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Goolge My Business als Vertriebskanal nutzen

Kennt ihr Google My Business? Ja? Sehr gut. Wenn nicht wird es Zeit , GMB kennenzulernen. Warum? Weil GMB ein kostenloses, aber höchst effizientes Tool, ist, um euer Unternehmen potentiellen Zielgruppen vorzustellen. Was mal als Google Places bekannt war ist heute Google My Business. Seit Google im April 2019 Google+ eingestellt hat, wurde mit Google My Business ein Tool geschaffen, das viele Vorzüge eines sozialen Netzwerks mit denen einer Vertriebsplattform vereint. 

Ich kann euch jetzt viel über die Vorzüge von GMB erzählen, möchte euch aber ein paar Zahlen nennen, die für sich selber sprechen. Wir hatten im Februar 2019 35.793 Nachfragen von Nutzern nach unseren Leistungen. Im Oktober 2019 waren es 12.817 mehr, also insgesamt 48.610 Nutzer. Im November 2019 zählten wir schon 65.219 Nutzer, insgesamt also fast 20.000 mehr als im Februar 2019. Ich habe festgestellt, dass vieles von dem, was ich bei GMB anwende, auch für Instagram nützlich ist. Also habe  ich begonnen, meinen Instagram Account umzubauen und aus GMB und Instagram eine gedanklich Einheit zu formen. Zu Beginn purzelten meine Instagram Follower dramatisch nach unten, weil sie mit meiner neuen Ausrichtung nichts anfangen konnten. Nach dem Stillstand der Abwanderungen baue ich den Account nun neu auf und experimentiere mit unterschiedlichen Gestaltungen und Content. Google My Business bleibt jedoch der Motor, der mein Business treibt.

In GMB kann ich Beiträge veröffentlichen, Bilder posten, Angebote, Neuigkeiten und Events einstellen und direkt aus dem Tool heraus Ads dazu schalten. Das ist sehr cool, weil es Zeit spart und sehr effizient ist. Mit der interaktiven 360 Grad Begehung können Kunden durch das Geschäft wandern und bekommen einen sehr lebendigen Eindruck davon, wie es bei uns aussieht. Dazu posten wir Bilder ohne Ende, denn Bilder sind GMB Frequenztreiber par excellence. Zwischen Februar 2019 und November 2019 hatten wir eine Steigerung von rund 71.000 Fotoaufrufen und verbuchten damit über 1.000 Prozent mehr Fotoaufrufe als vergleichbare Unternehmen. Mit der Smartphone-App ist das sehr einfach zu leisten. Einfach täglich durch den Salon gehen und Details fotografieren, beschriften und hochladen. Einfacher geht es nicht, deshalb ist es umso unverständlicher, dass bisher nur rund 30 Prozent der Geschäfte in Deutschland Google My Business als Vertriebsweg nutzen.

Ich schätze mal, dass die Einrichtung des Accounts zwei  Stunden dauert. Der wöchentliche Zeitaufwand für die Pflege nimmt nicht mehr als 20 Minuten in Anspruch. Zusätzlich schätze ich eine weiter Stunde, um die Organisation im Hintergrund aufzubauen. Dabei handelt es sich um Ordner für Bilder und Textentwürfe, die ihr für die Veröffentlichungen in Google My Business verwenden könnt. Diese Ordner sind einfach einzurichten und wenn ihr wisst, wo genau ihr diese Ordner findet, habt ihr die meiste Arbeit hinter euch. Dann kann der Spaß beginnen, Ihr werdet innerhalb kurzer Zeit mit euren wöchentlichen Beiträgen Erfolge einfahren. Wenn ihr euch dazu hin noch entscheidet, Google Ads zu schalten, dann habt ihr ein wirklich schlagkräftiges Gespann für euren Betrieb am Start.

Wenn ihr keine Lust darauf habt, euch alles selber anzueignen, dann dürft ihr euch gerne zu meinem, Seminar am 16.-17. Februar 2020 in Esslingen anmelden. Ihr braucht nichts weiter als euer Notebook und euer Smartphone, um GMB und Instagram Basic zu kombinieren. Ich freue mich auf euch, wir werden viel Spaß im Workshop haben.

Urbanisierung und die Folgen für das Handwerk

Ein wichtiger Megatrend den wir als städtisch angesiedelte handwerkliche Dienstleister im Auge behalten müssen, ist die schnell fortschreitende Urbanisierung. In Deutschland liegt der Urbanisierungsgrad derzeit bei rund 78 Prozent der Gesamtbevölkerung, und man kann davon ausgehen, dass sich diese Zahl im Lauf der nächsten Jahrzehnte noch erhöhen wird. Ja mehr Menschen in die Städte ziehen, desto knapper wird der Wohnraum und desto teurer werden die Mieten und die Lebenshaltungskosten. 

Das wird dann zum Problem, wenn wir Mitarbeiter von außerhalb der Stadt bekommen, die in annehmbarer Entfernung zum Arbeitsort wohnen müssen. Im Großraum Stuttgart sind die Mieten mittlerweile extrem in die Höhe gegangen. Ein trauriger Rekord: Stuttgart hat mittlerweile auch München als teuerstes Wohnpflaster abgelöst und ist damit in Deutschland einsamer Spitzenreiter.

Es könnte also in der Folge dieser Entwicklung durchaus sein, dass Handwerksbetriebe in Städten nicht mehr neu gegründet werden können, weil die Mieten oder Kaufpreise zu teuer werden und sich betriebswirtschaftlich nicht mehr lohnen. Für Friseure beispielsweise könnte das bedeuten, dass die Salons immer mehr in die Randlagen gezwungen werden, und sie vom Kundenstrom in den Städten abgeschnitten werden. 

Allerdings wären dort auch die Mieten geringer und Mitarbeiter könnten sich Wohnraum und Leben eher leisten als in den Stadtzentren. Wenn wirtschaftlich sinnvolles urbanes Leben in den Städten möglich sein soll, braucht es vernünftige Verkehrskonzepte mit perfekt aufeinander abgestimmten öffentlichen Verkehrsmitteln und der weitgehenden Verbannung des Individualverkehrs, damit Menschen ihre Arbeitsplätze in annehmbarem Zeitumfang erreichen können.

Autos verbrauchen zu viel teuren Platz, sie stehen die meiste Zeit des Tages unbenutzt auf Stellplätzen, die man von der Gesamtfläche gesehen, besser für weiteren Wohnraum oder bessere Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs verwenden kann.

Immer dichter bebaute Städte stellen Handwerksunternehmen vor viele Probleme. Parkraummanagement für die Fahrzeuge, Lagerräume, Büros, Erreichbarkeit, Dauer der Fahrzeiten zu und von Kunden oder Baustellen (Stauzeiten), die Mieten oder Finanzierungskosten für Betriebsflächen, bau- und umweltrechtliche Beschränkungen, hohe Parkgebühren für Kunden und Schwierigkeiten mit Anwohnern wegen hoher Lärmpegel veranlassen viele Handwerksbetriebe zu einem Standortwechsel, oder gleich zu einer Ansiedlung in den Randbereichen der Städte.

Unser Elektrotechniker ist in Esslingen ansässig. Wenn er einem Termin in Stuttgart wahrnehmen muss. hat er mittlerweile einen E-Roller im Kofferraum, den er bei Stau einsetzt. Er parkt sein Auto außerhalb der Innenstadt und fährt mit dem Roller zum Termin, denn es ist mittlerweile fast die Regel, dass eine 20-Minuten Fahrt nach Stuttgart länger als 45 Minuten dauert. Dabei geht teure Arbeitszeit drauf, die der Handwerker zum Teil auch selber tragen muss, wenn er seine Kunden die Kosten nicht zumuten will. 

Siehe Download: Handwerk lokal Perspektiven für eine handwerksgerechte Stadtentwicklungs-, Verkehrs- und Wirtschaftspolitik in Städten und Gemeinden.

Chef-sein neu definieren

Ist-Zustand

Unser Salon ist 140 Quadratmeter groß. Das beinhaltet Salon, Verkauf, Rezeption, Sanitärräume, Küche und Aufenthaltsraum. Für den Salon (7 Schnittplätze, 8 Färbeplätze, 3 Waschplätze) stehen ca. 90 Quadratmeter zur Verfügung. Auf der Fläche sind wir inklusive Chefs und Rezeption 16 Mitarbeiter. Wenn alle da sind ist es in den überlappenden Zeiten knallvoll.  Wir haben die Öffnungszeiten verlängert und zwei Teams eingerichtet, damit wir den Salon von Montagmorgen bis Samstagnachmittag befeuern können. Wir kommen derzeit auf 57 Öffnungsstunden pro Woche. Wir haben Kunden und Mitarbeiter, die zu uns passen. Wir haben wenig Preisdiskussionen. Wir haben ein super Standing am Markt und wir haben zurzeit keine Nachwuchssorgen. Trotzdem müssen wir mehr Gas geben und besseres Marketing, vor allem Mitarbeitermarketing, machen.

Es ist kein Geheimnis, dass man im Laufe der Zeit betriebsblind wird. Mich ärgert es immens, dass ich mich immer wieder davon abbringen lasse, mein Salon-Marketing ständig zu beobachten. Das MUSS sein. Sonst schläft es ein und wird beliebig. Der Wettbewerb schläft ja schließlich nicht.

Die Chef-Rolle neu definieren

Ich schreibe diesen Artikel zwischen meinen Haarschnitten an einem Stehtisch im Daily Business-Räumchen neben der Garderobe. Kunden laufen vorbei zur Rezeption, Mitarbeiter begrüßen und verabschieden Kunden, es herrscht Stimmengewirr und jeder läuft an mir vorbei. Ich bin die Muräne in der Höhle. Das Telefon klingelt und es ist sicher, nach drei bis vier Mal hebt jemand ab. Alles fließt, der Salon ist gut organisiert, unsere Rezeptionistin hat die Sache voll im Griff. Nun frage ich mich immer mal wieder, was ich hier eigentlich mache? Niemand braucht mich im fachlichen Tagesgeschäft. Ich fälle geschäftliche Entscheidungen im Hintergrund, kümmere mich ums Marketing, halte Kontakt zu meiner PR-Expertin, Social Media Marketern, AdWords Marketern, Soundspezialisten, Steuerberater, Wissenschaft, Geschäftspartner, und ich kümmere mich um die Entwicklung von Projekten. Das Tagesgeschäft berührt mich so gut wie nicht mehr. Und wissen Sie was? Genau das ist der Plan. Es ist ein Experiment. Das Problem dabei? Ich muss meine Position neu definieren.

Alternative Motivation

Ich will nicht nicht mehr den besten Haarschnitt oder die coolste Farbe machen, das können meine Mitarbeiter viel besser. Warum? Sie sind jung. Sie erfassen die Wünsche, den Lebensstil und die Kommunikation der jungen Generation automatisch, einfach weil sie selber jung sind und sich in derselben Lebenswelt bewegen. Sie sind die neue Generation. Wen außer mir interessiert es, ob ihre Leistungen immer MEINEN Anforderungen genügen? Jahrzehntelangen Stammkunden lassen sich mittlerweile von meinen jungen Mitarbeitern die Haare schneiden, färben und stylen und sie sind höchst zufrieden. Ich frage mich also: Machen mich meine 45 Jahre mehr Erfahrung automatisch zum besseren Haarschneider? Ich berate keine Farbe mehr, alle meine Mitarbeiter sind als Coloristen ausgebildet. Fachlich bin ich ausrangiert. Kein schönes Gefühl, aber Fakt. Strategie und Teil des Neustarts auf einer anderen Bühne.

Ein Beispiel

Eine meiner treuesten Kundinnen kommt zu mir seit 40 Jahren. Mittlerweile sind wir privat befreundet. Ihre Haare wurden langsam weißer, zum Übergang haben wir gesträhnt. Meiner Meinung nach hat das super ausgesehen. Diese Woche hat ihr meine Mitarbeiterin ein dunkleres Glossing empfohlen. Mir hat das Ergebnis nicht gefallen und ich habe meine Empfindung lauthals kund getan. Kundin und die anwesenden Mitarbeiter haben sich daraufhin solidarisiert und ich war ratzfatz raus aus der Nummer. Ich musste innerlich lachen. Was mich gefreut hat: Ich muss nicht mehr Recht haben. Das ist ein gutes Gefühl. Sie kriegt immer noch das dunklere Glossing. Manchmal ist Raushalten die bessere Alternative.

Selbstverständnis des Chefs

Es sollte möglich sein, den Betrieb mit Leitplanken zu versehen, die Mitarbeiter betriebswirtschaftlich und unternehmerisch zu schulen und sie dann an der langen Leine laufen zu lassen. Je mehr ich eingreife und mich über Kleinigkeiten aufrege, desto schlechtere Zeitqualität produziere ich für mich und die anderen. Ich bin kein Helikopter. Ich brauche eine Vertrauensperson im Salon, das ist ja unstrittig, denn einer muss Entscheidungen treffen können wenn der Chef nicht da ist. Aber ich greife nur nach Rücksprache in das Tagesgeschäft ein. Meist dann, wenn es Probleme, Unstimmigkeiten und Fehlverhalten gibt muss und eine Chef-Entscheidung getroffen werden muss. Das kann dann alles heißen: Freundschaftliches Gespräch, Krisengespräch, Entlassungsgespräch – egal was es ist, es muss getan werden. Wenn es im Karton rappelt muss ich ran.

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