Geschäftsentwicklung Archive - Seite 2 von 38 - Peter Gress

Category Archives for Geschäftsentwicklung

Kind mit Lupe

Wohin geht die Reise?

Eine Frage, die wir uns für die Nach-Pandemiezeit dringend stellen müssen.

Ich habe für mich und mein Unternehmen analysiert, wo wir stehen und wohin wir uns entwickeln können. Der folgende Text bringt keine Lösungen, er ist als Gedankenanreiz angelegt. Was definitiv geschehen wird, ist die Einstellung zweier Auszubildenden, damit der Fluss von Nachwuchs nicht unterbrochen wird. Weiterhin stelle ich zwei Fachkräfte ein, damit ich für die Nach-Pandemie Zeit personell gut aufgestellt bin.

Ausgangsbasis

Der Umsatz im März 2021 war bei uns rund 50 Prozent höher als im März 2019. Dann kam die Testpflicht, daraufhin haben wir im April 22 Prozent verloren. Im Mai (Stand 14.5.2021) sieht es ähnlich aus, da sind es hochgerechnet knapp unter 23 Prozent weniger Umsatz.

Im  Zeitraum 1.3. bis 14.5.2021 haben wir dennoch 0,83 Prozent  mehr Umsatz erwirtschaftet, als im vergleichbaren Zeitraum 2019. Ich erwarte aber eine deutliche Verschlechterung im Jahresverlauf, abhängig davon, ob und wie lange die Testpflicht noch weiter bestehen bleibt. Positiv auswirken wird sich jedoch die Öffnung von Gastronomie und Läden. Damit kommen wieder mehr Menschen in die Stadt, was auch den Zulauf zu unserer Dienstleistung erhöhen wird.

Schnelltest-Pflicht

Sollte die Testpflicht bei niedriger Inzidenz wider Erwarten noch bestehen bleiben, haben die Kunden aufgrund negativer Testergebnisse in der Stadt wenigstens  mehr Möglichkeiten sich zu treffen, einen Kaffee zu nehmen oder essen zu gehen. Dann ist der Schnelltest gefühlt mehr wert.

Zahlenspiele

Ich weiß, Zahlenspiele sind dröge, aber notwendig. Mir bringen sie Klarheit und Überblick über die aktuelle Situation. Planung  hat derzeit keinen langen Bestand. Wir fahren planerisch immer noch auf Sicht, sozusagen im Schaum, und das wird sich auch wohl erst gegen Ende des Jahres ändern. Und das auch nur dann, wenn die Impfkampagne weitgehend störungsfrei durchläuft und 60-70 Prozent der Bundesbürger  zweimal geimpft sind.  Und selbstverständlich auch davon, wie lange der Impfschutz hält. Hier liegt noch ein großes Unsicherheitspotential.

Politischer Druck

Wir haben es dazu noch mit verändertem Konsumverhalten zu tun, mit einer höheren Inflation, wir werden höhere Steuern bekommen und die Sozialversicherungsbeiträge müssen auch steigen, um die hohen Kosten auszugleichen. Das ist leider unausweichlich, auch wenn die Politik das momentan noch weit von sich schiebt. Mit den durch die Pandemie bedingten Steuerverlusten und wirtschaftlichen, sowie sozialen Unterstützungsmaßnahmen ist der Schuldenberg massiv gewachsen.

Und mit der Aussicht auf ein lediglich verhaltenes Wachstum von rund 3 bis 4 Prozent für 2022 ist die Staatskasse klamm. Dazuhin waren viele Städte und die Länder  zum Teil schon vor der Pandemie finanziell am Limit und der  Zustand hat sich noch verschärft. Es wird auch hier mehr Geld vom Staat fließen müssen, und dieses Geld muss  aus Steuern finanziert werden. 

Erhöhungen bei Steuern und Sozialabgaben

Sparen ist nicht Sache der Politik, also können wir davon ausgehen, dass die Löcher durch Steuererhöhungen gestopft werden müssen. Rot und Grün wollen die Schuldenbremse weiter aufweichen, was zu noch höherer Verschuldung führen wird. An eine Rückkehr zur schwarzen Null glaube ich nicht, auch wird der EU-Stabilitätspakt demnächst obsolet sein.

Die EU-Ländern müssen jetzt abrechnen, man wird sehen, welche tiefen Schlunde sich hier noch auftun. Übermäßiges Verschuldungsverhalten bringt am Ende eine inflationäre Entwicklung, und diese Entwicklung sollten wir uns von der Politik nicht schönreden lassen. Es wird so kommen, auch wenn das niemand will. Und wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie weit wir unsere Kunden mit höheren Preisen belasten müssen und wie wir die Löhne unserer Mitarbeiter anpassen.

Maßnahmen gegen eine hohe Inflation

Was können wir als Unternehmer gegen eine höhere Inflation tun? Das ist die Gretchenfrage schlechthin. Dass es so kommt, dagegen können wir nichts tun. Wie wir damit umgehen schon. Im ersten Schritt sagen wir, unsere Preise müssen nach oben. Das stimmt, die müssen wir an die gestiegenen Kosten anpassen. Wir müssen auch mehr Rücklagen für Steuerzahlungen einplanen, beziehungsweise werden wir mit dem Steuermanagement mehr zu tun haben.

Um zu diesem Zweck die Preise erhöhen zu können, müssen wir einen höheren Nutzen bieten. Denn nicht nur wir Unternehmer müssen mit Inflation, höheren Steuern und Sozialabgaben zurecht kommen, sondern auch die Verbraucher, zu denen wir auch selber gehören. Strategisch gesehen müssen wir unsere Leistungen stärker anspitzen, und nicht alle möglichen Dienstleistungen anbieten, die uns in den Sinn kommen.

Je mehr Dienstleistungen wir anbieten und je kleiner unser Team ist, desto schwieriger ist es, auf vielen Feldern eine überdurchschnittliche Leistung zu erbringen. Aber genau die brauchen wir, damit Kunden unsere zukünftig höheren Preise akzeptieren. Zur Selektion durch Corona kommt noch die Selektion der Unternehmen durch die Verbraucher hinzu.

Ausbildung trotz engem Finanzrahmen

Obwohl die Geschäfte verhaltener sind stellen wir 2021  Auszubildende ein.  Zwar erhöhen sich dadurch die Kosten und der Gewinn wird noch stärker reduziert, aber es steht immer die Frage im Raum: Woher sollen die Fachkräfte kommen, die ich zukünftig brauche, um mein Geschäft zukünftig dauerhaft  obern zu halten?

Ausbildung ist eine Strategiefrage. Ohne Ausbildung geht es nicht. Schaut euch die Ausbildungszahlen an, dann seht ihr, dass die sukzessive Jahr für Jahr nach unten gehen. Die Zahlen sind alarmierend. Von 2009 bis 2020 haben sich die Ausbildungswilligen im Friseurhandwerk um 53 Prozent reduziert.

In Zahlen: 2009 waren es noch 38.661 Azubis, 2020 nur noch 17.844. Wer bei diesen Zahlen noch darauf hofft, in ein paar Jahren noch hoch qualifizierte Fachkräfte auf dem freien Markt zu finden wird enttäuscht werden. Das merke ich derzeit bei der Mitarbeitersuche. Diese hoch Qualifizierten werden nicht in irgendeinen Salon gehen, sondern nur noch dorthin, wo sie Entwicklungschancen haben. Da bleibt für den Durchschnittsfriseur nichts übrig.

Passende Fachkräfte

Passende Fachkräfte  stellen wir ein wenn wir sie finden. Wir suchen immer.  Passend bezieht sich auf die soziale Kompetenz. Die fachliche Qualität kann ich erhöhen, aber die soziale Kompetenz muss der Mensch mitbringen.

Deshalb sehe ich Mitarbeiter auch nicht als blossen Kostenfaktor, sondern als Investition in unsere unternehmerische Zukunft. Unsere Stärke ist der Teamspirit, eine weitere strategische Größe, die nicht betriebswirtschaftlich zu begründen ist.

Alle nicht betriebswirtschaftlichen Effekte werden bei uns in der Spannungsbilanz abgelegt und bewertet. Mittlerweile haben sogar die Banken erkannt, dass die weichen Faktoren für ein Unternehmen mindestens so wichtig sind wie die harten Zahlen.

Und warum? Weil die harten Zahlen ohne die weichen Faktoren gar nicht erst  erwirtschaftet werden können, speziell im Friseurhandwerk. De facto ist es also eine strategische Notwendigkeit, die passenden Mitarbeiter zu suchen und nicht irgendwelche.


Jedes Unternehmen ist in einer Individuellen wirtschaftlichen Situation. Jedoch unterliegen wir alle der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Und die wird sehr spannend werden.

Peter Gres Podcast Quickies

018 – Podcast – Die Not To Do Liste

Heute geht es darum, Position zu beiziehen.

Jeder Mensch steht für etwas, und er steht auch gegen etwas. Was das ist entscheidet jeder für sich. Wie offen er das streut, ebenfalls. Als Geschäftsmann und Dienstleister ist meine persönliche Einstellung zum Teil auch eine öffentliche Angelegenheit.

Über sein Standing spricht man als Unternehmer die Kundengruppen an, mit denen man es gerne zu tun hat. Ich habe viele Jahre gebraucht, um einzusehen, dass ich es nicht jedem recht machen kann. Bevor ich mich also zu oft verbiegen muss, hole ich mir lieber die passenden Kunden ins Haus. Ich sag’s mal überspitzt: Die Menschen, mit denen ich nicht kann, meide ich weitgehend.

Gute Lebenszeit und ein befriedigender Arbeitstag ist mir wichtiger als  zusätzliche Euros um jeden Preis. Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Die Euros nehme ich gerne, aber eben nur von den Kunden die zu uns passen.

Damit ich mich an die selbst gesteckten Rahmenbedingungen hale, habe ich eine Not To Do Liste erstellt, die ich mittlerweile so verinnerlicht habe, dass ich sie nicht mehr vor mir hängen haben muss. Ich habe in dieser Folge vier von neun Punkten von der Liste gegriffen.

Ein privates Dauerthema 1: Kein Privat-TV schauen

Auf der Not To Do Listen steht alles drauf, was ich entweder nicht mag oder nicht tun will. Ganz oben steht ganz fett: Kein Privat-TV schauen

Die Art der Produktion und die Ansprache des Publikums ist so weit von meiner persönlichen Lebenswelt entfernt, als dass ich keinen tieferen Sinn in den Sendungen erkennen kann. Ich vergleiche das gerne mit Zuckerwatte versus frischem Gemüse. Ich bin froh, dass es Netflix, YouTube, TED Talk und die Mediatheken des öffentlich-rechtlichen TVs gibt.

Mit dem aktuellen Apple TV habe ich Zugriff auf alle Angebote. Bei YouTube finde ich immer wieder interessante Dokus, die es in den Mediatheken nicht mehr gibt. Darüber hinaus lese ich gerne Bücher oder Special Interest Magazine und höre Musik.

Meine Vinylsammlung zieht seit fast 50 Jahren mit ihr herum, sie wächst auch heute noch kontinuierlich an. Aber hauptsächlich nutze ich derzeit Spotify, um neue Musik zu finden und meine Playlisten zu befeuern. Mein Ziel ist es, Zeit nicht irgendwie rumzukriegen oder totzuschlagen.

Ich kann sie genauso gut sinnvoll nutzen. Diese Aussage ist natürlich höchst individuell und ich habe nicht das Recht, andere Menschen zu verunglimpfen, wenn sie Privat-TV schauen. Es ist halt nichts für mich.

Die Frage nach dem Lebenssinn stellt sich im Zusammenhang mit der Zeit immer wieder. Je mehr Jahre ich auf dem Buckel habe, desto wichtiger wird die Zeitqualität. Die Zeitquantität nimmt ja automatisch ab. Niemand weiß, wie lange er gesund und leistungsfähig bleibt, und wie lange er lebt.

Die Chance auf Dysfunktion steigt mit jedem Lebensjahr, deshalb ist für mich die Zeitqualität wichtiger denn je. Und je weniger Zeit ich rein statistisch gesehen noch zur Verfügung habe, desto sinnvoller will ich sie nutzen.

Berufliches Dauerthema 2: Kurze Haare mit Bürste fönen

Der zweite Punkt auf meiner Not To Do Liste hat mit meinem Beruf zu tun.  Meine Kurzhaarschnitte style ich zu 99 Prozent ohne Bürste. Ich trockne während des Schnittes an und forme die Haare in das geplante Design. Das habe ich angefangen, um die unsägliche Debatte um das fönen zu beenden.

Ich brauche keine Bürste, um eine Form zu erstellen. Finger und Produkt reichen, die Stylingqualität und der Preis sind nicht abhängig vom Einsatz einer Bürste. Es ist eine Definitionsfrage, was fönen eigentlich ist. Die Diskussion um selber fönen gibt es bei mir gar nicht. Am Preis ändert sich nichts, denn ich verkaufe ja nicht den Haarschnitt, sondern die gebuchte Zeit.

Übertrieben gesagt ist es egal, was in der gebuchten Zeit passiert. Hauptsache ist, dass sich die verkaufte Zeit in der Kasse  als Einnahme materialisiert.

Zu Beginn meiner Ausbildung wurden zum Teil noch Hochsteckfrisuren gemacht. So was wollte ich auf keinen Fall machen. In der aufkommenden Punkzeit  habe ich Haare durch rubbeln aufgestellt. Heute würde man sagen, ich habe die Haare durch die Rubbelei verfilzt.

Übrigens: Wunderbare Beispiele gibt in dem Film B-Movie:Lust & Sound in West-Berlin 1979-1989. Ich stelle euch den Link in dier Shownotes.

Sloppy Look ohne Bürste, damals mit viel Haarspray. Daraus hat sich im Laufe der Jahre ein kommerzielleres Konzept entwickelt. Fönen nur mit den Händen: Einfach, schnell und anders als andere. Über den Preis wurde gar nicht diskutiert, denn ich habe eine Leistung abgeliefert, die andere nicht leisten konnten. Oder eben nicht so, wie ich das gemacht habe.

Viele dieser Kunden habe ich heute noch, die sind meine Arbeitsweise gewöhnt. Und ich finde immer noch genügend neue Kunden, die diese Arbeitsweise schätzen. Die sind froh, dass ich ihnen erst gar keine Föntipps gebe, sondern einfach mit den Fingern in die Haare fahre und durch den Einsatz von Fingern und Schere eine Frisur erstelle. Vielen Kollegen ist das nicht handwerklich genug, aber das ist ja, wie alles im Leben, eine individuelle Sicht der Dinge.

Strategisches Dauerthema 3: Perfektionistischen Pläne schmieden

Wer zu viel plant kommt nicht ins Tun. Das gilt für den persönlichen und für den geschäftlichen Bereich. Das Leben entwickelt sich beim leben, Projekte entwickeln sich beim tun. Ich weiß nicht, ob es ein typisch deutsches Problem ist, aber viele Menschen planen ein Projekt schon im Vorfeld zu Tode.

Sie versuchen es todsicher zu machen, alle Schwachstellen auszuklammern und es möglichst perfekt auf die Umsetzung vorzubereiten. Dabei vergessen sie, dass der erste Kontakt mit der Realität das Fundament schon zum wanken bringen kann. Besser ist es deshalb, weniger perfektionistisch zu planen, früher zu beginnen und aus der Entwicklung heraus zu lernen, wie man die nächsten Schritte optimal gestalten kann.

Kein einziges Start-up wurde eins zu eins von der ursprünglichen Idee her entwickelt. Alle haben sich an den Bedürfnissen der User orientiert und ihre ursprüngliche Ausrichtung so verändert, damit ein Bedürfnis der Zielgruppe befriedigt wird. Dazu muss man die Zielgruppe befragen. Die Zielgruppe sagt dir genau was sie will. Wer sich tot plant und die Zielgruppe nicht fragt, hat eh schon im Vorfeld verloren.

Ein Beispiel dazu kann ich aus eigener Erfahrung beisteuern.
Wir haben ein Konzept für Blondfärbungen aufgestellt. Strategisch sauber entwickelt, alles detailliert in Form gebracht. Als Abschluss haben wir eine Zielgruppenbefragung gemacht, die ich aber falsch interpretier habe. Der Kern, das Ziel unserer Strategie hat zwar gepasst, aber ich habe nicht gut genug nachgefragt, ob sich die Zielgruppe in unserer werblichen Aussagen findet.

Der Name des Konzept hieß Mythos Blond. Bezogen habe ich mich auf die klassischen Blondinen wie Marilyn und andere Zeitgenossinnen. Das ging voll an der jungen Zielgruppe vorbei. Die hat sich darin nicht gefunden. Das ist jetzt schon einige Jahre her, und Mythos Blond wurde durch ein Balayage-Konzept ersetzt.

Von Mythos Blond haben wir den organisatorischen Ablauf bei der Beratung beibehalten, ansonsten wurde das Konzept Mythos Blond in die Schublade der abgelaufenen Projekte einsortiert. Ich lerne nicht nur aus den gut laufenden Projekten, sondern selbstverständlich auch aus den Fehlern. Mit der weniger perfektionistischen  Planung kommen spontanere Projekte zustande.

Ich passe während der Umsetzung besser auf, weil alle Antennen draußen sind. Wenn ich einen vermeintlich perfekten Plan gedanklich ad acta lege, beobachte ich die Entwicklung nicht mehr aufmerksam genug. Das ist ein schwerer Fehler, denn es gibt immer eine Kreuzung, an der ein Projekt falsch abbiegen kann.

Führungs-Dauerthema 4: Menschen als Objekt betrachten

Wenn ich Menschen zu Befehlsempfängern degradiere töte ich die Eigenmotivation. Beim Militär mag es sinnvoll sein, Ergebnisse mit Druck zu erzeugen, weil es um Leben und Tod geht. Manche Führungskräfte sehen das Geschäftsleben wahrscheinlich auch militaristisch, die Sprache gleicht sich ja in vielen Bereichen.

Verkauft wird an der Front, zugeschlagen wird, wenn der Gegner es nicht erwartet, das Unternehmen wird strategisch aufgestellt und Mitarbeiter werden geschleift. Der Modus wechselt momentan, Führungskräfte und Chefs erkennen, dass der Kopf zwischen den Schultern auch zum nachdenken und zum Entscheidungen treffen taugt.

Es wird teamorientierter gearbeitet, die Kommunikation ist auf Augenhöhe, der Mensch gegenüber wird zum Subjekt, zum gleichgestellten Teamplayer. Die Führungskraft ist nur noch dazu da, Impulse zu geben und den Mitarbeitern den Rücken frei zu halten, damit sie ungestört ihren Aufgaben nachgehen können. Die Führungskraft wird immer mehr zum Moderator.

Durch die Pandemie und die damit zusammenhängenden Schließungen unserer Geschäfte konnte ich in Ruhe unsere Mitarbeitersituation reflektieren. Bisher war die Einstellung von Fachkräften und Auszubildenden eher eine einsame Entscheidung. Ich ändere das nun in eine Teamentscheidung. Diese ist zweistufig.

Neuzugänge stellen sich nicht nur bei mir vor, sondern vor einem Gremium aus Mitarbeitern. Das läuft in einer gemütlichen Sitzecke ab, es gibt keinen Schreibtisch, nichts bossiges. Jedes Gremiummitglied darf fragen, es dürfen sich Gespräch entwickeln,. Die persönliche Ebene darf gerne tiefer ausgelotet werden.

Ich sehe mich hier als Moderator, der das eigentliche Ziel des Gesprächs im Auge behält, nämlich den passenden Mitarbeiter für das Team zu finden. Da ich selber zwar Teil des Teams bin, aber nicht die ganze Zeit direkt mit den Mitarbeitern in Kontakt bin, müssen die Teammates miteinander klar kommen. Mehrere Augen sehen mehr, mehrere Ohren hören mehr, mehrere Menschen haben mehrere Meinungen.

Diese Vielfalt ist ein großer Vorteil, weil ich als Entscheider mehrere Optionen für meine Entscheidung schaffe. So erhöhe ich die Chance, nicht nur irgendeinen Mitarbeiter zu finden, sonder die oder den richtigen.

Die Not To Do Liste ist die Abgrenzung dorthin, wo es dem Individuum persönlich weh tut oder wo es seine ganz speziellen Einstellungen hat. Jeder Mensch hat seine individuellen Schmerzgrenzen, ab der er Nein-Sagen muss, um sich nicht selbst in Zwiespälte zu bringen.

Die Not To Do Liste ist eine Unterstützung zum konsequenten Nein-Sagen.

Peter Gres Podcast Quickies

017 – Podcast – Local Marketing mit Google My Business

Podcast 017 – Local Marketing mit Google My Business

Heute geht es um lokales Marketing mit Google My Business

Im lokalen Marekting gibt es kein besseres Tool als Google My Business. Google spielt bei der Internetsuche weltweit eine Hauptrolle. In USA beläuft sich der Marktanteil von Google auf 81 Prozent. In Deutschland waren es im Januar 2021  84 Prozent. Selbst in Russland hat Google die Suchmaschine Yandex überholt und ist seit 2019 dort die Nummer 1. In China beißt sich Google allerdings momentan noch die Zähe aus. Dort dominiert die Suchmaschine Sogou den Markt. Den mobilen Markt deckt Google in Deutschland  im Januar 2021 zu 98 Prozent ab.

Zugriffe über Google My Business

Interessanterweise waren die mobilen Zugriffe auf unsere Friseurdienstleistungen vor dem verstärkten Home-Office durchschnittlich um das vierfache höher als die Zugriffe über den Desktop. Jetzt sind es lediglich noch doppelt so viele. Im Perückenbereich verhält es sich fast spiegelbildlich anders herum, hier dominieren die Zugriffe über den Desktop. Während des Lockdowns waren die Zugriffe auf die Webseite um das sechsfache höher als die Telefonate.

Unsere Google Ads hatten während des Lockdowns Pause. Den Zugriffen auf die Webseite hat das nicht geschadet. Wir haben die Webseite während des Lockdowns in eine  Info-Seite zur Coronasituation umfunktioniert, die viele Kunden gerne genutzt haben. Alle Beiträge in Google My Business haben zusätzlich auf die Webseite verwiesen, was wiederum zu höheren Kontaktzahlen geführt hatte.

Wirkungsvolles Tool

Google hat mit My Business ein Tool geschaffen, dass die Kunden im Einzugsgebiet unseres Geschäfts mit Informationen und Neuigkeiten versorgt. Vor allem Bilder sind ein Frequenzbringer. Wir bekommen im Vergleich mit Wettbewerbern durchschnittlich mehr als  1000 Prozent mehr Views auf unsere Bilder.

Warum ein Produkt 3500 mal betrachtet wird und ein anders aus derselben Produktreihe nur 210 mal? Das wird für alle Zeiten das Geheimnis entweder des Algorithmus oder der Kunden bleiben. Unser Titelbild wurde 431.000 mal angeschaut, das nächstbeste Bild eines blonden Bobs immerhin noch knapp 55.000 mal. Das beste Produktbild erreichte über 24.000 Kunden,  ein Weihnachtsbaum knapp 6000. Ein Smiley-Luftballon mit schwarzer Ray-Ban Brille immerhin auch noch 3.500 Kunden innerhalb von 16 Wochen

Da niemand sagen kann welche Bilder bei den Kunden gut ankommen, legen wir mehrere Angeln aus. Momentan sticht mir die Idee ins Hirn, dass ich ab sofort alle Bilder mit unserem Logo branden werde. Gut, dass ich drauf gekommen bin. Es hilft doch, wenn man über Dinge spricht. In der Statistik weisen ähnliche Unternehmen wie unseres lediglich 9 Fotos aus, im Gegensatz zu unseren knapp 700 Stück.

Fotos produzieren

Im Navigationspunkt Fotos kann ich die Bilder nach Beliebtheit sortieren. Für das fotografieren von Produkten und Kleinteilen hat mein Schreiner eine Fotobox gebaut. Die ist 50 x 50 cm und 70 cm tief und hinten mit einer Holhkehle versehen. Das Deckenlicht ist ein LED-Rundstrahler und vom Eingang her sorgt ein Ringlight für Helligkeit. So kann ich auch mit lichtschwacheren Linsen eines Smartphones gut ausgeleuchtete Fotos schießen. Die Produktfotos stelle ich unter Produkte in die jeweilige Kategorie ein, beschreibe und bepreise sie.

Rezensionen

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Rezensionen oder Bewertungen. My Business bietet einen Link an, den ich in den sozialen Medien und in meinem Newsletter verbreiten kann. Der Link lässt sich auch sehr gut an Mails anhängen und per QR-Code in den geschäftlichen Schriftverkehr einbauen. Wir haben uns zusätzlich Postkarten mit QR-Codes drucken lassen, die wir im Salon auslegen und die Kunden damit bitten, ihre positive Bewertung zu veröffentlichen.

Proven Expert

Weil nicht jeder Internetnutzer ein Google-Konto hat, bieten wir über Proven Expert eine alternative Bewertungsplattform an. Bewertungen sind wichtig. Es muss klar erkenntlich sein, dass es sich nicht um Fakes handelt. Wir bitten Kunden darum, den Namen der Mitarbeiter zu nennen, was leider nicht immer funktioniert. Manche Kunden schreiben nicht gerne, sie drücken auf die 5 Sterne und schicken die Bewertung ab. Das ist zwar auch schön und eine Anerkennung, sie ist aber leider nicht so viel wert wie eine Bewertung mit Namensnennung.

Kauft keine Bewertungen!

Deshalb auch abschließend zu diesem Thema meine Warnung an alle, die Bewertungen kaufen wollen. Macht das nicht, denn wenn Google euch dabei erwischt wird euer Account gesperrt und womöglich nicht mehr aufgemacht. Google mag echte Bewertungen, auf Fakes reagiert das Unternehmen ziemlich radikal. Das mag nicht jedem schmecken, aber es sorgt dafür, dass man den Bewertungen trauen kann. Es macht ja keinen Sinn, wenn jeder Bewertungen kauft, denen er nicht entsprechen kann. Dann könnte man sich den Aufwand sparen.

Also, bleibt bei den Bewertungen auf jeden Fall zum Wohle aller ehrlich. Schau danach, dass du viele Bewertungen erhältst, weil Google Unternehmen mit vielen Bewertungen mehr Sichtbarkeit garantiert. Habe immer im Kopf, dass Google den Nutzern immer aktuelle und ehrliche Leistung bieten will. Je besser Google das macht, desto sicherer kann das Unternehmen sein, dass User nicht zu einer anderen Suchmaschine wechseln. Google und du haben also dasselbe Ziel.

GMB App

Über die My Business App kannst du von Kunden Nachrichten empfangen und chatten. Wenn du die Nachrichtenfunktion nutzt schau danach, dass deine Antwortzeit 24 Stunden nicht übersteigt. Google liebt zeitnahe Kommunikation, was ja bei einem digitalen Tool Sinn macht.

Spontane Informationen an die Kunden

Die App ermöglicht es Dir auch, Bilder aufzunehmen und unkompliziert hochzuladen. Nachdem ich alle meine Bilder mit unserem Logo branden will, erstelle ich eine Vorlage in Canva, in die ich meine Bilder einfüge. Wenn ihr Canva noch nicht nutzt informiert euch über die vielfältigen Möglichkeiten. Den Link stelle ich euch in die Shownotes.

Mit der App bin ich sehr spontan. Mein letzter Kunden hat abgesagt und ich habe noch etwas zu erledigen und schließe den Laden? Kein Problem, ich stelle die Information in die Beiträge und jeder kann es lesen. Du hast einen Sonderpsten bekommen de du schnell abverkaufen willst? Füge ein Angebot hinzu, und stelle es online. Das geht in wenigen Minuten.

Schnelle und unkompliziert

My Business steht für unkomplizierte Handhabung und die Schnelligkeit, mit der ich Neuigkeiten verbreiten kann. Das Tool ist kostenlos und wir bei Gress Friseure können im lokalen Marketing nicht mehr darauf verzichten. Den neuesten Zahlen zufolge nutzen nur 20 Prozent der Geschäfte in Deutschlnad den Dienst regelmäßig. Das ist schade, denn erstens ist My Business kostenlos und zweitens ist es lokal, das heißt, es gibt so gut wie keinen Streuverlust.

Statistik

Das führt mich zur Statistik. Ihr bekommt bei My Business eine Fülle von statistischen Daten. Alle sind in Schautafeln aufbereitet und sehr übersichtlich angeordnet. Das Google Dashboard zeigt euch eine übersichtliche Zusammenfassung eurer statistischen Daten. Wie viele Telefonate wurden über Maps geführt? Wie viele Kunden haben eure Webseite besucht? Wie viele SMS haben Kunden geschickt? Aus welchen Postleitzahlenbereichen kommen eure Kunden? Ihr erfahrt alles sehr genau.

SEO, Ads und Algorithmus

Nutzt Google My Business intensiv, ihr findet keine bessere lokale Werbeplattform. My Business ersetzt die ehemaligen Gelben Seiten. Gepaart mit dem Suchalgorithmus, Google Ads und SEO habt ihr ein schlagkräftiges Trio an der Hand.

10 Minuten täglich reichen aus, um das Profil zu pflegen. Sehr effektiv, sehr einfach und sehr wirkungsvoll