Betriebswirtschaft Archive - Peter Gress

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Rothaarige Frau mit Kleeblatt

Reduktion aufs Wesentliche

Im neuen Business Punk, Ausgabe 5, 2020, habe ich über das Motto des schwedischen Modelabels Asket gelesen: „Fuck fast fashion. Join the pursuit of less.“ Es meint eine Reduktion auf das Wesentliche. Eine einzige Kollektion, die sich auf die wichtigsten Basics und wenige Farben beschränkt und für deren Optimierung die Nutzer nach ihrer Meinung gefragt werden. So wird sinnlose Produktion mit angegliederter Vernichtung eingeschränkt.

Verkehsschild Achtung!
Achtung Aufmerksamkeit!

Einen weitern kreativen und ressourcenschonenden Ansatz von Modevermarktung bietet Mud Jeans. Mud Jeans fußt auf der Idee des Jeans-Leasing. Du bezahlst pro Monat 9,95 Euro und nach zwölf Monaten gehört Dir die Jeans. Oder Du gibst sie zurück und bekommst eine neue. Die gebrauchte wird aufgearbeitet und wieder in den Kreislauf eingespeist. Meine Frage: Können wir Friseure einen solchen Ansatz nutzen?

Angebot reduzieren zugunsten hoher Qualität

Gress Friseure hat seine Leistungen in den vergangenen Jahren auf das für uns Wesentliche reduziert. Wir bieten Haarschnitte, Fönstylings, Calligraphy-Cuts, Balayages, Strähnen und Blond an. Innerhalb der Bereiche reduzieren und spezialisieren wir uns immer weiter. Selektion im positiven Sinn. Reduktion aufs Wesentliche im fachlichen Bereich und voller Service. Dabei muss alles auf sehr hohem Niveau ablaufen.

Wir fragen uns ständig: Was muss sein? Was nicht? Welche Chancen eröffnen sich durch höhere Nachhaltigkeit und Konzentration auf die Kernleistung? Welche Gefahren wirft die Spezialisierung auf? Wie können wir diesen Gefahren begegnen?

Spezialisierung ist segensreich, weil wir nach individueller Anlage schulen können. Das Budget für Weiterbildung wird planbarer und der ROI sicherer. Mitarbeiter haben mehr intrinsische Motivation, wenn sie ihre Stärken ausleben können. Sie sind dann auch inn der Beratung und der fachlichen Umsetzung besser. Und wo kann jemand mehr Bestätigung erfahren als bei dem was er am besten kann?

Nachhaltigkeit

Was ist das Wort Nachhaltigkeit heute noch wert? Mit Pseudo-Nachhaltigkeit lässt sich alles verkaufen. Hauptsache, es ist ein Label drauf: Blauer Engel, glückliche Tiere, unberührte Natur, stromeffiziente Bürogeräte, nachhaltige Forstwirtschaft – die Liste ist lang, und die Idee grundsätzlich gut. Aber welcher Ver-Braucher – in diesem Begriff steckt schon die Crux – hat die Zeit, die Hintergründe zu recherchieren? Das Label ändert nichts, wenn sich das System nicht ändert. Und wieder heißt es: Reduktion aufs Wesentliche.

Unternehmen wollen uns damit glaubhaft versichern, dass sie nicht nur unser Geld wollen, sondern dass wir mit dem Kauf ihrer Produkte das Klima retten. Das bekommt eine viel größere Bedeutung, weil Klimarettung durch Fridays for Future viel Aufmerksamkeit bekommt. Auf diese Zug springen Unternehmen gerne auf.

Vom Verbraucher zum Nutzer

Wir bezeichnen uns als Konsumenten und Ver-Braucher. Beide Begriffe taugen nicht für die Zukunft. Wir werden uns in Be-Nutzern wandeln müssen, ganz im Sinne der Cradle2Cradle Philosopbie. Rohstoffe, die wir der Natur entnehmen, fließen nach der Verwendung wieder in den Nutzungsprozess zurück. Das 100%-ige Recycling wird schon in die Gestaltung des Produkts einbezogen. Diese Prinzip ist das einzige, das uns Menschen nicht überflüssig macht. Intelligente Entnahme, Nutzung und Zurückführung in einen 360 Grad Kreislauf sichert unsere Existenz.

Konsumumstellung

Im ersten Schritt werden wir wohl unseren Konsum umstellen müssen. Nicht die Menge steht im Fokus, sondern die Qualität. Weniger kaufen, dafür länger nutzen. Zu konsumieren, weil es billig ist, ist die wüsteste Variante der Ignoranz. Viele Menschen kaufen mittlerweile nicht mehr, weil sie etwas brauchen, sondern, weil sie stolz darauf sind, etwas so billig wie möglich bekommen zu können. Ob es sich um T-Shirt oder Haarschnitt handelt, ist egal. Der Kick des Günstigen treibt sie in ihrer Konsumspirale vorwärts.

In der Lockdown- und Home Office Zeit hat fast jede(r) die Schränke geräumt und Klamotten entsorgt. Die Sammelorganisationen haben darum gebeten, nichts mehr in die Sammelkästen zu werfen, weil sie mit sortieren und verwerten nicht mehr nachgekommen sind. Tonnen von Kleidung wurden verbrannt, einfach damit sie weg sind. Und viele Verbraucher stellen sich die grundsätzliche Frage: Warum habe ich das Zeug überhaupt gekauft?

Der Wert einer Dienstleistung ist nicht der Preis

Einen Haarschnitt kann ich nicht wegwerfen, der ziert oder verunziert mich. Das kommt einerseits auf den Anspruch des Verbrauchers an, und andererseits auf das fachliche Können des Ausführenden. Wenn Leistung und Anspruch am unteren Ende verortet sind, ist der Preis niedrig. Dass billig nicht gleich preiswert ist, kann eine große Anzahl Menschen scheinbar problemlos ertragen.Wenn der Anspruch dagegen hoch ist, muss die Leistung hervorragend sein, sonst kann ich keinen hohen Preis verlangen.

Wie schaffen wir Friseure Nachhaltigkeit?

Was sagt John Ruskin zum Wert des Preises?

„Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte. Und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

Es ist unklug zu viel zu bezahlen, aber es ist genauso unklug zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Bezahlen Sie dagegen zu wenig, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten … Das funktioniert nicht. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das eingegangene Risiko etwas hinzurechnen. Wenn Sie das aber tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.“

Eure Meinung ist gefragt

Inspiriert vom Mud Jeans will euch fragen, wie ihr zu einer Leasing- oder Flatrate für Neukunden steht? Schreibt mir gerne in die Kommentare oder schickt mir eine Mail.

Nach Corona kommt noch was

Das Ursache-Wirkungs-Prinzip ist in Coronazeiten außer Kraft gesetzt. Natürlich kommt nach Corona noch was, die Frage ist aber: was? Ich will einen persönlichen Ausblick wagen.

Controlling – Wieviel Geld haben wir verloren

Wie geht es weiter?

Man fragt mich derzeit oft: Wieviel Geld hast Du verloren? Konntest Du alle Mitarbeiter behalten? Wie geht es für euch weiter? Meine Antworten sind stereotyp: Wieviel Geld wir verloren haben kann ich erst sagen, wenn wir nach einem Quartal, also am 31.7.2020 den ersten amtlichen Kassensturz machen.

3 Faktoren entscheiden

Ja, wir konnten alle Mitarbeiter behalten. Unser Umsatz lag im Juni 2020 nur sechs Euro unter dem von 2019. Das ist gut. Wie es für uns weitergeht hängt von drei Faktoren ab:

  • Kommt nochmal ein Lockdown?
  • Wie lange dauert die Kurzarbeit?
  • Wie viele Menschen gehen in die Arbeitslosigkeit?

Käme nochmal ein längerer Lockdown, wäre es wahrscheinlich das Aus für unser Unternehmen. Dann würde sich die ultimative Frage stellen, wieviel von dem Geld das wir reinstecken müssten, in welcher Zeit wieder rauszuholen ist.

Corona-Soforthilfe zurückzahlen

Hinzu kommt, dass wir die Corona-Soforthilfe aller Voraussicht nach wieder in voller Höhe an das Land zurück überwiesen müssen. Das würde die Situation noch weiter erschweren.

Der Stand der Dinge

Kommt kein Lockdown lauert die Gefahr für unseren Friseurbetrieb in der Kurzarbeit und der Arbeitslosigkeit. Wer nur noch 67 Prozent seines Einkommens hat spart sich den Friseurbesuch. Wer arbeitslos wird sowieso.

Strategisch sind wir derzeit sehr gut aufgestellt. 74 Öffnungsstunden, zwei neue Azubis eingestellt, eine neue Teilzeitkraft im Stylisten-Level, Umsatz auf Vorjahresniveau, ein funktionierendes Team, effektives Online-Marketing und genügend Ideen in der Pipeline, um draußen Interesse zu wecken.

Mir ist bewusst, es ist eine Momentaufnahme. Morgen, übermorgen, nächste Woche kann alles anders sein. Die Rädchen drehen sich nicht mehr sauber ineinander, es gibt keine verlässliche Daten, auf deren Basis ich in die Zukunft planen könnte. Es ist in normalen Zeiten schon schwer genug, auf den Daten der Vergangenheit seine Zukunft zu planen.

Störung in Sicht

Störungen sind vorprogrammiert

Niemand weiß zu keiner Zeit, was kommt, egal wie ausgefeilt die Planungs-, Budgetierung- und Produktionsmodelle auch sein mögen. Das fordert meine Anpassungsfähigkeit heraus. Wurde mir je versprochen, dass unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft auf alle Zeiten reibungslos funktionieren? Ohne Störungen? Ich habe mich hinreissen lassen und geglaubt, dass es so wäre.

So kann man sich täuschen! Corona hat uns einen bösen Strich durch die Rechnung gemacht. Von einem auf den anderen Tag hat nichts mehr Bestand. Wir schwimmen im Trüben und Unsicherheit ist unser ständiger Begleiter. Das wird uns auch in Zukunft prägen. Dieses Gefühl wird uns nicht mehr loslassen. Ich bin gespannt, wie die nachfolgende Unternehmergeneration damit umgeht.

Agilität

Agilität ist eine Haltung. Sie wird für uns überlebenswichtig werden, denn jeden Tag kann heute eine unvorhergesehene Wendung den Plan von gestern über den Haufen werfen. Wir haben schon vor Corona gespürt, dass etwas anders wird. Die junge Generation konnte sich mit den Werten der Alten nicht mehr arrangieren, und vieles von dem was uns Älteren lieb und teuer war, hat die Jungen überhaupt nicht interessiert.

Vor Corona waren wir stark damit beschäftigt, den Regelbetrieb so störungsfrei wie möglich zu halten. Wir wollten ja Ziele erreichen, Ziele, die wir auf die Säulen der Vergangenheit gestellt haben. Von denen wir meinten, sie würden uns zum Erfolg führen, was oft gut funktioniert hat. Bis Corona kam.

Ende und Anfang

Die Digitalisierung hat Branchen durcheinander gewirbelt. Grenzenloses Wachstum wurde als Fake entlarvt. Globalisierung wurde aufs Rad geflochten und brutal zerpflückt. Wir konnten schon vor dem Virus in Ansätzen ahnen, dass Wandel in der Luft liegt.

Dass der Wandel durch Corona kam werden die Esoteriker als Strafe Gottes deuten, und auf eine krude Art haben sie im tiefsten Kern auch Recht. Nur dass es keine höhere Macht war, die für die Mutation des Virus gesorgt hat, sondern der Mensch. Der sich ja gottgleich sieht. Rückschlüsse sind erlaubt.

Checkliste Gewichtung

Lösungsansatz

So! Was resultiert nun daraus für unseren Betrieb? Wir werden den Fokus noch stärker auf die betriebswirtschaftliche Seite richten. Alle Preise, alle Kosten, alle Investitionen kommen auf den Prüfstand. Die Kostenüberwachung wird in den kommenden Monaten rigoroser sein und die zukunftsgerichteten Investitionen müssen gewichtet und teilweise verschoben werden.

Ausgenommen ist die Ausbildung. Trotz aller Kostenüberwachung dürfen wir bei der Ausbildung nicht sparen. Gut ausgebildete Fachkräfte sind unsere Überlebensgarantie für die Zukunft. Dafür gibt es keine Alternative.

Strategische Ausrichtung

Die strategische Ausrichtung spielt eine größere Rolle. Wir werden uns noch stärker spezialisieren und die Dienstleistungen ausdünnen. Alles, was kein Geld oder nicht genügend Geld bringt, wird ersatzlos gestrichen. Jedes Unternehmen hat solche Leistungen, die man entweder lieb gewonnen oder in der Planung vernachlässigt hat. Weg damit.

Es ist wie der Befreiungsschlag im Kleiderschrank. Weniger Ballast mitschleppen, effektiver schulen können, gezielter investieren und damit mehr Nutzen für die Kunden schaffen – das sind die langfristigen Ziele auf die es bei uns zukünftig ankommt. Ich bin nicht an kurzfristigen Angeboten, Rabatten, Aktionen interessiert. Das ist kurzfristig angelegtes Zuckerwatte-Marketing. Davon werden wir nicht satt. Ständig mit etwas neuem aufwarten zu müssen schadet der Langfristigkeit!

Roter Faden

Unser Roter Faden 2020 wird zum Roten Faden Dauerhaft. Der Fokus muss gnadenlos auf den Kundennutzen getrimmt werden. Alles, was nicht der Verbesserung der Kundenbeziehung und dem Kundennutzen dient darf gar nicht erst in meinen Fokus gelangen. Pro Kunde muss die Devise sein!

Hoher Kundennutzen

Ich glaube daran, dass wir mit radikaler Kundenzuwendung langfristig das beste Geschäft machen.

Warum wir für Beratung Geld verlangen

Heute geht es um die Frage, warum Handwerker ihre Beratung bezahlt bekommen müssen. Wir leben nicht vom reden, sondern von der handwerklichen Dienstleistung, die wir verkaufen. Beratung gehört selbstverständlich zu jeder Dienstleistung. Nicht selbstverständlich ist allerdings, dass wir unsere Zeit verschenken. Leider haben Kunden – und Kunden sind wir ja selbst auch – dafür nicht viel Verständnis, denn die allgemeine Erwartungshaltung ist es, umfassende Information zum Nulltarif zu erhalten. Was früher beim Autokauf die kostenlose Fußmatte war, ist heute der selbstverständliche Verbrauch von Handwerker- und Dienstleisterzeit.

Zeit ist unser wertvollster Rohstoff. Ich überziehe meine Aussage dahingehend, dass es im Grunde genommen egal ist, was wir in der uns zur Verfügung stehenden Zeit verkaufen. Hauptsache ist es, dass wir die investierte Zeit an der Kasse oder auf dem Konto realisiert bekommen. Wie das Wort schon sagt: wir investieren Zeit und bekommen einen Gegenwert dafür.

Ein interessantes wissenschaftlicher Buch über die Betrachtung der Zeit.

Das telefonische Termingespräch

Ich beschreibe mal ein ganz normales Terminbuchungsgespräch im Friseursalon am Telefon. Eine Kundin ruft an und bittet um einen Termin für eine Haarfarbe. Der Begriff „Haarfarbe“ beinhaltet einen hohen Unsicherheitsfaktor. Wir fragen also nach, ob es sich um ein Glossing, eine Haarfarbe oder eine Tönung, um Strähnen oder eine Aufhellung, bzw. Blondierung handelt. Für ein Glossing buchen wir 30 Minuten, für eine Haarfarbe oder Tönung 60 Minuten, für Strähnen 120 Minuten und für eine Aufhellung und Blondieren sind locker mal drei bis vier Stunden drin, oft sogar noch mehr, je nach Ausgangslage und Zustand der Haare. Diese Unterschiede müssen wir klären, weil wir sonst weder die richtige Zeit hinterlegen, noch das entsprechende Entgelt erhalten.

Haarfarbe ist Sammelbegriff

Für unsere Kunden ist Haarfarbe ein Sammelbegriff. Sie verstehen darunter alle möglichen Farbdienstleistungen. Es ist verständlich, dass sie nicht wissen, dass jeder Farbdienstleistung ein Zeitraster hinterlegt ist. Deshalb müssen wir mit ihr schon am Telefon ein klärendes Gespräch darüber führen. Der Zeitbedarf von Glossings, Haarfarben, Tönungen und Strähnen lässt sich zeitlich recht gut kalkulieren. Wir kennen die Dauer des chemischen Prozesses und die Schnelligkeit unserer Mitarbeiter, dementsprechend kalkulieren wir den Termin zeitlich. Wenn wir für einen Kundin einen Strähnentermin buchen und die Kundin bekommt anstatt dessen eine Tönung, hat die Friseurin einen Terminausfall von 60 Minuten. Da lohnt sich die exakte Nachfrage.

Meist lässt sich so ein ausgefallener Termin dann auf die Schnelle nicht mehr verkaufen. Anders herum sieht das Problem so aus, dass vielleicht eine Tönung mit einer Stunde gebucht wurde, aber die Kundin gerne Strähnen hätte. Für eine qualitativ hochwertige Dienstleistung reicht dann die Zeit nicht. Entweder werden die Strähnen in qualitativ minderer Qualität durchgeführt oder es bleiben zwei Termine frei, nämlich die 120 Minuten für Strähnen, weil die Kunden keine Tönung will und die Friseurin keine Zeit für Strähnen hat. Ein neuer Termin wird vereinbart und 120 Minuten Arbeitszeit sind damit perdü.

Blondierung

Bei einer Aufhellung oder Blondierung wird es noch schwieriger. Hier hängt die Zeitdauer von mehreren schwer kalkulierbaren Fakten ab. Wie dunkel sind die Haare gefärbt? Wie lang sind die Haare? In welchen Gesundheitszustand sind die Haare? Waren sie schon einmal aufgehellt und wurde dunkle Farbe drüber gefärbt? Welche Art Haarfarbe war drauf? Reagiert die Haut auf das Farbprodukt? Alles das wissen wir nicht wenn wir den Termin am Telefon buchen.

Verantwortung

Es gibt Haarfarben, die lassen sich nur schwer bis gar nicht heller färben. Das liegt nicht am Können der Haarfärber, sondern an den Bestandteilen der Haarfarbe. Und es gibt Häute, die auf bestimmte Stoffe allergisch reagieren. Stellen Sie sich einmal vor, Sie beginnen eine Blondierung ohne einen Hauttest. Nach einer Stunde Einwirkest stellen Sie fest, dass die Haut juckt und sich rötet. Was passiert dann? Das Farbprodukt muss natürlich abgewaschen werden. Derweil sind die Haare noch lange nicht auf dem Helligkeitslevel, das die Kundin gerne haben möchte. Reklamation! Im schlimmsten Fall Anwalt und Entschädigung. Der Friseur hat seine Zeit investiert, die Kundin ist extrem unzufrieden und der Salon wird sie definitiv als Kundin verlieren. Und warum? Weil wir uns nicht getraut oder es einfach nicht für notwendig erachtet haben, einen bezahlten Beratungstermin zu vereinbaren, an dem wir eine Teststrähne, einen Hauttest und ein umfassendes Beratungsgespräch durchführen.

Beratungstermin

Ein Beratungstermin dauert 30 Minuten und kostet 30 Euro. Wir sichern uns damit ja nicht nur selber ab, sondern haben den optimalen Nutzen für die Kundin im Fokus. Wir müssen uns doch sicher sein, dass wir das besprochene Ergebnis auch erreichen können. Wenn ihr Architekt sagt, dass eine bestimmte Bauweise aus statischen Gründen nicht möglich ist, wird er das Haus als verantwortliche Fachkraft so nicht bauen. Wenn wir die Aufgabe nicht kennen, können wir sie nicht kalkulieren. Es ist auch für die Kundin besser, 30 Euro zu investieren und zu erfahren, dass die Haare den Färbeprozess eventuell nicht gesund überstehen, als das erst während der Arbeit festzustellen. Das bringt beiden Seiten nichts außer Ärger und Frustration.

Bei uns im Betrieb ist das klar geregelt. Wenn die Kundin diese Beratung nicht buchen will, können wir die Dienstleistung nicht durchführen, ihr also keinen Termin geben. Wir lassen sie ziehen. Besser sie kommt nicht, als dass wir eine unbefriedigendes Ergebnis abliefern. Eine Fachkraft investiert ihr wertvolles Wissen und ihre wertvolle Zeit, die sie als Selbstständige selber oder ich als Unternehmer bezahlen muss. Wenn die Kosten der geleisteten Zeit nicht verrechnet werden, stimmt meine Kalkulation nicht mehr. Ich verbrauche mehr Zeit, als ich durch den Verkauf der Dienstleistung einnehmen kann.

Win-Win Situation

Wie gesagt, als Handwerker haben wir nur die Zeit, die wir verkaufen können. Am Ende steht im besten Fall ein qualitativ hervorragendes Ergebnis, das der Kundin gefallen und uns einen Gewinn einbringen muss. Dann haben wir eine Win-Win Situation, mit der beide Seiten zufrieden sind. Diesem Ziel musss ich alles andere unterordnen.

In vielen Fällen sagen mir Kolleginnen und Kollegen, die Beratungszeit sei in die Dienstleistungspreise einkalkuliert. Sehe ich mir aber die durchschnittlichen Haarfärbepreise in Deutschland an, ist da gar nichts einkalkuliert. Die durchschnittlichen Farbpreise selbst werfen so gut wie keinen Gewinn ab, wie also soll sich die Beratungszeit finanzieren?

Zeit ist ein wertvolles Gut, denn sie ist endlich. Ich muss mir also sehr genau überlegen, wie ich mit diesem wertvollen Rohstoff umgehe. Es gibt Menschen, die den Wert von Zeit nicht schätzen und nichts dafür bezahlen wollen. Das ist das Problem der Kundin, nicht meines! Als kreativer Handwerker habe ich zwei klare Ziele:

  • 1. Kunden einen hohen Nutzen zu bieten durch eine qualitativ exzellente Dienstleistung
  • 2. anständige Löhne für meine Mitarbeiter und für mich als Unternehmer zu erwirtschaften

Aus einer anständigen Entlohnung resultiert auch die Motivation, einen super Job zu machen.

Wert der Beratung

Beratung hat in den Köpfen der Verbraucher keinen großen Wert. Kostenlose Beratung wird voraus gesetzt, egal wie lange das Gespräch dauert. Wenn ein Haarschnitt 180 Euro kostet und die Strähnen 350 Euro, dann brauche ich mir keine großen Gedanken um die Kosten der Beratung machen. Diese Preise können wir aber nicht verlangen, deshalb müssen wir mit unserer Zeit haushalten. Wie gesagt, sie ist das wertvollste, was wir zu verkaufen haben, also kann ich sie nicht verschenken.

Beratungsdiebstahl

Vor kurzem sagte mir ein Geschäftspartner aus einem anderen Wirtschaftsbereich, dass viele Kunden in den Läden Beratungsdiebstahl begehen. Sie stehlen dem Händler die Zeit und kaufen mit seinen Profi-Information im Internet. Darauf sind Kunden zu Recht stolz, weil sie mit der Angst der Geschäftsleute spielen, sie könnten einen Kunden verlieren, den sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal als Kunden hatten. Alleine aus dieser Angst verlangen sie für Beratungsleistung kein Gel

Zeit aufmerksam beobachten

Warum Kennzahlen wichtig sind

Kennzahlen sind eine Seite der Medaille, wenn auch eine wichtige. Vergessen Sie aber bitte bei aller Zahlenkontrolle nicht, dass Ihre Mitarbeiter  nur dann produktiv arbeiten können, wenn Sie ihnen dauerhaft Wertschätzung zollen. Ich unterscheide hier zwischen dem materiellen und dem immateriellen Bereich des Unternehmens, die beide ausgewogen sein müssen, damit das Unternehmen dauerhaft erfolgreich sein kann.

Wann sind meine Mitarbeiter rentabel? Wie bestimme ich das Limit meines Wareneinsatzes? Wie hoch darf der eigentlich sein? Warum macht es Sinn, Verkauf und Kabinettware zu trennen? Und warum ist die Bestimmung des Verkaufs in Prozent nicht aussagekräftig? Es gibt viele Themen die ich mit Ihnen im Seminar diskutieren möchte.

Vielleicht haben Sie schon einmal einen meiner Texte gelesen. Wenn das so ist kennen Sie eventuell meinen Standpunkt zur einzig wirklich wichtigen kritischen Zahl im Friseurgewerbe, der Zeit! Die Zeit ist unsere Achillesferse, sie ist das einzige Produkt das wir verkaufen. Nicht Haarschnitt, Haarfarbe, Strähnen, Balayage und Treatments sind wichtig, sondern die Zeit. Ich weiß, das geht gegen die Friseurehre, aber Sie werden erkennen, dass die Zeit der einzig ausschlaggebende Faktor unseres täglichen Tuns ist.

In einer normalen Friseurkalkulation spielt zwar auch der Wareneinsatz eine große Rolle. Wenn Sie für eine Haarfarbe 50 Euro nehmen sollten Sie darauf schauen, dass Ihr verarbeiteter Rohstoff  durchschnittlich acht Prozent nicht übersteigt. Nehmen Sie für dieselbe Haarfarbe 150 Euro brauchen Sie sich über den Wareneinsatz keine Gedanken zu machen. Aber zurück zur kritischen Zahl Zeit.

Sie bezahlen ihre Mitarbeiter bei einer 38 Stunden Woche und fünftägiger Arbeitszeit pro Tag für 7,6 Stunden Anwesenheitszeit. Wie viele Termine sind davon gebucht? Und zu welchem Durchschnittspreis? Und wie viel Zeit brauchen Ihre Mitarbeitern für einen Haarschnitt, eine Haarfarbe oder eine Balayage? Die investierte Zeit muss in der Kasse ankommen, darauf kommt es betriebswirtschaftlich gesehen an. Wenn Sie wissen, was ihre Arbeitsminute kostet, können Sie ihre Dienstleistungen exakt timen und kalkulieren, deshalb ist die Minutenkalkulation eine wichtige Voraussetzung für einen auskömmlichen Gewinn.

Sie haben nur die begrenzte Zeit des Tages, in der Sie und ihre Mitarbeiter im Salon arbeiten. Wenn Sie in dieser Zeit nicht genügend Umsatz erwirtschaften, bekommen Sie auf die Dauer ein Problem mit Ihrem Gewinn. Aus nachvollziehbaren Gründen können Sie Ihre Arbeitszeit nicht vervielfältigen und mehr Arbeit würde demnach auch nicht mehr Umsatz und Gewinn bringen, weil Sie durch die Mehrarbeit nur den Verlust aus den vorher geleisteten Stunden ausgleichen. Sie sehen, der Fokus auf die Zeit macht sehr viel Sinn.

Behalten Sie also die „kritische Zahl“ Zeit im Auge und denken Sie nicht mehr nur in Dienstleistungen.

Fische im Teich rangeln um Futter

„Wenn es besser werden soll, muss ich etwas ändern.“

Mein Seminar „Raus aus der Vergleichbarkeit“ zeigt Ihnen, wo Sie Potential für einen höheren Kundennutzen finden und wie Sie Ihre Wertschöpfung steigern.


In einem vollen Markt wie dem Friseurmarkt müssen zukünftig zwangsläufig Salons auf der Strecke bleiben, weil es einfach zu viele davon gibt. Noch läuft es in Deutschland wirtschaftlich rund, und die Kunden geben reichlich Geld aus. Das ändert sich jetzt jedoch langsam, denn vier Quartale in Folge ging die Wirtschaftsleistung in Deutschland zurück. Die Zeichen stehen auf Abkühlung, deshalb werden die Verbraucher vorsichtiger und geben zukünftig weniger Geld aus. Darauf müssen sich nicht nur Friseure, sondern alle Handwerker einstellen. Längere Besuchszeiten, Abwanderung in Billig-Filialen und Privatleistungen werden zunehmen, bedeutet weniger Umsatz für die Salons, das werden viele nicht überleben. Deshalb ist jetzt die Zeit zur Neuaufstellung. Dabei helfe ich Ihnen.

Wo stehen Sie? Welche Probleme haben Sie derzeit? Welche speziellen Dienstleistungen bieten Sie an? Was macht Sie am Markt einzigartig? Sind Sie ein attraktiver Arbeitgeber? Diese und weitere Fragen klären wir im Seminar. Sie sind Teil einer kleinen Seminargruppe und stehen im direkten und intensiven Austausch mit den anderen Teilnehmern und mir. Nutzen Sie den Vorteil des neuen Formats „Raus aus der Vergleichbarkeit“ und den Austausch für eine neue gedankliche Ausrichtung.

Ladenkasse Kassennachschau

Schreckgespenst Kassen-Nachschau

 

Anmeldung zum Seminar „Friseurbetriebe erfolgreich entwickeln mit Kennzahlen“

Heute habe ich das Thema Kassen-Nachschau für Sie im Fokus. Wir Friseure betreiben einen bargeldintensiven Beruf, deshalb müssen wir uns mit dem Thema tiefgreifend auseinandersetzen. Halten Sie zu den individuellen Details bitte Rücksprache mit Ihrem Steuerberater. Es ist wichtig, dass Sie den Prüfern bei einer eventuellen Kassen-Nachschau so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten, damit Ihr Geschäft keinen Schaden davon trägt.

Mein Video zur Kassen-Nachschau

Unangemeldete Kassenkontrollen

Zusätzlich zur Betriebsprüfung und Umsatzsteuernachschau wird eine Berechtigung der Finanzbehörden zur unangemeldeten Kassen-Nachschau eingeführt. Damit sind unangemeldete Kassenkontrollen in- und außerhalb von Betriebsprüfungen jederzeit möglich. Ich zitiere Rechtsanwalt Ingo Scheide: „Die Prüfer dürfen dafür ohne vorherige Ankündigung und außerhalb einer Außenprüfung, währen der üblichen Geschäfts- und Arbeitszeiten Geschäftsgrundstücke oder Geschäftsräume von Steuerpflichtigen betreten, um Sachverhalte festzustellen, die für die Besteuerung erheblich sind. Dabei darf insbesondere der ordnungsgemäße Einsatz und die Zertifizierung des eingesetzten Kassensystems geprüft werden. Bei Gefahr im Verzug dürfen sogar Wohnräume betreten werden.
Die Kassen-Nachschau ist bereits ab 1.1.2018 zulässig.“

Bargeld zieht Prüfer an

Die Kassennachschau ist also ein Instrument der Finanzbehörden, bargeldintensive Berufe stärker zu kontrollieren. Wir Friseure gehören dazu. Die Prüfer der Finanzbehörden dürfen, wie oben schon gesagt, unangekündigt bei Ihnen im Salon erscheinen und Ihre Kassenführung prüfen. Ab dem Zeitpunkt, ab dem sich die Prüfer offenbart haben dürfen sie an Ihre Kasse, und dabei spielt es keine Rolle, ob Sie eine offene oder eine computergesteuerte Ladenkasse haben. Laut den bisherigen Erfahrungen verlangen die Prüfer einen sofortigen Kassensturz und prüfen die bis dahin aufgelaufenen Buchungen. Hier dürfen die Prüfer keine Fehler finden, sonst kann Ihre Kassenführung angezweifelt und eine Schätzung angesetzt werden. Die Kassennachschau kann nicht delegiert und auch nicht verschoben werden. Der Hinweis „Keine Zeit!“ zieht nicht, sie müssen den Prüfern Zugang gewähren, auch wenn Ihnen das gar nicht in den Kram passt.

Zugang zu den Unterlagen

Sie müssen dem Prüfer Zugang zu allen für die Kassenführung relevanten Unterlagen, Büchern, Daten, Handbüchern gewähren. Elektronische Kassendaten sind für die Prüfer von höchstem Interesse, weil elektronische Register- und PC-Kassen alle Kassiervorgänge speichern. Hier können sie Fehler entdecken und im schlechtesten Fall Ihre Kassenführung anzweifeln und somit Umsatz zuschätzen. Legen Sie deshalb den größten Wert auf eine exakte Kassenführung. Vermeiden Sie Wortwahlen wie „ich schätze mal…“, „Weiss nicht so genau…“, „Kann ich so nicht genau sagen…“, „Darüber bin ich grade nicht informiert…“, sondern kümmern Sie sich im Vorfeld darum, das sie detaillierte und exakte Auskünfte geben können. Wenn Sie intensiv mit einem Kennzahlensystem arbeiten können Sie diese Informationen jederzeit zur Verfügung stellen. Für das Kennzahlen-Seminar am 29.4.2018 sind noch drei Plätze frei. Den Link habe ich Ihnen im Textfeld gesetzt.

Dokumentation

Noch einmal zitiere ich Rechtsanwalt Ingo Scheide: „Bei der Verwendung von elektronischen Kassensystemen jeder Art, egal ob PC-Kassen, Tablets oder elektronische Registrierkassen, ist die Aufbewahrung der Bedienungsanleitung und die Dokumentation der Programmierung unabdingbar, um bei einer Betriebsprüfung eine Verwerfung der Kassenführung und erhebliche Hinzuschätzungen zu vermeiden. Unternehmer, die für die Vergangenheit keine solche Dokumentation vorliegen haben, sollten schnellstens handeln, um zumindest für die Zukunft gerüstet zu sein. Hat das Finanzamt Fehler in der Kassenführung gefunden, können Umsatzschätzungen nur noch mit erheblichem Aufwand bzw. bei groben Fehlern in den Schätzmethoden verhindert werden.“

Umsatzschätzung über den Wareneinsatz

Noch einmal zitiere ich RA Ingo Scheide: „Der Kalkulationsmethode Umsatzschätzung über den Wareneinsatz erteilten die Richter eine deutliche Absage. Nach ständiger Rechtsprechung müssen die bei einer Schätzung gewonnenen Ergebnisse schlüssig, wirtschaftlich vernünftig und möglich sein.“ Mein Tipp: Dokumentieren Sie vorsichtshalber trotzdem ab sofort die Entnahme von Haarfarbe und Entwickler für ihren persönlichen, privaten Verbrauch, für Modell-oder Mitarbeiterfärbungen in einer separaten Liste.

Texte zur Kassen-Nachschau von Rechtsanwalt Ingo Scheide:

Kassen im Visier

Schon wieder verschärfte Regeln für Registrierkassen 

Kassen vor Gericht

Kassennachschau ab 2018

Planung

Abrechenbare Stunden im Friseursalon

Podcast zum Thema

Video zum Thema

Abrechenbare Stunden sind die kritische Zahl unseres Unternehmens, denn wir leben von der Zeit, die wir an der Kasse abrechnen können. Deshalb stelle ich zur Diskussion, ob wir zukünftig keine Dienstleistungen mehr abrechnen, sondern nur noch Zeiteinheiten.

Die Angebote von Friseuren unterscheiden sich nur geringfügig. Einzig die Preise sind individuell, und die hängen natürlich von den individuellen Kosten ab. Ein vorausschauender und verantwortungsbewusster Unternehmer, der seinen Mitarbeitern den Mindestlohn oder darüber bezahlt kann keine niedrigen Preise haben. Die Öffentlichkeit wird ja immer wieder gerne mal mit einer minimalst verdienenden Vorzeigemitarbeiterin aus dem Friseurhandwerk geschockt, deshalb setze ich nach all der Berichterstattung voraus, dass die daraufhin regelmäßig empört schnappatmende Öffentlichkeit höhere Preise beim Friseur als gesellschaftlich korrekt einordnet. In einer Talkrunde im ZDF wurde auch der Ober-Rote Oskar Lafontaine nach seiner Rechnung beim Friseur befragt. Er gab sechzehn Euro an was mir nicht gerade als tragfähige Basis für einen sozialkassenverträglichen Besserverdienst erschien.

Ein Friseur schneidet Haare, er färbt sie, glättet, lockt und pflegt sie. So heißen auch die Dienstleistungen auf der Preisliste folgerichtig Haarschnitt, Pflege, Ansatzfarbe, Strähnen und so weiter. Was aber, wenn wir gar keine Dienstleistungen mehr angeben, sondern nur noch die Zeit verkaufen? Weil es eigentlich ganz und gar egal ist welche Dienstleistung wir in einer Stunde zelebrieren, weil wir eben den Zeitwert realisiert müssen. Intern müssen die Dienstleistungen in einem Handbuch beschrieben und der Wareneinsatz zugeordnet werden, damit jeder Mitarbeiter genau weiß, welchen Inhalt jede Dienstleistung hat und welchen Nutzen das für den Kunden hat. Aber nach außen muss das nicht notwendigerweise dargestellt werden. Unsere Angebote in Pakete zu binden macht in diesem Zusammenhang sehr viel mehr Sinn.

Beim Friseur sind die Dienstleistungsbezeichnungen ausschlaggebend für die Bewertung und Bezahlung, bei anderen Handwerksberufen wie Maler, Elektriker, Installateur oder Autowerkstatt zählt das Ergebnis: Die Wand leuchtet, das Licht geht an, das Wasser läuft ab und das Auto schnurrt wieder. Der Friseur dagegen macht seine Preisgestaltung für direkt vergleichbare Dienstleistungen die oft noch nicht einmal vernünftig kalkuliert sind. Wir werden nicht dafür bezahlt, dass das Haar glänzt, duftet, schwingt und fließt, bei uns geht es immer um den günstigsten Preis. Auf der Preisliste sollte konsequnterweise nur stehen: „Jede Stunde unserer Leistung kostet 60, 70 oder 80 Euro, die wir mit qualitativ hochwertigen Dienstleistungen füllen“. Oder so ähnlich…

Bei Gress Friseure Die Haarexperten sind wir bereits dazu übergegangen, unsere großen Farbdienstleistungen mit einem Stundensatz von 89 Euro zu bepreisen. Ausschlaggebend ist die ausgebuchte Zeit im Terminkalender und nicht die Dienstleistung, die in dieser Zeit erarbeitet wird. Ich höre immer wieder die Frage: „Was, wenn ich früher fertig bin als kalkuliert? Muss ich dann die gesparte Zeit zuürckzahlen?“ Warum fragt mich niemand: „Was passiert, wenn ich länger brauche? Muss ich das zusätzlich verrechnen?“ Im ersten Fall Nein, im weiten Ja. Fakt ist: Die geplante Zeit muss bezahlt werden, das ist die Zielsetzung. Im Grunde genommen hängt aber alles an der Ausbildung der Mitarbeiter. Sie müssen technisch versiert und schnell sein. Schneckentempo können wir nicht zulassen, weil das die Kunden in diesem Fall nicht akzeptieren. Technisches und zeitorientiertes Training muss die Zeitkalkulation unterstützen. Eine möglichst genaue Trefferquote beim Verkauf unserer Zeit ist das Ziel. Die interne Ausbildung mit ständigem Training mit begleitenden Prüfungen unterstützen das Ziel. Die Entschuldigung: “Sie ist zwar langsam, aber dafür sorgfältig“ kann ich nur so lange gelten lassen, bis das Training abgeschlossen ist und die Arbeit an Kunden beginnt. Ab dann ist die zeitliche Trefferquote Pflicht.

Der Fokus in der Ausbildung muss auf Qualität und Geschwindigkeit liegen, nur dann können wir unsere Zeit effektiv verkaufen. Wenn bei unseren Kunden der Eindruck entsteht, wir verzögen die Zeit, damit wir den Umsatz rechtfertigen ist das kontraproduktiv. Es ist deshalb nicht ratsam, das Zeitsystem einzusetzn, ohne die entsprechende Vorbereitung zu leisten. Bei immer größerem Wettbewerbsdruck werden sich viele Friseure preislich immer und immer weiter unterbieten. Wer da einsteigt ohne die kritische Größe zu haben hat von vorn herein verloren. Wir müssen Geld verdienen und unsere Mitarbeiter Geld verdienen lassen, um für Azubis und Fachkräfte überhaupt interessant zu sein. Die Wettbewerbsfähigkeit entscheidet sich an der Kasse in der Summe der abgerechneten Stunden. Die Qualität der Arbeit, die Kundenbindung und die Wertschätzung der Mitarbeiter durch gute Führung und individuelle Förderung sind die Grundlagen für Wachstum, sie entscheiden über den wirtschaftlichen Erfolg eines Friseurunternehmens.

Das Fazit des heutigen Podcasts: Erstens brauchen wir eine bessere interne Ausbildung, weil wir nicht darauf warte können, dass das jemand für uns übernimmt. Denn das wird nicht geschehen. Zweitens müssen unsere Preise höher werden, kombiniert mit besserer fachlicher Leistung. Drittens müssen unternehmerisches Denken und die Kontrolle der Kennzahlen dafür sorgen, dass immer genügend Geld für Investitionen in Salon und Schulung vorhanden ist. Viertens und zu guter Letzt muss jeder Ausbildungsbetrieb die Zielgruppe seiner Azubis exakt definieren und diese strategisch angehen.

Mehr Spaß in der Ausbildung

Mehr Spaß und Erfolg in der Ausbildung

Wie befreie ich den Erfolg vom Zufall? Diese Frage stelle ich mir nicht nur bei Strategie- und Planungsfragen, sondern, seit ich 1986 meinen ersten eigenen Salon gegründet habe, auch zur Ausbildung. Ich habe viel versucht, um optimale Ausbildungsqualität zu erreichen. Die private duale Ausbildung war nahe dran an meiner Vision der idealen Ausbildung. Der Leistung meines Teams und der Teamkonstanz hat’s jedenfalls gut getan. Dass die privat-duale nun exklusiv für La Biosthetique angeboten wird tut mir dagegen nicht so gut. Diejenigen, die diese Unterstützung geniessen und das wertschätzen und nutzen sind begünstigt, auch wenn das offizielle Lager und die Befürworter des Althergebrachten den Nutzen nicht erkennen dürfen oder wollen. Mein persönliches Ziel heißt deshalb: Es muss eine Alternative zur privat-dualen Ausbildung her.

Die Prä-Qualifizierung unserer Azubis übernimmt die Meininghaus Friseurschule. Sechs Monate Input am Stück legen die Basis für das neue interne Ausbildungskonzept. Für den Erfolg der internen Ausbildung brauchen wir ein System, ein Konzept aus der Praxis. Für mich ist klar, dass maischön aka Birgit Nöckl aus Bregenz den internen Ablauf der Ausbildung extrem gut aufgestellt hat. Weil es in Österreich keine Sonderwege und Ausnahmen in der Schulpflicht gibt, ist das Ausbildungssystem zwangsläufig schulbegleitend, kann aber für deutsche Verhältnisse auf die individuellen Bedürfnisse des Ausbildungsbetriebes angepasst werden. Das Wichtigste dabei ist, dass Wissen und Können an den Prüfungen abrufbar sind. Das ist gewährleistet.

Wenn Sie schon einige Jahre ausbilden haben Sie, wie ich selbst, einige Zentner Konzeptpapier im Regal stehen. Woran scheitert die Umsetzung vieler guter Konzepte? Natürlich an der Umsetzung, an der Unterstützung bei der Implementierung und an der fehlenden Konsequenz bei der Einhaltung. Ein Konzept für sich genommen bringt nichts, wenn die Strukturen zur Umsetzung nicht vorbereitet und tief stehend organisiert sind.

Birgit Nöckls Ausbildungssystem ist auf den Prinzipien einer gemeinschaftsschulischen Pädagogik aufgebaut. Das ist stark. Die Azubis bestimmen ihre Lerngeschwindigkeit und ihre Lernschwerpunkte weitgehend selber. Das Vorankommen im Salon ist an Aufgaben und Prüfungen geknüpft die den Azubis die notwendige Sicherheit im Alltagsbetrieb geben. Die Betreuung über die digitale Konferenzplattform zoom gibt meiner Ausbilderin viel Sicherheit bei der individuellen Anpassung und Umsetzung der Lehrpläne und Unterlagen.

Wenn Sie die Umsetzung des Nöckl-Konzepts und die Einführung bei Gress Friseure Die Haarexperten informativ begleiten wollen, schicken Sie mir bitte eine PN oder eine Mail. Sprechen Sie mit meiner Ausbilderin Sara Rogulja, sie kann Ihnen alle Fragen zur Umsetzung beantworten. Bei Fragen zur Strategie, zur Finanzierung und zur Berechnung der Effektivität des Systems wenden Sie sich gerne per PN oder Mail an mich.

Stempel Einkommensteuer klein

Planung der Einkommensteuer

 

Hallo und guten Tag, herzlich willkommen zum zum neuen Blog-Artikel aus der Reihe „Friseurbetriebe erfolgreich führen mit Kennzahlen“. Heute geht es um die Planung Ihrer Einkommensteuerzahlung.

Umsatz minus Kosten ist gleich Gewinn. So weit, so gut. Wenn Sie meine Podcasts hören und schon auf meinem Seminar waren wissen Sie, dass wir in unserem Unternehmen einen Vorsteuergewinn von zehn Prozent anpeilen. Der Vorsteuergewinn wird so definiert: Das Geld das nach Abzug aller Kosten, also auch inklusive der Privatentnahme des Unternehmers, bleibt, um Steuern, Zinsen und Abschreibungen zu bezahlen. Steuern mögen wir nicht. Niemand mag sie, aber jeder will die höchstmögliche Effizienz seines Staates geniessen, und weil diese Effizienz nun finanziert werden will müssen wir eben Steuern bezahlen. Auch wenn wir mit der Verpflichtung an sich und mit der Verwendung danach nicht immer einverstanden sind. Da wir diese Situation aber nicht ändern können, müssen wir sehen, wie wir unsere Steuerzahlungen so organisieren, damit wir mit dem Finanzamt keinen Ärger bekommen.

Gewinn muss versteuert werden

Wer Gewinn macht muss Steuern bezahlen. Punkt. Gespräche ums Steuer sparen? Bitte nicht. Wer den besten Steuervermeidungstipp hat mag der Held am Stammtisch sein. Aber lassen Sie sich gesagt sein: Es erwischt jeden. Irgendwann. Wir haben ein besseres Leben wenn wir intelligent mit der Steuersituation umgehen. Schwarzgeld zu machen, um Steuern zu sparen, ist größtmöglicher, weil geschäftsschädigender Blödsinn. Je vernetzter wir werden, desto durchsichtiger werden wir. Die „Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen (GDPdU)“ regeln bei einer Betriebsprüfung den Zugriff auf Daten, die in unseren Systemen gespeichert sind. Der Prüfer darf unsere Daten lesen, kann bei Bedarf auf Auswertungen zugreifen und er kann die Aushändigung der Daten auf einem Datenträger verlangen. Unser bester Schutz als Steuerzahler deshalb: Je mehr wir über die finanzrechtliche Seite wissen, desto vorausschauender können wir reagieren. Mein Tipp: Planen Sie Ihre Steuerzahlungen vorausschauend, dann leben Sie ruhiger.

Planung der Einkommensteuer

Wie plant man Steuerzahlungen? Es gibt sieben Einkunftsarten für die Ermittlung von Einkommen. Ich konzentriere mich in diesem Podcast nur auf die Einkünfte für Selbstständige aus Gewerbebetrieb, und ich berücksichtige weder Einkommen aus Vermietung oder Geldanlage.

Wenn Sie Ihren Betrieb schon einige Jahre führen, legt das Finanzamt für das kommende Jahr den Gewinn des Vorjahres als Berechnungsgrundlage für die Vorauszahlungen fest. Bei Neugründern ist das anders, sie müssen nicht voraus zahlen, weil es noch keine Berechnungsgrundlage gibt. Neugründern empfehle ich, auf jeden Fall monatlich eine feste Summe auf einem Rücklagenkonto zu parken, damit Sie bei der Nachberechnungen der Steuer und den sich daraus ergebenden Vorauszahlungen nicht in finanzielle Schwierigkeiten kommen. Wenn Sie zu der Sorte Unternehmer gehören, die diesen, ich gebe es zu, unerfreulichen Gedanken weit von sich schieben, dann muss ich Ihnen sagen: Es gibt keine Gnade für Sie. Im schlimmsten Fall sind Sie insolvent, wenn Sie Ihre Steuerschuld nicht begleichen können. Ein zweiter, sehr unangenehmer Fakt ist der, dass Ihnen Ihre Hausbank ganz gewiss keinen Kredit für eine Steuernachzahlung gewährt. Unternehmerische Nachlässigkeit wird nicht unterstützt. Wenn das Kind schon im Brunnen liegt hilft jammern nicht, voraus planen aber schon.

Vorauszahlungen

Gehen wir also davon aus, Sie haben Ihren Betrieb schon einige Jahre. Das Finanzamt legt die Vorauszahlungen für das kommende Jahr fest, fordert aber noch eine hohe Nachzahlung. Dann hat Ihr Steuerberater geschlafen. Sie sollten ihn wechseln. Nachzahlungen lassen sich verhindern, wenn Ihr Steuerberater die Quartals-Vorauszahlungen jeweils auf die Richtigkeit der voraus zu bezahlenden Summe prüft. Kurze Erklärung: Ihre Einkommensteuer ist immer zum 15. März, 15. Juni, 15. September und 15. Dezember fällig. Durch einen kurzen Blick auf die Gewinnentwicklung sieht Ihr Steuerberater, ob Sie pro Quartal zu wenig oder zu viel vorausbezahlen. In beiden Fällen kann er die Vorauszahlung anpassen lassen. So haben Sie immer eine angeglichene Vorauszahlung und damit die Sicherheit, keine oder nur eine sehr geringe Nachzahlung leisten zu müssen. Sie kommen um die Zahlung der Einkommensteuer sowieso nicht herum, egal wie lange Sie die Begleichung mit Hilfe Ihres Beraters in die Zukunft zu schieben versuchen. Irgendwann wird die Steuer fällig und Sie werden das notwendige Geld dann nicht haben, denn hätten Sie es zum regulären Fälligkeitsdatum gehabt, hätten Sie ja nicht schieben müssen. Mit der Steuerplanung beweisen Sie unternehmerischen Weitblick und der wird bei der Bank und beim Finanzamt gerne gesehen.

Sorgenfreie Betriebsprüfung

Vor zwei Jahren hatten wir eine große Betriebsprüfung. Es ist schon ein angenehmes Gefühl wenn der Prüfer spontan und ohne Vorankündigung willkürlich drei Tagesberichte aus dem Prüfungszeitraum ausgedruckt haben möchte, und ich genau weiß, dass er nichts finden wird, weil alles sauber abgerechnet und verbucht ist. Das Ergebnis der Prüfung ergab eine Nachzahlung in Höhe von 1500 Euro auf die geprüften drei Jahre. Muss ich mich darüber aufregen? Nein, ich freue ich, dass wir vorausschauend geplant und exakt gebucht haben. Lassen Sie sich von neunmalklugen Lautsprechern mit dubiosen Steuerspartipps nicht verunsichern und planen Sie lieber gut, dann haben Sie mehr vom unternehmerischen Leben.

Andere Steuerarten

Die anderen Steuerarten wie Lohnsteuer, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer behandle ich in separaten Podcasts. Zur Gewerbesteuer die wichtigste Information vorab: Die Gewerbesteuer wird mit Ihrer Einkommensteuerschuld verrechnet, Sie verlieren dieses Geld also nicht. Der Nachteil dabei ist eben, dass Sie diese Verrechnung halt erst einmal vorfinanzieren müssen. Würde ich aber die Gewerbesteuer nicht bezahlen müssen, wäre die Einkommensteuer um eben diesen Gewerbesteuerbetrag höher. Sparen würde ich also nichts.

Wenn Sie mögen können Sie gerne mein Seminar „Friseurbetriebe erfolgreich führen mit Kennzahlen“ am 17.9.2017 in Esslingen besuchen. Sie erfahren wie ein effektives Kennzahlensystem aussehen kann, und ich stelle die in Kooperation mit unserem Steuerberater Björn Malig entwickelte Friseur-BWA vor. Es geht um die Kalkulation von Farbdienstleistungen und die erhellende Einsicht, dass viele Friseure mit der Haarfarbe kein Geld verdienen. Sie werden nach dem Seminar viele Belange rund um Ihre Zahlen mit anderen Augen sehen. Zahlen zu beherrschen ist keine Raketentechnik, jeder kann das lernen und dabei möchte ich Ihnen helfen.

Anmelden können Sie sich unter www.friseur-kennzahlen.de. Ich freue mich sehr darüber wenn wir uns in Esslingen persönlich kennenlernen. Bis dahin wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer. Bleiben Sie gesund und bleiben Sie erfolgreich.

Ihr Peter Gress