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Tisch mit Strategieblättern

Was ist Strategie?

Das ist eine gute Frage! Zur Definition: Planung ist Analyse, Strategie ist Synthese. Strategie ist das Zusammenspiel der Ergebnisse aller Informationen. Strategie basiert auf Kenntnis von Fakten. Aus der Strategie erwachsen Ziele und Pläne, mit denen UnternehmerInnen und Unternehmen ihren Roten Faden finden. Konzentration, Konsequenz und Disziplin sind die Grundlagen einer erfolgreichen Strategie.

Anlagestrategie

Bei der Geldanlage ist die erste Frage: Welche Strategie haben Sie?

  • Buy-and-hold?
  • Antizyklisch?
  • Prozyklisch?
  • Wachstum?
  • Index?

Denn: Ohne das Ziel ist auch der Weg egal. Das gilt generell für jeden Lebensbereich. Welche Strategie haben Sie hinter Ihrem Geschäft?

Wohin geht die Reise und was wollen Sie erreichen? Mein Vater sagte Mitte der Siebziger Jahre zu mir: “Wenn Du gut bist brauchst Du keine Werbung, dann kommen die Kunden von alleine.” In digitaler Zeit heißt das: “Wenn Du nicht positioniert bist, bist Du nicht sichtbar, und damit nicht vorhanden.”

Unternehmensentwicklung

Strategie heißt im Grund nichts anderes, als darüber nachzudenken, wohin ich mich und mein Unternehmen entwickeln möchte. Das setzt voraus, dass ich ein Ziel, eine Vision, aber mindestens eine Ahnung davon habe, wie ich mich und mein Geschäft führen will.

Wie will ich es gegen den Wettbewerb abgrenzen? Für was ich stehe und, vor allem, wogegen ich stehen will. Strategie braucht ein persönliches Ziel. Wer kein Ziel hat, braucht auch keine Strategie.

Klare Ausrichtung

Je klarer die Ausrichtung und Spezialisierung eines Unternehmens ist, desto mehr Sicherheit hat der Kunde. Er will optimale Leistung, egal in welchem Lebensbereich. Nicht umsonst gibt es Spezialisten wir Augenärzte, Urologen, Frauenärzte. Oder Scheidungsanwälte, Wirtschaftsanwälte, Anwälte für Verkehrsrecht und Baurecht.

Oder Menschen, die ihre Dienste als Experten für Lagerorganisation, Feng Shui Raumgestaltung und als Malertekten im Premiumbereich anbieten. Das sind strategische Ausrichtungen. Diese Unternehmer machen sich Gedanken darüber, wie sie aus der Vergleichbarkeit kommen.

Analyse

Strategie bedingt ein klares Ziel, konsequentes Vorgehen und Flexibilität. Wo stehe ich? Was kann ich? Was will ich? Und die wichtigste Frage überhaupt: Warum will ich das? Was treibt mich? Was entzündet meine Leidenschaft und was fasziniert mich dabei?

Hierbei hilft die SWOT-Analyse und die Zielgruppen-Morphologie. Wenn ich mich in ein Taxi setze und gefragt werde wo ich hin will, sage ich das. Ich will nicht irgendwo raus, weil ich und meine Leistung im Irgendwo mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht gebraucht werde.

Ganzheitlicher Ansatz

Strategie bezieht sich auch auf den Marktauftritt. Mein Fuhrpark ist in den Firmenfarben lackiert, meine Geschäftsidendität reicht vom Logo über das Firmenschild zum Geschäftspapier und über die Social Media Kanäle wieder zurück zur Webseite.

Mein Werkzeug ist hochwertig, gepflegt, mein Arbeitsplatz sauber, mein Dienstwagen aufgeräumt und mein Serviceverhalten gegenüber den Kunden absolut einwandfrei. Höflichkeit, Freundlichkeit und Kundenzuwendung gehören zur Strategie. Genauso wie die Schulung, die ich meinen Mitarbeitern zukommen lasse, damit sie umsetzen können, was ich als strategisches Ziel festgelegt habe.

Externe Strategie

Ursprünglich wurde Strategie als die Kunst der Heerführung verstanden. “Die Kunst des Krieges” des chinesischen Heerführers Sunzi war lange Jahre der Dauerbrenner in den Managementetagen. Militärischer Drill und Great-Man-Ship sind mittlerweile großteils partnerschaftlicher Führung gewichen.

Der strategische Gedanke aber wird immer überleben. Strategie bedeutet in erster Linie, über die Lage informiert zu sein. Über die Entwicklung des Marktes, über den Stand der lokalen und regionalen Wirtschaft, über die Entwicklung der Kaufkraft der Stadt, über den Abfluss von Kaufkraft ins Umfeld.

Fakten finden

Halten Sie enge Beziehungen zu den Schulen in der Stadt, zu örtlichen Wirtschaftsverbänden, zur IHK, zur HWK, zur Presse, zu anderen Geschäftsleuten aller Sparten, zur lokalen und regionalen Politik, zur Kultur. Besuchen Sie Meetings der Wirtschaftsentwicklung, des Stadtmarketing, der Einkaufsgemeinschaften.

Kurz gesagt: Interessieren Sie sich für das, was um Sie herum und in der Stadt oder im Ort oder im Umfeld vor sich geht. Halten Sie die Nase in den Wind und erfühlen Sie auf der Basis Ihres ständigen Informationsflusses, wie sich die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik entwickeln. Und, ja, greifen Sie ein, wenn Ihnen etwas nicht gefällt. Sie müssen nicht überall dabei sein, aber eben dort, wo es für Ihre Strategie wichtig ist.

Interne Strategie

Intern sollten Sie ganz klar festgelegt haben, was im Unternehmen angeboten wird. Ich persönlich bin ein Gegner eines ausufernden Sortiments oder Dienstleistungsangebots. Ich liebe die Konzentration auf wenige Dienstleistungen und Produkte. Warum? Ich komme spitzer und schneller in den Markt, bin zielgerichteter in der Ausbildung, effektiver in der Weiterbildung, kann gezielter werben und ich muss meine Energie nicht teilen.

Spitz in den Markt
Einspickel im Eis

Spitz in den Markt

Spitz in den Markt und Spezialisierung bedeutet nicht, im Laufe der Zeit keine passenden Produkte ins Portfolio zu nehmen und das Angebot auszudehnen. Die Frage ist immer: Welches Produkt und welche Dienstleistungen verdienen Geld, und welche leisten Sie sich?

Wie viele Produkte liegen im Lager und im Verkaufsregal, die von den Schnelldrehern finanziert werden müssen? Welche Dienstleistungen haben Sie im Portfolio, die Sie selber oder die Mitarbeiter gerne machen, mit denen Sie aber kein Geld verdienen?

Hier habe ich für Sie noch ein Video zum Thema, das ich im Oktober 2019, also vor Corona, aufgenommen habe. Es ist trotz der Pandemie, des Lockdowns und aller zur Zeit herrschenden Probleme von der Sache her gesehen aktuell, wenn nicht sogar noch aktueller als vor der Krise.

Vorschau(öffnet in neuem Tab)

Konzepte statt Produkte

Ich kaufe niemals Produkte. Ich kaufe immer Konzepte und die Unterstützung durch die Lieferanten. Schauen Sie sich mal Fabian Maiers Konzept “Addicted to Balayage” an. Das ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man sich mit Konsequenz und Zielstrebigkeit ein gutes Standing in einem knallvollen Markt schafft.

Warum soll ich selber Konzepte entwickeln, wenn jemand anders das schon erledigt hat? Dann nehme ich das Angebot gerne an. Wenn ich ein Franchise oder die Vermarktung eines Konzepts plane, sieht es selbstverständlich anders aus.

Dann muss ich mir konsequenterweise andere Fragen stellen. Habe ich die zeitlichen und finanziellen Ressourcen für eine solches neues Geschäftsfeld? Wenn ja, welche strategischen Schwerpunkte setze ich, und was kann ich von dem, was ich bisher gemacht habe, nicht mehr tun? Alles geht nicht. Sie müssen sich entscheiden, sonst verzettelst Sie sich.

Fazit

Es kommt immer auf Konzentration, Konsequenz und Disziplin an. Die schwierigste unternehmerische Aufgabe ist es, bei der Sache zu bleiben und den Roten Faden nicht zu verlieren.

Strategisches Denken bedeutet andererseits aber auch, aktuelle Entwicklungen aufzunehmen, sie aufmerksam zu beobachten, bei Bedarf schnell zu entscheiden und das Unternehmen neu auszurichten.

Das definiere ich als die wichtigste unternehmerische Aufgabe.

Corona Dauer-Welle

Nicht, dass wir uns falsch verstehen, bei der Corona Dauer-Welle geht nicht um die Friseur-Dienstleistung. Es geht vielmehr um die permanente Anwesenheit des Corona-Virus. Das geht nicht weg, nur weil viele von uns sich so verhalten, als wäre es gar nicht mehr da.

Der Lockdown und die Kosten

Friseure haben nun drei Monate wieder geöffnet. Im Mai war der Umsatz bei uns super, im Juni wie im Vorjahr und im Juli zehn Prozent schlechter als 2019. Der während des Lockdowns entstandene Schaden bei Gress Friseure beträgt summa summarum rund 100.000 Euro. Das Geld fehlt entweder bei der Rücklage oder es muss finanziert werden. Diese Entscheidung ist abhängig vom weiteren Verlauf der Pandemie. Und, das brauche ich keinem Unternehmer erzählen, das ist ein Eiertanz par excellence. Vorrangig bleibt das wichtigste Ziel derzeit die Sicherung der Liquidität.

Ich glaube zwar nicht an einen bundesweiten Lockdown, im lokalen oder regionalen Bereich kann es aber durchaus dazu kommen. Ein uns bekannter Gastronom hatte erst Ende Juli einen Coronafall in seiner Belegschaft. Er musste zumachen bis klar war, ob andere Mitarbeiter infiziert waren. Das war zwar nur eine knappe Woche, aber auch eine knappe Woche kostet Geld und Vertrauen.

Mitarbeiter nach Urlaub freiwillig zum Test

Deshalb haben wir uns entschieden, dass wir allen Mitarbeitern die aus dem Urlaub zurück kommen, einen Test bezahlen. Den kann man in Stuttgart im Medical Center auf dem Flughafen machen lassen und bekommt innerhalb 1-3 Stunden das Ergebnis. Diese 170 Euro pro Test sind eine gute Investition, wenn sie dabei helfen, dass der Betrieb offen bleibt.

Wir bezahlen den Test für jeden Mitarbeiter, egal, ob sie im In-oder Ausland waren. Wer in Länder mit Reisewarnung (bitte täglich auf Vollständigkeit prüfen) fährt muss bei der Rückkehr eh in Quarantäne. Gemessen an dem Schaden der entstehen würde, wenn wir unser Geschäft schließen müssten, fallen die Beträge für die Tests kaum ins Gewicht. Das ist der wirtschaftliche Aspekt. Über den Imageschaden eines Lockdowns, sei er auch nur zeitlich kurz bemessen, möchte ich gar nicht nachdenken.

COVID-19 bleibt

Eine Zeit nach Corona wird es nicht geben. Es wird eine Zeit mit Corona sein. Wie die aussieht und was das für uns bedeutet, ist davon abhängig, ob und wann es entweder einen Impfstoff zur Prävention oder ein Medikament zur Heilung gibt. Eine Testreihe mit 30.000 Probanden ist angelaufen, wir dürfen alle gespannt sein, wie sie verläuft.

Corona-Überblick

In den letzten 20 Jahren hatten wir weltweite Pandemien mit SARS, Vogelgrippe, Schweinegrippe, diversen Grippewellen und nun eben mit COVID-19. Zicka, Dengue, Cholera, Pest waren lokal ausgebrochen, aber weit genug von uns entfernt, um uns keine Angst zu machen. Jetzt haben wir COVID-19 am Hals und damit gleich eine richtige Packung Probleme abbekommen.

Realität akzeptieren

In Depression und Angst zu versinken ist genausowenig eine Option wie das Leugnen des Virus. Die Menschen haben schon immer mit Krankheiten gelebt. Die haben sie nicht abgehalten, auch Spaß zu haben. Ich finde es extrem befremdlich, dass viele Menschen jemanden brauchen, den sie für ihre persönliche Einschränkung verantwortlich machen können. Corona ist nicht schön, aber wir könnten es viel schlechter haben.

Friseure stellen sich ein

Das Schönheitsgeschäft wird sich verändern. Schönheit brauchen die Menschen zwar immer, aber so uneingeschränkt individuell und hedonistsich wie vor Corona wird die persönliche Präsentation auf absehbare Zeit unmöglich sein. Ich kann das auch von mir selber sagen: Warum soll ich mir neue Klamotten kaufen wenn ich sie nirgends präsentieren kann? Dadurch wird auch die Lust auf neue Haare geschmälert. Der finanzielle Faktor spielt dabei natürlich auch noch hinein. Fast 7 Millionen Kurzarbeiter und eine steigende Anzahl von Arbeitslosen sprechen eine deutliche Sprache.

In den kommenden Monaten wird es darum gehen, den Kunden verstärkt ein noch besseres Willkommensgefühl in unseren Geschäften zu verschaffen. Wir sehen gegenseitig unsere Gesichter nicht, wir können Kunden nicht mit Handschlag begrüßen, wir dürfen ihnen den Mantel oder die Jacke nicht abnehmen. All die eingeübten Rituale bei der Begrüßung und der Verabschiedung werden durch neue Rituale ersetzt. Es sind nicht die, die wir gelernt haben. Was soll’s!? Dann wird es eben andere geben, das sehe ich nicht als großes Problem an. Aber wir müssen diese Rituale gezielt entwickeln.

Nicht-Performer werden entlarvt

Durch das tragen der Masken werden die Nicht-Performer entlarvt. Falsches Lachen lenkt nicht von den Augen ab. Die Ausstrahlung des Dienstleisters wird gefühlt, und aufgesetztes Gehabe wird entlarvt. Wahre Menschlichkeit wird auch mit der Maske transportiert. Ich bin durch die Maske auf Menschen aufmerksam im meinem Umfeld geworden, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte. Mit den Masken menschelt es, die Körpersprache wird plötzlich zum ausschlaggebenden Impuls. Das ist eine der positiven Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen in COVID-19 Zeiten.

Ausbildung trotz Corona

Wir haben trotz Unsicherheit zwei neue Auszubildende eingestellt. Eine Unterbrechung der Ausbildungsaktivität kommt auf keinen Fall infrage. Und wenn, dann nur, wenn gar kein Geld mehr da ist. Und danach sieht es derzeit Gottseidank nicht aus. Nachwuchs auszubilden ist grade in der Pandemie das Gebot der Stunde. Wo sonst sollen gute Fachkräfte herkommen? Die Vorsorge ist wichtig, denn neue Mitarbeiter sind nie da wenn man sie dringend braucht. Außer, man zieht sie selber durch Ausbildung.

Steigende Fallzahlen – wen wundert’s?

Je mehr wir das Virus als reale Gefahr akzeptieren, desto selbstverständlicher fügen wir die Masken in unsere täglichen Rituale ein. Steigende Fallzahlen erschrecken uns, keine Frage. Aber wen wundert’s? Es ist ja klar, dass die Zahlen dort steigen, wo Menschen geballt zusammenkommen. Ob Schwarzwald, Allgäu, Barcelona oder Gardasee – von überall her werden Menschen dasVirus mitbringen. Sollen wir deshalb nicht in Urlaub fahren, wird mir des öfteren entgegengehalten? Doch, schon, das können wir machen, aber dann dürfen wir uns halt nicht wundern, wenn die Infektionen steigen. Freizügigkeit wird vom Virus sofort bestraft.

Konsequente Führung

10 Richtlinien für pragmatische Führung

Wohin des Wegs? Was ist gute Führung? Frage zehn Führungskräfte und bekomme elf Meinungen. Darin steckt ein wahrer Kern. Deshalb habe ich für mich diese 10 Richtlinien für pragmatische Führung entwickelt. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht.

Motorradunfall

Die wichtigste Erkenntnis meines Unternehmerlebens hat mich im Krankenhaus getroffen. Im Jahr 2011 hatte ich einen Motroradunfall. Wirbelbrüche, Schulterblatt durch, die linke Körperhälfte grün und blau. Ich liege in meinem Bett, die Tür geht auf und meine Frau kommt mit einigen Mitarbeitern ins Zimmer. Ein großes Hallo, wie geht’s? Geht so! Langweilig? Ja. Schmerzen? Ja, aber geht schon. Sagt eine Mitarbeiterin:”Ich hätte ja nie gedacht, dass ich an einem Sonntag meinen Chef im Krankenhaus besuche.” Das hat mich sehr berührt und nachdenklich gemacht.

Krisenmodus im Betrieb

Nach knapp drei Wochen Krankenhausaufenthalt war ich drei nutzlose Wochen in stationärer Reha. Sechs Wochen waren rum und ich konnte immer noch nicht richtig gehen. Nach rund vier Monaten war ich das erste mal wieder im Geschäft. Meinen linken Arm konnte ich kaum heben, trotzdem habe ich mich täglich durch ein paar Haarschnitte gequält.

Am Jahresende die Überraschung: Kaum Umsatzverlust, fast derselbe Gewinn. Das Team intakt, alle auf der Spur. Mein erster Gedanke: Super! Der zweite: Die brauchen mich ja gar nicht! Von jetzt auf nachher habe ich meine Berechtigung als wichtiger Umsatzträger verloren. Nach einigen Tagen war mir klar, das wollte ich zukünftig beibehalten. So würde ich mehr Zeit bekommen, das Unternehmen weiter zu entwickeln.

Notbetrieb vs. Planung

Der Betrieb ist damals nur deshalb gut weiter gelaufen, weil es eine emotionale Ausnahmesituation für alle war. Jeder hat gemacht was er konnte und ein bisschen etwas darüber hinaus. Um das dauerhaft funktional ohne Überforderung der Mitarbeiter zu machen, bedurfte es mehr strategischer Ausrichtung und gezielterer Führung. Den Anfang hatte ich intuitiv schon vor dem Unfall gemacht, nun galt es, Führung bewusst zu lernen.

Meine Learnings

Führung ist keine Raketentechnik, sondern Kommunikation, Wertschätzung und Konsequenz. Führung kann man lernen, sofern man das will. Von meinem Business-Mentor habe ich gelernt, dass nichts schlimmer ist, als nicht zu kommunizieren, keine klare Linie zu haben und nicht oder zu spät zu entscheiden.

Mitarbeiter sind ein knappes Gut. Die Guten haben gute Jobs und wechseln nicht mehr nur wegen des Geldes. Sie wechseln wegen der Möglichkeit, sich selbst in einem guten Team zu verwirklichen. Sie suchen ihr persönliches WARUM.

Richtlinie 1: Viele kurze wertschätzende Gespräche machen langwierige Problemgespräche überflüssig

Meine Lösung sind die so genannten Tür-und-Angel-Gespräche. Sie können schnell, direkt, unkompliziert und spontan abgehalten werden.Oft reichen einige Minuten. Beispielsweise während ich darauf warte, dass die Kaffeetasse voll läuft. Viele dieser kleinen Gespräche ersetzen tatsächlich oft große Problemgespräche, sofern sie regelmäßig geführt werden.

Richtlinie 2: Bestrafe niemanden für Fehler! Sorge aber dafür, dass derselbe Fehler zukünftig vermieden wird

Niemand ist fehlerfrei. Auch Chefs nicht. Auch wenn sie oft meinen, sie seien es. Ganz falscher Ansatz! Fehler müssen passieren. Die Frage ist tatsächlich, wie wir als Führungskräfte mit Fehlern umgehen. Welche Fehlerkultur pflegen wir? Das Problem ist nicht ein Fehler, sondern immer wieder derselbe Fehler. Dafür kann aber der Mitarbeiter nichts. Hier ist der Chef gefordert.

Richtlinie 3: Programmiere Mitarbeiter nicht auf “arbeiten”, sondern auf “Ergebnisse erzielen”

Mitarbeiter sollen nicht nur arbeiten. Stur die Aufgaben abarbeiten tut dem Kopf nicht gut. Sie sollen mitdenken. Mitarbeiter müssen die wirtschaftlichen und strategischen Hintergründe für die Unternehmerentscheidungen kennen. Mitarbeiter sollen verstehen, was sie tun.

Richtlinie 4: Mitarbeiter sind nicht dazu da, sie sich zu leisten

Viele Chefs stellen Mitarbeiter ein und machen trotzdem die meiste Arbeit selber. Das ist nicht unternehmerisch gehandelt. Jeder Mitarbeiter kann etwas besonders gut und sollte das auch ins Team einbringen. Dazu gehört der Mut, die Mitarbeiter auch eigenverantwortlich laufen zu lassen. Etwas weniger ICH im WIR.

Richtlinie 5: Schaffe Voraussetzungen zur Höchstleistung

Die wichtigste Aufgabe eines Chefs ist die Schaffung eines Hochleistungs-Arbeitsumfelds. Dann können sich Mitarbeiter entfalten. Jeder Mensch sucht nach dem Sinn in seiner Arbeit. Wer seinen Mitarbeitern diesen Sinn vermittelt hat eine stärkere Mitarbeiterbindung. Und das wiederum bedeutet gleichmäßigeren Umsatz und konstanten Gewinn.

Richtlinie 6: Mitarbeiter müssen wissen, dass Umsätze im Verhältnis zu Kostenkennzahlen stehen

Mitarbeiter sollten die Kostenstruktur des Unternehmens kennen. Ohne dieses Wissen sind Umsatzziele unverständlich. Mitarbeitern müssen die BWA schon einmal gesehen haben und einen groben Überblick über die Kalkulation des Unternehmens kennen. Mit dieser Kenntnis kommt der Sinn hinter die persönliche Leistung eines jeden Mitarbeiters.

Richtlinie 7: Fachkräfte von morgen in Umgebungen von gestern mit Führungsstilen von vorgestern zu gewinnen ist unmöglich

Alle reden von New Work, Agilität und neuer Führung. Braucht man das im Handwerk? Auf jeden Fall! Grade im Handwerk sind kreative junge Menschen gefragt, die Sinn in ihrer Arbeit suchen. Patriarchalische Strukturen? Nein, danke!. Sie wollen ihre eigene Individualität ausleben. Darauf müssen sich Chefs einstellen, wenn sie Nachwuchs für ihre Betriebe aufbauen wollen.

Richtlinie 8: Der Chef ist kein Problemlöser, der Mitarbeiter muss die Lösung selber finden

Stehen auf Ihrem Schreibtisch die Problem-Rucksäcke der Mitarbeiter? Diese Problemen müssen gelöst werden. Aber nicht vom Chef. Hochleistungsmitarbeiter haben automatisch eine Selbstverpflichtung zur Lösung ihrer Probleme. Unterstützung vom Chef? Ja, gerne. Problem-Dienstleistung? Nein, danke.

Richtlinie 9: Der Kundennutzen steht immer im Mittelpunkt

Egal in welchem Beruf Sie unterwegs sind, das Geld kommt immer von den Kunden. Deshalb muss deren Nutzen auch im Mittelpunkt stehen. Das ist die wichtigste Message für die Mitarbeiter. Und Sie müssen das jeden Tag auch selber vorleben. Führung anderer ist immer auch Selbstführung.

Richtlinie 10: Treffe schmerzhafte Entscheidungen so schnell wie möglich

Wenn ein Mitarbeiter aus vielfältigen Gründen nicht mehr in das Team passt, müssen Sie schnell handeln. Das ist bitter, weil es die Balance jedes Einzelnen im Team stört. Noch mehr aber stört das bohrende Wissen darum, dass es trotzdem geschehen muss. Schieben Sie es also nicht zu lange vor sich her. Sonst leiden Sie unnötig darunter, ebenso wie das Team.

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