petergress, Autor bei Peter Gress

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Erleuchtete Glühbirne

Voranirren in Coronazeiten

„Hast du einen Plan?“ Diese Frage stelle ich während vielen Gesprächen anderen Unternehmern. Die Händler und Dienstleister in den Innenstädten haben keinen. Wie auch? Mir geht es ja genauso, es gibt keine Sicherheit für eine gelingende Transformation eines Geschäftsmodells. Deshalb gilt: Voranirren in Coronazeiten.

Abhängig von der Politik

Wie soll das auch gehen, wenn wir von politischen Entscheidungen abhängen? Wir können weder etwas dagegen noch etwas dafür tun. Aber wir können unser Mindset verändern und uns darauf trainieren, dass sich unsere Gedanken nicht in der Corona-Dauerschleife verlieren. Wir sind frei, über die vorhandenen Probleme durch Corona hinaus zu denken. Wir dürfen an den ganz großen nächsten Wurf glauben, den wir mit unseren Unternehmen landen und in Zukunft erfolgreich sein werden. Voranirren in Coronazeiten ist derzeit das neue Normal.

Die Mitarbeiter im Fokus

Mein Konzept steht unter Beschuss, nicht nur, weil Umsatz fehlt. Auch und vor allem, weil ich vor Corona gar keine Notwendigkeit dafür gesehen habe, etwas zu ändern, weil es ja gut lief. Jetzt steht dafür alles auf dem Prüfstand, und ich habe festgestellt, dass es gar nicht so gut lief, wie ich dachte.

Die Einrichtung, das Angebot, die Ausbildung, die Weiterbildung, die Spezialisierung, der Kundennutzen, Ökologie und Nachhaltigkeit – die Liste ist lang und natürlich werde ich Lösungen finden. Das wirtschaftliche Umfeld ist sehr sprunghaft und unsicher. Die Situation dabei komplex und und es gibt keine Werkzeuge, sie zu vereinfachen. Wo also soll ich ansetzen? Beim wichtigsten Thema, meinen Mitarbeitern!

Transformation braucht Kapital

Deutschland irrt nicht einmal mehr voraus, Deutschland ist einfach stehen geblieben und teilweise sogar zurück geschritten. Ich möchte aber sehr gerne dazu beitragen, das zu ändern. Deshalb gestalte ich die Zukunft in meinem Einflussbereich. Digitalisierung, Ökologie und Nachhaltigkeit, sowie die Erhöhung des Kundennutzens und des Erlebniswertes sind dabei die wichtigen Themen.

Das Wie und das Wie lange dauert das ist davon abhängig, wie ich mit meinem Geschäft durch die Pandemie und aus der Pandemie hervorkomme. Eine Transformation braucht Kapital, das ich derzeit nicht in ausreichendem Maße habe, das muss erst wieder verdient werden. Und es kommt darauf an, wie stark die Vision ist, hinter der sich die Mitarbeiter aufstellen können.

Unterwegs im Schaum

Mit gefällt das Wort voranirren. Es passt gut in die pandemische Zeit, und es ist das Gegenteil von Planungssicherheit. Wir sind im Nebel unterwegs, oder im Schaum, wie es der Philosoph Peter Sloterdijk bezeichnet. Es gibt nicht mehr den geraden Weg zum Ziel, wenn es den je gab.

Wir machen Umwege, gehen um Ecken, sehen mal den Horizont, mal nicht und orientieren uns nach Gefühl, weil die Zahlen nur noch bedingt für eine Transformation taugen. Oliver Leisse, Inhaber der Agentur SEE MORE Future Research & Development hat es auf den Punkt gebracht: „Aus: Die Großen fressen die Kleinen wurde: Die Schnellen fressen die Langsamen ist heute: Die Versteher fressen die Nichtversteher geworden!“

Wer anpassungsfähig und mutig ist, und wer gerne Dompteur in unsicheren Zeiten ist, kann die erfolgreiche Transformation schaffen. Ich bin überzeugt, mein Team und ich gehören dazu.Ich freue mich wie immer auf eure Kommentare und Reaktionen.


Übrigens: Ich lade euch am Mittwoch, 1.12.2021, um 19:30 Uhr, ganz herzlich ein zum Facebook-Live Talk mit Hannes Kielmeyer und seinem Team bei Kielmeyers 1582 in Esslingen. Schaut ab 2.11.2021 auf die Ankündigung hier im Blog und gerne auch auf meiner Facebookseite.

Tragt euch gerne in meinen Newsletter ein, dann verpasst ihr keine Termine.

Aluminium Strähnenfolie auf dem Kopf

Aluminium-Recycling im Friseursalon

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es mir mir sehr wichtig, dass Friseure mehr für das Recycling und die Nachhaltigkeit tun. Deshalb sind wir auf die Idee mit dem Alu-Recycling im Friseursalon gekommen. Das ist die am schnellsten umsetzbare Idee gewesen, die wir ohne zusätzliche Investitionen und ohne großen Zeitaufwand im Salon einführen konnten.

Das Team musste sich lediglich daran gewöhnen, alles Alu in einen separaten Sammelbehälter zu stecken. Dies ist ein Plastiksack, der beim Schmelzprozess des Aluminiums verdampft und  keine Rückstände hinterlässt. Im Keller mussten wir etwas Platz schaffen, um die Alusäcke zu lagern.

Das war’s dann auch schon. Die Aktion läuft bei uns seit zweieinhalb Monaten, pro Monat haben wir durchschnittlich 10 Kilogramm Alu gesammelt.

Aluminium Recycling
Aluminium Recycling

Was kann gesammelt werden

Dabei handelt es sich um Alufolien für Strähnen, Aluflaschen für Haarschaum, Haarspray, Stylingdosen und, ganz wichtig, Alutuben der Haarfarbe. Bei der Sammlung von Alu müsst ihr lediglich darauf achten, dass die Plastikkappen der Farbtuben abgeschraubt und im Gelben Sack, beziehungsweise in der Gelben Tonne entsorgt werden.

Dass die Farbtuben mit der Tubenquetsche bearbeitet werden versteht sich von alleine. Das ist ja Rohstoff für die Haarfarbe und entsprechend wertvoll. Dazu gibt es eine einfache Rechnung mit der wir unsere Mitarbeitern über den achtsamen Umgang mit dem Produktionsmaterial umgehen.

Dazu mehr in einem meiner Videos zum Thema Nachhaltigkeit und Geld verdienen mit Haarfarbe. Gerne könnt ihr meinen YouTube Kanal abonnieren.

Gen Z werden unsere Kunden und Mitarbeiter

Für mich als Friseur-Unternehmer ist Ökologie wichtig. Die jungen Menschen der Fridays for Future Generation sind unsere zukünftigen Auszubildenden, Mitarbeiter und nicht zuletzt unsere Kunden. Wenn wir wollen, dass die junge Generation zu uns in den Salon kommt, müssen wir proaktiv handeln.

Wenn wir warten bis die Politik die Rahmenbedingungen schafft, ist der Zug abgefahren. Wir sind Unternehmer und wir handeln aus unserem Antrieb heraus. Dabei habe ich immer das Wohl und die Zukunft meines Unternehmens im Blick. Überlegt einmal, was die Fridays for Future Generation in den letzten vier Jahren geschafft hat.

Das Thema Ökologie und Nachhaltigkeit ist definitiv in der Gesellschaft angekommen.

Radikalität ist ein Vorrecht der Jugend

Viele aus der älteren Generation sind ob der Frechheit und der Anspruchshaltung der Jugendlichen erbost und verärgert. Dabei vergessen sie, dass Radikalität ein Vorrecht der Jugend ist. Viele der Älteren, die heute vehement gegen diese Kids argumentieren – und das nicht immer jugendfrei – haben vergessen, dass unsere heutige Gesellschaft zu einem großen Teil aus der Radikalität der 68er Generation heraus gestaltet wurde.

Ich selber war damals erst 12 Jahre alt, und deshalb selber nicht aktiv. Aber ich bin im Sog der 68er groß geworden und habe deren Gedankengut aufgenommen. So geht es heute den Kids der Generation Z, die für ihre Zukunft streiken. Daran ist nichts Schlechtes, sofern man sich auf die Diskussion mit ihnen einlässt.

Gen Z – Auszubildende, Fachkräfte und Kunden

Wer nicht ausbildet und gar nicht an jungen Kunden interessiert ist, kann meinen Text ignorieren. Diejenigen aber, die ihr Team weiter aufbauen und wachsen wollen, sind gut beraten, wenn sie auf die Gen Z zugehen.

Das sind, wie gesagt, die Kunden der Zukunft. Natürlich ist die Gen Z nicht homogen. Aber immerhin rund 30 Prozent der jungen Menschen finden Nachhaltigkeit und den Schutz der Erde als sehr wichtig, und weitere 35 Prozent sympathisieren mit dem Gedankengut.

Vor kurzem habe ich einen Podcacst mit dem Chef der Deutschen Bank,  Christian Sewing, gehört. Er ist Vater von vier Kindern, und er sagte, dass die Eltern schon alleine durch die Gespräche mit den Kindern am Esstisch zum umdenken gezwungen sind. Es ist ein langsamer pro Ökologie-Prozess der sich in und über die Familien in die Gesellschaft hinein aufbaut.

Bedürfnisse aufgreifen

Sicher wird es immer Menschen geben, die sich nicht für die Umwelt interessieren. Die auch keine gesellschaftliche Verpflichtung zum Erhalt einer lebenswerten Zukunft für die nachfolgenden Generation verspüren. Alle bekommt man nicht ins Boot, aber eben doch immer mehr. 

Wir als Unternehmer im Friseurhandwerk müssen von uns aus auf die Bedürfnisse der Jungen eingehen. Lasst uns den Nutzen für die Kids erhöhen. Wir Friseure müssen als verantwortungsvoll wahrgenommen werden. Ich weiß, dass es unfasslich schwierig ist, sein Leben auf Ökologie zu polen, ohne eine radikale Haltung einzunehmen.

Ich will mich als Weltbewohner nicht selber überflüssig machen, deshalb brauchen wir intelligente Lösungen, wie sie Prof. Dr. Maja Göpel gefordert wird. wir unseren Verbrauch von einer Fließband- in eine Kreislaufwirtschaft bringen. Ich bin selber oft erschrocken, wenn ich die lange Liste an Entscheidungen sehe, die es zu beachten gilt. Aber weiter machen wie bisher ist die schlechteste aller Optionen.

Neues Denken

Viele Fragen tauchen  auf, mit denen ich mich vor Corona gar nicht beschäftigt habe. Ich stelle mir heute Fragen, die für mich vor eineinhalb Jahren noch nicht wirklich relevant waren. Brauche ich die Klamotte? Soll ich mein iPhone noch ein, vielleicht zwei Jahre behalten?

Behalte ich mein Auto bis es auseinander fällt oder muss es unbedingt ein neues sein? Will ich überhaupt ein E-Auto, nachdem ich die damit verbundenen Umweltschäden kenne? Die Liste ist ewig lang und wird nie abgearbeitet sein. Aber man muss halt mal anfangen, nicht wahr?

Wer derzeit mit offenen Augen und Ohren hinschaut und hinhört, und dabei noch offen für eine alternative Argumentation ist, sieht, dass die Veränderung schon sehr, sehr weit gediehen ist. Es ist ein schleichender Prozess, der zwar nicht von der Fridays for Future Generation gestartet wurde, aber verstärkt wird.

Die Corona-Pandemie hat viele Menschen zum umdenken angeregt, mich inkludiert.

Natur mit und ohne Menschen

Dem Planeten und der Natur ist es völlig egal, ob Menschen auf und in ihr leben. Die Natur hat sich in Jahrmilliarden immer wieder neu erfunden. Arten sind gekommen, Arten sind gegangen. Veränderung ist ein stetiger Prozess in der Welt. Die Frage stellt sich, ob wir vernünftig genug sind, dass die Natur uns noch eine lange Zeit ertragen wird.

Wenn wir so weitermachen zerstören wir unsere Lebensgrundlage. Das muss aber so nicht sein. Es gab auch in der Vergangenheit schlaue Menschen, die das Problem der Nachhaltigkeit entdeckt haben. Der sächsische Oberberghauptmann von Carlowitz hatte schon 1713 in der allgemeinen Holznot in Sachsen den Begriff „nachhaltig“ verwendet.

Er hat es durchgesetzt, dass nicht mehr Holz geschlagenen werden durfte, als nachwächst. Das hat sich bewährt. Heute gibt es NGOs wie Plant for the Planet, die für die Wiederaufforstung von Weideland und Rodungsflächen sorgen. Wir bei Gress Friseure wollen dabei sein und helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Bäume zu pflanzen ist ein schneller Weg, um das Fieber der Atmosphäre nicht weiter ansteigen zu lassen.

Hohe Inflation macht Angst

Im Mai 2021 habe ich schon darauf hingewiesen, dass die Inflation steigen wird. Mittlerweile sind wir bei 4,1 Prozent (Stand September) angekommen. Die Finanzwirtschaft schätzt, dass es zu Ende des Jahres 5 Prozent sein werden.

Das auftreten einer Stagflation ist wahrscheinlich. Der Verbraucherindex ist im Oktober zum dritten Mal hintereinander gesunken. Die Konsumenten halten ihr Geld zurück, vor allem, weil noch nicht absehbar ist, wie weit die Inflation steigen wird. Stagflation ist deshalb gefährlich, weil sie von steigender Arbeitslosigkeit und damit verbundenem rückläufigem Wohlstand begleitet wird. Das trifft auch uns Friseure.

Wir haben im Lauf des Jahres 2021 schon erfahren, dass unsere Umsätze eher sinken, im besten Fall aber stagnieren. So geht es dem gesamten Handel in den Innenstädten. Ich konnte das auch beim Midnight-Shopping in Esslingen beobachten. Auf der Straße, in Cafes und Kneipen war richtig viel los, in den Geschäften dagegen war Totentanz. Ein befreundeter Optiker hat seinen Laden um 22 Uhr zugemacht, weil er zwischen 18 und 22 Uhr an Null Euro Umsatz gemacht hat.

Noch ist auch nicht klar, wie sich die Situation am Arbeitsmarkt entwickelt. Seit dem 1. Mai 2021 ist die Insolvenzanzeigepflicht wieder in Kraft. Die erwartete große Insolvenzwelle ist nicht gekommen. Im Gegenteil, die Arbeitslosenzahl war im September 2021 gegenüber dem Vorjahr um 392.000 Menschen niedriger. Ich bin gespannt, ob sich diese Entwicklung im Januar 2022 fortsetzt. Hoffen wir das Beste.

Preise erhöhen oder nicht?

Ich halte es für gefährlich, derzeit die Preise zu erhöhen. Noch wissen wir nicht, ob die prognostizierten 5 Prozent Inflation auch kommen. Die EZB hat das Ziel, die Inflationsrate wieder auf 2 Prozent zu drücken. Wenn das zum Jahreswechsel gelingen sollte, müssen wir unsere Preise lediglich anpassen. Ich jedenfalls warte ab, um unsere preissensiblen Kunden nicht zu verschrecken. Das Thema Inflationsanpassung sollte aber wöchentlich auf die Beobachtungsliste.

Für die Zukunft kann es nur eine Entwicklung geben: Weniger Volumen x höhere Qualität x hoher Kundennutzen = höherer Preis. Die Preis ohne Zusatznutzen zu heben, wird von den Kunden nicht akzeptiert.

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