Geschäftsentwicklung Archive - Seite 4 von 38 - Peter Gress

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Peter Gres Podcast Quickies

013 – Podcast – Soziales Engagement

Podcast: Soziales Engagement

1986 habe ich mich selbstständig gemacht. Ich hatte eine Kundin, die dem Verein der Körperbehinderten in Esslingen vorstand. Wir sind während des Haarschneidens ins Gespräch gekommen. Ob wir uns die Ausstellung einer jungen Künstlerin vorstellen könnten, die mit den Beinen malt? Klar, warum nicht, das machen wir.

So kam unsere erste soziale Aktion zustande. Die Ausstellung lief gut, einige Besucher haben Bilder gekauft und so der jungen Künstlerin Bestätigung verschafft. Mich hat beeindruckt, wie lebendig die Bilder waren und welche positive Einstellung in ihnen sichtbar wurde.

Das ist jetzt meine amateurhafte Interpretation, das habe ich bei vielen folgenden Vernissagen wesentlich vertrackter gehört. Ich erinnere mich an eine Aussage meines Vaters – der hatte sich ab seinem 40. Geburtstag zu einem sehr, sehr guten Maler entwickelt – als er gefragt wurde, was er sich beim malen dieses Bildes gedacht hatte. „Nichts“, sagte er, „das kam einfach so.“

Damit war eine klare Aussage getroffen. Die Interpretaion der Kunstkritikerin fiel wesentlich umständlicher und unverständlicher aus. Sagenhaft, was manche Menschen in den Werken von Künstlern entdecken, die davon selber nichts wussten. Aber nun ja, jeder muss sein Geld verdienen. Die einen tun was ihnen eingegeben wird, und die anderen pumpen die Bedeutung hinein.


Richtig intensiv wurde es nach unserem Umzug in die Altstadt von Esslingen. Unter dem Salon war ein Gewölbekeller. Wir haben dort soziale Projekte  in Verbindung mit Lesungen, Konzerten, Verissagen, Gedichtelesungen und Happenings gemacht, die uns regelmäßig in die Presseund den Sozialpartnern Spenden eingebracht hatten gebracht haben.

An eine ganz schräge Geschichte mit Aurelia Sonnenburg erinnere ich mich noch sehr gut. Sie war die Inhaberin eines Erotik-Shops für Frauen.  Sie war sehr engagiert, sehr gesprächig und vollkommen frei von Berührungsängsten. Eine meiner Kundinnen hat derzeit erotische Gedichte verfasst, was mit dem Event sehr gut zusammen ging.

Den beiden Damen habe ich kampflos das Feld überlassen, sie durften sich im Salon bei der Ausstellung austoben. Als ich zur Eröffnung am Abend geschniegelt, gebügelt und gut gelaunt im Salon ankam wurde mir der Hals trocken. Mit allem habe ich gerechnet, aber nicht mit Stachelkissen, Dildos, Reizwäschen und Bondageutensilien.

Mir rutschte das Herz in die Hose. Niemals hätte ich mich getraut, das als Mann meinen Kundinnen zu zeigen. Scheinar war ich aber der einzige, der Bedenken hatte. Die Stimmung war entspannt und die Damen recht zwanglos in Gespräche verstrickt. An diesem Abend hatte ich sehr deutlich gelernt, dass der Wurm immer dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler. Fazit: Der Laden war gesteckt voll und alle hatten Spaß und für die Presse war es ein wunderbares Thema.


Das erste richtig große Sozialevent war der „Burgstäffeles-Lauf“ in Esslingen im Jahr 1997. Den Lauf haben wir für die A.M.S.E.L. Selbsthilfe bei Multipler Sklerose e.V. durchgeführt. Zu dieser Zeit war Ursula Späth, die Ehefrau des ehemaligen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, Lothar Späth, Vorsitzende des Vereins.

Der Zweck des Laufes war es, vom Esslinger Marktplatz aus die knapp 300 Burgstaffeln hochzurennen, den Burgplatz zu durchqueren und über die Obere Beutau wieder zum Markplatz zu kommen. Das war eine Rundstrecke von etwa 2,5 Kilometern, aber durch die steile Treppe eine Herausforderung, die es in sich hatte.

Ich nutze die Treppe heute ab und zu fürs Oberschenkeltraining und die brennen immer, egal wie regelmäßig ich die Stufen nehme. Ziel war es, ohne anzuhalten hoch zu kommen. Bei dieser ersten Ausgabe des Burgstäffeles-Lauf hatten wir  30 Starter. Dafür hatte der OB die Schirmherrschaft übernommen und damit stand die Stadt hinter uns.


Im Jahr 1998 darauf konnten wir bereits die doppelte Menge Läufer vermelden. 60 Läufer gingen an den Start. 1999 haben wir pausiert, weil ich ein neues Konzept ausgearbeitet hatte, für das ich aber Sponsoren und Hilfe bei der Organisation gebraucht habe. Lokalpolitische Unterstützung kam zusätzlich durch die FDP.  Im dritten Jahr, 2000, hatten wir 120 Teilnehmer plus rund 50 Kids und ein stimmiges Konzept.

Der ursprüngliche Runde über die Treppe und den Burghof hatten wir eine  Altstadtschleife angehängt, damit mehr Bewegung auf den Rathausplatz kam. Ein Schwerlastkran hielt das riesige Rundzelt, darunter stand die Bühne, auf der die schwäbischen Kultrocker von Schwoißfuaß ein Konzert gegeben haben. OB und Stadtmarketing haben dort auch die Preise vergeben.

Ich schätzte mal, dass wir laufend um die 150 bis 200 Menschen auf dem Rathausplatz zu Besuch hatten. Das gab natürlich ein riesiges Presseecho, denn einen Stadtlauf hatte es in Esslingen lange Zeit nicht mehr gegeben. Dass jetzt die Burgstaffeln einbezogen wurden hatte für die Esslinger Kult-Charakter. Für die Läufer leider nicht, weil die sich nicht vergleichen konnten. Sie Streckenführung war einfach zu speziell. Deswegen war der Lauf für normale Läufer nur bedingt interessant.

Das sollte sich im darauf folgenden Jahr als Problem erweisen, weil viele Läufer eher an längeren Strecken interessiert waren. Neben der Unterstützung des OB-Büros, des Esslinger Ordnungsamts, des Roten Kreuz kam auch die Politik ins Spiel. Die Kosten für die Organisation haben wir übernommen und aufs Marketingbudget gebucht. Die Stargelder konnten somit ohne Abzug gespendet werden konnten.


Heute ist eine solche Veranstaltung nicht mehr denkbar. Innerhalb von 20 Jahren hat sich die organisatorische Komplexität von Stadtveranstaltungen dermaßen erhöht, dass die Durchführung für ein kleines Privatunternehmen nicht mehr möglich ist. Beim ersten Durchlauf vermutete niemand, dass der Lauf so erfolgreich werden würde.

Dass wir ihn nach dem dritten Jahr einstellen mussten, war deshalb eine herbe Enttäuschung. Viele reden noch heute davon, und uns als Unternehmen hat dass regelmäßig mächtig Öffentlichkeit gebracht. Das ist auch das Credo, das ich vertrete: Beide Seiten müssen von sozialem Engagement profitieren. Es braucht dabei etwas Fingerspitzengefühl dafür, wie sich das Unternehmen in einem öffentlichkeitsverträglichen Kontext darstellt.

Ein weiterer Umzug in größere Räume in die Stadtmitte brachte auch mehr Möglichkeiten für soziale Events direkt am Salon. Der neue Salon liegt direkt am Roßmarkt, ein paar Meter von der Fußgängerzone entfernt. Dort gingen wir eine langjährige Verbindung mit dem Verein gegen sexualisierte Gewalt, Wildwasser e.V Esslingen, ein. 

Kern der Aktion waren günstige Haarschnitte – preisaktive Filialisten waren noch nicht so üppig am Markt – , die wir zwischen 14 und 18 Uhr angeboten haben. Das ganze Team hat sich reingehängt und acht Jahre lang Geld für die Verein „erschnitten“. An dieser Stelle möchte ich einen nachträglichen Dank an meinen Hamburger Kollegen Willi Decker aussprechen, der während eines Besuchs bei uns einen Nachmittag lang für den guten Zweck mitgeschnitten hat.

Wir haben das Event „Roßmarkt-Benefiz“ getauft. Es wurde flankiert von Flohmärkten, Konzerten und Luftballon-Aktionen, die wir sogar bei der Flugsicherung anmelden mussten. Jedes Jahr haben wir auf einmal um die 5000 Luftballons steigen lassen, um auf sexualisierte Gewalt aufmerksam zu machen.


Die größte Einzelaktion haben wir mit der Stuttgarter Graffiti-Szene auf die Beine gebracht. Diese Kooperation hat damals mein Sohn angeschoben. Zehn 4×2 Meter große Biegesperrholzplatten dienten als Leinwände für die Sprayer. Die Graffities wurden am Ende des Tages vom OB versteigert. Dabei kamen einige Hundert Euro zusammen.

Auch hier war wieder der OB Schirmherr, der jedes Jahr den Start der Luftballons moderiert hatte. Diese Jahren waren geprägt von einem fruchtbaren Miteinander der örtlichen Händler, der Kulturszene und der Sozialvereine. 

Das Roßmarkt-Benefiz hatte viel Potential, aber leider hat keines der direkt ansässigen Unternehmen mitgemacht. Oft wird von den Geschäften nur die anfallende Arbeit, aber nicht der langfristige Effekt gesehen, den ein soziales Engagement mit sich bringt.


Aber wie es so ist, hat jede Verbindung ihre Halbwertzeit. Das Roßmarkt Benefiz mussten wir einstellen, weil der Aufwand immer größer und die Spenden immer weniger wurden.

Dazu kommt, dass aktive Vereine auch ihre Netzwerke verstärken und danach schauen, dass sie von mehreren Seiten finanziert werden. Meist sind die aktiven Menschen in den Vereinen ehrenamtlich unterwegs und müssen ihr Engagement gewichten. Nach acht Jahren war es eben Zeit, das Roßmarkt-Benefiz einzustellen.


Mein Wormser Kollege und Intercoiffeur-Freund Jens Dagne ist seit 2004 für „Education for Life“ aktiv. Die deutsche gemeinnützige Charityorganisation „Intercoiffeurcharity“ veranstaltet den jährlichen Charity Golf-Cup „Play for Life“. So wird die Friseur-Berufsausbildung für  Kinder aus den Slums dieser Welt unterstützt, damit sie eine Chance haben, dem Kreislauf aus Drogen, Kriminalität und Prostitution entkommen zu können.

Alle Links dazu dazu findet ihr in den Shownotes. Herzlich willkommen Jens Dagne und vielen Dank für Deinen Beitrag.


Social Marketing ist ein wichtiger Baustein im Marketing-Mix. Vor allem kleine Unternehmen können einen hohen Nutzen für ihren lokalen Bekanntheitsgrad haben. „Tue Gutes und rede darüber.“ ist ein bekannter Spruch. Ich erweitere ihn um die Worte: „Aber bitte nicht schreien.“

Leider hat uns Corona im letzten Jahr einen Riegel vorgeschoben, Events waren schlicht nicht möglich. Umso wichtiger wird es, die Aktivitäten wieder anlaufen zu lassen, wenn die Corona-Situation es uns erlaubt.

Ich zitiere aus dem Artikel „Deutlich mehr Spenden in der Pandemie“ der Stuttgarter Nachrichten vom 16.2.2021: Macht die Pandemie knauserig? Im Gegenteil, heißt es beim Deutschen Spendenrat. In Deutschland ist 2020 so viel gespendet worden wie selten zuvor.

Mit 5,4 Milliarden Euro sei das Spendenniveau im Vergleich zum Vorjahr um rund fünf Prozent gewachsen, teilte der Verband mit. „Das war nicht zu erwarten“, sagte Geschäftsführer Max Mälzer der Deutschen Presse-Agentur. Welche Gründe das hatte, erklärt Mälzer so: „Einmal hatten viele Menschen im Lockdown mehr Zeit nachzudenken und über das Leben zu reflektieren“, sagt er.

„Zum Zweiten gab es weniger Möglichkeiten, das Geld selbst auszugeben, zum Beispiel beim Essengehen, für Kleidung oder im Club.“ Die Menschen in Deutschland haben ein sehr realistisches Bewusstsein: „Vielen Menschen ist klar, dass es ihnen hier trotz Pandemie immer noch vergleichsweise gut geht.“ Sie seien bereit, abzugeben.Wenn wir mit unseren Unternehmen zum Spendenaufkommen beitragen können, sollten wir das nutzen.

Charity, Social Marketing oder soziales Engagement – wie immer ihr es nennen wollt – steht uns gut zu Gesicht.

Unternehmen, die sich sozial engagieren, haben ein positives Ansehen in der Öffentlichkeit. Über sie und ihre Aktivitäten berichtet die Presse gerne. Mit Social Marketing gewinnen beide Seiten, das Unternehmen und der Sozialpartner.

Peter Gres Podcast Quickies

012 – Podcast -Was wir aus dem Lockdown mitnehmen

Seit Februar 2020 sind unsere Freiheitsrechte eingeschränkt. Wir waren von einem Tag auf den anderen ausgebremst, und wir mussten uns mit einem veränderten Tagesablauf abfinden.

Corona ist hartnäckig

Im Frühjahr hatten wir noch Hoffnung, Corona würde nicht lange dauern. In den Wochen nach dem Reise-Sommer haben wir aber erkannt, dass Corona noch einmal richtig Gas gegeben hat. Weihnachten fiel aus, Parties zum Jahreswechsel ebenfalls.

Seit achteinhalb Wochen sitzen wir im 2. Lockdown fest. Und es besteht immer noch die Gefahr, dass uns die Mutante in einen 3. Lockdown schickt. Den würden dann viele Geschäfte definitiv nicht mehr überleben.

Frust statt Euphorie

Die Euphorie des Sommers 2020 hat sich nicht fortgesetzt. Ich stelle fest, dass wir mit der Ernüchterung nur schwer zurecht kommen. Einerseits geht es bei uns Selbstständigen um die Existenz, andererseits bei vielen Menschen um den Frust und die Depression, die sich aus einer nicht vorhandenen Hoffnung auf ein Ende speist. Wir sehen kein Ende.

Die Impfung hat uns lange Wochen gepusht, wir mussten aber feststellen, dass die Hoffnungen durch die eingeschränkte Verfügbarkeit des Vakzins wieder einmal getrogen hat. Ich persönlich lasse mich auch durch die Impfung nicht mehr dazu hinreißen, zu viel Hoffnung in ein schnelles Ende der Einschränkungen zu setzen.

Strategie und Planung

In den vergangenen Jahren war es mir immer wichtig, die Geschicke des Unternehmens vorauszuplanen, soweit das eben möglich war. Jahresziele waren wichtig, Umsatz und Gewinn spielten Hauptrollen, die strategische Planung wurde durch Investitionen in Aus- und Weiterbildung, sowie in Spezialisierung unterstützt.

All das ist jetzt nicht mehr in gleichen Umfang möglich. Wir haben einfach zu viel Geld verloren, dabei zu wenig Unterstützung vom Staat bekommen und dazu hin herrscht immer noch zu dichter Nebel um die Zukunft.

Selbstverständlich tun wir etwas. Wir renovieren, schreiben neue Konzepte, optimieren unsere Prozesse und machen alles mögliche, von dem wir uns wieder trennen müssen, wenn wir wieder öffnen dürfen. Wir werden gar nicht mehr die Zeit haben, alles zu verfolgen, was wir im Lockdown angefangen haben.

Neues versuchen

Es ist definitiv eine gute Zeit, um Neues zu versuchen. Social Media wird neu konzipiert, die Webseite erneuert, Onlineshops eingerichtet, Videos werden gedreht, Podcasts gestartet. Niemals zuvor in 47 Jahren hatte ich so viel Zeit am Stück und konnte mein Arbeitspensum so frei gestalten.

Der wirtschaftliche Schaden rückt in manchen Stunden der Tage in den Hintergrund, das ist auch ein Erfolg. Die Neuroplastizität des Gehirns sorgt dafür, dass wir alle trotz fortgeschrittenen Alters Neues lernen kann.

Es ist ungeheuer befreiend bedürfnisorientiert lernen zu können. Nur, es fehlt der Abschluss, der Beweis, die Aktion, die Tat, das Tun. Alles zielt in eine ungewisse Zukunft, der Erfolg des Tages fehlt am Abend.

Frustration über die Politik

Ich bin völlig genervt von der schleppenden Zuweisung der Überbrückungshilfe und des Arbeitslosengeldes. Die Politik frustriert mich. Aus die Frustration heraus ich neige immer häufiger dazu, meine objektive Sicht auf die Dinge zu verlieren.

Wenn der Frust überwiegt muss irgendjemand dafür verantwortlich sein. Dass das Virus aber uns alle in allen Positionen und Verantwortungsbereichen gnadenlos vor sich hertreibt, dafür kann niemand etwas. Auch die Politik nicht.

Was mich frustriert snd die Regeln der Verwaltung. Hat man uns im 1. Lockdown noch Geld mit der Gießkanne spendiert, regiert jetzt wieder der Amtsschimmel. Dass von der schönen Soforthilfe nur 25 Prozent bei mir bleiben durften war nachträglich ein Tritt vors Schienbein.

Den Umsatzverlust der Soforthilfe gegengerechnet haben wir 5,84 Prozent Ausgleichszahlung bekommen. Ehrlich gesagt, das hätten sich das Land Baden-Württemberg sparen können.

Was wir mitnehmen sollten

Was nehmen wir also mit? Erstens: Die Hoffnungslosigkeit ist keine Option. Sie kommt zustande, wenn wir uns zu stark auf das konzentrieren was kommen könnte und was nicht. Wir wissen es nicht. Es ist wichtig, Schritt um Schritt zu tun und konzentrierter im Jetzt zu leben.

Ja, aber wir müssen doch…?! Ja, was? Keiner weiß etwas genaues. Niemand kann sagen, ob wir einen 3. oder gar einen 4. Lockdown bekommen. Niemand weiß, was der Mutant noch anstellt und ob der Impfstoff dauerhaft gegen ihn wirkt.

Ein Virus ist qua seiner Natur dazu bestimmt, ständig zu mutieren, um sein Überleben zu sichern. Wenn schon die ganze Welt vor der ersten Mutation zittert, was passiert, wenn es eine noch aggressivere Mutation geben sollte?

Schon jetzt gibt die Virologin Melanie Brinkmann den Kampf um die Mutante B 1.1.7. verloren. Virologen rechnen mit neuen Mutationen und mit Lockdown bis ins Jahr 2022 hinein. Eventuelle sogar mit einem Dauer-Lockdown mit zwischenzeitlichem Luft holen, wie Brinkmann sich ausdrückt.

Sich selber Hoffnung schaffen

Wie schaffen wir in einer solchen Lage Hoffnung? Für mich persönlich heißt das Struktur und äußere Ordnung gestalten, und das Denken auf das Jetzt konzentrieren. Gedanke zieht  Aktion.

Die Jagd nach den neuesten Gadgets, coolen Klamotten, Schuhen und Accessoires ist erst mal vorbei. Der Besuch im angesagten Restaurant, in der Szene-Bar und bei diversen Must-Events, Messen, Seminaren und Workshops ebenso.

Auch die all-Inkl. Reise ans Steißbein der Welt oder wenigstens in ein angesagtes Luxus-Ressort in Deutschland, Österreich oder der Schweiz  –  alles nicht mehr möglich. Hoffnung kommt nur aus uns selber, dabei wir sind von ihr abhängig. Nur mit ihr überleben wir in unsicheren Zeiten mit wirtschaftlicher und persönlicher Not und finden in eine inspirierende Zukunft.

Vorteile des Lockdowns

Im zweiten Lockdown habe ich bestehende Freundschaften wieder aufgenommen und vertieft und neue geschaffen. Von einigen Menschen musste ich mich trennen, oder wenigstens mein Vertrauen in sie neu bewerten.

Ich habe eine große Welle der mentalen Unterstützung durch unsere Kunden erhalten. Viele Gespräche haben mir Hoffnung gemacht, dass wir auch nach dem 2. Lockdown weiterhin eine treue Gefolgschaft haben werden.

Wie viele Kunde durch Schwarzarbeit, Kurzarbeit, Jobverlust und weitere Gründe verloren gegangen sind, wird sich zeigen. Es ist ja nicht so, dass nur ich mein Leben und meine Aktionen neu bewerte, sondern auch unsere Kunden werden das tun.

Es git keine Garantie dafür, dass sie es weiterhin für wichtig empfinden, zu uns zu kommen. Vielleicht reduzieren auch sie ihre Ansprüche? Unwägbarkeiten, die wir heute nicht bewerten können. Aber wir können darauf hoffen.

Hoffnung und Glauben

Neben der Hoffnung nehme ich auch den Glauben an das Gute in meinen Mitmenschen mit in die Zukunft. Allerdings werde ich noch intensiver bewerten, mit wem ich meine Zeit verbringen will. Nicht jeder passt zu jedem.

Und, mal Hand aufs Herz: Wer mag schon alle Menschen die er trifft? Das lässt sich nicht vermeiden, aber ich nehme mir ganz einfach das Recht heraus zu bestimmen, wer mir nahe kommt. So wie wir Lieblingskunden haben, kümmern wir uns um die anderen mit professioneller Freundlichkeit.


Die Lockdowns haben gezeigt, wem aus meinem Umfeld ich trauen kann. Vertrauen ist deshalb der dritte Wert, den ich aus dem Lockdown mitnehme. Menschen sind grundsätzlich daran interessiert, anderen zu helfen.

Ob das finanziell, mental oder aktiv durch Gespräche passiert  ist minder wichtig. Dass sie grundsätzlich vertrauenswürdig sind ist die Hauptsache. Vertrauen bedingt nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben.

Geben und nehmen in der Waage

Ein Beispiel: Mein Sohn wollte als Teen auf ein Reggae-Festival im Esslinger Stadtpark. Es war aber ausverkauft. Einer meiner Freunde war zu dieser Zeit Chef des Stadtmarketings. Ich habe meinen Sohn zu ihm geschickt, er solle fragen, ob er noch Karten habe. Er hatte.

Als mein Sohn zurück kam und ich ihn fragte, was er meinem Freund für die Tickets zum Ausgleich angeboten habe, stutzte er. Nichts, kam zur Antwort. Ich hab ihn daraufhin nochmals geschickt, er solle meinen Freund fragen, was er ihm zum Dank Gutes tun könne.

Zu dieser Zeit war mp3 der letzte Schrei und ein USB-Stick mit 100 Songs war ein adäquater Ausgleich für die Tickets. Geben und nehmen muss sich die Waage halten.

Positive Vibes einsammeln

Grundpositive Menschen haben in den letzten Monaten immer wieder dafür gesorgt, dass ich mich nicht in verengten Weltsichten verliere. Ich habe natürlich nicht alle persönlich getroffen, auf viele bin ich in den sozialen Medien aufmerksam geworden.

Ihre Gedankenansätze habe ich aufgenommen und mit meinen eigenen Überlegungen verwoben. Positivität schafft Hoffnung, Negativität dagegen Depression, Frustration und Angst.

Angst aber lähmt uns und wer zu der Angst zu viel Raum gibt zulässt macht seinen persönlichen Raum immer kleiner. Damit ich gar nicht erst in diese Gefahr komm, habe Ich  mir vorgenommen, wieder mehr zu meditieren und mich mit mir selber zu beschäftigen.

Wenn ich schlechte Gedanken bekomme lerne ich ein neues Gedicht auswendig, mache einen Spaziergang, höre Musik, lese aktiv, schreibe meine Gedanken auf oder führe mein Tagebuch. Hauptsache raus dem Gedankenkarussell.

Fazit

Aus dem Lockdown, Stand heute, 13. Februar 2021, nehme ich den Glauben an das Gute im Menschen, die Hoffnung, das Vertrauen und die Notwendigkeit zu positivem Denken mit in die Zukunft. 

Peter Gres Podcast Quickies

011 – Eigenblick

Peter Gress Newsletter: https://petergress.de/newsletter-anmeldung/

Deezer: https://www.deezer.com/de/show/2030002

Spotify: https://open.spotify.com/show/3RfjRsYjOPP8ryoXAOhSTD?si=sVXyZDOMT2-gwYlrVBH_iA

Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/starke-marke/id1541833567

Heute geht es darum, sich selber in die Augen zu blicken und sich klar zu werden, warum  man handelt, wie man handelt. Der Lockdown bietet dazu Gelegenheit en masse.

Frühe Helden

Als Steppke war John Wayne mein Held. Er hatte einen tollen Revolvergurt, den man am Oberschenkel festbinden konnte. Ich habe aber ziemlich schnell gemerkt, dass der John Wayne aus dem Film und meine Realität nichts miteinander zu tun hatten. Niemand liess sich von mir einen  Kinnhaken verpassen und Frauen brauchte ich nicht zu retten, ich hätte auch gar nicht gewusst, wozu das hätte gut sein sollen, es war eh keine da.


Einige Jahre später war Ian Anderson von Jethro Tull mein Held. Er sah etwas verkommen aus mit seinem langen Mantel und die Jungs um ihn herum entsprachen vom Kleidungsstil und Habitus in etwa meinem Anspruch als Esslinger Nachwuchs-Outlaw.

Fachliche Helden

Fachliche Helden gab es genug in den Anfangszeiten meiner Friseurkarriere. Vidal Sassoon, Rita Rusk, Trevor Sorbie und viele mehr haben mich beeinflusst, so wollte ich sein.

Leo Passage, Präsident von Pivot Point, hatte mich unter seine Fittiche genommen und ich konnte mich als Bühnenakteur und im Fotostudio austoben. Im Laufe dieser Entwicklung erkannte ich, dass meine Fähigkeiten nicht zum ganz großen Star reichten. Ich blieb irgendwo zwischendrin stecken, mit fehlte einfach die Portion Fantasie.

Als Haarschneider wurde ich ganz gut, aber eben auch nicht so gut, wie ich mir das gewünscht hatte. Zum Fotostudio als Ort der Schöpfung habe ich eine starke Faszination empfunden. Eine Idee bis zum fertigen Produkt zu entwickeln funktionierte im Studio komprimierter als im realen Leben. De facto aber ist der Ablauf derselbe.

Heutige Vorbilder

Heute habe ich keine Helden mehr, aber viele Vorbilder aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Late-Night Talker Harald Schmitt gehört wegen seiner Rhetorik und seines Witzes dazu, der Segler Boris Herrmann wegen seiner unaufgeregten Persönlichkeit, seiner Zielstrebigkeit und seiner Motivation; der Motorradrennfahrer Valentino Rossi wegen seines jahrzehntelangen Konstanz; der Hotelier Bodo Jansen wegen seines Muts zur radikalen Veränderung seiner Führung und mein großes Unternehmervorbild Reinhold Würth wegen seinen unfasslichen Konsequenz und der Fähigkeit, ein Leben lang einer Vision zu folgen.

Faszination kooperative Führung

Ich bin fasziniert von kooperativer Führung, von Strategie und von unternehmerischem Mut, und vom schaffen eines real greifbaren und bleibenden Werts.

Einer meiner Freunde ist neben der Fürstin Geschäftsführer des Fürstenberg-Forums. Er hat mich eines Tages zu einer Veranstaltung im Donaueschinger Schloß eingeladen, weil dort Christoph Keese einen Vortrag gehalten hat.

Keese ist von Haus aus Journalist, er war Executive Vice President der Axel Springer SE, und ist heute Geschäftsführer bei der Axel Springer hy GmbH. Seine Bücher Silikon Valley – Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt und Silikon GermanyWie wir die digitale Transformation schaffen sind auf der Liste meiner All-Time Favourites.

Als ich Einlass aufs Schloßgelände suchte, habe ich den Fürsten auf seinem Cabrio-Golfwägelchen mit dem Gärtner verwechselt und mich danach am Portal ziemlich stark von den dunklen Luxusimousinen beeindrucken lassen. Mir ist Gottseidank eine gewisse Unbekümmertheit zu eigen, die mir hilft, mich in fremder Umgebung gut zurecht zu finden.

Die Begrüßung der Fürstin habe ich ohne Kratzfuß und Fauxpas hinter mich gebracht. Keeses Vortrag war kurz, knackig und sehr interessant. Sein Thema an diesem Abend war die aufkommende Macht der Fintechs, die zu dieser Zeit grade im Pulk am Start waren, um das angestammte Geschäft der Banken durcheinander zu wirbeln.

Disruption als Programm

Disruption war das am meisten gebrauchte Wort an diesem Abend.Beim Essen saß ich zwischen Investoren, Unternehmern, Beratern, CEOs, Bankern und Wissenschaftlern und habe den Gesprächen zugehört.

Ein älterer Herr, weißhaarig, distinguiert, leger angezogen und mit einer Aura des Souverän umgeben, fragte mich nach meiner Profession. Ich erzählte ihm von unserem Friseurbetrieb mit 15 Mitarbeitern, worauf er mich einige Minuten in ein Gespräch verwickelte, welche Herausforderungen ein Handwerksbetrieb in dieser Größe am Markt heute habe.

Der Mann war Seniorchef eines großen Automobilzulieferes mit einigen Tausend Mitarbeitern, es war sehr inspirierend, ein Gespräch mit einem solchen Unternehmer zu führen. Ein dauerhaftes Forum zum Austausch mit Unternehmern aus einem solchen Umfeld wäre sicher auch für Handwerker eine große Bereicherung.

Mehr Techniker als Kreativer

Im Laufe meiner bisherigen 47 Jahre Berufserfahrung, davon 36 Jahre selbstständiger Unternehmer, habe ich mich immer wieder gehäutet. Ich habe erkannt, dass ich immer mehr Techniker und weniger Kreativer war.

Ich bin von Strategie fasziniert, und ich bin fasziniert davon, Sparten und Menschen über alle Grenzen hinweg zu verbinden. Ich habe darüber hinaus erkannt, dass ich zwar  Gespräche und Menschen mag, aber ich müsste nicht mehr Haare schneiden.

Doch ich werde derzeit nicht nur von dieser Entscheidung getrieben, sondern auch von wirtschaftlichen Notwendigkeiten nach Monaten des Umsatz- und Gewinnverlustes und vom fortschreitenden Alter. Für mich werden die nächsten Monate deshalb ein heikler Ritt.

In der kooperativen Führung konnte ich in der Selbstständigkeit vieles umsetzen, was ich selber als Angestellter nicht mochte. Aber ich bin definitiv besser in der zweiten Reihe aufgehoben. Ich brauche Menschen wie meine Frau und einige meiner Mitarbeiter, die meine weniger stark entwickelte soziale Kompetenz mit ihrer Empathie ausgleichen.

Ich mag es gerne, Einzelgänger mit sozialem Anschuss zu sein und meine Projekte in Ruhe und in einem gewissen Flow zu durchdenken und zu entwickeln. Ich bin deshalb ein konsequenter Nein-Sager. Ich brauche meine Zeit zum Lesen, recherchieren, texten, planen und zum umsetzen.

Es ist ein stetiges Hin und Her zwischen sozialem Kontakt und Zurückgezogenheit und genau so mag ich das. Einschränkend muss ich gestehen, dass ich mir manchmal selber etwas zu anstrengend bin. Deshalb freue ich mich umso mehr darüber, dass jemand zuhause ist, wenn ich in mich gehe. Wenn da mal keiner mehr die Tür öffnet, wird’s happig.

Rückblick Ausbildung

Meine Ausbildungszeit war die Zeit des dauernden Ja-sagen müssen’s. Trag die Farbe auf. Wasch die Haare. Fön die Kundin, bzw. deren Haare. Ich habe es gehasst, permanent angewiesen zu werden, etwas zu tun, was ich nicht tun wollte und das mir keinen Spaß gemacht hat. Ich wollte Haarschnitte machen wie Mia Farrows Haarschnitt in Rosemaries Baby, aber nicht Frau Schmitt die Haarfarbe abwaschen.

Nervtötend dabei fand ich Kunden, die dauernd ihren Kopf aus dem Waschbecken gehoben haben, damit das Wasser ungehemmt in den Kragen strömen konnte. Das ist speziell beim abwaschen von Haarfarbe ziemlich ergiebig. Ich habe so ziemlich viele Damen nass gemacht, aber eben nicht auf die Art, die mir Spaß gemacht hat.

Ich mag das Friseurbusiness und ich mag die Menschen die hier arbeiten, aber mein Glück hängt nicht am Haare schneiden. So, jetzt ist das auch mal raus!

Schwarmwissen

Ein Mensch erarbeitet ab der Geburt alle Kenntnisse wieder aufs Neue. Was er im Lauf seines Lebens gelernt hat, geht zum Großteil durch den Tod verloren. Schade drum, denn jede Erfahrung in jedem Bereich und jedem Leben würde die Menschheit insgesamt nach vorne bringen und schlauer machen. Selbst der Kleinste könnte etwas dazu zu geben.

Frank Schätzings Buch „Der Schwarm“, handelt genau davon. Der Schwarm ist eine maritime Lebensform und ein Verbund von Einzellern. Jede Zelle gibt ihre Informationen durchn Zellteilung  an das große Ganze weiter. Die Erfahrungen werden addiert und gespeichert und stehen dem Schwarm als strategische Aktionsanleitung zur Verfügung.

So ähnlich schwebt es auch Ray Kurzweil vor. Kurzweil gilt als einer der bekanntesten Vordenker des Transhumanismus. Er prognostiziert für das Jahr 2045 eine exponentielle Zunahme der informationstechnologischen Entwicklung, und daraus folgend eine Singularität, die eine künstliche Intelligenz ermöglicht, mit welcher die MenschheitUnsterblichkeit erlangen kann.

Impfgipfel und die Sachlage

Szenenwechsel: Am Montag, 1.2.2021 gab es ja den Impfgipfel. Die Sachlage wurde besprochen, die Ergebnisse sachlich richtig mitgeteilt, die Erwartungen an ein schnelles Ende der Pandemie wieder mal gedämpft.

Was das für die Bürger, die Unternehmer und die finanzielle Basis der Bundesrepublik bedeutet – darüber fiel kein Wort. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Politiker in Berlin oder die an der Spitze der Landesregierungen wirklich wissen, was es bedeutet, in einer derart hoffnungslosen Situation als Mensch mit teils heftigen Existenzängsten die Nerven, den Lebenswillen und seine Lebensfreude zu bewahren.

Hierzu möchte ich euch gerne einen Auszug der sehr aufschlussreichen und sehr gut recherchierten Informationen der Journalistin, TV-Moderatorin und Autorin Marlene Lufen mitgeben. Den Link zu ihrem Instagram-Account habe ich euch in die Shownotes geschrieben: Als Folge des 1. Lockdowns…

  • …gab es 23% mehr Fälle von Gewalt an Kindern in der Gewaltambulanz der Charité im ersten Halbjahr 2020.
  • …erleben 600.000 Kinder oder 6,5% aller Kinder in Deutschland  zu Hause Schläge, Stöße und Schlimmeres.
  • …haben 461.000 Kinder im Jahr 2020 die „Nummer gegen Kummer“ gewählt, ein Plus von 31% oder 10.428 Kinder mehr zum Vorjahr
  • …verzeichnet die „Jugend-Notmail“ und die „Online-Jugend- und Elternberatung“  Steigerungen seit März 2020 um zeitweise 50 %.

Marlene Lufen

Schaut euch das Video dazu auf Marlene Lufens Instagram-Account an, und lest in ihrem Text die vollständige Aufstellung ihrer Recherchen und die zugehörigen Quellen.

Darin führt sie deutlich aus, dass es mehr zur Volksgesundheit zu beachten gibt als den auch nur sehr lückenhaft vorhandenen Schutz der Alten. Was Marlene Lufen hier beschreibt, ist exakt das, was ich in unserem Bereich  ankreide: Niemand in der Politik interessiert sich ernsthaft für die Auswirkungen des Lockdowns außerhalb der großen politischen Linie.

Sie hören es wohl, aber es wird als leider, leider notwendiger Kollateralschaden gesehen. Damit beschäftigen wir uns, wenn die Pandemie vorbei ist. Diese Einstellung ist sehr unklug, denn die Auswirkungen des Lockdowns werden wir über viele Jahre hinweg politisch, gesellschaftlich und finanziell zu spüren bekommen.

Es sind nur noch ein paar Monate bis zur Wahl 2021, aber diese kurze Zeit könnte reichen, um CDU und SPD einen herben Denkzettel mitzugeben.
Ich weiß natürlich, dass alle Ausführungen wie diese hier, die Situation so gut wie nicht grundlegend verändern werden. Wir Menschen sind halt so.

Menschen sind halt so…

Stimmt, so sind wir. Deshalb: Entwickelt euch, damit niemand sagt: Du hast Dich ja gar nicht verändert.