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Podcast Starke Marke – Mitarbeiterspezialisierung

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Liebe Strategen, ich heiße euch herzlich willkommen bei meinem Podcast Starke Marke – Mitarbeiterspezialisierung für eine bessere Motivation. Mein Name ist Peter Gress und ich möchte mit und für euch in Zukunft Strategien beleuchten, die unseren Unternehmen mehr Erfolg im Markt verschaffen.

In dieser Folge beleuchte ich den Weg zur Spezialisierung einzelner Mitarbeiter. Meine Feststellung: Nicht jeder muss alles können. Mitarbeiterspezialisierung schafft intrinsische Motivation.

Natürliches Lernen

Wer ein Kind hat kennt folgende Situation: Das Scheisserle dreht sind erstmals auf den Bauch. Die Freude ist groß, denn das Kleine hat einen ersten bahnbrechenden Schritt gemacht. Irgendwann krabbelt das Kind und dann versucht es aufzustehen. Ahs und Ohs und Applaus begleiten es bei jedem kleinen Fortschritt. Die Begeisterung der Großen ist grenzenlos, wenn das Kleine losläuft. Aber ab dann ist es aus mit der Ermutigung, Neues zu entdecken und dem Forscherdrang zu folgen.

Ab jetzt heißt es: Fass da nicht hin, das kannst Du nicht, das darfst Du nicht, lass das, ich mach das, du tust dir weh – das Totschlagargument schlechthin. Im Kindergarten darf es wenigstens noch nach Herzenslust spielen. Dort macht es Spaß zu entdecken, zu experimentieren und Dinge auszuprobieren. Gelernt wird dabei in atemberaubender Geschwindigkeit. 

Die Crux mit der Schule

In der ersten, vielleicht auch noch in der zweiten Klasse macht Schule noch Spaß, aber dann kippt es. Das Spiel ist zu Ende, der Ernst bestimmt ab jetzt das Lernen. Die Lerngeschwindigkeit nimmt ab. Den Kindern wird via G8 Wissen in den Kopf gepresst, damit sie früher fertig sind. Das ist durchaus doppeldeutig gemeint.

Bis zum Ende ihrer Schulzeit sind die Kinder und Jugendlichen ständig unter Druck. Sie merken schnell, dass es nicht um die Stärkung ihrer Stärken geht, sondern um das Lernen dessen, was sie nicht so gut können. Kinder bügeln ständig Lücken aus und lernen sozusagen hinterher. Vieles interessiert sie gar nicht, weil sie den Stoff nicht mit dem realen Leben verknüpfen können. Aber die Regeln sind gnadenlos. Sie müssen eben, weil es geprüft wird.

Schülern wird nicht beigebracht, wie sie lernen sollen. Dabei wäre das der allerwichtigste Schritt für erfolgreiches lebenslanges Lernen. Das ist doch mal eine herausfordernde Aufgabe für einen Ausbildungsbetrieb! Das Gehirn erledigt das Lernen eh von alleine. Es nimmt ständig Neues auf, prüft die Fakten, gleicht sie ab, und dockt sie dort an, wo schon ein Pfad angelegt ist. Stünde der biochemische Ablauf des Lernprozesses auf dem Lehrplan, könnten die Kids viel besser einschätzen, wie sie mit Schwierigkeiten oder Rückschlägen beim lernen umgehen sollen. 

Spezielle Begabung entdecken

In der Ausbildung geht es meist so weiter. Die vorrangige Aufgabe des Ausbilders muss es sein, die Stärken der jungen Menschen zu erkennen und sie zu fördern. Der Ausbildungsrahmenplan zwingt die jungen Erwachsenen zum Generalistendasein. Ein Generalist kann jedoch niemals in allen Bereichen so gut sein wie ein Spezialist. Ausbildung soll dabei nicht mikroskopiert werden, aber sie muss die Stärken in den Mittelpunkt stellen, und nicht die Erfüllung der Plananforderungen. Wir brauchen keine gleichgeschalteten Fachkräfte, wir brauchen denkoffene kreative jungen Experten mit einer ganzheitlichen Sicht auf die Wirtschaftswelt.

Verantwortung auf Mitarbeiter verlagern

Von Unternehmern erwartet man ja auch nicht, dass sie nicht alles wissen und können müssen. Ihr Job ist es zu wissen, woher sie die Informationen und Leistungen bekommen, die sie brauchen, um ihren Job richtig gut zu machen. Leider kranken viele Führungskräfte daran, dass sie glauben, ohne sie gehe es nicht, sie seien unersetzbar, sie müssten deshalb alles alleine entscheiden. Je mehr Mitarbeiter Sie mit wichtigen Aufgaben betreuen, und je weniger Sie sich in deren Tagesgeschäft einmischen, desto effektiver werden Sie führen, und desto schneller erreichen Sie Ihre Ziele. Sie müssen Ihre Mitarbeiter selbstverständlich mit klar umrissenen Aufgabenbereichen betreuen und Sie brauchen eine Gesprächsstruktur. Wer sich für diesen Weg entscheidet muss beachten, dass niemals über den Kopf des Mitarbeiter hinweg entschieden wird, sonst haben Sie das Vertrauen und die Motivation des Mitarbeiters verloren. 

Spezialisierung

Was ist überhaupt ein Spezialist? Spezialisten machen überwiegend das, was ihnen Spaß macht, denn das können sie ja besonders gut. Das wäre doch die perfekte Arbeitssituation, oder nicht? Durch ihre hohe Expertise bekommen sie ständig positives Feedback. Anerkennung ihrer Leistung motiviert sie intrinisch, also aus sich selber heraus. All das stimmt, kommt aber so in Reinform nirgendwo vor. Aber gut, jeder von uns muss mit Einschränkungen zurechtkommen und lernen, sie zu akzeptieren. Zu manchen Zeiten kommen die jungen Leute damit gut klar, und zu anderen Zeiten eben nicht. Sie sind ja keine Maschinen, sondern jungen Menschen im heftigsten Lernprozess ihres Lebens. Sie können jedes Quentchen an Motivation gebrauchen, um zu kompetenten Fachkräften heran zu wachsen.

Intrinsische Motivation erzeugen

Wer als Führungskraft und Ausbilder heute noch glaubt, man könne andere Menschen motivieren, hat etwas Maßgebliches nicht verstanden. Menschen sind immer motiviert, es kommt eben darauf an, ob Führungskräfte sie verstehen und dort einsetzen, wo sie den maximalen Erfolg haben. Wenn Mitarbeiter bockig sind, haben sie durchaus auch eine Motivation. Sie wollen halt nicht, was der andere will. Also muss der andere für Erfolgserlebnisse und Wertschätzung sorgen, das motiviert Menschen dauerhaft. Sie arbeiten dann mit voller Konzentration an ihrem Erfolg, und damit auch am Erfolg des Unternehmens. Wer seine Mitarbeiter nicht wertschätzt, darf sich auch nicht wundern, wenn sie keine Leistung bringen. Flapsig gesagt: Jeder hat die Mitarbeiter, die er verdient. Und noch einen obendrauf: Wenn Führungskraft und Mitarbeiter partout nicht zusammenkommen und dadurch die Leistung leidet, muss man sich trennen.

Hochleistungswille unterstützen

Ich bleibe noch bei der Ausbildung. Wenn junge Menschen in das Arbeitsleben eintreten, haben sie noch keine Vorstellung von dem, was sie erwartet. Ich habe manchen Ausbilder reden gehört, dass es jetzt an der Zeit sei, den Jungen die Flausen auszutreiben. Solche Ausbilder müssen sich nicht wundern, dass ihre Mitarbeiter tatsächlich aus-Bindestrich-lernen. Sie haben einfach keinen Bock auf solche Zustände. Wenn Hochleistungswille auf Methoden von gestern in Arbeits- und Lernumgebungen von vorgestern trifft, entsteht keine Motivation auf Höchstleistung.

Berufsanfänger können meist auch nicht einschätzen, was sie selber zu leisten imstande sind. Sie müssen ja erst noch ihre Rolle finden. Dazu brauchen sie Unterstützung. Führungskräfte, in dem Fall die Ausbilder und Ausbilderinnen, brauchen Fingerspitzengefühl, scharfe Beobachtungsgabe und ehrliches Interesse am Fortkommen der jungen Menschen. Stärken zu erkennen und früh zu nutzen schafft Motivation, Vertrauen und Bindung ans Unternehmen.

Stärkentableau

Auszubildende sollten spätestens am Ende des ersten Ausbildungsjahres ihr erstes Stärkentableau ausfüllen. In das Tableau tragen sie ein, wo sie ihrer Meinung nach Unterstützung benötigen, wie sie ihre persönlichen Stärken entwickeln wollen und welche Spezialisierung sie anstreben. Die Möglichkeiten der Spezialisierung hängen vom Beruf und vom Unternehmen ab. Es ist wichtig, die Spezialisierungsbereiche innerhalb des Unternehmens zu definieren, damit der Azubi eine Auswahl treffen kann. Diese Spezialisierungen werden unterstützt durch interne Prüfungen. Diese sind einerseits notwendig, damit die Ausbilder zu jeder Zeit wissen wo ihre Auszubildenden stehen, und andererseits, damit die Auszubildenden selber einen Maßstab für ihre Leistungen haben. 

Das Stärkentableau ist ein einfaches, aber sehr effektives Mittel dafür, wie sich Azubis und Fachkräfte selber an ihrem derzeitigen Können und ihrem zukünftigen Anspruch ausrichten. Wir haben damit in unserem Unternehmen extrem gute Erfahrungen gemacht, mussten aber unser Verständnis von Ausbildung grundlegend hinterfragen.

Generalist vs. Spezialist

Ich komme zu den Fachkräften und möchte anhand eines Beispiels zeigen, wie sich Spezialisten zu Generalisten verhalten. Zehnkämpfer sind die Könige des Sports. Tatsächlich ist es eine tolle Leistung, in zehn verschiedenen Disziplinen Höchstleistungen zu erbringen. Trotz der Königskrone fürs Generalistentum sind sie den Spezialisten in den einzelnen Disziplinen unterlegen. Spezialisten können sich auf eine Sache konzentrieren und sind so wesentlich effektiver und qualitativ besser in der Ausführung ihrer Aufgabe. In der Übertragung auf ein Unternehmen bedeutet das, dass ein großes Angebot die Kräfte zersplittert.

Diversifizierung ist kein Heilsversprechen, dafür gibt es eindrucksvolle Beispiele. Für eine Spezialisierung gilt das selbstverständlich auch. Jeder Spezialist muss sich im klaren darüber sein, dass seine Spezialisierung eines Tages nicht mehr gewünscht ist. Jedoch muss sich heute jeder Unternehmer sowieso regelmäßig hinterfragen, ob sein Angebot so noch Zukunft hat, wie es grade angeboten wird.

Zielführende Weiterbildung

Für ein Unternehmen ist die Weiterbildung der Fachkräfte von ausschlaggebender Bedeutung. Je spezialisierter die Mitarbeiter sind, desto schneller ist der Rückfluss des Investments. Spezialisierung bedingt natürlich die Reduzierung des Angebots. Wie viele Dienstleistungen oder Produkte werden beibehalten, obwohl sie keinen oder nur einen sehr geringen Deckungsbeitrag bringen? Von Gewinn ganz zu schweigen? Viele Unternehmer haben Angst vor dieser Reduktion, weil irgendwann einmal ein Geschäftsbereich wegbrechen könnte. Die Frage stellt sich dabei, ob sich ein Unternehmen heute aus Sicherheitsgründen noch Geschäftsbereiche leisten kann, die kein Geld bringen, nur weil man sie irgendwann mal brauchen könnte?

Nutzt die Anlagen eurer Mitarbeiter zum Wohl des Unternehmens. Findet einen Weg, nicht lukrative Leistungen zu entsorgen und das Lager intelligent zu verwalten. Beides kostet viel Geld, das ihr besser auf der Gewinnseite verbucht, um den Cash-Flow zu sichern. Speziell in Corona-Zeiten ist Cash für viele Betriebe überlebensnotwendig. Setzt eure Mitarbeiter intelligent ein, und habt keine Angst vor der Abgabe von Verantwortung. Vielleicht wird manches nicht so erledigt, wie ihr das selber machen würdet, aber es stellt sich halt auch immer die Frage, ob eure Entscheidung tatsächlich besser gewesen wäre.

Danke für eure Aufmerksamkeit.

Ich verabschiede mich für heute, bleibt mir gewogen, und bleibt gesund und optimistisch.

Euer Peter Gress

Podcaster Peter Gress

Podcast – Starke Marke

Mein Podcast “Starke Marke – Raus aus der Vergleichbarkeit” ist jetzt verfügbar.

Hallo Strategen, ich heiße euch herzlich willkommen bei meinem Podcast-Quickie Starke Marke „Raus aus der Vergleichbarkeit“. Dies ist die Nummer Null. Ich möchte mit und für euch in Zukunft strategische Ideen beleuchten, die unseren Unternehmen mehr Sichtbarkeit im Markt verschaffen.

Podcast-Quikie

Dieser Podcast-Quikie ist ein kurz gehaltener Impulsgeber. Ich selber mag meine Informationen gerne so knackig und so intensiv wie möglich, deshalb hoffe ich, dass euch mein Format gefällt.

Themen

Meine Themen sind der Umgang mit Kreativität, der strategische Prozess, Local Marketing mit Google My Business, Mitarbeiterentwicklung und Spezialisierung, sowie die Zielgruppen-Morphologie. Ideen müssen gefunden, entwickelt, ausgeführt und vermarktet werden. Und warum? Weil am Ende der Kunde und sein konstantes Grundbedürfnis steht.

Der Podcast “Starke Marke – Raus aus der Vergleichbarkeit” erscheint derzeit unregelmäßig. Da ich in technischer Hinsicht noch nicht so fit bin wie ich das gerne wäre, wird es in den kommenden Folgen immer wieder Änderungen geben. Aber ich kann euch versprechen, dass ich mich ranhalte und das schnell in Griff bekomme.

Ich freue mich über Kommentare, Tipps und Feedback aller Art.

Lockdown 2.0 Deutschland

Lockdown 2.0 im November

Ab Montag, 2.11.2020, geht es in den Lockdown 2.0. Ich habe ihn nicht vermisst. Ich wundere mich sehr, dass er jetzt so plötzlich wieder auf den Plan gekommen ist. Wir schießen, wie im Frühjahr, wieder mit denselben Waffen auf denselben Feind. Der ist davon nicht beeindruckt, aber wir haben einen weiteren Schritt hin zur Vermögensvernichtung gemacht. Und einen weiteren hin zur Isolation der Menschen.

Sozialer Unfrieden

Wie viele Selbsttötungen und Insolvenzen werden wir zu beklagen haben? Wie viele zerstörte Familien, vereinsamte Alte, abgehängte Schüler, nicht ausgebildete Jugendliche? Und wieviel Frust müssen wir Bürger ertragen, weil fast alles verboten ist, was Spaß macht? Viele stellen sich deshalb die Frage: Ist der Lockdown 2.0 wirklich notwendig?

Am Montag, 2.11.2020 beginnt der Lockdown 2.0, und nach vier Wochen, am Montag, 30. November 2020 machen wir (vielleicht) wieder auf. Wir bereiten uns dann drei Wochen lang auf die virenschleudernden, weihnachtlichen Familienfeste und in der vierten Woche auf den Jahrerswechsel vor. Im Januar 21 fahren wir dann Ski, damit im Februar 21 die Zahlen wieder richtig ansteigen können, und im März 21 machen wir wieder dicht. Ich frage mich, wer am Ende übrig bleibt, um die vollmundigen wirtschaftlichen Prognosen der Herren Altmaier und Scholz zu erarbeiten?

Grippeimpfung
Arzt verabreicht Grippeimpfung

Hilft die Impfung?

Auf die Impfung können wir nicht hoffen, die wird uns nicht so schnell retten. Vor der Impfung steht ja erst einmal der Verteilungskampf. Wer als Erster am Markt ist, bekommt das Impf-Vorrecht. Die anderen warten erstmal. Die frühe Verfügbarkeit des Impfstoffs wird so auch zum Wettbewerbsvorteil der Staaten.

Damit stellt sich auch gleich die Frage nach der Kapazität der Impfdosen. Wie schnell kann der Stoff in großer Menge produziert werden? Müssen wir ein-, zwei- oder gar dreimal geimpft werden? Alleine in der EU leben rund 750.000.000 Menschen. Wenn zweimal geimpft werden muss, sind das alleine für die EU 1.500.000.000 Impfdosen. Mittlerweile leben auf der Erde aber 7,7 Milliarden Menschen, die alle geimpft werden müssen. Es wird Jahre dauern, bis das geschafft ist. Wenn es denn überhaupt gelingt.

Verzweiflungsentscheidung

Der November-Lockdown 2.0 ist eine Verzweiflungsentscheidung. Es ist verständlich, dass die Kapazitäten des Gesundheitssystems nicht überfordert werden dürfen. Aber wenn wir Menschen wegsperren, damit sie nicht erkranken, bleiben sie vielleicht körperlich gesund, sind aber psychisch am Ende.

Die Virologen und die Politiker mögen am Ende zufrieden sein, dass eine Eindämmung erreicht wird. Dann müssen die Psychologen und Psychiater übernehmen, um die Menschen wieder aufzurichten, damit sie in der Lage sind, den wirtschaftlichen Aufschwung mitzugestalten.

Eine Frage der Duldsamkeit

Ob die Menschen der Politik bei diesem Spiel mehrmals folgen werden, glaube ich nicht. Die Deutschen sind zwar brav und demonstrieren nicht so gerne, aber wenn der soziale und wirtschaftliche Druck zu groß wird, kann die Politik nicht mehr mit der Duldsamkeit der Menschen rechnen. Wenn die Duldsamkeitsgrenze überschritten und die Glaubwürdigkeit der Politik erschüttert ist, helfen auch keine Gießkannen voller Geld mehr.

Traurige Seniorin
Traurige Seniorin schaut aus dem Fenster

Angst vor Isolation und Fremdbestimmung

Heute hat mir eine Kundin erzählt, dass die 90-jährige Bewohnerin eines Altenheims in die Psychiatrie eigeliefert wurde, weil sie aus dem Fenster steigen wollte. Sie konnte die Kontaktbeschränkung nicht mehr aushalten, sie wollte raus. Sie wurde aus der Psychiatrie entlassen, weil man ihr vollständige geistige Gesundheit attestierte. Ihr war lediglich angst vor lähmender Einsamkeit.

Viele meiner alten Kunden, die vor dem ersten Lockdown schon etwas tütelig und vergesslich waren, habe ich seit dem Lockup nicht mehr gesehen. Die Isolation hat diesen alten Menschen vollends den Rest gegeben. Ist ein solchermaßen geschütztes Leben überhaupt noch lebenswert? Diese Frage muss erlaubt sein. Ich will mir das für mich nicht vorstellen, denn im Grunde genommen kommt es einer Entmündigung und Fremdbestimmung gleich. Was andere für mich als gut und richtig empfinden, muss mir nicht automatisch gut tun.

Steigende Arbeitslosigkeit

Durch den Lockdown werden viele Menschen arbeitslos. Der Volkswirtschaftsprofessor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung prognostiziert im November zusätzliche 100.000 Arbeitslose (StZ, 30.10.2020, Seite 9). Zwar sind die bisherigen, rückläufigen Zahlen bis Mitte Oktober vom Abbau der Arbeitslosigkeit geprägt, aber durch den Lockdown 2.0 werden sie wieder stärker steigen.

Der Südwesten ist im Vergleich zum Bundesgebiet überproportional vom Einbruch der Wirtschaftsleistung betroffen. Rund 14 Prozent Rückgang zeigen die Abhängigkeit von der Autoindustrie und dem Maschinenbau. Steigende Arbeitslosigkeit und wieder vermehrte Kurzarbeit dürfte sich auch auf unsere Geschäfte negativ auswirken.

Wie kommen wir weiter?

Das weitere Vorgehen muss parlamentarisch diskutiert werden. Das RKI und die angestammten beratenden Virologen sind sicher nicht die einzigen kompetenten Köpfe in Deutschland. Für jedes Problem gibt es einen zweiten Weg, man muss ihn eben finden wollen. Die Abgeordneten sind dazu da, solche Menschen zu suchen und ihnen die Chance zu bieten, ihre Argumente vorzutragen.

Ich bin keiner dieser Menschen und ich kenne auch keinen. Ich weiß aber aus Erfahrung, dass mehrere Meinungen zu mehr möglichen Lösungsansätzen führen. Jeder kreative Prozess erschöpft sich, wenn immer dieselben Spieler dasselbe Problem analysieren.

Nichts gelernt

Wir sehen ja, in sechs Monaten haben wir nichts dazu gelernt. Gleiche Maßnahmen für das gleiche Problem. Das ist sehr bedauerlich, weil der Lockdown 2.0 in ein Szenario führt, das Unternehmer und Arbeitnehmer den Glauben in die Leitung des Landes verlieren lässt. Da können uns die Krisenpolitiker in ihren gebetsmühlenartig wiederholten, schön gesetzten Worten erzählen, was sie wollen.

Lachender Mann im Anzug
Lachender Mann im Anzug springt vor Freude in die Luft

Motivation tut Not

Wir brauchen motivierende Zukunftsaussichten, denn wir müssen den Karren ja wieder aus dem Dreck ziehen. Für uns Kleinunternehmer muss sich die Politik stark machen. Wir fahren alle auf Sicht, und es mag am Ende sein wie es eben kommt. Aber auf dem Weg dorthin brauchen wir Signale aus der Führungsriege, die außer Lockdown, Drohung und Einschränkung noch andere Ziele kennt.

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