Führung Archive - Seite 16 von 16 - Peter Gress

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Führen geht nur durch begeistern

Sie führen? Dann sollten Sie wissen, wie Sie Menschen begeistern und wie Sie einen hohen emotionalen Bezug zum Thema herstellen. Die Schwierigkeit mit der Begeisterung liegt allerdings darin, dass viele Menschen die Dressur in Schule und Studium gewohnt sind. Das kennen Sie sicher aus eigener Erfahrung. Sie lassen sich nur schwer begeistern, weil sie während ihrer schulischen Ausbildung nur selten für eine Sache gebrannt haben.

Als Führungskraft müssen Sie die Werte, Ziele, Wünsche und Pläne ihre Mitarbeiter wissen. Reden Sie miteinander, sonst erfahren Sie nichts. Monologisieren Sie nicht und hören Sie zu. Das bringt Ihnen, Ihrem Unternehmen und Ihrem Mitarbeiter eine Menge. Wenn Sie dauernd selber reden kommt kein kommunikativer Gegenverkehr zustande. Stellen Sie Fragen, ermuntern sie ihre Mitarbeiter, aus sich heraus zu kommen und lassen Sie sich erzählen was Ihre Mitarbeiter antreibt. Wenn nur Sie reden wird Ihr Gegenüber in seiner Annahme bestätigt, dass hier eine Quasselstrippe sitzt, die zwar etwas von ihm will, aber nicht wirklich an ihm als Mensch interessiert ist.

Menschen wollen miteinander verbunden sein. Sie brauchen Vertrauen, Ehrlichkeit und die direkte Ansprache. Ich bin sicher, dass wir als Führungskräfte in viele kommunikative Fettnäpfchen treten werden, egal wie gut wir uns konditionieren. Wir sind eben wie wir sind, was uns aber nicht daran hindert zu erkennen, dass wir uns ein Stück weit auf unsere Mitarbeiter hin bewegen müssen, um sie erfolgreich führen zu können.

Effektive Kommunikation in der Führung

Sie können Ihre Mitarbeiter auf zwei Arten sehen:

a.) Sie gehen Ihnen auf die Nerven, weil sie sich dauernd mit ihnen auseinander setzen müssen, weil sie nicht tun was Sie von Ihnen erwarten und weil sie ständig Gespräche einfordern

b.) Sie wertschätzen sie, weil sie Ihnen helfen, Ihre Ideen umzusetzen, Ihre Werte zu multiplizieren und sich und Ihr Unternehmen erfolgreicher zu machen

Henry Ford hat sich einmal beschwert, dass er mit jedem Paar Hände automatisch ein Gehirn mitgeliefert bekommt. In den Frühzeiten des Fließbandes war eigenständiges Denken nicht gefragt. Heute, in unserer offenen Dienstleistungsgesellschaft, ist das anders. Mitarbeiter wollen Verantwortung tragen, sie wollen sich um die Wünsche, Sorgen und Nöte von Kunden, Patienten, Gästen kümmern. Sie mögen es auch sehr gerne, wenn sie in einem Unternehmen eine offene Kommunikation herrscht und wenn sie Entwicklungsmöglichkeiten haben.

Viele qualifizierte junge Menschen können zusätzlich mit der herkömmlichen Gesprächspolitik und dem teils drögen Tagesablauf in Unternehmen nichts anfangen. Starre Strukturen, wenig fachliche und persönliche Anerkennung, fehlende Anreize für Eigeninitiative, zu wenig Innovation, Kreativität und Bewegungsfreiheit und damit zu wenig persönliche Entwicklungsmöglichkeiten sorgen sehr schnell für die emotionale, und in der Folge davon, oft auch für die endgültige Trennung vom Unternehmen.

Führungskräfte sind auf die neuen Herausforderungen oft nicht vorbereitet. Sie praktizieren Old-School Führungsmechanismen, die sie selber durchlebt haben. Den meisten Führungskräften ist aber bewusst, dass sie ihren Führungsstil ändern müssen, um hoch qualifizierte Menschen dauerhaft an ihr Unternehmen binden zu können. Diese Erkenntnis ist der erste Schritt hin zur zukunftsfähigen Führungskraft.

Für Peter Gress ist der Kern zukunftsfähiger Führung eine offene Kommunikation mit Gegenverkehr, oder im Business-Sprech, mehr bottom-up statt ausschließlich top-down. Durch die Einbindung individueller Behandlung der unterschiedlichen Lerntypen steigt die Effektivität der Mitarbeiter, die Mitarbeiterbindung wird besser und die Bereitschaft, alles für den Kundennutzen zu tun ist jederzeit gegeben.

Ein kommunikativer Führungsstil ist nicht allein seligmachend, aber ein guter Ansatz es zu versuchen.

Soziale Kompetenz ist der Schlüssel für den Erfolg

Christine Merz / Betina Gotzen-Beek

Ich höre die Rufe von Ausbildern und Unternehmern landauf, landab: Die jungen Menschen von heute haben keinen Benimm mehr. Sie wissen nichts über das Verhalten gegenüber Kunden, und es wird nicht besser mit den Kids, höchstens noch schlechter! Als wären wir, die wir heute die perfekte Etikette von unseren jungen Mitarbeitern verlangen, schon fehlerfrei auf die Welt gekommen. Nun ja, in der Rückbetrachtung glorifiziert man vieles.

In einem Keilschrifttext aus Ur, Chaldäa heißt es um 2000 vor Christus: “Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.“ Dieser Spruch ist 2000 Jahre alt, könnte aber genauso gut von heute stammen.

Und gleich noch ein Beispiel: Sokrates, ein griechischer Philosoph, der von 470-399 v. Chr. lebte, monierte, dass “ die Jugend von heute den Luxus liebe, schlechte Manieren habe und die Autorität verachte. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

In die gleiche Kerbe haut Aristoteles, ebenfalls ein griechische Philosoph, der von 384-322 v. Chr. lebte: “Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“

Und so geht das weiter. Ob der Prophet Micha im Alten Testament über den Sohn spricht der den Vater verachtet, oder die Tochter die sich gegen die Mutter stellt oder die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter; erkennen wir die Kerbe, in die alle schlagen, bzw. geschlagen haben? Plutarch, Horaz, Gregor von Tours oder Vincent von Beauvais sind ebenfalls der Meinung, dass die Jugend leicht dem Bösen zuneige und den Zügel der Zucht nötig habe. In diese Reihe fällt auch noch der Mönch Peter, der moniert, dass die Welt schlimme Zeiten durchmache, dass die jungen Leute von heute an nichts anderes denken als an sich selbst, dass sie keine Ehrfurcht vor ihren Eltern oder dem Alter haben, dass sie ungeduldig und unbeherrscht sind. Später sieht man die Jugend sogar als Krankheitszustand an und Melanchthon verlieh Mitte des 16. Jahrhunderts der Meinung Ausdruck, der grenzenlose Mutwille der Jugend sei ein Anzeichen dafür, dass der Weltuntergang nahe bevor stünde.

Nun denn, was unternehmen wir dagegen? Hacken wir die Kerbe noch en bisschen breiter und tiefer und lamentieren weiter darüber? Oder zegen wir den Jugendlichen in unseren Unternehmen in einfachen und leicht nachvollziehbaren Sequenzen wie Verhalten gegenüber unseren Kunden, Patienten, Klienten, Gästen geht? Uns zwar so wie wir uns das vorstellen. Dazu müssen sich die Vorgesetzten Gedanken machen, ihre Wünsche definieren und sich selbst vorbildlich verhalten.

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