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Peter Gres Podcast Quickies

016 – Lernen lernen

Heute geht es um das Thema Mindest zum lebenslangen Lernen.

Das erste was du braucht ist ein Impuls. Der kann – vielleicht – aus der Schule kommen, wenn Lehrer es verstehen, bei den Kindern die Lust am lernen zu entfachen. Es kann aber auch später zu Initialzündungen kommen. Lasst mich das an meinem persönlichen Beispiel erklären.

Lernen in der Schule

In der Schule gehörte ich zu den vermeintlichen Schulversagern. Dabei hatte ich lediglich eine Abneigung gegen Frontalunterricht und die Art, wie manche Lehrer diesen gestaltet hatten. Es waren noch einige dabei, die die dunkle Zeit in Deutschland mitgemacht hatten und in ihrer Wissensvermittlung entsprechend ausgerichtet waren.

Stärken werden nicht gestärkt

Das erste Jahr meiner Ausbildungszeit hat auch nicht geholfen, im Betrieb und der Berufsschule herrschten ähnliche Zustände und Regeln. Kaum jemand  hat sich um meine Stärken gekümmert, es ging fast ausschließlich darum, was ich nicht konnte. Auf Dauer tötet das die Motivation. Im staatlichen Schulsystem ist das heute leider immer noch so.

Impuls zum lernen

1974, ein Jahr nach der Schulzeit und am Ende meines ersten Ausbildungsjahres erhielt ich einen wichtigen Impuls. Ein schmales Büchlein war es, das für  mich die Wende brachte. Prof. Dr. Frederic Vesters Begleitbuch zur Fernsehsendung „Denken, lernen, vergessen“ war eine Initialzündung.

Hierin habe ich zum ersten Mal gelesen, dass lernen eine individuelle Sache ist. Dass es einen biochemischen Ablauf gibt, der dafür sorgt, dass das Gehirn Wissen speichert. Zum ersten mal habe ich erfahren, dass ich lernen lernen kann.

Seitdem läuft’s. Lernen ist abhängig von der Motivation, dem Thema und auch von  Lerntechnik. Lernen lernen ist der wichtigste Ansatz, den wir unbedingt auch in der Ausbildung unserer Azubis berücksichtigen müssen.

Bildhaftes lernen

Das Gehirn lernt am besten durch Bilder. Wenn ich beispielsweise einen Vortrag vorbereite, male ich mir mit einem Stift die Struktur des Vortrags auf. Dazu bevorzuge ich verschiedene Farben, weil ich die Highlights abheben will.

Manchmal sieht das aus wie eine Mindmap, ein anderes mal sind es nur Bullets, aus deren Anfangsbuchstaben ich ein Wort bilde. Das Bild und / oder das Wort bleiben mir im Gedächtnis.

Mit der Struktur in der Hand stelle ich mich vor den Spiegel und spreche einen zunächst wilden Text. Das ist wie Gold waschen. Viele Kiesel beinhalten einige Goldstücke. Sobald ich diese Punkte und damit einen roten Fadens habe, bringe ich die Stichworte zu Papier und skizziere Quellen drum herum.

Dieser Rohtext ist dann die Basis für meine Keynote. Und die wiederum führt mich zur endgültigen Ordnung der Highlights. Im übertragenen Sinne male ich mir ein Bild, dessen Szenen ich abrufen kann. Und eines habe ich im Laufe vieler Jahre gelernt: Das Gehirn lernt immer über Bilder. Schaffe Bilder und du lernst besser.

Lernen wollen

Lernen setzt Interesse voraus. Wenn mich etwas nicht interessiert kann ich es nicht lernen. Wenn mich aber jemand mit Leidenschaft von einem Thema überzeugen kann, ist die Chance groß, dass ich Interesse entwickle. Motivatorische Impulse sind deshalb wichtig. Aus diesem Grund scheitern auch so viele Kinder in der Schule.

Die Schule steckt noch immer viel zu tief im „Stopfen-Modus“ als in der Wissensvermittlung für das digitalen Zeitalter. Das meiste dessen, was die Schule in die Kinderköpfe stopft vergessen sie wieder, weil vieles keinen Bezug zu ihrer Lebensrealität hat.

Im digitalen Zeitalter ist alles Wissen ständig sowieso imm er und überall verfügbar. Es wäre sinnvoller, Kindern und auch Erwachsenen beizubringen, wo sie welche Informationen finden und wie man die Quellen prüft. Das fachliche Detailwissen holt man sich wann man es braucht.

Neuroplastizität

Je plastischer der Pfad ist, desto besser kann ich ihn memorieren. Die Wissenschaft glaubte lange daran, dass dem Menschen von Geburt an eine begrenzte Anzahl von Gehirnzellen mitgegeben wurde. Heute weiß man, dass sich das Gehirn durch seine Neuroplastizität anpassen kann.

Daraus resultiert: Das Gehirn lernt immer. Es kann nicht anders. Das ist die positive Nachricht. Viele aus dem Berufsleben ausgeschiedene Menschen beginnen im Alter noch erfolgreich zu studieren. Das Gehirn selber wird keinen Menschen daran hindern, Wissen aufzunehmen. Das machen die Menschen selber.

Lernen bringt Veränderung

Für mich ist es eine sehr beruhigende Wahrheit, dass ich ständig neues lernen kann, wenn ich das will. Vielen Menschen macht Veränderung aber Angst. Sie wollen, dass alles so bleibt wie sie es kennen. Jede Änderung ist erst einmal schlecht.

Je schneller die Welt sich dreht, desto größer ist die Angst vor Veränderung. Lernen und daraus resultierende Übersicht und in Erweiterung dann Einsicht kommt bei vielen nicht vor. Wenn alles so bleiben soll wie es ist mache ich mir natürlich auch keine Gedanken darüber, wie etwas sein könnte wenn ich es anders denke.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als die Autoindustrie den Sicherheitsgurt eingeführt hat. Jeder war dagegen, obwohl nachgewiesen war, dass der Gurt Leben rettet. Heute ist er selbstverständlich.

Dasselbe Theater beim Katalysator. Die Zusammenbruch der westlichen Welt wurde bei seiner Einführung befürchtet, und das alles nur wegen diffusen Ängsten. Heute ist es der Elektroantrieb und morgen wieder etwas anderes Neues.

Ein weiteres gutes Beispiel ist auch das Stuttgarter Wahrzeichen – der Fernsehturm. Er wurde am 5.Februar 1956 eröffnet. Viele Stuttgarter beschimpften ihn als Bohnenstange mit Bienenkorb, als Schandmal und als Fremdkörper in der Waldlandschaft und keiner wollte ihn haben. Heute können die Stuttgarter nicht mehr ohne ihn.

Tiefgreifende Änderungen und neue Ideen bergen immer auch Konfliktpotential.

Wissensgesellschaft braucht neue Ansätze

Viele Denker haben ab den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts einen radikalen Wandel innerhalb der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung hin zur Wissensgesellschaft voraus gesagt. Sie haben ihn als mindestens so tiefgreifend beschrieben wie den Wechsel von der Agrar- zur Industriegesellschaft. 

Die alten Geschäftsmodelle des Industriezeitalters funktionieren heute nicht mehr. Henry Ford sagte bei der Einführung seines Fließbands:“ Jedes Mal wenn ich zwei Hände brauche, bekomme ich leider einen Kopf dazu.“ Im Industriezeitalter waren denkende Köpfe  eher hinderlich. Manche Unternehmer und Politiker sehen das heute leider immer noch so.

Wissensarbeiter wollen ihr Leben selbstverwaltet gestalten, sie wollen lernen und sich verwirklichen. Für die meisten top ausgebildeten Jungen ist lebenslanges Lernen selbstverständlich. Der Takt der Veränderung ist in heutiger Zeit sehr schnell geworden.

Schaut euch mal Filme aus den 50er, 60er und 70er Jahren an. Die Schnitte waren lang, man wähnte sich auf einem langsam dahin fließenden Strom. Heute sind Filme wie wilde Bergbäche geschnitten. Auch die Wissensgesellschaft unterliegt einem rasend schnellen Takt.  Wenn dir schwindlig wird, fliegst du raus.

Verweigerung hilft nicht

Verweigerung, schützt dabei nicht, sondern nur Akzeptanz und Anpassung. Das Gehirn kann das, viele Menschen nicht. Aber es liegt eben nicht an der Konstruktion des Gehirns selber, sondern am Wollen der Besitzer. Die Bewahrer sind das eigentliche Hindernis der Wissensgesellschaft. Wir hatten in einem Pub in Südengland ein interessantes Gespräch mit einem Unternehmer und seiner Frau aus Exeter. Im Verlauf des Gesprächs sagte die Frau einen Satz, der bei mir immer noch nachklingt: „Tradition is killing us.“

Das limbische System

Unsere archaischer Code ändert sich nur langsam. Das limbisches System dient der Verarbeitung von Emotionen und steuert das Triebverhalten. Alle lebenssichernden Verhaltensweisen aus der Zeit unserer Aufrichtung sind dort gespeichert. Wir sind keine rationalen Wesen, sondern emotionale.

Wir glauben zwar, dass wir rational entscheiden, aber  bis wir diese rationale Ebene erreichen haben die Emotionen schon entschieden. Das limbische System entscheidet natürlich nicht abgekoppelt von den anderen Gehirnregionen, es ist immer ein Zusammenspiel aller Bereiche.

Je emotionaler und bildlicher jedoch wir einen Lernstoff aufbereiten, desto besser setzt er sich fest. Viele Schauspieler lernen ihren Text in Bewegung, sie schaffen durch Gesten eine emotionale Verbindung zu den Worten. Worte und Bewegung gehen eine Symbiose ein. Das funktioniert bei allen Menschen.

Nehmen wir das Beispiel Stuhl. Niemand denkt an das Wort Stuhl, sondern hat immer ein Bild eines Stuhl vor dem inneren Auge. Der Stuhl sieht für jeden anderes aus, das Bild ist individuell. Mnemotechniken helfen uns Sprachen zu lernen, neue Techniken  oder Verhaltensweisen. Es kommt auf die neuronalen Verknüpfungen an, und je mehr Synapsen getriggert werden, desto mehr Halt bekommt neues Wissen. Im  Grunde genommen geht es also darum, so viele Haltegriffe wie möglich zu schaffen, damit sich neues Wissen dauerhaft festsetzen kann.

Spielerischer Lern-Ansatz

Wir sollten mehr darauf schauen, wie lernen biochemisch funktioniert. Aus diesem Wissen lassen sich alternative Lernkonzept entwickeln. Es wäre ein großer  und wichtiger Schritt, wenn die Lehrer den Kindern beibringen würden, wie lernen generell funktioniert. Der spielerische Ansatz in den Grundschulklassen ist schon ein guter Ansatz, schade, dass dieser Effekt im Lauf der folgenden Jahre sukzessive dem „Wissen stopfen“ geopfert wird.

Jeder Mensch kann unabhängig seines Alters immer weiter lernen. Ich stehe für lebenslanges lernen und ständige persönliche Weiterentwicklung. Diesen Ansatz möchten ich in der Erwachsenenbildung zukünftig verstärkt unterstützen.

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015 – Grenzen ziehen und Nein sagen

Mit einem Gastbeitrag von Jana Ritzen, Conscious Ballet, Braunschweig

Heute geht es um Grenzen ziehen und konsequenteres Nein sagen.
Wer immer ja sagt, hat irgendwann kein eigenes Leben mehr. Er wird von anderen vereinnahmt und dadurch in der Entwicklung gehemmt, die beste Version seiner selbst zu sein.

Wer zu oft ja sagt, schadet dauerhaft seiner Karriere und seinem Leben. Strahlst du dagegen eine gewisse Sperrigkeit aus, wirst du weniger oft als Objekt für die Ziele anderer missbraucht. Der Biologe und Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther fordert, dass sich Menschen vor allem im Beruf auf Augenhöhe begegnen und sich gegenseitig als gleichberechtigte Subjekte anerkennen.

Das bedeutet, dass die Führungskräfte des Unternehmens begreifen müssen, dass Menschen gut behandelt werden müssen  und nicht überfordert werden, damit sie dauerhaft gute Leistung bringen können.


Jeder Mensch hat eine psychische und physische Belastungsgrenze. Wenn die regelmäßig überschritten wird, tut das weder der Seele noch dem Organismus gut. Nein zu sagen markiert eine Grenze, die für unsere Gesundheit wichtig ist.

Wenn du dich ständig anderen unterwirfst, erleidest du jedes Mal einen Angriff auf dein Selbstbewusstsein. Das geht nicht lange gut, weil es Menschen aushöhlt und zu Burnout-Kandidaten macht. Wenn du immer verfügbar ist, muss du dich irgendwann mal fragen lassen, ob du deine Prioritäten kennst? Das ist keine gute Basis für eine erfolgreiche Karriere.


Die eigenen Bedürfnisse zu artikulieren ist keine Kunst. Ein freundliches Nein bringt mehr Anerkennung und Respekt als dauernde, fast grenzenlose Hilfsbereitschaft. Die wird zudem gerne ausgenutzt. Wenn ich dauernd nachgebe ist meine Leistung irgendwann mal nichts mehr wert. Leider erkennen das viele Menschen nicht früh genug.

Sie haben diffuse Ängste vor Disharmonie. Sie stellen sich vor was passieren könnte, wenn sie Nein sagen. Sie laden die Folgen eines Neins emotional so stark negativ auf, dass sie im Moment der Entscheidung keine Kraft zum Nein sagen haben und nachgeben.


Im Job ist die persönliche Abgrenzung meist eine Gratwanderung. Wie gehe ich als Mitarbeiter damit um, wenn mich der Chef wieder und wieder um Überstunden bittet? Oder die Kollegin Arbeit abwälzen will, die sie nicht gern macht. Wenn ich hier keine klare Grenze ziehe wird es den anderen zur Gewohnheit, zusätzliche Aufgaben auf mich abzuwälzen.

Wie kannst Du dich abgrenzen?  Höre dir an, was dein Gegenüber von dir will. Dann bitte dir Bedenkzeit aus, die du zeitlich klar kommunizierst. Wenn sich bis zum Termin zeitliche Reserven ergeben, kannst du zusagen. Erkennst du aber, dass du mit meinen eigenen Aufgaben nicht rechtzeitig fertig werden kannst, sagst du ab.

Wenn dein Chef drängelt und sofort eine Entscheidung will, musst du selbst entscheiden, ob du deine eigene Aufgaben entweder an Kollegen abgeben kannst, oder ob eine Verschiebung möglich ist. Kannst du die zusätzliche Aufgabe mit anderen zusammen stemmen?Dann mach ihm das Angebot, dass du die Aufgabe in Kooperation mit anderen erledigen kannst.


Wenn Mitarbeiter Überstunden machen sollen, steht wertschätzende Kommunikation Pate. Wie lange sollen die Überstunden dauern, und vor allem, wann wird die Zeit wieder ausgeglichen. Überstunden kommen oft unvorhergesehen, und manchmal dulden die Dinge  keinen Aufschub. Für die Folgen braucht das Unternehmen einen Prozess, innerhalb welchen Zeitraums bspw. Überstunden ausgeglichen werden müssen.

Angefallene Überstunden werden bei uns im Unternehmen in einer Liste erfasst. Innerhalb von vier Wochen müssen die Stunden ausgeglichen sein. Es macht keinen Sinn, Überstunden ohne Ausgleichsprozess vor sich herzuschieben, sonst kommen sie nie weg. Diese Sicherheit brauchen Mitarbeiter, um Vertrauen in die Verlässlichkeit der Führung aufzubauen.


Nein sagen findet auch in der Freizeit statt. Freundinnen und Freunde verlangen nach einem, um zu helfen, um zu reden und um Gesellschaft zu haben. Ich persönlich kann das eher nicht gebrauchen. Ich gehe nirgendwo hin, nur um jemandem einen Gefallen zu tun.

Meine Frau sagt mir oft, ich solle doch nicht so eklig sein und andere nicht so düpieren. Ich bin nicht eklig und düpier auch niemanden, ich sage nur, dass ich keine Lust habe irgendwo hin zu gehen, das mich nicht interessiert. Das Leben ist kurz und arbeitsam genug, da muss ich aufpassen, dass genügend Zeit für mich übrig bleibt.


Ich gehe samstags nicht ins Theater, in die Oper oder ins Kino, weil ich am Ende der Woche in dunklen Räumen einschlafe. Sonntagsmorgens ist es eine absolute Erholung für mich, im Bett zu lesen und mich dann in meine Kreativecke zurück zu ziehen, um meine Gedanken in Evernote zu notieren, vielleicht einen Text auszuarbeiten oder mir Gedanken zu einer Marketingaktion oder zum Leben als solches zu machen.

Dazu brauche ich Zeit und Entspannung. Ich bin kein Mensch, der dauernd irgendwo mit irgendjemandem abhängen muss. Ich liebe es, alleine zu sein und mir ungestört meine Gedanken machen zu können. Also nein, mir fällt es nicht schwer, Nein zu sagen. Das bedeutet für mich mehr Freizeit, weniger Druck und ein Höchstmaß an Entspannung.

Socialising findet natürlich statt, aber eben in dem Maß, in dem ich das zulasse. Ich entscheide, niemand sonst. Es ist ein schönes Gefühl mit Menschen zusammen zu sein, die mir nicht die Zeit stehlen, sondern mit denen ich mich zu beiderseitigem Nutzen austauschen kann.

Es gibt zu viele Menschen, die anderen ihre Energie rauben. Jeder Mensch sollte sich deshalb die Frage stellen, wer in seinem Umfeld ein Energiegeber ist.


Alexandra Reinwarth hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg – Wie sich dein Leben verbessert, wenn du dich locker machst“. Sie beschreibt, wie ihre fordernde Freundin Kathrin ihr zum Nachteil die gemeinsame Freundschaft lebt. Irgendwann hat sie sich ein Herz gefasst und ihr ein deftiges „Fick Dich!“ hingeschmettert. Seitdem lebt sie leichter. Dass ihr das nicht leicht gefallen ist und sie vor der Konfrontation Bedenken gehabt hat, ist verständlich.

Jemanden aus seinem Leben zu entfernen ist, wie mit einem Partner Schluss zu machen. Auf der einen Seite steht ab dem kritischen Punkt Zwang und Frustration, auf der anderen Seite steht die große Freiheit, die ein Mensch durch einen solchen Schritt erreicht. Für jeden Lebensabschnitt gibt es die passenden Menschen. Man kommt zusammen, und man driftet wieder auseinander.

Aber es gibt eben auch Menschen, die das nicht zulassen wollen, die klammern, und dir den Spaß am Leben rauben. Ich sehe das so: Wenn mir etwas weh tut, gehe ich zum Arzt und lass es behandeln. Dann tue ich was getan werden muss, um wieder schmerzfrei leben zu können. So einfach die Analyse, so schwierig die Umsetzung.

Auch in der Beratung müssen oft Grenzen gezogen werden. Manche Menschen tendieren dazu, Argumentationen x-mal zu wiederholen und wieder und wieder durchzukauen. Sie wollen alles erschöpfend diskutieren, und sie strapazieren damit die Nerven ihrer Mitmenschen. Solche Leute brauchen diese klare Grenze, sonst saugen sie dich ein und vernichten deine Zeit und deine gute Laune.


Richtig nein zu sagen ist eine Kunst. Zu brutal solltest du die Grenze nicht ziehen, weil das auch verletzen kann. Hör Dir an was der andere will, auch wenn du schon vorher weißt, dass du ablehnen wirst. Das gebietet die Höflichkeit. Erkläre in kurzen Worten, warum du nicht helfen kannst.

In den meisten Fällen reicht das aus, um dem anderen zu signalisieren, dass du dich auf deine eigenen Projekte kümmern willst. Wenn dein erklärtes Nein nicht angenommen wird, kannst du selbstverständlich schärfer formulieren. Nein muss  definitiv nein bleiben!


Jeder von uns hat andere Grenzen. Während die eine spontane Besuche gerne mag, stört es den anderen. Auch in der Lebensgemeinschaft  ist es wichtig, sich Freiräume zu schaffen und Grenzen zu ziehen. Das ist in einem großen Haus sicher einfacher umzusetzen als in einer kleinen Wohnung.

Wer an einer entspannten häuslichen Gemeinschaft interessiert ist muss dann Lösungen finden. Wir leben in einer ehemaligen Tanzschule. Dort gibt es weder Balkon noch Garten, dafür viel Wohnraum. Kinderzimmer und Bad sind separat, der Rest der Wohnung hat Loftcharakter. Wir können uns nicht aus dem Weg gehen. Deshalb haben wir Rückzugsräume eingerichtet.

Ich ziehe mich in meine Kreativecke zu meinen Büchern zurück, höre Musik oder schreibe Texte am Notebook. Meine Frau hat ihren Lieblingsplatz an unserem vier Meter langen Holztisch, an dem sie sich ausbreiten kann. Das Zentrum und Kommunikationszentrum des  Raums ist die offene Küche. Im Grunde genommen sind wir ein Start-up mit zwei Geschäftsführern, die sich immer wieder mal zum Austausch in der Küche treffen.

Wir haben unsere Bedürfnisse abgegrenzt und Lösungen geschaffen. Lösungen zu schaffen ist ein aktiver Prozess, bei dem sich beide Parteien bewegen müssen. Das gilt für alle Lebensbereiche.


Wir überschreiten ständig Grenzen. Das ist normal, weil niemand von uns wissen kann, wo die Grenzen des anderen liegen, unsere Lebenspartner vielleicht mal ausgenommen. Das tolerieren wir einfach, weil wir wissen, dass wir der Situation eicht wieder entkommen können.

Schwierig wird es erst, wenn wir uns aktiv gegen Grenzüberschreitungen wehren müssen. Wer einen definierten Standpunkt hat ist hierbei im Vorteil. Sie oder er können klar benennen, was sie warum nicht akzeptieren können. Menschen mit weniger ausgeprägtem Selbstbewusstsein haben hier Schwierigkeiten.

Die gute Nachricht ist: Nein sagen und  Grenze ziehen kann jeder Mensch lernen. Wer diese Stabilität nicht von sich selbst aus mitbringt, sollte sich helfen lassen. Das ist besser, als sich den Forderungen anderer schutzlos auszusetzen.

Meine persönliche Strategie ist es, gar nicht erst in solche Situationen zu kommen. Je besser ich mich selber kenne, desto besser kenne ich meine Schwachpunkte, desto besser kann ich mich schützen.

Wir kommen alle von Zeit zu Zeit in Grenzsituationen, in denen wir entscheiden müssen, wie wir auf einen Reiz reagieren. Meine persönliche Strategie ist zuhören, wie vorher schon beschrieben. Es ist mir aber schon etliche Male passiert, dass ich die neue Anfrage wesentlich interessanter fand als das, was ich grade gemacht habe. Das kann ich aber nur dann machen, wenn ich keinen Abgabetermin habe. Dann hat mein Projekt selbstverständlich absolute Priorität.


Im Unternehmen haben wir die Kommunikationnsregeln in der Betriebsverordnung festgelegt. Die haben wir mit den Mitarbeitern gemeinsam dfiniert, sie sind von allen unterschrieben worden und damit gültig. Das hat geholfen, dass sich alle gegenseitig unterstützen, weil die Rahmenbedingungen von Geben und Nehmen klar geregelt sind.

Wir, die Geschäftsführung haben einen verbindlichen Prozess festgelegt, wie und in welchem Zeitraum Überstunden ausgeglichen werden. Sie dürfen nicht über das Quartalsende mitgenommen werden. Überstunden können auch nur in absoluten Ausnahmefällen angesammelt und als Urlaubstag, bzw. Urlaubstage ausgeglichen werden. Mit diesen Regeln sind wir in den letzten 17 Jahren sehr gut gefahren.

Wenn ich andere Menschen wichtiger nehme als mich selbst, stelle ich deren Freiheit höher als meine eigene.

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014 – Professionelle Pressearbeit

Unsere Wirtschaftswelt wird von Zahlen, Daten und Fakten dominiert. Ich bin selber viele Jahre lang der gängigen Betriebswirtschaftslehre gefolgt. Alles muss messbar sein, sonst existiert es nicht. Schwarz oder weiß, niemals grau.

Technologie kann helfen

Technologie ermöglicht Tracking und Targeting, und dadurch werden Unmengen an Daten produziert, die von cleveren Onlinehändlern wie amazon in Leads und Sales umgewandelt werden. Ich gebe zu, die Datenauswertung hilft auch mir bei der möglichst genauen Ansprache potentieller Kunden.

Zahle sind nicht alles

Aber Zahlen sind eben nicht alles. Eine Pressemitteilung über Zahlen? Dafür interessiert sich niemand. Nicht Excel-Listen, die BWA oder detaillierte Verkaufslisten interessieren Leser, sondern Menschen und ihre Geschichten. In der Bilanz gehören Dinge wie Schreibtische, Computer und andere toten Gegenstände zum aktiven Kapital, die Mitarbeiter dagegen sind Kosten.

Totes Zeug ist ein Aktivposten in der Bilanz

Seltsam ist das, denn ein Schreibtisch leistet ja keinen aktiven Beitrag zum Erfolg des Unternehmens. Das tote Zeug ist ab dem Tag des Einkaufs immer weniger wert, ein Mitarbeiter lernt dagegen lebenslang und steigert seinen Wert ständig, sofern wir ihn wachsen lassen. Wenn wir das befolgen, haben wir den Medien auch immer spannende Geschichten zu erzählen.

Perlen der Lokalpresse

In der Lokalpresse finde ich immer wieder wunderbare Perlen wie „Beinamputierter auf freiem Fuß“, oder „Bauchchirurg schneidet hervorragend ab“ oder „Schnuppertag in der Biogasanlage“. Andere spannende Themen sind Männer, die auf Damenfahrrädern unterwegs sind, eine Stadtverwaltung, die bei einer Sanierung mehr Nieten einsetzen will oder eine Wahrsagerin, die von einer Messerattacke überrascht wurde.

Manches hat durchaus Unterhaltungswert, aber so ich will mein Unternehmen nicht präsentieren. Also muss ich mir entweder spannendere Themen überlegen, und meine Pressemeldung mit einem Hook versehen. Zahlen und Fakten liefern wir selbstverständlich dort, wo es unterstützend und abrundend sinnvoll ist. Im Fokus stehen aber immer  Menschen und ihre Geschichten und die damit zusammenhängenden Emotionen.

Kern der Pressearbeit

Der Kern der Pressearbeit ist schnell auf einen Nenner gebracht: „Ihr wollt die lange Wirkung? Dann fasst euch kurz!“ Ich habe dazu eine Anekdote über Sir Winston Churchill gelesen. Er wurde gebeten, eine kurze Festrede von 10-minütiger Dauer zu halten. Churchill bat um eine Vorbereitungszeit von mindestens 14 Tagen. „Oh“, wunderte sich der Frager, „wie lange brauchen Sie denn, um eine Rede über eine Stunde vorzubereiten?“ „Drei Tage“, erwiderte Churchill. „Und wenn Sie drei Stunden reden sollten, Sir Winston?“ „Dann kann ich sofort beginnen.“

Daraus resultiert der Spruch: „Wenn Du es nicht in einfachen Worten sagen kannst, hast Du es nicht vollständig durchdrungen.“ Fazit: Emotionen lassen sich auch in kurzen Texten transportieren. Sie müssen das Interesse der Journalisten wecken.

Geschichte des Hauses Gress Friseure

Die Geschichte unseres Hauses  beginnt mit meinem Großvater Karl, dessen Werdegang ich aus den Erzählungen meines Vaters, meiner Großmutter und meiner eigenen Erlebnisse als Gründungsgeschichte geschrieben habe. Wilhelminische Erziehung zum Kadavergehorsam, mit 17 Jahren Soldat im ersten Weltkrieg, Eröffnung seines Friseursalon in Altbach, eine dominante Ehefrau, ein hoffnungsvoller Sohn als Held und das Finanzamt als Feind.

60 Jahre später steht bei uns die Entwicklung zum Digital Hairdresser im Fokus. Die Unternehmensgeschichte ist für uns immer wieder ein Aufhänger, um Türen zu öffnen. Die Gründungsgeschichte ist der Trägerstoff für unsere Informationen. Die legendären Techfirmen wurden in Garagen geboren, unsere Garage ist der kleine Dorfsalon. Hier der Link zur Geschichte unseres Hauses.

PR-Agentur

Ich habe meine Pressebetreuung viele Jahre lang selber gemacht, und ich habe viel darüber gelernt, wie es nicht funktioniert. Professionell wurde sie erst durch die Zusammenarbeit mit unserer Wortakrobatin Dr. Simone Richter. Für Pressemitteilungen aus dem Friseurberuf war 2020 ein lausiges Jahr.  Pressearbeit ist ja eine eine sehr scheue und flüchtige Angelegenheit. Du braucht 20 Jahre, um ein gutes Image aufzubauen, aber nur fünf Minuten, um es zu ruinieren. 

Fazit: Wenn ich nichts zu erzählen habe, gehe ich den Redaktionen nicht mit aufgeblähtem Nichts auf die Nerven.

Vorteile einer Presseagentur

Worin liegt der Vorteil bei der Zusammenarbeit mit einer PR-Agentur? Schreiben ist ein Handwerk, das wie andere Handwerke gelernt werden muss. Public Relations muss gelebt werden, es gibt Könner und es gibt Nieten. Es ist wie bei uns im Handwerk. Wir Friseure halten große Stücke auf unser Können, deswegen ist es nur folgerichtig, dass wir für die PR auch hoch qualifizierte Fachkräfte einsetzen sollten.

In Zeiten von Social Media kann zwar jeder Text veröffentlichen, aber qualitativ hochwertig ist anders. Beim Schreiben ist das Qualitätsgefälle extrem groß. Nicht jeder, der Worte aneinander reiht, ist zwangsläufig ein guter Schreiber. Deshalb und aus den folgenden Gründen schätze ich die Zusammenarbeit mit Dr. Simone Richter so außerordentlich:

  • Ihre Adressdaten sind top gepflegt und die Ansprechpartner sind auf dem neuesten Stand
  • Sie weiß genau, welches Thema zu welchem Medium passt
  • Sie weiß wie eine Redaktion tickt, weil sie selber Redakteurin bei der Stuttgarter Zeitung war
  • Sie schreibt gut, weil sie die falschen Wörter weg lässt
  • Sie ist hervorragend vernetzt
  • Sie hört zu und wenn ihr etwas nicht schlüssig ist fragt sie nach

Vermeidbare Fehler

Die meisten Gesprächspartner, die sich über die Ignoranz der Presse beschweren, machen vermeidbare Fehler. Gespräche mit frustrierten Geschäftsleuten klingen im Kern alle ähnlich. Man verstehe überhaupt nicht, warum sich die Presse derartig sperrt.

Warum ignorieren Journalisten deine Pressemitteilung? Ich überziehe mal: Ein amateurhaft gezimmerter Text wird als pdf per Mail an die Zeitung geschickt, dazu wird ein unscharfes, thematisch unpassendes und niedrig aufgelöstes Bild an die Mail gehängt und dann wundert man sich, dass es keine Veröffentlichung gibt.

Einfache Regeln garantieren dir eine gute Zusammenarbeit mit der Presse.
Ich habe mal recherchiert, was die andere Seite, also die Journalisten, zu amateurhaftem PR-Verhalten sagen:

  1. „Ich will nicht mit ‚Liebste Frau XY…‘ angesprochen werden, denn wir sind nicht befreundet!“ Auch Abschiedsformeln wie „Entspannte Grüße aus dem schwarzen Wald…“ gehen mir auf den Nerv. Bleibt einfach bei den üblichen Konventionen.
  2. „Eine Floskel ist ganz schlimm: „Ich will Sie ja nicht nerfen, aber…“ Wenn nerfen dann noch mit Eff geschrieben wird bin ich garantiert genervt.“
  3. „Ich will nicht angerufen und gefragt werden, ob die Pressemeldung schon angekommen ist.“ Das passiert meistens dann, wenn ich einen Text fertig schreiben muss und die Zeitung kurz vor dem Andruck ist. Wenn  euer Text interessant ist wird sich jemand bei euch melden.
  4. „Bereitet eure Pressetexte interessant auf, das reicht. Wir entscheiden, ob es eine Story wird!“
  5. „Vergiss Pressetexte! Mach stattdessen Themenvorschläge!“
  6. „Schau Dir unsere Zielgruppe an, bevor Du Deinen Pressetext losschickst.“
  7. „Ich will keine Fremdsprachen lernen. Sag es ohne Anglizismen und Fachausdrücke und stiehl mir nicht meine Zeit.“

Eins sollte klar sein: Pressearbeit ist anfangs ein Bummelzug  und wird erst langsam zum ICE. Ich habe gelernt, dass das negieren von heute zur Veröffentlichung von morgen führt. Dranbleiben ist das Motto. Dazu lernen ist die Essenz!

Ziel eines Pressemediums

Ich musste erst mal erkennen lernen, dass das Pressemedium nur ein Ziel hat: Seine Leser zu unterhalten, zu informieren und zu binden. Printmedien funktionieren dabei genauso wie die großen Social Media Plattformen, aber mit dem Unterschied, dass die Veröffentlichungen in den thematischen Fokus des Heftes passen müssen.

Je mehr Abonennten das Printmedium gewinnen kann, und je länger ein Leser das Magazin oder die Zeitung liest, desto teurer lässt sich der Werbeplatz verkaufen. Damit verdient der Verlag sein Geld. Je spannender deine Pressemeldung ist, desto  höher ist deshalb die Chance einer Veröffentlichung.

Passe deine Pressemitteilung an

Und vergiss nie: Die Medien passen sich nicht an deine Bedürfnisse an. Andersrum wird ein Schuh daraus: Deine Informationen müssen zum Medium passen. Ich fasse mal zusammen, wie eine gute Pressemeldung aussehen sollte:

  1. Stellt euch die W-Fragen: Wer? hat Was? Wie? Wo? Wann? und Warum? gemacht? – Das Wichtigste kommt zuerst!
  2. Schickt die Texte an die Redaktion, die für euer Thema zuständig ist
  3. Schaut euch vorher an, ob euer Thema zum Medium passt
  4. Schreibt spannend ohne Rechtschreib- und Interpunktionsfehler
  5. Schreibt im 1,5 Zeilen Abstand und nicht weniger als 350 Wörter, aber nicht mehr als 700. Warum? Redakteur kürzen lieber, als dass sie verlängern
  6. Schreibt aktiv, nicht passiv
  7. Journalisten haben keine Zeit, also macht es ihnen leicht
  8. Liefert kurze und aussagekräftige Texte
  9. Lobt euch nicht selber
  10. Behandelt nur ein Thema pro Pressemitteilung
  11. Bringt ein Zitat des Verantwortlichen
  12. Hängt Bilder mit hoher Auflösung an
  13. Schreibt aus Lesersicht: Würde mich meine Nachricht interessieren?
  14. Sticht eure Information raus? Oder geht sie in hunderten anderer Mails unter?
  15. Setzt ans Ende immer den Abbinder oder auch Boilerplate genannt.

Der Begriff Boilerplate deutet ursprünglich auf eine Herstellerbezeichnung hin, die auf Heizkesseln aufgebracht ist. Das Metallschild wurde in vorgefertigter und immer gleicher Form eingesetzt, deshalb adaptierte man den Begriff schließlich u.a. auch für die Programmierung und das Onlinemarketing.

Inhalt Abbinder

Der Abbinder informiert die Journalisten über die wichtigsten Informationen zum Unternehmen. Er hat keinen direkten Bezug zur Pressemeldung, und er bleibt inhaltlich gleich, solange sich die wichtigen Daten nicht ändern.


In der Regel reichen fünf bis sechs Zeilen aus. Diese Informationen bieten sich für den Abbinder an:

  • Name des Unternehmens (inkl. Rechtsform)
  • Unternehmenssitz, Standorte und Niederlassungen
  • Gründungsdatum
  • Tätigkeitsgebiete
  • Produktportfolio/Branchen
  • Patente
  • Kundenreferenzen
  • Mitarbeiteranzahl
  • Umsatz- und Gewinnzahlen

Erstellt euch für die Pressemitteilung eine Vorlage, dann müsst ihr euch nicht jedes mal erneut Gedanken über die Struktur machen.

Betreff muss interessant sein

Hattest du schon einmal 50, 100 oder mehr ungelesene Mails in deinem Postfach? Öffnest Du jede einzelne? Nein, natürlich nicht. Du schaust nach dem Absender und nach dem Betreff. Der Betreff sollte deshalb sofort ins Auge fallen. Der Betreff ist die Headline, der Eye-Catcher deiner Pressemail. Je prägnanter der Titel ausfällt, desto größer ich die Chance, dass deine Mail geöffnet wird.

Best Practice

Einer meiner Friseurfreunde, Oliver Gerbert, hat unter der Leitung des Dirigenten Wilhelm Keitel den Barbier von Sevilla in einer Kammerversion in seinem Salon aufgeführt.

Seine  Pressemeldung lautete schlicht: „Sehr geehrte(r) Frau / Herr,  am 3. September führe ich in meinem Friseursalon in Stuttgart den Barbier von Sevilla als Kammerorchester-Version unter der Leitung des Dirigenten Wilhelm Keitel auf. Ist das eine interessante Info für Sie? Wenn ja können Sie mich gerne unter 123 erreichen. Ich freue mich auf Ihren Anruf! Mit freundlichen Grüßen Oliver Gerbert.

Die Idee dahinter war nicht zu sagen welch toller Hengst er ist und was er alles super tolles macht. Er hat den Journalisten die Entscheidung überlassen, ob es für sie/ihn eine brauchbare und nützliche Information ist! Diese schlichte Information brachte ihm mehr als 40 redaktionelle Pressemeldungen ein.


Eine Pressemeldung ist kein Heldenepos. Ihr könnt sie mit den Regeln eines Heldenepos schreiben, aber ihr sollt nicht euch in die helle Sonne stellen, sondern das Thema.

Kein Heldenepos

Wenn ihr nicht Christiano Ronaldo, Ariana Grande, Dwayne „The Rock“ Johnson, oder Kylie Jenner mit hunderten Millionen Instagram-Follower seid, und die Presse sich nicht grade um euch reisst, dann solltet ihr euch mit Selbstbeweihräucherung stark zurück nehmen. Die Journalisten entscheiden über eine Veröffentlichung, und die sind nicht an Selbstüberhöhungen interessiert. Bleibt sachlich und sagt nur dann etwas, wenn es interessant ist.

Hier noch einige Links zu kostenfreien und kostenpflichtigen Presseprotalen:

kostenfrei

kostenpflichtig

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013 – Podcast – Soziales Engagement

Podcast: Soziales Engagement

1986 habe ich mich selbstständig gemacht. Ich hatte eine Kundin, die dem Verein der Körperbehinderten in Esslingen vorstand. Wir sind während des Haarschneidens ins Gespräch gekommen. Ob wir uns die Ausstellung einer jungen Künstlerin vorstellen könnten, die mit den Beinen malt? Klar, warum nicht, das machen wir.

So kam unsere erste soziale Aktion zustande. Die Ausstellung lief gut, einige Besucher haben Bilder gekauft und so der jungen Künstlerin Bestätigung verschafft. Mich hat beeindruckt, wie lebendig die Bilder waren und welche positive Einstellung in ihnen sichtbar wurde.

Das ist jetzt meine amateurhafte Interpretation, das habe ich bei vielen folgenden Vernissagen wesentlich vertrackter gehört. Ich erinnere mich an eine Aussage meines Vaters – der hatte sich ab seinem 40. Geburtstag zu einem sehr, sehr guten Maler entwickelt – als er gefragt wurde, was er sich beim malen dieses Bildes gedacht hatte. „Nichts“, sagte er, „das kam einfach so.“

Damit war eine klare Aussage getroffen. Die Interpretaion der Kunstkritikerin fiel wesentlich umständlicher und unverständlicher aus. Sagenhaft, was manche Menschen in den Werken von Künstlern entdecken, die davon selber nichts wussten. Aber nun ja, jeder muss sein Geld verdienen. Die einen tun was ihnen eingegeben wird, und die anderen pumpen die Bedeutung hinein.


Richtig intensiv wurde es nach unserem Umzug in die Altstadt von Esslingen. Unter dem Salon war ein Gewölbekeller. Wir haben dort soziale Projekte  in Verbindung mit Lesungen, Konzerten, Verissagen, Gedichtelesungen und Happenings gemacht, die uns regelmäßig in die Presseund den Sozialpartnern Spenden eingebracht hatten gebracht haben.

An eine ganz schräge Geschichte mit Aurelia Sonnenburg erinnere ich mich noch sehr gut. Sie war die Inhaberin eines Erotik-Shops für Frauen.  Sie war sehr engagiert, sehr gesprächig und vollkommen frei von Berührungsängsten. Eine meiner Kundinnen hat derzeit erotische Gedichte verfasst, was mit dem Event sehr gut zusammen ging.

Den beiden Damen habe ich kampflos das Feld überlassen, sie durften sich im Salon bei der Ausstellung austoben. Als ich zur Eröffnung am Abend geschniegelt, gebügelt und gut gelaunt im Salon ankam wurde mir der Hals trocken. Mit allem habe ich gerechnet, aber nicht mit Stachelkissen, Dildos, Reizwäschen und Bondageutensilien.

Mir rutschte das Herz in die Hose. Niemals hätte ich mich getraut, das als Mann meinen Kundinnen zu zeigen. Scheinar war ich aber der einzige, der Bedenken hatte. Die Stimmung war entspannt und die Damen recht zwanglos in Gespräche verstrickt. An diesem Abend hatte ich sehr deutlich gelernt, dass der Wurm immer dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler. Fazit: Der Laden war gesteckt voll und alle hatten Spaß und für die Presse war es ein wunderbares Thema.


Das erste richtig große Sozialevent war der „Burgstäffeles-Lauf“ in Esslingen im Jahr 1997. Den Lauf haben wir für die A.M.S.E.L. Selbsthilfe bei Multipler Sklerose e.V. durchgeführt. Zu dieser Zeit war Ursula Späth, die Ehefrau des ehemaligen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, Lothar Späth, Vorsitzende des Vereins.

Der Zweck des Laufes war es, vom Esslinger Marktplatz aus die knapp 300 Burgstaffeln hochzurennen, den Burgplatz zu durchqueren und über die Obere Beutau wieder zum Markplatz zu kommen. Das war eine Rundstrecke von etwa 2,5 Kilometern, aber durch die steile Treppe eine Herausforderung, die es in sich hatte.

Ich nutze die Treppe heute ab und zu fürs Oberschenkeltraining und die brennen immer, egal wie regelmäßig ich die Stufen nehme. Ziel war es, ohne anzuhalten hoch zu kommen. Bei dieser ersten Ausgabe des Burgstäffeles-Lauf hatten wir  30 Starter. Dafür hatte der OB die Schirmherrschaft übernommen und damit stand die Stadt hinter uns.


Im Jahr 1998 darauf konnten wir bereits die doppelte Menge Läufer vermelden. 60 Läufer gingen an den Start. 1999 haben wir pausiert, weil ich ein neues Konzept ausgearbeitet hatte, für das ich aber Sponsoren und Hilfe bei der Organisation gebraucht habe. Lokalpolitische Unterstützung kam zusätzlich durch die FDP.  Im dritten Jahr, 2000, hatten wir 120 Teilnehmer plus rund 50 Kids und ein stimmiges Konzept.

Der ursprüngliche Runde über die Treppe und den Burghof hatten wir eine  Altstadtschleife angehängt, damit mehr Bewegung auf den Rathausplatz kam. Ein Schwerlastkran hielt das riesige Rundzelt, darunter stand die Bühne, auf der die schwäbischen Kultrocker von Schwoißfuaß ein Konzert gegeben haben. OB und Stadtmarketing haben dort auch die Preise vergeben.

Ich schätzte mal, dass wir laufend um die 150 bis 200 Menschen auf dem Rathausplatz zu Besuch hatten. Das gab natürlich ein riesiges Presseecho, denn einen Stadtlauf hatte es in Esslingen lange Zeit nicht mehr gegeben. Dass jetzt die Burgstaffeln einbezogen wurden hatte für die Esslinger Kult-Charakter. Für die Läufer leider nicht, weil die sich nicht vergleichen konnten. Sie Streckenführung war einfach zu speziell. Deswegen war der Lauf für normale Läufer nur bedingt interessant.

Das sollte sich im darauf folgenden Jahr als Problem erweisen, weil viele Läufer eher an längeren Strecken interessiert waren. Neben der Unterstützung des OB-Büros, des Esslinger Ordnungsamts, des Roten Kreuz kam auch die Politik ins Spiel. Die Kosten für die Organisation haben wir übernommen und aufs Marketingbudget gebucht. Die Stargelder konnten somit ohne Abzug gespendet werden konnten.


Heute ist eine solche Veranstaltung nicht mehr denkbar. Innerhalb von 20 Jahren hat sich die organisatorische Komplexität von Stadtveranstaltungen dermaßen erhöht, dass die Durchführung für ein kleines Privatunternehmen nicht mehr möglich ist. Beim ersten Durchlauf vermutete niemand, dass der Lauf so erfolgreich werden würde.

Dass wir ihn nach dem dritten Jahr einstellen mussten, war deshalb eine herbe Enttäuschung. Viele reden noch heute davon, und uns als Unternehmen hat dass regelmäßig mächtig Öffentlichkeit gebracht. Das ist auch das Credo, das ich vertrete: Beide Seiten müssen von sozialem Engagement profitieren. Es braucht dabei etwas Fingerspitzengefühl dafür, wie sich das Unternehmen in einem öffentlichkeitsverträglichen Kontext darstellt.

Ein weiterer Umzug in größere Räume in die Stadtmitte brachte auch mehr Möglichkeiten für soziale Events direkt am Salon. Der neue Salon liegt direkt am Roßmarkt, ein paar Meter von der Fußgängerzone entfernt. Dort gingen wir eine langjährige Verbindung mit dem Verein gegen sexualisierte Gewalt, Wildwasser e.V Esslingen, ein. 

Kern der Aktion waren günstige Haarschnitte – preisaktive Filialisten waren noch nicht so üppig am Markt – , die wir zwischen 14 und 18 Uhr angeboten haben. Das ganze Team hat sich reingehängt und acht Jahre lang Geld für die Verein „erschnitten“. An dieser Stelle möchte ich einen nachträglichen Dank an meinen Hamburger Kollegen Willi Decker aussprechen, der während eines Besuchs bei uns einen Nachmittag lang für den guten Zweck mitgeschnitten hat.

Wir haben das Event „Roßmarkt-Benefiz“ getauft. Es wurde flankiert von Flohmärkten, Konzerten und Luftballon-Aktionen, die wir sogar bei der Flugsicherung anmelden mussten. Jedes Jahr haben wir auf einmal um die 5000 Luftballons steigen lassen, um auf sexualisierte Gewalt aufmerksam zu machen.


Die größte Einzelaktion haben wir mit der Stuttgarter Graffiti-Szene auf die Beine gebracht. Diese Kooperation hat damals mein Sohn angeschoben. Zehn 4×2 Meter große Biegesperrholzplatten dienten als Leinwände für die Sprayer. Die Graffities wurden am Ende des Tages vom OB versteigert. Dabei kamen einige Hundert Euro zusammen.

Auch hier war wieder der OB Schirmherr, der jedes Jahr den Start der Luftballons moderiert hatte. Diese Jahren waren geprägt von einem fruchtbaren Miteinander der örtlichen Händler, der Kulturszene und der Sozialvereine. 

Das Roßmarkt-Benefiz hatte viel Potential, aber leider hat keines der direkt ansässigen Unternehmen mitgemacht. Oft wird von den Geschäften nur die anfallende Arbeit, aber nicht der langfristige Effekt gesehen, den ein soziales Engagement mit sich bringt.


Aber wie es so ist, hat jede Verbindung ihre Halbwertzeit. Das Roßmarkt Benefiz mussten wir einstellen, weil der Aufwand immer größer und die Spenden immer weniger wurden.

Dazu kommt, dass aktive Vereine auch ihre Netzwerke verstärken und danach schauen, dass sie von mehreren Seiten finanziert werden. Meist sind die aktiven Menschen in den Vereinen ehrenamtlich unterwegs und müssen ihr Engagement gewichten. Nach acht Jahren war es eben Zeit, das Roßmarkt-Benefiz einzustellen.


Mein Wormser Kollege und Intercoiffeur-Freund Jens Dagne ist seit 2004 für „Education for Life“ aktiv. Die deutsche gemeinnützige Charityorganisation „Intercoiffeurcharity“ veranstaltet den jährlichen Charity Golf-Cup „Play for Life“. So wird die Friseur-Berufsausbildung für  Kinder aus den Slums dieser Welt unterstützt, damit sie eine Chance haben, dem Kreislauf aus Drogen, Kriminalität und Prostitution entkommen zu können.

Alle Links dazu dazu findet ihr in den Shownotes. Herzlich willkommen Jens Dagne und vielen Dank für Deinen Beitrag.


Social Marketing ist ein wichtiger Baustein im Marketing-Mix. Vor allem kleine Unternehmen können einen hohen Nutzen für ihren lokalen Bekanntheitsgrad haben. „Tue Gutes und rede darüber.“ ist ein bekannter Spruch. Ich erweitere ihn um die Worte: „Aber bitte nicht schreien.“

Leider hat uns Corona im letzten Jahr einen Riegel vorgeschoben, Events waren schlicht nicht möglich. Umso wichtiger wird es, die Aktivitäten wieder anlaufen zu lassen, wenn die Corona-Situation es uns erlaubt.

Ich zitiere aus dem Artikel „Deutlich mehr Spenden in der Pandemie“ der Stuttgarter Nachrichten vom 16.2.2021: Macht die Pandemie knauserig? Im Gegenteil, heißt es beim Deutschen Spendenrat. In Deutschland ist 2020 so viel gespendet worden wie selten zuvor.

Mit 5,4 Milliarden Euro sei das Spendenniveau im Vergleich zum Vorjahr um rund fünf Prozent gewachsen, teilte der Verband mit. „Das war nicht zu erwarten“, sagte Geschäftsführer Max Mälzer der Deutschen Presse-Agentur. Welche Gründe das hatte, erklärt Mälzer so: „Einmal hatten viele Menschen im Lockdown mehr Zeit nachzudenken und über das Leben zu reflektieren“, sagt er.

„Zum Zweiten gab es weniger Möglichkeiten, das Geld selbst auszugeben, zum Beispiel beim Essengehen, für Kleidung oder im Club.“ Die Menschen in Deutschland haben ein sehr realistisches Bewusstsein: „Vielen Menschen ist klar, dass es ihnen hier trotz Pandemie immer noch vergleichsweise gut geht.“ Sie seien bereit, abzugeben.Wenn wir mit unseren Unternehmen zum Spendenaufkommen beitragen können, sollten wir das nutzen.

Charity, Social Marketing oder soziales Engagement – wie immer ihr es nennen wollt – steht uns gut zu Gesicht.

Unternehmen, die sich sozial engagieren, haben ein positives Ansehen in der Öffentlichkeit. Über sie und ihre Aktivitäten berichtet die Presse gerne. Mit Social Marketing gewinnen beide Seiten, das Unternehmen und der Sozialpartner.

Peter Gres Podcast Quickies

012 – Podcast -Was wir aus dem Lockdown mitnehmen

Seit Februar 2020 sind unsere Freiheitsrechte eingeschränkt. Wir waren von einem Tag auf den anderen ausgebremst, und wir mussten uns mit einem veränderten Tagesablauf abfinden.

Corona ist hartnäckig

Im Frühjahr hatten wir noch Hoffnung, Corona würde nicht lange dauern. In den Wochen nach dem Reise-Sommer haben wir aber erkannt, dass Corona noch einmal richtig Gas gegeben hat. Weihnachten fiel aus, Parties zum Jahreswechsel ebenfalls.

Seit achteinhalb Wochen sitzen wir im 2. Lockdown fest. Und es besteht immer noch die Gefahr, dass uns die Mutante in einen 3. Lockdown schickt. Den würden dann viele Geschäfte definitiv nicht mehr überleben.

Frust statt Euphorie

Die Euphorie des Sommers 2020 hat sich nicht fortgesetzt. Ich stelle fest, dass wir mit der Ernüchterung nur schwer zurecht kommen. Einerseits geht es bei uns Selbstständigen um die Existenz, andererseits bei vielen Menschen um den Frust und die Depression, die sich aus einer nicht vorhandenen Hoffnung auf ein Ende speist. Wir sehen kein Ende.

Die Impfung hat uns lange Wochen gepusht, wir mussten aber feststellen, dass die Hoffnungen durch die eingeschränkte Verfügbarkeit des Vakzins wieder einmal getrogen hat. Ich persönlich lasse mich auch durch die Impfung nicht mehr dazu hinreißen, zu viel Hoffnung in ein schnelles Ende der Einschränkungen zu setzen.

Strategie und Planung

In den vergangenen Jahren war es mir immer wichtig, die Geschicke des Unternehmens vorauszuplanen, soweit das eben möglich war. Jahresziele waren wichtig, Umsatz und Gewinn spielten Hauptrollen, die strategische Planung wurde durch Investitionen in Aus- und Weiterbildung, sowie in Spezialisierung unterstützt.

All das ist jetzt nicht mehr in gleichen Umfang möglich. Wir haben einfach zu viel Geld verloren, dabei zu wenig Unterstützung vom Staat bekommen und dazu hin herrscht immer noch zu dichter Nebel um die Zukunft.

Selbstverständlich tun wir etwas. Wir renovieren, schreiben neue Konzepte, optimieren unsere Prozesse und machen alles mögliche, von dem wir uns wieder trennen müssen, wenn wir wieder öffnen dürfen. Wir werden gar nicht mehr die Zeit haben, alles zu verfolgen, was wir im Lockdown angefangen haben.

Neues versuchen

Es ist definitiv eine gute Zeit, um Neues zu versuchen. Social Media wird neu konzipiert, die Webseite erneuert, Onlineshops eingerichtet, Videos werden gedreht, Podcasts gestartet. Niemals zuvor in 47 Jahren hatte ich so viel Zeit am Stück und konnte mein Arbeitspensum so frei gestalten.

Der wirtschaftliche Schaden rückt in manchen Stunden der Tage in den Hintergrund, das ist auch ein Erfolg. Die Neuroplastizität des Gehirns sorgt dafür, dass wir alle trotz fortgeschrittenen Alters Neues lernen kann.

Es ist ungeheuer befreiend bedürfnisorientiert lernen zu können. Nur, es fehlt der Abschluss, der Beweis, die Aktion, die Tat, das Tun. Alles zielt in eine ungewisse Zukunft, der Erfolg des Tages fehlt am Abend.

Frustration über die Politik

Ich bin völlig genervt von der schleppenden Zuweisung der Überbrückungshilfe und des Arbeitslosengeldes. Die Politik frustriert mich. Aus die Frustration heraus ich neige immer häufiger dazu, meine objektive Sicht auf die Dinge zu verlieren.

Wenn der Frust überwiegt muss irgendjemand dafür verantwortlich sein. Dass das Virus aber uns alle in allen Positionen und Verantwortungsbereichen gnadenlos vor sich hertreibt, dafür kann niemand etwas. Auch die Politik nicht.

Was mich frustriert snd die Regeln der Verwaltung. Hat man uns im 1. Lockdown noch Geld mit der Gießkanne spendiert, regiert jetzt wieder der Amtsschimmel. Dass von der schönen Soforthilfe nur 25 Prozent bei mir bleiben durften war nachträglich ein Tritt vors Schienbein.

Den Umsatzverlust der Soforthilfe gegengerechnet haben wir 5,84 Prozent Ausgleichszahlung bekommen. Ehrlich gesagt, das hätten sich das Land Baden-Württemberg sparen können.

Was wir mitnehmen sollten

Was nehmen wir also mit? Erstens: Die Hoffnungslosigkeit ist keine Option. Sie kommt zustande, wenn wir uns zu stark auf das konzentrieren was kommen könnte und was nicht. Wir wissen es nicht. Es ist wichtig, Schritt um Schritt zu tun und konzentrierter im Jetzt zu leben.

Ja, aber wir müssen doch…?! Ja, was? Keiner weiß etwas genaues. Niemand kann sagen, ob wir einen 3. oder gar einen 4. Lockdown bekommen. Niemand weiß, was der Mutant noch anstellt und ob der Impfstoff dauerhaft gegen ihn wirkt.

Ein Virus ist qua seiner Natur dazu bestimmt, ständig zu mutieren, um sein Überleben zu sichern. Wenn schon die ganze Welt vor der ersten Mutation zittert, was passiert, wenn es eine noch aggressivere Mutation geben sollte?

Schon jetzt gibt die Virologin Melanie Brinkmann den Kampf um die Mutante B 1.1.7. verloren. Virologen rechnen mit neuen Mutationen und mit Lockdown bis ins Jahr 2022 hinein. Eventuelle sogar mit einem Dauer-Lockdown mit zwischenzeitlichem Luft holen, wie Brinkmann sich ausdrückt.

Sich selber Hoffnung schaffen

Wie schaffen wir in einer solchen Lage Hoffnung? Für mich persönlich heißt das Struktur und äußere Ordnung gestalten, und das Denken auf das Jetzt konzentrieren. Gedanke zieht  Aktion.

Die Jagd nach den neuesten Gadgets, coolen Klamotten, Schuhen und Accessoires ist erst mal vorbei. Der Besuch im angesagten Restaurant, in der Szene-Bar und bei diversen Must-Events, Messen, Seminaren und Workshops ebenso.

Auch die all-Inkl. Reise ans Steißbein der Welt oder wenigstens in ein angesagtes Luxus-Ressort in Deutschland, Österreich oder der Schweiz  –  alles nicht mehr möglich. Hoffnung kommt nur aus uns selber, dabei wir sind von ihr abhängig. Nur mit ihr überleben wir in unsicheren Zeiten mit wirtschaftlicher und persönlicher Not und finden in eine inspirierende Zukunft.

Vorteile des Lockdowns

Im zweiten Lockdown habe ich bestehende Freundschaften wieder aufgenommen und vertieft und neue geschaffen. Von einigen Menschen musste ich mich trennen, oder wenigstens mein Vertrauen in sie neu bewerten.

Ich habe eine große Welle der mentalen Unterstützung durch unsere Kunden erhalten. Viele Gespräche haben mir Hoffnung gemacht, dass wir auch nach dem 2. Lockdown weiterhin eine treue Gefolgschaft haben werden.

Wie viele Kunde durch Schwarzarbeit, Kurzarbeit, Jobverlust und weitere Gründe verloren gegangen sind, wird sich zeigen. Es ist ja nicht so, dass nur ich mein Leben und meine Aktionen neu bewerte, sondern auch unsere Kunden werden das tun.

Es git keine Garantie dafür, dass sie es weiterhin für wichtig empfinden, zu uns zu kommen. Vielleicht reduzieren auch sie ihre Ansprüche? Unwägbarkeiten, die wir heute nicht bewerten können. Aber wir können darauf hoffen.

Hoffnung und Glauben

Neben der Hoffnung nehme ich auch den Glauben an das Gute in meinen Mitmenschen mit in die Zukunft. Allerdings werde ich noch intensiver bewerten, mit wem ich meine Zeit verbringen will. Nicht jeder passt zu jedem.

Und, mal Hand aufs Herz: Wer mag schon alle Menschen die er trifft? Das lässt sich nicht vermeiden, aber ich nehme mir ganz einfach das Recht heraus zu bestimmen, wer mir nahe kommt. So wie wir Lieblingskunden haben, kümmern wir uns um die anderen mit professioneller Freundlichkeit.


Die Lockdowns haben gezeigt, wem aus meinem Umfeld ich trauen kann. Vertrauen ist deshalb der dritte Wert, den ich aus dem Lockdown mitnehme. Menschen sind grundsätzlich daran interessiert, anderen zu helfen.

Ob das finanziell, mental oder aktiv durch Gespräche passiert  ist minder wichtig. Dass sie grundsätzlich vertrauenswürdig sind ist die Hauptsache. Vertrauen bedingt nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben.

Geben und nehmen in der Waage

Ein Beispiel: Mein Sohn wollte als Teen auf ein Reggae-Festival im Esslinger Stadtpark. Es war aber ausverkauft. Einer meiner Freunde war zu dieser Zeit Chef des Stadtmarketings. Ich habe meinen Sohn zu ihm geschickt, er solle fragen, ob er noch Karten habe. Er hatte.

Als mein Sohn zurück kam und ich ihn fragte, was er meinem Freund für die Tickets zum Ausgleich angeboten habe, stutzte er. Nichts, kam zur Antwort. Ich hab ihn daraufhin nochmals geschickt, er solle meinen Freund fragen, was er ihm zum Dank Gutes tun könne.

Zu dieser Zeit war mp3 der letzte Schrei und ein USB-Stick mit 100 Songs war ein adäquater Ausgleich für die Tickets. Geben und nehmen muss sich die Waage halten.

Positive Vibes einsammeln

Grundpositive Menschen haben in den letzten Monaten immer wieder dafür gesorgt, dass ich mich nicht in verengten Weltsichten verliere. Ich habe natürlich nicht alle persönlich getroffen, auf viele bin ich in den sozialen Medien aufmerksam geworden.

Ihre Gedankenansätze habe ich aufgenommen und mit meinen eigenen Überlegungen verwoben. Positivität schafft Hoffnung, Negativität dagegen Depression, Frustration und Angst.

Angst aber lähmt uns und wer zu der Angst zu viel Raum gibt zulässt macht seinen persönlichen Raum immer kleiner. Damit ich gar nicht erst in diese Gefahr komm, habe Ich  mir vorgenommen, wieder mehr zu meditieren und mich mit mir selber zu beschäftigen.

Wenn ich schlechte Gedanken bekomme lerne ich ein neues Gedicht auswendig, mache einen Spaziergang, höre Musik, lese aktiv, schreibe meine Gedanken auf oder führe mein Tagebuch. Hauptsache raus dem Gedankenkarussell.

Fazit

Aus dem Lockdown, Stand heute, 13. Februar 2021, nehme ich den Glauben an das Gute im Menschen, die Hoffnung, das Vertrauen und die Notwendigkeit zu positivem Denken mit in die Zukunft. 

Peter Gres Podcast Quickies

011 – Eigenblick

Peter Gress Newsletter: https://petergress.de/newsletter-anmeldung/

Deezer: https://www.deezer.com/de/show/2030002

Spotify: https://open.spotify.com/show/3RfjRsYjOPP8ryoXAOhSTD?si=sVXyZDOMT2-gwYlrVBH_iA

Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/starke-marke/id1541833567

Heute geht es darum, sich selber in die Augen zu blicken und sich klar zu werden, warum  man handelt, wie man handelt. Der Lockdown bietet dazu Gelegenheit en masse.

Frühe Helden

Als Steppke war John Wayne mein Held. Er hatte einen tollen Revolvergurt, den man am Oberschenkel festbinden konnte. Ich habe aber ziemlich schnell gemerkt, dass der John Wayne aus dem Film und meine Realität nichts miteinander zu tun hatten. Niemand liess sich von mir einen  Kinnhaken verpassen und Frauen brauchte ich nicht zu retten, ich hätte auch gar nicht gewusst, wozu das hätte gut sein sollen, es war eh keine da.


Einige Jahre später war Ian Anderson von Jethro Tull mein Held. Er sah etwas verkommen aus mit seinem langen Mantel und die Jungs um ihn herum entsprachen vom Kleidungsstil und Habitus in etwa meinem Anspruch als Esslinger Nachwuchs-Outlaw.

Fachliche Helden

Fachliche Helden gab es genug in den Anfangszeiten meiner Friseurkarriere. Vidal Sassoon, Rita Rusk, Trevor Sorbie und viele mehr haben mich beeinflusst, so wollte ich sein.

Leo Passage, Präsident von Pivot Point, hatte mich unter seine Fittiche genommen und ich konnte mich als Bühnenakteur und im Fotostudio austoben. Im Laufe dieser Entwicklung erkannte ich, dass meine Fähigkeiten nicht zum ganz großen Star reichten. Ich blieb irgendwo zwischendrin stecken, mit fehlte einfach die Portion Fantasie.

Als Haarschneider wurde ich ganz gut, aber eben auch nicht so gut, wie ich mir das gewünscht hatte. Zum Fotostudio als Ort der Schöpfung habe ich eine starke Faszination empfunden. Eine Idee bis zum fertigen Produkt zu entwickeln funktionierte im Studio komprimierter als im realen Leben. De facto aber ist der Ablauf derselbe.

Heutige Vorbilder

Heute habe ich keine Helden mehr, aber viele Vorbilder aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Late-Night Talker Harald Schmitt gehört wegen seiner Rhetorik und seines Witzes dazu, der Segler Boris Herrmann wegen seiner unaufgeregten Persönlichkeit, seiner Zielstrebigkeit und seiner Motivation; der Motorradrennfahrer Valentino Rossi wegen seines jahrzehntelangen Konstanz; der Hotelier Bodo Jansen wegen seines Muts zur radikalen Veränderung seiner Führung und mein großes Unternehmervorbild Reinhold Würth wegen seinen unfasslichen Konsequenz und der Fähigkeit, ein Leben lang einer Vision zu folgen.

Faszination kooperative Führung

Ich bin fasziniert von kooperativer Führung, von Strategie und von unternehmerischem Mut, und vom schaffen eines real greifbaren und bleibenden Werts.

Einer meiner Freunde ist neben der Fürstin Geschäftsführer des Fürstenberg-Forums. Er hat mich eines Tages zu einer Veranstaltung im Donaueschinger Schloß eingeladen, weil dort Christoph Keese einen Vortrag gehalten hat.

Keese ist von Haus aus Journalist, er war Executive Vice President der Axel Springer SE, und ist heute Geschäftsführer bei der Axel Springer hy GmbH. Seine Bücher Silikon Valley – Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt und Silikon GermanyWie wir die digitale Transformation schaffen sind auf der Liste meiner All-Time Favourites.

Als ich Einlass aufs Schloßgelände suchte, habe ich den Fürsten auf seinem Cabrio-Golfwägelchen mit dem Gärtner verwechselt und mich danach am Portal ziemlich stark von den dunklen Luxusimousinen beeindrucken lassen. Mir ist Gottseidank eine gewisse Unbekümmertheit zu eigen, die mir hilft, mich in fremder Umgebung gut zurecht zu finden.

Die Begrüßung der Fürstin habe ich ohne Kratzfuß und Fauxpas hinter mich gebracht. Keeses Vortrag war kurz, knackig und sehr interessant. Sein Thema an diesem Abend war die aufkommende Macht der Fintechs, die zu dieser Zeit grade im Pulk am Start waren, um das angestammte Geschäft der Banken durcheinander zu wirbeln.

Disruption als Programm

Disruption war das am meisten gebrauchte Wort an diesem Abend.Beim Essen saß ich zwischen Investoren, Unternehmern, Beratern, CEOs, Bankern und Wissenschaftlern und habe den Gesprächen zugehört.

Ein älterer Herr, weißhaarig, distinguiert, leger angezogen und mit einer Aura des Souverän umgeben, fragte mich nach meiner Profession. Ich erzählte ihm von unserem Friseurbetrieb mit 15 Mitarbeitern, worauf er mich einige Minuten in ein Gespräch verwickelte, welche Herausforderungen ein Handwerksbetrieb in dieser Größe am Markt heute habe.

Der Mann war Seniorchef eines großen Automobilzulieferes mit einigen Tausend Mitarbeitern, es war sehr inspirierend, ein Gespräch mit einem solchen Unternehmer zu führen. Ein dauerhaftes Forum zum Austausch mit Unternehmern aus einem solchen Umfeld wäre sicher auch für Handwerker eine große Bereicherung.

Mehr Techniker als Kreativer

Im Laufe meiner bisherigen 47 Jahre Berufserfahrung, davon 36 Jahre selbstständiger Unternehmer, habe ich mich immer wieder gehäutet. Ich habe erkannt, dass ich immer mehr Techniker und weniger Kreativer war.

Ich bin von Strategie fasziniert, und ich bin fasziniert davon, Sparten und Menschen über alle Grenzen hinweg zu verbinden. Ich habe darüber hinaus erkannt, dass ich zwar  Gespräche und Menschen mag, aber ich müsste nicht mehr Haare schneiden.

Doch ich werde derzeit nicht nur von dieser Entscheidung getrieben, sondern auch von wirtschaftlichen Notwendigkeiten nach Monaten des Umsatz- und Gewinnverlustes und vom fortschreitenden Alter. Für mich werden die nächsten Monate deshalb ein heikler Ritt.

In der kooperativen Führung konnte ich in der Selbstständigkeit vieles umsetzen, was ich selber als Angestellter nicht mochte. Aber ich bin definitiv besser in der zweiten Reihe aufgehoben. Ich brauche Menschen wie meine Frau und einige meiner Mitarbeiter, die meine weniger stark entwickelte soziale Kompetenz mit ihrer Empathie ausgleichen.

Ich mag es gerne, Einzelgänger mit sozialem Anschuss zu sein und meine Projekte in Ruhe und in einem gewissen Flow zu durchdenken und zu entwickeln. Ich bin deshalb ein konsequenter Nein-Sager. Ich brauche meine Zeit zum Lesen, recherchieren, texten, planen und zum umsetzen.

Es ist ein stetiges Hin und Her zwischen sozialem Kontakt und Zurückgezogenheit und genau so mag ich das. Einschränkend muss ich gestehen, dass ich mir manchmal selber etwas zu anstrengend bin. Deshalb freue ich mich umso mehr darüber, dass jemand zuhause ist, wenn ich in mich gehe. Wenn da mal keiner mehr die Tür öffnet, wird’s happig.

Rückblick Ausbildung

Meine Ausbildungszeit war die Zeit des dauernden Ja-sagen müssen’s. Trag die Farbe auf. Wasch die Haare. Fön die Kundin, bzw. deren Haare. Ich habe es gehasst, permanent angewiesen zu werden, etwas zu tun, was ich nicht tun wollte und das mir keinen Spaß gemacht hat. Ich wollte Haarschnitte machen wie Mia Farrows Haarschnitt in Rosemaries Baby, aber nicht Frau Schmitt die Haarfarbe abwaschen.

Nervtötend dabei fand ich Kunden, die dauernd ihren Kopf aus dem Waschbecken gehoben haben, damit das Wasser ungehemmt in den Kragen strömen konnte. Das ist speziell beim abwaschen von Haarfarbe ziemlich ergiebig. Ich habe so ziemlich viele Damen nass gemacht, aber eben nicht auf die Art, die mir Spaß gemacht hat.

Ich mag das Friseurbusiness und ich mag die Menschen die hier arbeiten, aber mein Glück hängt nicht am Haare schneiden. So, jetzt ist das auch mal raus!

Schwarmwissen

Ein Mensch erarbeitet ab der Geburt alle Kenntnisse wieder aufs Neue. Was er im Lauf seines Lebens gelernt hat, geht zum Großteil durch den Tod verloren. Schade drum, denn jede Erfahrung in jedem Bereich und jedem Leben würde die Menschheit insgesamt nach vorne bringen und schlauer machen. Selbst der Kleinste könnte etwas dazu zu geben.

Frank Schätzings Buch „Der Schwarm“, handelt genau davon. Der Schwarm ist eine maritime Lebensform und ein Verbund von Einzellern. Jede Zelle gibt ihre Informationen durchn Zellteilung  an das große Ganze weiter. Die Erfahrungen werden addiert und gespeichert und stehen dem Schwarm als strategische Aktionsanleitung zur Verfügung.

So ähnlich schwebt es auch Ray Kurzweil vor. Kurzweil gilt als einer der bekanntesten Vordenker des Transhumanismus. Er prognostiziert für das Jahr 2045 eine exponentielle Zunahme der informationstechnologischen Entwicklung, und daraus folgend eine Singularität, die eine künstliche Intelligenz ermöglicht, mit welcher die MenschheitUnsterblichkeit erlangen kann.

Impfgipfel und die Sachlage

Szenenwechsel: Am Montag, 1.2.2021 gab es ja den Impfgipfel. Die Sachlage wurde besprochen, die Ergebnisse sachlich richtig mitgeteilt, die Erwartungen an ein schnelles Ende der Pandemie wieder mal gedämpft.

Was das für die Bürger, die Unternehmer und die finanzielle Basis der Bundesrepublik bedeutet – darüber fiel kein Wort. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Politiker in Berlin oder die an der Spitze der Landesregierungen wirklich wissen, was es bedeutet, in einer derart hoffnungslosen Situation als Mensch mit teils heftigen Existenzängsten die Nerven, den Lebenswillen und seine Lebensfreude zu bewahren.

Hierzu möchte ich euch gerne einen Auszug der sehr aufschlussreichen und sehr gut recherchierten Informationen der Journalistin, TV-Moderatorin und Autorin Marlene Lufen mitgeben. Den Link zu ihrem Instagram-Account habe ich euch in die Shownotes geschrieben: Als Folge des 1. Lockdowns…

  • …gab es 23% mehr Fälle von Gewalt an Kindern in der Gewaltambulanz der Charité im ersten Halbjahr 2020.
  • …erleben 600.000 Kinder oder 6,5% aller Kinder in Deutschland  zu Hause Schläge, Stöße und Schlimmeres.
  • …haben 461.000 Kinder im Jahr 2020 die „Nummer gegen Kummer“ gewählt, ein Plus von 31% oder 10.428 Kinder mehr zum Vorjahr
  • …verzeichnet die „Jugend-Notmail“ und die „Online-Jugend- und Elternberatung“  Steigerungen seit März 2020 um zeitweise 50 %.

Marlene Lufen

Schaut euch das Video dazu auf Marlene Lufens Instagram-Account an, und lest in ihrem Text die vollständige Aufstellung ihrer Recherchen und die zugehörigen Quellen.

Darin führt sie deutlich aus, dass es mehr zur Volksgesundheit zu beachten gibt als den auch nur sehr lückenhaft vorhandenen Schutz der Alten. Was Marlene Lufen hier beschreibt, ist exakt das, was ich in unserem Bereich  ankreide: Niemand in der Politik interessiert sich ernsthaft für die Auswirkungen des Lockdowns außerhalb der großen politischen Linie.

Sie hören es wohl, aber es wird als leider, leider notwendiger Kollateralschaden gesehen. Damit beschäftigen wir uns, wenn die Pandemie vorbei ist. Diese Einstellung ist sehr unklug, denn die Auswirkungen des Lockdowns werden wir über viele Jahre hinweg politisch, gesellschaftlich und finanziell zu spüren bekommen.

Es sind nur noch ein paar Monate bis zur Wahl 2021, aber diese kurze Zeit könnte reichen, um CDU und SPD einen herben Denkzettel mitzugeben.
Ich weiß natürlich, dass alle Ausführungen wie diese hier, die Situation so gut wie nicht grundlegend verändern werden. Wir Menschen sind halt so.

Menschen sind halt so…

Stimmt, so sind wir. Deshalb: Entwickelt euch, damit niemand sagt: Du hast Dich ja gar nicht verändert.

Peter Gres Podcast Quickies

010 – Podcast – Politisches Geblubber

Heute geht es um politisches schwurbeln, blenden, blubbern und den alltäglichen Lockdown-Wahnsinn.

„Ich habe schon immer gesagt…“

Der schlimmste Satz in Politikerinterviews ist: „Ich habe schon immer gesagt…“ Unerträglich, da hilft nur  ausschalten. Hinterher ist ja auch irgendwie sicherer, nicht wahr!?

Alternativlos oder planlos

Der Lockdown ist ja scheinbar alternativlos, das hören wir 24 Stunden am Tag. Er ist nur deshalb alternativlos, weil es keine alternativen Szenarien gibt. Jedenfalls habe ich noch von keiner Alternative gehört.

Fakten schaffen

Die Friseurunternehmerin Kirstin Ellen Vietze aus Berlin war am 24.1.2021 bei Frank Plasberg und hat sehr treffend geschildert, wie es Friseuren geht. Sie hat das gut gemacht, ist bei den Fakten geblieben, war dabei doch emotional und und als Mutter von drei Kindern auch absolut glaubwürdig, was der Lockdown Familien und Unternehmern aufzwingt.

Sie spricht über existentielle wirtschaftliche Not, weil sie inzwischen den zweiten Kredit aufgenommen hat, um den mehr als hundert Jahre alten Familienbetrieb zu retten. Sie durchlebe ein Wechselbad der Gefühle, höre sechzig Mal am Tag das Wort Mama, schlafe zunehmend schlechter und sehe am Ende des Tunnels kein Licht mehr.

Damit kann ich mich, können sich alle Kleinunternehmer, die momentan in der Luft hängen, voll identifizieren. Selbstverständlich kämpfen wir weiter, es bleibt uns ja gar nicht anderes übrig. Woher soll das Geld kommen, aufzuhören?

Hubertus Heil hat wieder mal Empathie gezeigt, er hat verständnisvoll und sorgenumflort nach Frau Vietze geschaut als sie ihre Situation geschildert hat und verfiel dann wieder in das alt bekannte Geblubber, das wir uns jetzt seit vielen Wochen anhören müssen.

Im Grunde genommen ist die Situation ganz einfach: Die Bundesregierung nimmt den Mund voll, verspricht Hilfen, die nicht kommen und bringt damit Menschen an den Rand der Insolvenz. Ich habe abgeschaltet, aber ganz bestimmt nicht wegen Frau Vietze. Von ihr hätte ich gerne mehr gehört

Unpassender Zeitpunkt

Ich kann hier selbstverständlich nicht mit 100-prozentiger Sicherheit behauten, dass sich die Politik keine Alternativen überlegt, denn ich gehöre ja nicht zum inneren Entscheidungszirkel. Wenn sie es aber tut, dann bekomme ich nichts davon mit.

Gezielte Fragen zu Exit-Strategien werden mit dem ‚unpassenden Zeitpunkt‚ pariert. Sogar Laschet, bisher bekannt als Lockdown-Öffner sagt : „Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Öffnungsdiskussion falsch. Die Bedrohungslage ist noch zu groß. “

Ja, wann darf man denn eine Alternative diskutieren, wenn nicht jetzt, wo vielen Unternehmern das Wasser bis zum Hals steht? Am besten gar nicht!? Lassen wir es einfach sein, dann macht sich auch niemand falsche Hoffnungen, dass der Spuk bald vorbei ist? Nur: Wir leben von der Hoffnung. Sie bringt uns die Energie, sie ist der Motor für unseren Glauben an die Zukunft.

Das Märchen von der Bazooka

Alternativ zum falschen Zeitpunkt wird darauf hingewiesen, dass Deutschland reich und die Bazooka geladen ist und man sich einen längeren Lockdown leisten kann.

Die finanzpolitischen Turbulenzen der Zukunft sind momentan noch gar nicht absehbar, aber auch davon redet niemand, außer dem Bund der Steuerzahler. Der sagt aus Erfahrung, dass die Schulden von heute die Steuern von morgen sind. Ach was?

Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes, hat am Montag, 25.1.2021 in einem Interview mit Gabor Steingart gesagt: „In der Politik wird eine Diskussion geführt, wie wir den Sozialstaat weiter ausbauen und an vielen Ecken und Enden weiter draufsatteln können. Niemand legt wahrhaftig die Zahlen auf den Tisch und sagt: Das kann so nicht mehr weitergehen.“

Ich hoffe, dass der Druck auf die Bundesregierung jetzt wächst, doch bitte mit einer Alternative zum Lockdown an die Öffentlichkeit zu gehen. Das wäre auf jeden Fall gut für die Unternehmer, die sich diesen Lockdown auf keinen Fall leisten können.

Wenn wir Kapital brauchen legen wir unseren eigenen Kopf unter das Beil, denn wir müssen die Rückzahlung für das zusätzlich benötigte Kapital selber verantworten. Politikern ist es ganz egal, wo das Geld herkommt. Sie  werden dafür nicht zur Verantwortung gezogen, stehen nicht in der Verpflichtung und haben ihre sichere Rente. Deren persönliche Exit-Strategie ist nicht an den wirtschaftlichen Erfolg gebunden.

Change and rerarrange

Das kann so nicht weitergehen? Ja, das ist  richtig! Niemand aus der großen Politik spricht von hunderttausenden Kleinunternehmern und Arbeitnehmern, die diesen Lockdown ausbaden müssen. Die Herren Lauterbach und Drosten würden uns ja am liebsten ganz weg sperren.

Dann sind wir alle körperlich gesund, wirtschaftlich tot, psychisch auf dem Zahnfleisch und Rente kriegen dann nur noch die, die zum durchhalten anhalten. Dieser Umstand wird nicht diskutiert, wenn er thematisiert wird, ist es lediglich der zarte Anklang einer möglichen Problematik, die niemand vertiefen will. Ihr wisst schon: Falscher Zeitpunkt.

Schutz der Alten geht vor

Selbstverständlich müssen die vulnerablen Gruppen geschützt werden, aber die Kommandobrücke kriegt das ja auch nicht wirklich hin. Täten würde man schon gern wollen, aber mir kommt der Zustand vor wie das Verhalten des Hundes, der sich fünfmal im Kreis dreht, bis er sich endlich hinlegt.

Die Damen und Herren verweisen auf weitere Gespräche. Konzertierte Taten wären besser. Fehlende Tatkraft und Planung (Beispiel Impfstrategie) drückt sich nicht nur in fehlender Aktion, sondern auch in fehlenden klaren Worten aus. Es wird definitiv zu viel geredet und zu wenig angepackt.

Das alles fühlt sich für mich so an, als rase Corona mit Blaulicht und Martinshorn auf der Busspur über alle roten Ampeln am zäh fließenden Verkehr der Politik vorbei. Na Prost, sage ich.

Nachkriegsgeneration

Ich bin 1956 geboren und habe so etwas wie den Lockdown noch nie erlebt, wie alle anderen eben auch, die nach dem Krieg geboren sind. Zu meinen frühen politischen Erinnerungen zählen Debatten im Parlament, bei denen sich die Kontrahenten nichts geschenkt haben.

Mit fallen Strauß, Wehner, Schmidt ein, die haben aufeinander eingedroschen, als gäbe es kein Morgen. Wahrscheinlich habe ich glorifizierte Erinnerungen an diese Zeit, aber es gab viel mehr kantige Typen im politischen Bonn als heute in Berlin.

Die haben sich in Debatten im Parlament mit Messer zwischen den Zähnen beharkt, und ganz sicher waren auch nicht alle koscher. Heute aber sind wir in einem politischen System zuhause, das vom Konsens bestimmt wird, von der Sattheit und vom Bewahren. Es muss ja nicht gleich alles zusammengefaltet werden, aber ein gewisses Maß an Aufbruchstimmung sollte man schon merken.

Schwachstellen im System

Die Pandemie bringt die Schwachstellen des politischen Betriebs gnadenlos ans Tageslicht. Ich befürchte nur, dass sich nach der Beruhigung der Pandemie nichts ändern wird. Es gibt ja keine anderen Politiker als die, die wir grade haben. Adenauer hat schon gesagt: „Nehmen Sie die Leute, die Sie haben, andere gibt es nicht.“

Das Problem ist, dass man versucht, Systeme so lange wie möglich zu erhalten, wie sie sind. Das ist nicht nur einpolitischer Zustand, sondern auch einer von Parteien, Unternehmen, Netzwerken und nicht zuletzt dem Individuum.

Man hat sich eingerichtet, die Zahnräder sind geschmiert und damit einher kommt das Gefühl, man hätte alles im Griff, alles liefe gut – Störungen sind höchst unerwünscht. Netzwerke sind dazu da, sich die Hände zu reichen, Positionen zu beziehen und zu sichern, und das gefällt uns doch allen, nicht wahr?

Wir fühlen uns gut, wenn wir etwas bewegen können. Wenn wir Kontakte haben, um Projekte anzuschieben und deren Entwicklung zu beeinflussen. Die graue Eminenz im Hintergrund oder der Wadenbeisser an der Front – es ist das Gefühl von Macht, Bedeutung und Anerkennung.

In der Politik sind Netzwerke die Killerapplikation, weil zu viele gesichtslose und teils untalentierte Mitschwimmer nach oben gezogen werden. Mit diesen Nachteilen müssen wir Bürger in einer freiheitlichen Demokratie leben.

Menschen sind immer auch das Produkt der Gesellschaft, in der sie sozialisiert und ausgebildet werden. Es ist erstaunlich, wie tiefgreifend sich ein politisches System an außergewöhnlichen Situationen wie de Corona-Pandemie aufreibt.

Wahlkampf 2021

2021 kommt noch erschwerend der Wahlkampf dazu. Da bleibt nicht viel Zeit für einen Strategieplan für den Lockdown-Exit. Der Wahlkampf tobt im Hintergrund schon mit aller Macht.  Und weiter erschwerend ist, dass die Sprache unserer Politiker und Führungspersonen so blubberig wachsweich geworden ist, dass man sich an ihnen gar nicht mehr festbeissen oder reiben kann.

Klare Kante

Man regt sich  über die da oben auf, aber das tun wir ja schon immer. Bei uns in Deutschland sind nur wenige aus Politik und Wirtschaft für einen starken Charakter, einen kerzengeraden Rücken und für eine klare Sprache bekannt.

Als Negativbeispiel nehme ich mal die vermeintliche Creme de la Creme aus Wirtschaft und Politik, namentlich Joe Kaeser, Vorstand von Siemens. Der ist Trump letztes Jahr in Davos fast in den Hintern gekrochen, das war peinlich und rückgratlos. Und Klaus Schwab, Organisator des Weltwirtschafsforums in Davos, hat Trump explizit dafür gedankt, dass er – ich kann es immer noch nicht glauben –  „unsere Diskussionen mit seinem Optimismus bereichert hat.“

Nun, was soll man von solchen Vorbildern halten? Der eine, Kaeser, schleimt Trump Honig ums Maul, weil er seine Geschäfte in USA sichern will, und der andere, Schwab, war sich nicht zu schade dafür, dem kleingeistigen Großmaul nach dem Mund zu reden, weil er Angst vor einer Konfrontation oder einem Eklat hat.

Diese Menschen haben in ihrem Leben schon so viel auf die Beine gestellt und erreicht, da sollte mehr Rückgrat vorhanden sein. Wir werden alle daran gemessen, für was wir stehen, und wogegen wir stehen. In der Zeit des Lockdowns ist das noch wichtiger als zuvor.

Kritische Nach- und Vorausdenker

Die Linie zwischen Querdenker und kritiklosem Abnicker ist schmal. Es sollte aber möglich sein, dass wir zwischen den Schreihälsen und den Duldern den kritischen Nach- und Vorausdenker etablieren.

Ich komme dabei persönlich aufs Glatteis: Wie weit traue ich mich aus meiner Deckung mit dem  was ich kann? Ich würde ein Problem oder einen Zustand gerne geschliffen-pointiert und emotional zwingend auf den Punkt bringen, doch dazu fehlt mir leider die rhetorische Fähigkeit. Erstaunlich, auf welche Gedanken und Einsichten man so kommt, wenn man auf sich selbst zurück geworfen wird.

Einfach mal so ist keine Option

Eines habe ich im Laufe der letzten Jahrzehnte gelernt: Einfach mal so machen geht nie. Harry Belafonte hat gesagt: „Ich habe 30 Jahre gebraucht, um über Nacht berühmt zu werden.“ Sich zu verändern ist ein dauernder Prozess, der ein Verlassen der Komfortzone und ein Ausbrechen aus der Gewohnheit voraussetzt. Weil Corona sowieso grade alles aus den Angeln hebt, ist jetzt die beste Zeit für den Beginn einer persönlichen Veränderung.

Peter Gres Podcast Quickies

009 – Podcast Starke Marke – Tägliche Routinen

Heute geht es um das Thema der täglichen Routinen im Lockdown. Wir sind ja von einem Tag auf den anderen aus unserem gewohnten Ablauf gerissen worden und müssen unsere Tage mit einer alternativen Struktur versehen. Warum diese Routinen speziell im Lockdown wichtig sind möchte ich heute anhand meines eigenen Beispiels aufzeigen.

Gezielt Routinen aufbauen

Dazu möchte zuerst eine Volte knappe zehn Jahre zurück drehen. Am 1. August 2011 hatte ich einen schweren Motorradunfall mit Wirbelbrüchen,  kaputter Schulter und einer komplett gestauchten linken Körperhälfte. Bei der Untersuchung im Krankenhaus war nicht klar, ob die Operation zur Stützung der Wirbel erfolgreich würde verlaufen können. Gottseidank hat alles gut geklappt, ich bin dem Rollstuhl entkommen.

Am zweiten Tag nach der OP stand morgens ein Physiotherapeut an meinem Bett, der mich aufforderte, aufzustehen und mit ihm einige Schritte zu gehen. Ich dachte, der scherzt, ich hatte das Gefühl, mein Körper würde sich vor Schmerz nie mehr bewegen lassen. Er blieb unerbittlich, und durch die Androhung eines Rollators hat er meinen Ehrgeiz angefacht.

Damit die Erzählung jetzt nicht ausartet, gehe ich zweieinhalb Jahre weiter ins Frühjahr 2013. Meine Schulter hat wieder gut funktioniert, die Schmerzen im Rücken waren akzeptabel und ich habe mich wieder an den Physiotherapeuten erinnert.

Von alleine wird’s nicht mehr

In diesem Frühjahr war mit klar: Wenn ich jetzt nicht gezielt meinen Körper wieder aufbaue werde ich zum schlurfenden alten Sack. Also habe ich begonnen, jeden Morgen Sport zu machen, außer sonntags. In der ersten Sitzung habe ich eine Liegestütze geschafft, zwei halblebige Rumpfbeugen, und für mein Schultertraining konnte ich lediglich das schwächste grüne Teraband benutzen.

Ich habe natürlich gemerkt, dass sich der Körper selber heilt. Aber eben nur bis zu einem bestimmt Grad. Diesen Heilungsprozess wollte ich unbedingt stärker unterstützen. Dafür habe ich einen Personal Trainer gebucht.  Der hat mir ein Programm mit Übungen geschrieben,  und mit mir jede Übung so lange trainiert, bis ich ein Gefühl für die richtige Haltung bekommen hatte.

Routinen im Lockdown

Im Lockdown ist dieses tägliche Training ein Teil meiner Tagesstruktur. Ich habe mittlerweile drei Trainingseinheiten entwickelt, die ich an sechs Tagen je zweimal pro Woche durchziehe. Montag und Donnerstag gibt es Bizeps- und Trizeps-, Oberschenkel- und Schultermuskulatur-Training am TRX-Band. Dienstag und Freitag Bauchaufzüge, Rumpfbeugen, Dips und Bizeps. Mittwoch und Samstag Liegestützen, Planks, seitliche Beinheber und Rückenstretching.

Unter dem Tag verteilt schnappe ich mir die Langhantel, die mitten im Wohnzimmer liegt. Ich führe dazu eine Strichliste und habe festgestellt, dass ich die Langhantel durchschnittlich viermal pro Tag zusätzlich hernehme. So einfach kann es sein.

Fitness-Pflicht

Zusätzlich lege ich mit meinem Kollegen und Freund Oliver Gerbert einen Pflicht-Wandertag pro Woche ein, egal ob es regnet, schneit oder der Wind uns fast vom Berg bläst. Das Training am Morgen setze ich deshalb aber nicht aus. Das Training ist an allen Tagen Pflicht, ob Urlaub oder Alltag, es ist von allen Tagesunternehmungen völlig unabhängig.

Wenn 6 Uhr aus Zeitgründen zu spät ist, dann stehe ich eben früher auf. Ausnahmen gibt es nicht. In den letzten sieben Jahren hat sich das Trainingsritual bei mir so verfestigt, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke, ob ich morgens eine andere Option habe. Noch niemals zuvor in meinem Leben war ich körperlich und mental so fit.

Meine Trainingsklamotten hängen beim Bett. Ich stehe auf, schlüpfe rein und trainiere. Ohne Umweg in die erste Runde. In der kurzen Pause Wasser  kochen und Tee ziehen lassen. Dann die zweite Runde. Einen Schluck Tee nehmen. Dritte Runde.

Nach dem Training das Morgenmagazin anschalten, dann  bin ich wach genug, um die News ertragen zu können. Was bringt es, wenn ich mir schon vor dem richtig wach sein die Informationen reinknalle? Corona, Mortalität, Lockdown, Impfprobleme und USA gibt es auch noch wenn ich wach bin.

Seltsame Automatismen

Ich frühstücke niemals, außer am Sonntag und im Urlaub. Fragt mich nicht wieso, das hat sich eben so entwickelt.  Viele um  mich herum denken anders darüber, und meist dauert es nicht lange, bis ich die ersten Argument bekomme, warum ich unbedingt frühstücken sollte. Ich lasse sie reden, sollen sie denken, was sie wollen, es ist nicht mein Problem.

Das hat sich einfach so ergeben, und ich komme damit sehr gut klar. Schon interessant, welche Automatismen sich so nebenher entwickeln. Was ich mache  taugt für mich, einem anderen dagegen gar nicht. Aber das interessiert mich ja nicht, ich bin ja nicht der andere. Alleine wichtig ist, meinen eigenen Takt zu finden, um meine persönliche Ausgeglichenheit zu erreichen oder zu erhalten.

Ich höre zu, was andere sagen, gleiche ab, ob ich das brauchen kann, und nehme es auf oder lasse es sein. Es ist eigentlich ganz einfach, sein Ding durchzuziehen. Man darf einfach nicht zu viel auf andere hören, sonst bekommst Du keine Linie in die Tages-Routinen.

Der erste Schritt ist der wichtigste

Das Allerwichtigste ist, dass man überhaupt anfängt. Das beginnt ganz klein und vorsichtig, aber wenn man es konsequent jeden Tag immer zur selben Zeit macht, ist der wichtigste Schritt getan. Eines gar nicht fernen Tages vom ersten Schritt entfernt, nimmst man ein richtig gutes Körpergefühl und das Gefühl von mentaler Kraft wahr.

Die Investitionen einen Personal Trainer  hat sich für mich ausgezahlt, weil ich keine computergesteurten Maschinen, sondern nur mich und mein Eigengewicht brauche.

Was hat das jetzt mit dem Lockdown und den täglichen Routinen zu tun? Das Training mache ich ja auch während meiner Arbeitstage. Um das Training herum habe ich im Lockdown jedoch zusätzliche, verpflichtende Routinen installiert.

Struktur-Routinen

  • Erstens: Niemals ungeduscht arbeiten
  • Zweitens: Niemals in Lümmel- oder Sportklamotten an den Rechner sitzen
  • Drittens: Immer zur selben Zeit aufstehe (außer Sonntag)
  • Viertens: Immer zur selben Zeit mit der Arbeit beginnen
  • Fünftens: Um 13 Uhr Mittagessen
  • Sechstens: Nachmittags frei verfügbar

Was im Gehirn passiert

Routinen einzuführen ist wichtig, aber auch sie zu verändern oder sie anzupassen. Der Körper bleibt ja nicht über Jahre gleich. Ein Beispiel: Ich möchte eine Routine installieren. Was passiert im Gehirn? Zuerst muss ich klar vor Augen habe, was ich verändern möchte.

Habe ich kein Ziel, komme ich nirgends an. Mit der ersten Handlung lege ich einen Pfad in meinem Gehirn an. Synapsen werden getriggert, sie legen die Informationen an. Je öfter ich eine Handlung wiederhole, desto stärker feuern die Synapsen, beziehen andere Synapsen mit ein und legen so einen immer breiteren Pfad im Gehirn an. Ob ich eine Fremdsprache oder ein Gedicht lerne, oder eine andere Routine einstudiere, das Gehirn braucht einen gewisse Zeit,  um sie zu festigen.

Das funktioniert über Konzentration, Konsequenz und natürlich eine gehörige Portion Sturheit und Egoismus. Bevor meine wichtigsten Routinen nicht abgehandelt sind – in meinem Fall ist es das tägliche Fitnesstraining – gibt es keine geschäftliche Aktivität, keine familiären Verpflichtungen und Erledigung, werden keine Anweisungen angenommen, nur die Routine steht im Fokus. Deshalb: Niemals etwas or den wichtigsten Routinen einschieben!

Smartphone-freie Zeit

Das Smartphone, sonst mein sehr intensiv genutzter Begleiter ist von 19 Uhr abends bis um 8 Uhr morgen auf Nachtruhe gestellt. Nach 19 Uhr lese ich, mal kürzer, mal länger, aber wenn, dann fokussiert und konzentriert.

Informationen im Vorbeigehen aufzunehmen bringt nichts, so entwickelt sich kein Gedankenfluss. Es kommt nicht auf die Menge der Informationsaufnahme an, oder auf die Lesegeschwindigkeit, sondern darum, sich in den Text einzudenken und die Synapsen feuern zu lassen.

Passiert das nicht, ist das Thema für mich nutzlos. Was nicht heißt, das ich das Thema später wieder aufnehme. Wrong time, wrong topic!  Ich quäle mich nicht durch Bücher, deren Schreibstil und Inhalt ich nicht mag.  Ich kann mich dann einfach nicht mehr auf den Sinn des Textes konzentrieren.

In meiner Bibliothek stehen viele Bücher, die für mich so schrecklich nutzlos sind, die aber von anderen geliebt werden. So hat halt jeder seinen Ansatz, aber wenn meinem Mitmenschen etwas gefällt muss ich das nicht automatisch auch gut finden. Und selbstverständlich gilt das auch vice versa.

Cooles Sport-Styling

Heute Morgen habe ich TikTok geschaut und viele perfekte Ärsche in hautengen Sportklamotten gesehen. Perfekt in Szene gesetzt und dem gängigen Publikumsgeschmack angepasst. Ich habe eine ausgeleierte Trainingshose an, ein schlabbriges T-Shirt mit dem ich keinen Schönheitspreis gewinne und meine Woll-Hausschuhe, weil die eine rutschfest Sohle haben.

Der ganze Mist mit angesagten Klamotten, coolen Schuhen und elektronischen Devices nervt mich. Den ersten Schritt zu einer sportlichen Routine kannst Du auch im Kartoffelsack machen. Hauptsache ist, Du machst es!

Gedichte-Routine

Ihr könnt natürlich gerne darüber lachen, aber gedanklichen Ausgleich schaffe ich mit dem auswendig lernen von Gedichten. Wer die geschrieben hat ist dabei nicht ganz so wichtig, das Thema muss mich emotional packen.

Wenn ich nachts aufwache und meine Gedanken, speziell im Lockdown, auf Wanderschaft gehen, rezitiere ich im Stillen meine Gedichte. Dazu habe ich mir gedankliche Ordner angelegt. Die heißen: 1. Erich Kästner, 2. Goethe, 3. Morgenstern, 4. Diverse und 5. Songtexte.

Habt ich euch schon einmal mit Memo-Techniken beschäftigt? Dann werdet ihr Gregor Staub vielleicht kennen. Nach dem Studium seiner Technik habe ich mit den Gedichten begonnen und es funktioniert super. Auch zu Gregor Staub findet ihr einen Link in den Shownotes.

Lockdown-Blues

Unsere Gesellschaft steht derzeit unter Strom. Vielen Unternehmern droht das Aus, viele Menschen werden ihre Arbeit verlieren und wahrscheinlich wird es viele Jahre dauern, bis wir wieder eine kulturell potente Szene haben werden.

Ich habe mir mittlerweile die Mutmaßung über die Zukunft versagt. Es kommt wie es kommt, wir werden wenig daran ändern können. Das heißt nicht, dass ich mir keine Gedanken um die Zukunft mache. Aber: Wenn ich mit dem Auto im dichten Nebel unterwegs bin, dann fahre ich halt etwas langsamer. Wenn ich die Strecke nicht kenne macht es keinen Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, wie viele Kurven noch kommen und wieviele Abzweigungen wohl auf mich warten. Ich weiß es einfach nicht, ich kann nur raten und weiter fahren.

Persönlicher Lockdown

Für meine persönliche ist der Lockdown fast ein Segen. Wäre der wirtschaftliche Druck nicht, würde ich jauchzen, denn noch nie in meinem Arbeitsleben hatte ich so viel Zeit, um mich mit anderen interessanten Dingen zu beschäftigen. Das Perückenstudio wächst, der Podcast ist endlich draußen, die Live-Video-Shopping Software ist auf der Webseite integriert.

Ich habe viel über iMovie, Garageband, Aufnahmetechnik von Video und Ton gelernt und ich lerne immer weiter. Das langsame Voranschreiten und das tiefe Lernen unterliegt auch Routinen.

Ich habe verstanden, dass Leben ein immer währender Prozess ist. Ich werde nie fertig, ich bin immer im Entwicklungszustand. Heute noch ich, morgen ein Unbekannter. Ich bewege mich, lerne, wäge ab und handle jede Sekunde auf einer neuen Wissens- und Erfahrungsbasis. Das ist doch super. Ich muss bloss denken und schon verändere ich mich. Einfacher geht Veränderung nicht. Ich kann es gar nicht aufhalten, das passiert automatisch.

Routinen sind das Mittel dazu, sich von blossen Wunschgedanken zu lösen und tatsächlich etwas umzusetzen. Ob das mehr Sport ist, weniger Alkohol trinken oder sich mehr um Frau oder Mann oder Kinder zu kümmern, ist völlig egal. Es geht um das, was ich wir wirklich wollen. Wir kennen ja alle das jährliche Ritual an Silvester, was wir im nächsten Jahr alles tun werden. Am Ende des Jahres nehmen wir uns wieder Neues vor, obwohl wir das Alte noch gar nicht in Angriff genommen haben.

Peter Gres Podcast Quickies

008 – Podcast Starke Marke Weniger ist mehr

In dieser Folge geht es um das Zuviel an Auswahl, um den Stress mit den damit zusammenhängenden Kauf-Entscheidungen und um das andauernde Gefühl, niemals zufrieden zu sein, egal wieviel wir konsumieren. Das bringt uns zwingend logisch zu der Frage: Sollten wir generell weniger Dinge besitzen?


Wie viele Klamotten hängen in unseren Schränken, die wir vielleicht noch nicht einmal getragen waren? An denen noch das Preisschild hängt? Wie viele Kleidungsstücke vergessen  wir, weil sie in der unübersichtlichen Stoffmassen im Schrank untergehen?

Wie viel Stress haben wir jeden Morgen bis wir entschieden haben was wir anziehen und wer wir heute sein wollen? Ella Schön, die Asperger-Authistin, gespielt von Ellen Frier, probiert ein Outfit in der Boutique an und sagt zur Verkäuferin:“Bitte siebenmal.“ Das hört sich übersichtlich an.

Peter Gres Podcast Quickies

007 – Podcast Starke Marke – Wie kommen wir durch die Pandemie

Fakt ist, dass vielen kleinen Unternehmen die finanzielle Puste ausgeht. Das liegt meist daran, dass kleine Unternehmen keine hohen Rücklagen bilden konnten und jetzt sehen müssen, wie sie sich neu aufstellen.

Diese Frage stellen wir uns selber auch, denn eines ist klar: Wenn wir den ganzen Januar geschlossen bleiben und keine adäquaten Hilfen von Staat bekommen, dann sieht es für unser bisher gefahrenes Geschäftskonzept ziemlich düster aus.

Verschärfend fällt ins Gewicht, dass die Politik am 5.1.2021 die Verlängerung des Lockdowns beschlossen hat. Am 25.1.2021 wollen sich die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin wieder treffen.

Das bedeutet geschlossene Geschäfte bis mindestens Montag, 1.2.2021. Das wird vielen kleinen Geschäften den Todesstoss versetzen. Daraus resultiert nun eben die Frage: Wie kommen Unternehmer wirtschaftlich und medizinisch einigermaßen gesund mit dieser ständigen Bedrohung zurecht. Und wie können sie ihre Geschäfte retten?