingerichtet, die Zahnräder sind geschmiert und damit einher kommt das Gefühl, man hätte alles im Griff, alles liefe gut – Störungen sind höchst unerwünscht. Netzwerke sind dazu da, sich die Hände zu reichen, Positionen zu beziehen und zu sichern, und das gefällt uns doch allen, nicht wahr?

Wir fühlen uns gut, wenn wir etwas bewegen können. Wenn wir Kontakte haben, um Projekte anzuschieben und deren Entwicklung zu beeinflussen. Die graue Eminenz im Hintergrund oder der Wadenbeisser an der Front – es ist das Gefühl von Macht, Bedeutung und Anerkennung.

In der Politik sind Netzwerke die Killerapplikation, weil zu viele gesichtslose und teils untalentierte Mitschwimmer nach oben gezogen werden. Mit diesen Nachteilen müssen wir Bürger in einer freiheitlichen Demokratie leben.

Menschen sind immer auch das Produkt der Gesellschaft, in der sie sozialisiert und ausgebildet werden. Es ist erstaunlich, wie tiefgreifend sich ein politisches System an außergewöhnlichen Situationen wie de Corona-Pandemie aufreibt.

Wahlkampf 2021

2021 kommt noch erschwerend der Wahlkampf dazu. Da bleibt nicht viel Zeit für einen Strategieplan für den Lockdown-Exit. Der Wahlkampf tobt im Hintergrund schon mit aller Macht.  Und weiter erschwerend ist, dass die Sprache unserer Politiker und Führungspersonen so blubberig wachsweich geworden ist, dass man sich an ihnen gar nicht mehr festbeissen oder reiben kann.

Klare Kante

Man regt sich  über die da oben auf, aber das tun wir ja schon immer. Bei uns in Deutschland sind nur wenige aus Politik und Wirtschaft für einen starken Charakter, einen kerzengeraden Rücken und für eine klare Sprache bekannt.

Als Negativbeispiel nehme ich mal die vermeintliche Creme de la Creme aus Wirtschaft und Politik, namentlich Joe Kaeser, Vorstand von Siemens. Der ist Trump letztes Jahr in Davos fast in den Hintern gekrochen, das war peinlich und rückgratlos. Und Klaus Schwab, Organisator des Weltwirtschafsforums in Davos, hat Trump explizit dafür gedankt, dass er – ich kann es immer noch nicht glauben –  „unsere Diskussionen mit seinem Optimismus bereichert hat.“

Nun, was soll man von solchen Vorbildern halten? Der eine, Kaeser, schleimt Trump Honig ums Maul, weil er seine Geschäfte in USA sichern will, und der andere, Schwab, war sich nicht zu schade dafür, dem kleingeistigen Großmaul nach dem Mund zu reden, weil er Angst vor einer Konfrontation oder einem Eklat hat.

Diese Menschen haben in ihrem Leben schon so viel auf die Beine gestellt und erreicht, da sollte mehr Rückgrat vorhanden sein. Wir werden alle daran gemessen, für was wir stehen, und wogegen wir stehen. In der Zeit des Lockdowns ist das noch wichtiger als zuvor.

Kritische Nach- und Vorausdenker

Die Linie zwischen Querdenker und kritiklosem Abnicker ist schmal. Es sollte aber möglich sein, dass wir zwischen den Schreihälsen und den Duldern den kritischen Nach- und Vorausdenker etablieren.

Ich komme dabei persönlich aufs Glatteis: Wie weit traue ich mich aus meiner Deckung mit dem  was ich kann? Ich würde ein Problem oder einen Zustand gerne geschliffen-pointiert und emotional zwingend auf den Punkt bringen, doch dazu fehlt mir leider die rhetorische Fähigkeit. Erstaunlich, auf welche Gedanken und Einsichten man so kommt, wenn man auf sich selbst zurück geworfen wird.

Einfach mal so ist keine Option

Eines habe ich im Laufe der letzten Jahrzehnte gelernt: Einfach mal so machen geht nie. Harry Belafonte hat gesagt: „Ich habe 30 Jahre gebraucht, um über Nacht berühmt zu werden.“ Sich zu verändern ist ein dauernder Prozess, der ein Verlassen der Komfortzone und ein Ausbrechen aus der Gewohnheit voraussetzt. Weil Corona sowieso grade alles aus den Angeln hebt, ist jetzt die beste Zeit für den Beginn einer persönlichen Veränderung.

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009 – Podcast Starke Marke – Tägliche Routinen

Heute geht es um das Thema der täglichen Routinen im Lockdown. Wir sind ja von einem Tag auf den anderen aus unserem gewohnten Ablauf gerissen worden und müssen unsere Tage mit einer alternativen Struktur versehen. Warum diese Routinen speziell im Lockdown wichtig sind möchte ich heute anhand meines eigenen Beispiels aufzeigen.

Gezielt Routinen aufbauen

Dazu möchte zuerst eine Volte knappe zehn Jahre zurück drehen. Am 1. August 2011 hatte ich einen schweren Motorradunfall mit Wirbelbrüchen,  kaputter Schulter und einer komplett gestauchten linken Körperhälfte. Bei der Untersuchung im Krankenhaus war nicht klar, ob die Operation zur Stützung der Wirbel erfolgreich würde verlaufen können. Gottseidank hat alles gut geklappt, ich bin dem Rollstuhl entkommen.

Am zweiten Tag nach der OP stand morgens ein Physiotherapeut an meinem Bett, der mich aufforderte, aufzustehen und mit ihm einige Schritte zu gehen. Ich dachte, der scherzt, ich hatte das Gefühl, mein Körper würde sich vor Schmerz nie mehr bewegen lassen. Er blieb unerbittlich, und durch die Androhung eines Rollators hat er meinen Ehrgeiz angefacht.

Damit die Erzählung jetzt nicht ausartet, gehe ich zweieinhalb Jahre weiter ins Frühjahr 2013. Meine Schulter hat wieder gut funktioniert, die Schmerzen im Rücken waren akzeptabel und ich habe mich wieder an den Physiotherapeuten erinnert.

Von alleine wird’s nicht mehr

In diesem Frühjahr war mit klar: Wenn ich jetzt nicht gezielt meinen Körper wieder aufbaue werde ich zum schlurfenden alten Sack. Also habe ich begonnen, jeden Morgen Sport zu machen, außer sonntags. In der ersten Sitzung habe ich eine Liegestütze geschafft, zwei halblebige Rumpfbeugen, und für mein Schultertraining konnte ich lediglich das schwächste grüne Teraband benutzen.

Ich habe natürlich gemerkt, dass sich der Körper selber heilt. Aber eben nur bis zu einem bestimmt Grad. Diesen Heilungsprozess wollte ich unbedingt stärker unterstützen. Dafür habe ich einen Personal Trainer gebucht.  Der hat mir ein Programm mit Übungen geschrieben,  und mit mir jede Übung so lange trainiert, bis ich ein Gefühl für die richtige Haltung bekommen hatte.

Routinen im Lockdown

Im Lockdown ist dieses tägliche Training ein Teil meiner Tagesstruktur. Ich habe mittlerweile drei Trainingseinheiten entwickelt, die ich an sechs Tagen je zweimal pro Woche durchziehe. Montag und Donnerstag gibt es Bizeps- und Trizeps-, Oberschenkel- und Schultermuskulatur-Training am TRX-Band. Dienstag und Freitag Bauchaufzüge, Rumpfbeugen, Dips und Bizeps. Mittwoch und Samstag Liegestützen, Planks, seitliche Beinheber und Rückenstretching.

Unter dem Tag verteilt schnappe ich mir die Langhantel, die mitten im Wohnzimmer liegt. Ich führe dazu eine Strichliste und habe festgestellt, dass ich die Langhantel durchschnittlich viermal pro Tag zusätzlich hernehme. So einfach kann es sein.

Fitness-Pflicht

Zusätzlich lege ich mit meinem Kollegen und Freund Oliver Gerbert einen Pflicht-Wandertag pro Woche ein, egal ob es regnet, schneit oder der Wind uns fast vom Berg bläst. Das Training am Morgen setze ich deshalb aber nicht aus. Das Training ist an allen Tagen Pflicht, ob Urlaub oder Alltag, es ist von allen Tagesunternehmungen völlig unabhängig.

Wenn 6 Uhr aus Zeitgründen zu spät ist, dann stehe ich eben früher auf. Ausnahmen gibt es nicht. In den letzten sieben Jahren hat sich das Trainingsritual bei mir so verfestigt, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke, ob ich morgens eine andere Option habe. Noch niemals zuvor in meinem Leben war ich körperlich und mental so fit.

Meine Trainingsklamotten hängen beim Bett. Ich stehe auf, schlüpfe rein und trainiere. Ohne Umweg in die erste Runde. In der kurzen Pause Wasser  kochen und Tee ziehen lassen. Dann die zweite Runde. Einen Schluck Tee nehmen. Dritte Runde.

Nach dem Training das Morgenmagazin anschalten, dann  bin ich wach genug, um die News ertragen zu können. Was bringt es, wenn ich mir schon vor dem richtig wach sein die Informationen reinknalle? Corona, Mortalität, Lockdown, Impfprobleme und USA gibt es auch noch wenn ich wach bin.

Seltsame Automatismen

Ich frühstücke niemals, außer am Sonntag und im Urlaub. Fragt mich nicht wieso, das hat sich eben so entwickelt.  Viele um  mich herum denken anders darüber, und meist dauert es nicht lange, bis ich die ersten Argument bekomme, warum ich unbedingt frühstücken sollte. Ich lasse sie reden, sollen sie denken, was sie wollen, es ist nicht mein Problem.

Das hat sich einfach so ergeben, und ich komme damit sehr gut klar. Schon interessant, welche Automatismen sich so nebenher entwickeln. Was ich mache  taugt für mich, einem anderen dagegen gar nicht. Aber das interessiert mich ja nicht, ich bin ja nicht der andere. Alleine wichtig ist, meinen eigenen Takt zu finden, um meine persönliche Ausgeglichenheit zu erreichen oder zu erhalten.

Ich höre zu, was andere sagen, gleiche ab, ob ich das brauchen kann, und nehme es auf oder lasse es sein. Es ist eigentlich ganz einfach, sein Ding durchzuziehen. Man darf einfach nicht zu viel auf andere hören, sonst bekommst Du keine Linie in die Tages-Routinen.

Der erste Schritt ist der wichtigste

Das Allerwichtigste ist, dass man überhaupt anfängt. Das beginnt ganz klein und vorsichtig, aber wenn man es konsequent jeden Tag immer zur selben Zeit macht, ist der wichtigste Schritt getan. Eines gar nicht fernen Tages vom ersten Schritt entfernt, nimmst man ein richtig gutes Körpergefühl und das Gefühl von mentaler Kraft wahr.

Die Investitionen einen Personal Trainer  hat sich für mich ausgezahlt, weil ich keine computergesteurten Maschinen, sondern nur mich und mein Eigengewicht brauche.

Was hat das jetzt mit dem Lockdown und den täglichen Routinen zu tun? Das Training mache ich ja auch während meiner Arbeitstage. Um das Training herum habe ich im Lockdown jedoch zusätzliche, verpflichtende Routinen installiert.

Struktur-Routinen

  • Erstens: Niemals ungeduscht arbeiten
  • Zweitens: Niemals in Lümmel- oder Sportklamotten an den Rechner sitzen
  • Drittens: Immer zur selben Zeit aufstehe (außer Sonntag)
  • Viertens: Immer zur selben Zeit mit der Arbeit beginnen
  • Fünftens: Um 13 Uhr Mittagessen
  • Sechstens: Nachmittags frei verfügbar

Was im Gehirn passiert

Routinen einzuführen ist wichtig, aber auch sie zu verändern oder sie anzupassen. Der Körper bleibt ja nicht über Jahre gleich. Ein Beispiel: Ich möchte eine Routine installieren. Was passiert im Gehirn? Zuerst muss ich klar vor Augen habe, was ich verändern möchte.

Habe ich kein Ziel, komme ich nirgends an. Mit der ersten Handlung lege ich einen Pfad in meinem Gehirn an. Synapsen werden getriggert, sie legen die Informationen an. Je öfter ich eine Handlung wiederhole, desto stärker feuern die Synapsen, beziehen andere Synapsen mit ein und legen so einen immer breiteren Pfad im Gehirn an. Ob ich eine Fremdsprache oder ein Gedicht lerne, oder eine andere Routine einstudiere, das Gehirn braucht einen gewisse Zeit,  um sie zu festigen.

Das funktioniert über Konzentration, Konsequenz und natürlich eine gehörige Portion Sturheit und Egoismus. Bevor meine wichtigsten Routinen nicht abgehandelt sind – in meinem Fall ist es das tägliche Fitnesstraining – gibt es keine geschäftliche Aktivität, keine familiären Verpflichtungen und Erledigung, werden keine Anweisungen angenommen, nur die Routine steht im Fokus. Deshalb: Niemals etwas or den wichtigsten Routinen einschieben!

Smartphone-freie Zeit

Das Smartphone, sonst mein sehr intensiv genutzter Begleiter ist von 19 Uhr abends bis um 8 Uhr morgen auf Nachtruhe gestellt. Nach 19 Uhr lese ich, mal kürzer, mal länger, aber wenn, dann fokussiert und konzentriert.

Informationen im Vorbeigehen aufzunehmen bringt nichts, so entwickelt sich kein Gedankenfluss. Es kommt nicht auf die Menge der Informationsaufnahme an, oder auf die Lesegeschwindigkeit, sondern darum, sich in den Text einzudenken und die Synapsen feuern zu lassen.

Passiert das nicht, ist das Thema für mich nutzlos. Was nicht heißt, das ich das Thema später wieder aufnehme. Wrong time, wrong topic!  Ich quäle mich nicht durch Bücher, deren Schreibstil und Inhalt ich nicht mag.  Ich kann mich dann einfach nicht mehr auf den Sinn des Textes konzentrieren.

In meiner Bibliothek stehen viele Bücher, die für mich so schrecklich nutzlos sind, die aber von anderen geliebt werden. So hat halt jeder seinen Ansatz, aber wenn meinem Mitmenschen etwas gefällt muss ich das nicht automatisch auch gut finden. Und selbstverständlich gilt das auch vice versa.

Cooles Sport-Styling

Heute Morgen habe ich TikTok geschaut und viele perfekte Ärsche in hautengen Sportklamotten gesehen. Perfekt in Szene gesetzt und dem gängigen Publikumsgeschmack angepasst. Ich habe eine ausgeleierte Trainingshose an, ein schlabbriges T-Shirt mit dem ich keinen Schönheitspreis gewinne und meine Woll-Hausschuhe, weil die eine rutschfest Sohle haben.

Der ganze Mist mit angesagten Klamotten, coolen Schuhen und elektronischen Devices nervt mich. Den ersten Schritt zu einer sportlichen Routine kannst Du auch im Kartoffelsack machen. Hauptsache ist, Du machst es!

Gedichte-Routine

Ihr könnt natürlich gerne darüber lachen, aber gedanklichen Ausgleich schaffe ich mit dem auswendig lernen von Gedichten. Wer die geschrieben hat ist dabei nicht ganz so wichtig, das Thema muss mich emotional packen.

Wenn ich nachts aufwache und meine Gedanken, speziell im Lockdown, auf Wanderschaft gehen, rezitiere ich im Stillen meine Gedichte. Dazu habe ich mir gedankliche Ordner angelegt. Die heißen: 1. Erich Kästner, 2. Goethe, 3. Morgenstern, 4. Diverse und 5. Songtexte.

Habt ich euch schon einmal mit Memo-Techniken beschäftigt? Dann werdet ihr Gregor Staub vielleicht kennen. Nach dem Studium seiner Technik habe ich mit den Gedichten begonnen und es funktioniert super. Auch zu Gregor Staub findet ihr einen Link in den Shownotes.

Lockdown-Blues

Unsere Gesellschaft steht derzeit unter Strom. Vielen Unternehmern droht das Aus, viele Menschen werden ihre Arbeit verlieren und wahrscheinlich wird es viele Jahre dauern, bis wir wieder eine kulturell potente Szene haben werden.

Ich habe mir mittlerweile die Mutmaßung über die Zukunft versagt. Es kommt wie es kommt, wir werden wenig daran ändern können. Das heißt nicht, dass ich mir keine Gedanken um die Zukunft mache. Aber: Wenn ich mit dem Auto im dichten Nebel unterwegs bin, dann fahre ich halt etwas langsamer. Wenn ich die Strecke nicht kenne macht es keinen Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, wie viele Kurven noch kommen und wieviele Abzweigungen wohl auf mich warten. Ich weiß es einfach nicht, ich kann nur raten und weiter fahren.

Persönlicher Lockdown

Für meine persönliche ist der Lockdown fast ein Segen. Wäre der wirtschaftliche Druck nicht, würde ich jauchzen, denn noch nie in meinem Arbeitsleben hatte ich so viel Zeit, um mich mit anderen interessanten Dingen zu beschäftigen. Das Perückenstudio wächst, der Podcast ist endlich draußen, die Live-Video-Shopping Software ist auf der Webseite integriert.

Ich habe viel über iMovie, Garageband, Aufnahmetechnik von Video und Ton gelernt und ich lerne immer weiter. Das langsame Voranschreiten und das tiefe Lernen unterliegt auch Routinen.

Ich habe verstanden, dass Leben ein immer währender Prozess ist. Ich werde nie fertig, ich bin immer im Entwicklungszustand. Heute noch ich, morgen ein Unbekannter. Ich bewege mich, lerne, wäge ab und handle jede Sekunde auf einer neuen Wissens- und Erfahrungsbasis. Das ist doch super. Ich muss bloss denken und schon verändere ich mich. Einfacher geht Veränderung nicht. Ich kann es gar nicht aufhalten, das passiert automatisch.

Routinen sind das Mittel dazu, sich von blossen Wunschgedanken zu lösen und tatsächlich etwas umzusetzen. Ob das mehr Sport ist, weniger Alkohol trinken oder sich mehr um Frau oder Mann oder Kinder zu kümmern, ist völlig egal. Es geht um das, was ich wir wirklich wollen. Wir kennen ja alle das jährliche Ritual an Silvester, was wir im nächsten Jahr alles tun werden. Am Ende des Jahres nehmen wir uns wieder Neues vor, obwohl wir das Alte noch gar nicht in Angriff genommen haben.

Peter Gres Podcast Quickies

008 – Podcast Starke Marke Weniger ist mehr

In dieser Folge geht es um das Zuviel an Auswahl, um den Stress mit den damit zusammenhängenden Kauf-Entscheidungen und um das andauernde Gefühl, niemals zufrieden zu sein, egal wieviel wir konsumieren. Das bringt uns zwingend logisch zu der Frage: Sollten wir generell weniger Dinge besitzen?


Wie viele Klamotten hängen in unseren Schränken, die wir vielleicht noch nicht einmal getragen waren? An denen noch das Preisschild hängt? Wie viele Kleidungsstücke vergessen  wir, weil sie in der unübersichtlichen Stoffmassen im Schrank untergehen?

Wie viel Stress haben wir jeden Morgen bis wir entschieden haben was wir anziehen und wer wir heute sein wollen? Ella Schön, die Asperger-Authistin, gespielt von Ellen Frier, probiert ein Outfit in der Boutique an und sagt zur Verkäuferin:“Bitte siebenmal.“ Das hört sich übersichtlich an.

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