petergress, Autor bei Peter Gress - Seite 13 von 13

All posts by petergress

Radikaler Kundennutzen

Unsere Anforderung an Mitarbeiter heißt: Bring für jedes Problem gleich die Lösung mit.

Wir sind in den vergangenen Jahren ein gutes Stück voran gekommen, vieles wird intern im Team besprochen und von den Mitarbeitern gelöst, ohne dass ich eingreifen muss. Erst bei komplexen Problemstellungen beginnt mein Job. Das geht nur, wenn ich täglich Kontakt zu meinen Mitarbeitern habe.

Die Basis
Wir haben Produktivitäts- und Kosten-Benchmarks eingeführt, die Mitarbeitern kontrollieren sich über eine Jahreszielkontrolle, individuelle Ziele wurden definiert, wir Re-Booken bis zu 80 Prozent der Folgetermine, haben Stellen- und Prozessbeschreibungen eingeführt, also all den organisatorischen und administrativen Klimbim etabliert, den man für einen möglichst reibungslosen Prozessablauf braucht. Das alles kann man sich ziemlich schnell erarbeiten, das ist keine unternehmerische Leistung, das ist Managementbasis. Im Grunde genommen ist es kalter Kaffee, weil immer mehr und besseres Management, immer ausgefeiltere Prozesse, immer bessere Zahlenkontrolle nichts helfen wenn Branchen unter Innovationsdruck stehen. Ok, heute guckt man beim Friseur Frisuren auf dem iPad an, bucht Termine bei Dienstleistern online, hat ‘ne Web- und ‘ne Facebookseite, manche twittern fleißig, man zeigt sich bei Pinterest, nutzt SMS-, Mail- oder WhatsApp-Reminder, aber das sind keine wirklichen Innovationen, das ist die Betreuung von Kunden über die Salontür hinaus, digitaler Pattex eben.

Die Lichtgestalt als Führungskraft
Heute zählt in allen Branchen nicht mehr nur die Lichtgestalt an der Spitze der Kreativkette. Das Team ist der Star und die Lichtgestalt wird zum Lenker des Unternehmensbusses. Hierfür brauchen die meisten Chefs Rüstzeug. Führung wird wichtiger, Innovation wird sehr wichtig, gemeinsame Kreativprozesse jenseits vom klassischen Brainstorming werden immens wichtig. Unternehmer brauchen Auszubildende, Fachkräfte, Führungskräfte. Die müssen aus- und weitergebildet werden (wenn man sie denn überhaupt bekommt). Viele Unternehmen müssen sich zusätzlich zum Wettbewerbsdruck überlegen, wie sie diese Mitarbeiter in teils abgelegene Regionen locken. Es sind so viele Bereiche zu bearbeiten, dass man die Kreativität des ganzen Teams braucht. Hier kommt Design Thinking ins Spiel.

Design Thinking
Design Thinking ist eine zielführende, radikal auf den Kundennutzen ausgerichtete, Methode für den Innovationsprozess. Über sechs Stufen führt die Methode in der ersten Sequenz vom Verständnis des Problems über die Informationssammlung bis zur Synthese. Die zweite Sequenz wird durch klassisches Brainstorming eingeleitet. Nach dem Brainstorming kommt der entscheidende Schritt, nämlich die Umsetzung der Ideen in einen Prototyp, der dann in den Kundentest geht. Auf diese Weise hat man die Chance, früh und oft unter dem Aspekt des kleinsten leistbaren Verlustes zu scheitern. Das ist immens wichtig vor dem Hintergrund, dass 70-80 Prozent aller Markteinführungen, seien es Produkte oder Dienstleistungen, das nächste Jahr nicht überstehen. Design Thinking besitzt damit ein gewaltiges Einsparungspotential an finanziellen und menschlichen Ressourcen.

Im Design Thinking Prozess setzen sie lediglich die Arbeitszeit einer interdisziplinär zusammengesetzten Design Thinking Truppe ein. Diese Kosten können sie als marginal ansehen, wenn sie die Investitionen der Markteinführung für ein weiteres sinnloses und zum scheitern verurteiltes Me-Too Produkt gegenüber stellen.

Der kreative Prozess
Wenn der kreative Prozess im Design Thinking nicht zu einem fassbaren Prototyp führt, können sie problemlos zu einem der vorherigen Schritt im Prozess zurückkehren. Es kann auch notwendig sein, dass sie ganz an den Anfang zurück müssen, weil sie einen nicht lösbaren Knick im Denkprozess haben. An welchen Punkt auch immer sie kommen, der Lösungsansatz ist nie weit entfernt. Menschen unterschiedlicher Ausrichtungen bringen immer wieder neue Ansätze in den Kreativprozess ein. Sie werden Wendungen in der Problemlösung erleben, an die sie vorher nicht im Traum gedacht haben. Jeder Mensch denkt seinen Stil, mag er noch so kreativ sein. Mehrere Menschen durchdringen ein Problem ganz anders, sie finden mehrere Lösungswege und damit neue Ansätze.

Niemand braucht immer mehr Produkte gleicher Machart. Verbraucher wollen Neues, von dem sie bisher noch gar nicht wussten, dass sie es überhaupt brauchen können. Das ist die Chance für Unternehmen an der Spitze zu bleiben. Design Thinking ermöglicht tief greifende Innovation und nicht nur pseudo-kreatives Scharren an der Oberfläche.

Ich bemühe mal wieder Henry Ford: “Hätte ich die Menschen gefragt, was sie wollen, hätten sie gesagt, schnellere Pferde. Ich habe ihnen stattdessen das Auto gegeben.”

Kein Problem ohne Lösung

Bei vielen Team-Meetings knallt jeder seine Probleme auf den Tisch, um sie erst mal los zu sein. Als verantwortliche Führungskraft kommt dann meist das Gefühl auf, man müsse sich persönlich um Lösung kümmern. So werden die Probleme der anderen schlagartig die Probleme des Chefs. Lassen sie ihre Mitarbeiter für jedes Problem die Lösung gleich mit liefern, dann reduziert sich die Anzahl der Probleme sofort um 90 Prozent. Die übrig gebliebenen Themen verteilen sie an diejenigen, die mit dem Problem das größte Problem haben. Die wollen es weg haben, ergo werden sie sich gerne um die Lösung kümmern.

Wenn sie den Kopf voller Probleme der Mitarbeiter haben können sie nicht mehr führen.

Ein Loch ist im Eimer, Karl-Otto…

Erst kürzlich habe ich über tägliche Führung geschrieben und euch eine kleine Geschichte über meinen Mitarbeiterbus erzählt. Heute wollte ich mal so richtig stolz auf meine Mädels sein, und es wäre ein fast perfekter Tag geworden. Da passierte es wieder: der Rückfall auf “Friseurstübchen-Emmi-Niveau”. Die Verursacher darauf angesprochen hörte ich: “Ich dachte…” – nein, denk nicht, halte Dich an die Standards! “Ich wollte eigentlich…” – aha, eigentlich doch nichts gedacht. “XYZ hat gesagt…” – wenn zwei denselben Fehler machen ist es immer noch falsch.

Das Loch im Eimer
Ich bin fassungslos, dass ich immer wieder Löcher im Fundament finde, die ich schon längst ausgemerzt glaubte. Meist ist das Unachtsamkeit, Unaufmerksamkeit und auch einTeil Gleichgültigkeit der Ausführenden, zwar nicht bösartig, aber doch vorhanden. Die intensive Auseinandersetzung mit täglicher Führung führt mich Level für Level viel tiefer als ich angenommen hatte. Ich lande immer bei den Unternehmensstandards, deren Schulung und konsequenter Kontrolle. Kontrolle hört sich nach Einschränkung an, und ja, in diesem Fall SOLL es auch eine Einschränkung sein, denn letztlich möchte ich UNSER Unternehmen repräsentieren und nicht die INTERPRETATION unseres Unternehmens durch jeden einzelnen Mitarbeiter.

Es ist durchaus meine Ansicht, dass Führung die Individualität der einzelnen Person berücksichtigt. Aber mein Unternehmen soll keine individuellen Mini-Friseurunternehmen innerhalb des Unternehmens züchten und betreuen, sondern durch Unternehmensstandards eine gleichbleibend hohe Leistung aller Mitarbeiter im Sinne meiner Werte und Unternehmensziele gewährleisten. Innerhalb dieser Standards kann sich jeder Mitarbeiter ausleben. Aber die Standards selbst sind nicht diskutierbar, bei aller Liebe zur Individualität.

Als Führungskraft bin ich in einer seltsamen Zwitterstellung. Zum Einen möchte ich, dass meine Werte im Unternehmen sicht- und spürbar sind, und dass meine Ziele erreicht werden. Zum Anderen mag ich übertriebene Kontrolle nicht, lerne aber Tag für Tag, dass es ohne aktives Beobachten der täglichen Abläufe nicht geht. Wenn das schon Kontrolle ist, tja, dann muss sie wohl sein. Woher kommen die Probleme? Her ein üblicher Ablauf nach Aufnahme eines Fehlers: Statt den betreffenden Mitarbeiter sofort anzusprechen und eine sofortige persönliche Stellungnahme zu dem Fehler zu vermeiden sage ich erst mal nichts, und beruhige mich damit, dass der Zeitpunkt für ein Gespräch momentan ungünstig ist. Ich nehme mir vor, den Sachverhalt bei der nächsten günstigen Gelegenheit – die in der Regel nicht kommt – anzusprechen und die damit zusammenhängenden Probleme ein für alle Male auszuräumen. Auch wenn es zu einem Gespräch kommt funktioniert der ein-für-alle-Mal-klären-Ansatz nicht, weil nur der stete Tropfen den Stein höhlt. Die Pfade müssen im Gehirn meiner Mitarbeiter erst angelegt werden, und dann muss ich dafür sorgen, dass aus einem Trampelpfad eine Autobahn wird. Bekomme ich das in meiner täglichen Führungsarbeit nicht hin, lasse ich mir meinen Führungsanspruch schon aus der Hand nehmen.

Wie immer man es bezeichnet: Persönliche Stellungnahme ist Konfrontation mit dem Verhalten eines anderen Menschen. Wenn ich hier nicht schnell und konsequent die Sachverhalte anspreche und die Probleme nicht löse, kochen ganz schnell Emotionen hoch, die zu schlimmen Verstimmungen in mir selber und mit den Mitarbeitern führen können. Der Spalt zwischen meiner Vorstellung und der Realität im Unternehmen ist mein persönliches Problem, dafür kann kein Mitarbeiter etwas. Besteht dieser Spalt sind entweder meine Vorstellungen nicht realistisch, oder ich kommuniziere inkonsequent. Die zusätzliche Krux an einer Vorstellung ist es, dass mein Mitarbeiter die Sachlage völlig anders einschätzt als ich, dass es für ihn oder sie in der betreffenden Sache überhaupt kein Problem gibt. Und sind wir ehrlich: wenn ich nicht lückenlos erklären will oder kann was ich will, wie soll er begreifen, dass ich ein Problem mir seinem Verhalten habe?

Und wieder ist es die tägliche Führung, das ständige anpassen an die Werte und Ziele des Unternehmens. Es ist einfach, eine Philosophie aufzuschreiben, aber ungleich schwerer, sie Tag für Tag aufrecht zu halten.

Tägliche Führung hält die Mitarbeiter auf Kurs

In vielen Gesprächen ist mir immer wieder aufgefallen, dass Führung für viele Chefs etwas weit entlegenes ist, etwas, das nur speziell ausgebildete Menschen in höchst komplexen Projekten und hohen Positionen anwenden. Führung hat einen Nimbus unglaublicher Wichtigkeit, dabei ist Führung nichts anderes als das konsequente verfolgen eines Lebens- und Unternehmenszieles. Wer selbstständig ist und Mitarbeiter hat führt automatisch, ob bewusst oder unbewusst. Chefs müssen kommunizieren, sie wollen ja, dass ihre Mitarbeiter eine Aufgabe zum Wohle des Unternehmens durchführen und diese erfolgreich umsetzen. Es gibt einen Sender, es gibt einen Empfänger, es gibt ein Thema und es gibt die Übermittlung der Information. Über die ersten drei Punkte brauche ich keine Worte verlieren, die Kommunikation ist der ausschlaggebende Punkt. Geführt wird mit Kommunikation, durch Kommunikation. Wir wissen, dass nicht kommunizieren nicht geht. Kommuniziert wird auch ohne Worte und das teils sehr viel intensiver, weil viel interpretiert, aber nichts klar ausgesprochen wird. Schweigen ist in diesem Fall Blei.

Ich gehe mit der folgenden Geschichte ein paar Jahre zurück in meine berufliche Anfangszeit. Nach meiner Meisterprüfung begannen meine Wanderjahre. Ich war alleine mit meiner Schere und meinem Kamm und mächtig vielen Ideen im Kopf. Ich wusste, dass ich etwas drauf hatte, aber ich wusste nicht bis wohin meine Befähigung reichen würde. Also habe ich meine Grenzen gesucht. Dazu brauchte ich keine Unternehmensphilosophie mit Werten und Zielen, ich war mir selber genug. Das änderte sich als ich mich mit meinem ersten Salon selbstständig machte und Mitarbeiter eingestellt habe. Die haben meist nicht das gemacht was ich wollte, weil ich davon ausgegangen bin, die wüssten schon was sie zu tun haben. Das war ein Fehler! Ich konnte es meinen Leuten aber nicht sagen, weil ich es selber nicht wusste. Ich war zwar der Busfahrer, aber ich hatte keinen Plan wohin ich fuhr.

Also strickte ich mir eine Unternehmensphilosophie, definierte meine Werte und steckte meine Ziele. Alles toll sagten meine Mitarbeiter, das hört sich gut an. Also: zweiter Versuch. Rein in den Bus, hinters Lenkrad geklemmt, Gang eingelegt, Gas gegeben und ab dafür. Nach einigen Kilometern habe ich mich umgedreht und sah – niemanden. Ich war mal wieder zu schnell abgefahren und habe meine Mitarbeiter an der Bushaltestelle stehen lassen. Was war jetzt passiert? Ich habe nicht gut genug kommuniziert, habe nicht begriffen, dass Philosophie und Ziele auch vermittelt werden müssen. “Das nennt man Führung”, sagte mein damaliger Mentor, dem ich mein Dilemma schilderte.

Wenn ich der Busfahrer bin muss ich wissen, wohin die Fuhre steuert. Damit meine Mitarbeiter in den Bus einsteigen, muss ich mir nicht nur überlegen, was für mein Unternehmen gut ist. Ich muss auch darüber nachdenken, was für meine Mitarbeiter drin ist wenn sie mir folgen. Seit vielen Jahren trainiere ich dieses Verhalten und wahrscheinlich werde ich bis an mein Lebensende immer noch Fehler in meinem Verhalten finden. Aber unser Unternehmen ist erfolgreich, es wächst und ich bin mittlerweile ziemlich gut darin, meine Ziele konsequent zu verfolgen. Nicht jedem gefällt mein Bus und meine Stationen, aber jedem Mitarbeiter steht es frei auszusteigen wenn ihm die Route nicht gefällt. So lange ich meine Benchmark einhalte, 70 Prozent meines Teams von einem ins nächste Jahr zu tragen bin ich zufrieden und habe gut geführt.

Im Grunde genommen ist Führung nichts weiter als das reflektieren darüber, was meine Mitarbeitern gut tut und meinem Unternehmen gleichzeitig nützt.

Juniors im Coaching

Im Jahre 2013 habe ich für unser Unternehmen Gress Friseure Aveda Concept Salon das Programm “Juniors im Coaching” eingeführt. Dieses Segment ist die erste Unternehmenseinheit, die sich vollständig auf die Entwicklung von talentierten, jungen Fachkräfte konzentriert.

Das Programm baut auf die Private Duale Ausbildung der Pivot Point Academy auf. Der kompakte Wissenstransfer in den ersten beiden Ausbildungsjahren (6 Module á 4 Wochen = 24 Wochen) ist die Grundlage für die Amortisation der Investitionskosten für die externe Qualifizierung. Im dritten Ausbildungsjahr sind die Jugendlichen so fit, dass sie eigene Kunden bedienen können. Ein Drittel des dritten Ausbildungsjahres befinden sich die Juniors im erweiterten Coaching-Programm. Jeder Gast den sie bedienen wird von Ausbildern geprüft und das Ergebnis besprochen. Die beiden letzten Drittel sind sie auf sich alleine gestellt, können sich aber jederzeit an die Ausbilder wenden, wenn sie ein Problem haben, mit dem sie selber nicht klar kommen.

Das Ziel
Was wir brauchen sind geistig flexible und hoch talentierte junge Menschen im Friseurberuf. Der Laden an der Ecke hat ausgedient. Mit der Eistellung: “Ich mach’ mir jetzt ‘nen Laden auf, dann wird das schon” lockt niemand mehr Kunden in sein Unternehmen. Eine professionell organisierte Konzeption, umfassende Ausbildung mit Führungsanspruch, kontinuierliche Weiterbildung von Chef und Mitarbeitern, benchmark-orientiertes betriebswirtschaftliches Management und tägliche Führung durch Kommunikation bilden die Basis erfolgreicher (Friseur)-Unternehmen. Ein wichtiger Punkt in der täglichen Führung ist das Beispiel der Führungspersonen. Das kann man nicht delegieren, hier muss sich jeder Chef und jede Führungsperson schon selber bewegen. Von andern verlangen was man selber nie tun würde führt in die Sackgasse. Einsatz, Selbstkritik, Pragmatismus, Leben lassen und Stärken nutzen umschreibt die tägliche Führung schon sehr gut.

Projekte und Abläufe kann man managen. Menschen muss man führen.

Führen geht nur durch begeistern

Sie führen? Dann sollten Sie wissen, wie Sie Menschen begeistern und wie Sie einen hohen emotionalen Bezug zum Thema herstellen. Die Schwierigkeit mit der Begeisterung liegt allerdings darin, dass viele Menschen die Dressur in Schule und Studium gewohnt sind. Das kennen Sie sicher aus eigener Erfahrung. Sie lassen sich nur schwer begeistern, weil sie während ihrer schulischen Ausbildung nur selten für eine Sache gebrannt haben.

Als Führungskraft müssen Sie die Werte, Ziele, Wünsche und Pläne ihre Mitarbeiter wissen. Reden Sie miteinander, sonst erfahren Sie nichts. Monologisieren Sie nicht und hören Sie zu. Das bringt Ihnen, Ihrem Unternehmen und Ihrem Mitarbeiter eine Menge. Wenn Sie dauernd selber reden kommt kein kommunikativer Gegenverkehr zustande. Stellen Sie Fragen, ermuntern sie ihre Mitarbeiter, aus sich heraus zu kommen und lassen Sie sich erzählen was Ihre Mitarbeiter antreibt. Wenn nur Sie reden wird Ihr Gegenüber in seiner Annahme bestätigt, dass hier eine Quasselstrippe sitzt, die zwar etwas von ihm will, aber nicht wirklich an ihm als Mensch interessiert ist.

Menschen wollen miteinander verbunden sein. Sie brauchen Vertrauen, Ehrlichkeit und die direkte Ansprache. Ich bin sicher, dass wir als Führungskräfte in viele kommunikative Fettnäpfchen treten werden, egal wie gut wir uns konditionieren. Wir sind eben wie wir sind, was uns aber nicht daran hindert zu erkennen, dass wir uns ein Stück weit auf unsere Mitarbeiter hin bewegen müssen, um sie erfolgreich führen zu können.

Effektive Kommunikation in der Führung

Sie können Ihre Mitarbeiter auf zwei Arten sehen:

a.) Sie gehen Ihnen auf die Nerven, weil sie sich dauernd mit ihnen auseinander setzen müssen, weil sie nicht tun was Sie von Ihnen erwarten und weil sie ständig Gespräche einfordern

b.) Sie wertschätzen sie, weil sie Ihnen helfen, Ihre Ideen umzusetzen, Ihre Werte zu multiplizieren und sich und Ihr Unternehmen erfolgreicher zu machen

Henry Ford hat sich einmal beschwert, dass er mit jedem Paar Hände automatisch ein Gehirn mitgeliefert bekommt. In den Frühzeiten des Fließbandes war eigenständiges Denken nicht gefragt. Heute, in unserer offenen Dienstleistungsgesellschaft, ist das anders. Mitarbeiter wollen Verantwortung tragen, sie wollen sich um die Wünsche, Sorgen und Nöte von Kunden, Patienten, Gästen kümmern. Sie mögen es auch sehr gerne, wenn sie in einem Unternehmen eine offene Kommunikation herrscht und wenn sie Entwicklungsmöglichkeiten haben.

Viele qualifizierte junge Menschen können zusätzlich mit der herkömmlichen Gesprächspolitik und dem teils drögen Tagesablauf in Unternehmen nichts anfangen. Starre Strukturen, wenig fachliche und persönliche Anerkennung, fehlende Anreize für Eigeninitiative, zu wenig Innovation, Kreativität und Bewegungsfreiheit und damit zu wenig persönliche Entwicklungsmöglichkeiten sorgen sehr schnell für die emotionale, und in der Folge davon, oft auch für die endgültige Trennung vom Unternehmen.

Führungskräfte sind auf die neuen Herausforderungen oft nicht vorbereitet. Sie praktizieren Old-School Führungsmechanismen, die sie selber durchlebt haben. Den meisten Führungskräften ist aber bewusst, dass sie ihren Führungsstil ändern müssen, um hoch qualifizierte Menschen dauerhaft an ihr Unternehmen binden zu können. Diese Erkenntnis ist der erste Schritt hin zur zukunftsfähigen Führungskraft.

Für Peter Gress ist der Kern zukunftsfähiger Führung eine offene Kommunikation mit Gegenverkehr, oder im Business-Sprech, mehr bottom-up statt ausschließlich top-down. Durch die Einbindung individueller Behandlung der unterschiedlichen Lerntypen steigt die Effektivität der Mitarbeiter, die Mitarbeiterbindung wird besser und die Bereitschaft, alles für den Kundennutzen zu tun ist jederzeit gegeben.

Ein kommunikativer Führungsstil ist nicht allein seligmachend, aber ein guter Ansatz es zu versuchen.

Digital Immigrants

Am Mittwoch, 29. Mai 2013 habe ich im Morgenmagazin ein Gespräch mit Philip Riederle verfolgt. Er hat das Buch “Was wir sind und was wir wollen” geschrieben und mich damit schwer beeindruckt. Vom Alter her gehöre ich zu den Digital Immigrants und habe mit während der Lektüre des Buches so meine Gedanken gemacht.

Er selbst ist dem Kindergarten schon lange entwachsen, trotzdem passt der Text des Cartoons perfekt zu seinen Aussagen. Währen wir Alten das Internet und seine Anwendungen nutzen, leben die Digital Natives mit und in den Social Media. Sie bekommen das Smartphone gleich an die Wiege geliefert, und ich zweifle nicht daran, dass sie es schnell beherrschen lernen. Ob das gut ist? Das fragen nur die Digital Immigrants, die Natives pfeifen auf die Antwort. Sie tun einfach.

Meinen ersten PC hatte ich 1985 angeschafft. Eindrücklich erinnere ich mich daran, wie fasziniert ich von der grünen Schrift war, die beim tippen wie von Geisterhand auf dem schwarzen Hintergrund erschien. Mein tragbares Telefon hatte derzeit noch Ziegelsteingröße und das Internet hieß damals noch ARPANET. Die Schreibmaschine habe ich übersprungen, und die Tasten auf der Tastatur waren unverständlich, anscheinend willkürlich angeordnet, um mir das Leben schwer zu machen. Heute stecke ich bin zum Hals in den Social Media und ich gebe es zu: Es gefällt mir.

Meine Kumpels, alle so um die Mitte 50, kann ich mit Apps beeindrucken, die das gesprochene Wort in Text umsetzen. Von Landingpages haben die noch nichts gehört, Video gehört nicht zu ihren Spielzeugen und überhaupt braucht das alles keiner. Da frage ich mich schon manchmal,warum ausgerechnet ich das Internet und seine Möglichkeiten so liebe? Was Philip Riederle den Anzugträgern so unverstellt aus seiner Alterssicht erzählt ist erfrischend. Es hat mich auf die Idee gebracht, mich damit zu beschäftigen, wie Social Immigrants ein Leben am Rande der Social Media fristen können. Lieber den Garten pflegen als facebooken? Am Auto schrauben oder twittern? Warum soll nicht beides gehen? Einfacher kann die Technik kaum mehr werden.

Bildquelle: jkirbydigitalmedia.blogspot.com

Soziale Kompetenz ist der Schlüssel für den Erfolg

Christine Merz / Betina Gotzen-Beek

Ich höre die Rufe von Ausbildern und Unternehmern landauf, landab: Die jungen Menschen von heute haben keinen Benimm mehr. Sie wissen nichts über das Verhalten gegenüber Kunden, und es wird nicht besser mit den Kids, höchstens noch schlechter! Als wären wir, die wir heute die perfekte Etikette von unseren jungen Mitarbeitern verlangen, schon fehlerfrei auf die Welt gekommen. Nun ja, in der Rückbetrachtung glorifiziert man vieles.

In einem Keilschrifttext aus Ur, Chaldäa heißt es um 2000 vor Christus: “Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.“ Dieser Spruch ist 2000 Jahre alt, könnte aber genauso gut von heute stammen.

Und gleich noch ein Beispiel: Sokrates, ein griechischer Philosoph, der von 470-399 v. Chr. lebte, monierte, dass “ die Jugend von heute den Luxus liebe, schlechte Manieren habe und die Autorität verachte. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

In die gleiche Kerbe haut Aristoteles, ebenfalls ein griechische Philosoph, der von 384-322 v. Chr. lebte: “Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“

Und so geht das weiter. Ob der Prophet Micha im Alten Testament über den Sohn spricht der den Vater verachtet, oder die Tochter die sich gegen die Mutter stellt oder die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter; erkennen wir die Kerbe, in die alle schlagen, bzw. geschlagen haben? Plutarch, Horaz, Gregor von Tours oder Vincent von Beauvais sind ebenfalls der Meinung, dass die Jugend leicht dem Bösen zuneige und den Zügel der Zucht nötig habe. In diese Reihe fällt auch noch der Mönch Peter, der moniert, dass die Welt schlimme Zeiten durchmache, dass die jungen Leute von heute an nichts anderes denken als an sich selbst, dass sie keine Ehrfurcht vor ihren Eltern oder dem Alter haben, dass sie ungeduldig und unbeherrscht sind. Später sieht man die Jugend sogar als Krankheitszustand an und Melanchthon verlieh Mitte des 16. Jahrhunderts der Meinung Ausdruck, der grenzenlose Mutwille der Jugend sei ein Anzeichen dafür, dass der Weltuntergang nahe bevor stünde.

Nun denn, was unternehmen wir dagegen? Hacken wir die Kerbe noch en bisschen breiter und tiefer und lamentieren weiter darüber? Oder zegen wir den Jugendlichen in unseren Unternehmen in einfachen und leicht nachvollziehbaren Sequenzen wie Verhalten gegenüber unseren Kunden, Patienten, Klienten, Gästen geht? Uns zwar so wie wir uns das vorstellen. Dazu müssen sich die Vorgesetzten Gedanken machen, ihre Wünsche definieren und sich selbst vorbildlich verhalten.

Der Sinn des Scheiterns im Lernproess

Das menschliche Gehirn ist fabelhaft: es lernt immer! Was dem einen völlig nutzlos erscheint begeistert den anderen, und je begeisterter jemand von etwas ist, desto schneller und besser kann er es memorieren. Theoretisch ist schnell viel wissen möglich. Das Wissen in die Tat umzusetzen ist wesentlich schwieriger. Wenn es sich bei der Umsetzung auch noch um eine handwerkliche Tätigkeit handelt, dann ist die Schnelligkeit des theoretischen Lernens kein Vorteil mehr. Im handwerklichen Bereich gehört scheitern deshalb definitiv zum Lernprozess.

Beginn
Wer etwas Neues beginnt hat im Gehirn noch keinen Pfad angelegt. Man arbeitet sich sozusagen durch das Unterholz und schafft einen Weg der sukzessive zur Autobahn ausgebaut wird. Bei diesem Autobahnbau werden allerdings keine Ressourcen verbraucht, sondern angelegt. Stück für Stück wird das Können ausgebaut, bis man nicht mehr darüber nachdenken muss, ob man es kann. Es ist einfach da! Und das ist ein erhebendes Gefühl.

Fehler
Fehler sind wichtig! Es gibt viele, viele Menschen die gar nicht ins Tun kommen, weil sie so viel Angst vor Versagen und Fehlern haben, dass sie gar nicht erst anfangen, ihre Pläne umzusetzen. Sie geben sich mit dem Wunsch ab, damit sie nicht Gefahr laufen, ihren Traum zu zerstören. Fehler passieren immer an den Grenzen der Leistungsfähigkeit. Wer es nicht wagt, an diese Grenzen zu gehen, kommt nicht vorwärts. Diesen Menschen bleibt die Meisterschaft verwehrt.

Leben
Das Leben besteht aus scheitern und wieder aufstehen. Kleinkinder lernen so laufen, sprechen, spielen, gestalten. Kein Mensch kommt auf die Welt und kann etwas automatisch. Außer Lernen! Synapse um Synapse vernetzt sich das Gehirn, speichert Erfahrungen und münzt diese Erfahrungen sukzessive in Wissen und Können um. Das ist auch bei Halbwüchsigen und Erwachsenen so. Das hört nie auf. Schade darum, dass es diese Gesetzmäßigkeit so wenig beachtet wird.

Fazit
Wer keine Fehler wagt kommt nicht voran, kann nicht lernen und keine Meisterschaft erreichen.

1 11 12 13