Geschäftsentwicklung Archive - Seite 37 von 38 - Peter Gress

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Tägliche Führung hält die Mitarbeiter auf Kurs

In vielen Gesprächen ist mir immer wieder aufgefallen, dass Führung für viele Chefs etwas weit entlegenes ist, etwas, das nur speziell ausgebildete Menschen in höchst komplexen Projekten und hohen Positionen anwenden. Führung hat einen Nimbus unglaublicher Wichtigkeit, dabei ist Führung nichts anderes als das konsequente verfolgen eines Lebens- und Unternehmenszieles. Wer selbstständig ist und Mitarbeiter hat führt automatisch, ob bewusst oder unbewusst. Chefs müssen kommunizieren, sie wollen ja, dass ihre Mitarbeiter eine Aufgabe zum Wohle des Unternehmens durchführen und diese erfolgreich umsetzen. Es gibt einen Sender, es gibt einen Empfänger, es gibt ein Thema und es gibt die Übermittlung der Information. Über die ersten drei Punkte brauche ich keine Worte verlieren, die Kommunikation ist der ausschlaggebende Punkt. Geführt wird mit Kommunikation, durch Kommunikation. Wir wissen, dass nicht kommunizieren nicht geht. Kommuniziert wird auch ohne Worte und das teils sehr viel intensiver, weil viel interpretiert, aber nichts klar ausgesprochen wird. Schweigen ist in diesem Fall Blei.

Ich gehe mit der folgenden Geschichte ein paar Jahre zurück in meine berufliche Anfangszeit. Nach meiner Meisterprüfung begannen meine Wanderjahre. Ich war alleine mit meiner Schere und meinem Kamm und mächtig vielen Ideen im Kopf. Ich wusste, dass ich etwas drauf hatte, aber ich wusste nicht bis wohin meine Befähigung reichen würde. Also habe ich meine Grenzen gesucht. Dazu brauchte ich keine Unternehmensphilosophie mit Werten und Zielen, ich war mir selber genug. Das änderte sich als ich mich mit meinem ersten Salon selbstständig machte und Mitarbeiter eingestellt habe. Die haben meist nicht das gemacht was ich wollte, weil ich davon ausgegangen bin, die wüssten schon was sie zu tun haben. Das war ein Fehler! Ich konnte es meinen Leuten aber nicht sagen, weil ich es selber nicht wusste. Ich war zwar der Busfahrer, aber ich hatte keinen Plan wohin ich fuhr.

Also strickte ich mir eine Unternehmensphilosophie, definierte meine Werte und steckte meine Ziele. Alles toll sagten meine Mitarbeiter, das hört sich gut an. Also: zweiter Versuch. Rein in den Bus, hinters Lenkrad geklemmt, Gang eingelegt, Gas gegeben und ab dafür. Nach einigen Kilometern habe ich mich umgedreht und sah – niemanden. Ich war mal wieder zu schnell abgefahren und habe meine Mitarbeiter an der Bushaltestelle stehen lassen. Was war jetzt passiert? Ich habe nicht gut genug kommuniziert, habe nicht begriffen, dass Philosophie und Ziele auch vermittelt werden müssen. “Das nennt man Führung”, sagte mein damaliger Mentor, dem ich mein Dilemma schilderte.

Wenn ich der Busfahrer bin muss ich wissen, wohin die Fuhre steuert. Damit meine Mitarbeiter in den Bus einsteigen, muss ich mir nicht nur überlegen, was für mein Unternehmen gut ist. Ich muss auch darüber nachdenken, was für meine Mitarbeiter drin ist wenn sie mir folgen. Seit vielen Jahren trainiere ich dieses Verhalten und wahrscheinlich werde ich bis an mein Lebensende immer noch Fehler in meinem Verhalten finden. Aber unser Unternehmen ist erfolgreich, es wächst und ich bin mittlerweile ziemlich gut darin, meine Ziele konsequent zu verfolgen. Nicht jedem gefällt mein Bus und meine Stationen, aber jedem Mitarbeiter steht es frei auszusteigen wenn ihm die Route nicht gefällt. So lange ich meine Benchmark einhalte, 70 Prozent meines Teams von einem ins nächste Jahr zu tragen bin ich zufrieden und habe gut geführt.

Im Grunde genommen ist Führung nichts weiter als das reflektieren darüber, was meine Mitarbeitern gut tut und meinem Unternehmen gleichzeitig nützt.

Juniors im Coaching

Im Jahre 2013 habe ich für unser Unternehmen Gress Friseure Aveda Concept Salon das Programm “Juniors im Coaching” eingeführt. Dieses Segment ist die erste Unternehmenseinheit, die sich vollständig auf die Entwicklung von talentierten, jungen Fachkräfte konzentriert.

Das Programm baut auf die Private Duale Ausbildung der Pivot Point Academy auf. Der kompakte Wissenstransfer in den ersten beiden Ausbildungsjahren (6 Module á 4 Wochen = 24 Wochen) ist die Grundlage für die Amortisation der Investitionskosten für die externe Qualifizierung. Im dritten Ausbildungsjahr sind die Jugendlichen so fit, dass sie eigene Kunden bedienen können. Ein Drittel des dritten Ausbildungsjahres befinden sich die Juniors im erweiterten Coaching-Programm. Jeder Gast den sie bedienen wird von Ausbildern geprüft und das Ergebnis besprochen. Die beiden letzten Drittel sind sie auf sich alleine gestellt, können sich aber jederzeit an die Ausbilder wenden, wenn sie ein Problem haben, mit dem sie selber nicht klar kommen.

Das Ziel
Was wir brauchen sind geistig flexible und hoch talentierte junge Menschen im Friseurberuf. Der Laden an der Ecke hat ausgedient. Mit der Eistellung: “Ich mach’ mir jetzt ‘nen Laden auf, dann wird das schon” lockt niemand mehr Kunden in sein Unternehmen. Eine professionell organisierte Konzeption, umfassende Ausbildung mit Führungsanspruch, kontinuierliche Weiterbildung von Chef und Mitarbeitern, benchmark-orientiertes betriebswirtschaftliches Management und tägliche Führung durch Kommunikation bilden die Basis erfolgreicher (Friseur)-Unternehmen. Ein wichtiger Punkt in der täglichen Führung ist das Beispiel der Führungspersonen. Das kann man nicht delegieren, hier muss sich jeder Chef und jede Führungsperson schon selber bewegen. Von andern verlangen was man selber nie tun würde führt in die Sackgasse. Einsatz, Selbstkritik, Pragmatismus, Leben lassen und Stärken nutzen umschreibt die tägliche Führung schon sehr gut.

Projekte und Abläufe kann man managen. Menschen muss man führen.

Führen geht nur durch begeistern

Sie führen? Dann sollten Sie wissen, wie Sie Menschen begeistern und wie Sie einen hohen emotionalen Bezug zum Thema herstellen. Die Schwierigkeit mit der Begeisterung liegt allerdings darin, dass viele Menschen die Dressur in Schule und Studium gewohnt sind. Das kennen Sie sicher aus eigener Erfahrung. Sie lassen sich nur schwer begeistern, weil sie während ihrer schulischen Ausbildung nur selten für eine Sache gebrannt haben.

Als Führungskraft müssen Sie die Werte, Ziele, Wünsche und Pläne ihre Mitarbeiter wissen. Reden Sie miteinander, sonst erfahren Sie nichts. Monologisieren Sie nicht und hören Sie zu. Das bringt Ihnen, Ihrem Unternehmen und Ihrem Mitarbeiter eine Menge. Wenn Sie dauernd selber reden kommt kein kommunikativer Gegenverkehr zustande. Stellen Sie Fragen, ermuntern sie ihre Mitarbeiter, aus sich heraus zu kommen und lassen Sie sich erzählen was Ihre Mitarbeiter antreibt. Wenn nur Sie reden wird Ihr Gegenüber in seiner Annahme bestätigt, dass hier eine Quasselstrippe sitzt, die zwar etwas von ihm will, aber nicht wirklich an ihm als Mensch interessiert ist.

Menschen wollen miteinander verbunden sein. Sie brauchen Vertrauen, Ehrlichkeit und die direkte Ansprache. Ich bin sicher, dass wir als Führungskräfte in viele kommunikative Fettnäpfchen treten werden, egal wie gut wir uns konditionieren. Wir sind eben wie wir sind, was uns aber nicht daran hindert zu erkennen, dass wir uns ein Stück weit auf unsere Mitarbeiter hin bewegen müssen, um sie erfolgreich führen zu können.